Manuskripte

SWR3 Gedanken

„Gnade vor Recht ergehen lassen“ – das war so ein Lieblingsspruch meiner Oma. „Lass doch Gnade vor Recht ergehen“ hat sie meiner Mutter gesagt. Da bin ich grade mit einer richtig schlechten Note in Mathe nach Hause gekommen. Ich wollte trotzdem gerne raus mit meinen Freunden, aber meine Mutter meinte, ich solle doch lieber in mein Zimmer, lernen. „Lass doch Gnade vor Recht ergehen“ hat meine Oma ihr geraten – und damit war es ausgemacht, meine Mutter gab nach: ich durfte raus.

Gnade vor Recht ergehen lassen – darum ging es auch bei Martin Luther, dem Reformator der christlichen Kirche. Gnade vor Recht, genau so verfährt Gott mit uns, meinte Luther: Gott sieht den Menschen in seiner ganzen Unvollkommenheit, mit seinen Fehlern und Schwächen – und er lässt doch Gnade vor Recht ergehen. Eigentlich sollte der Mensch nach so vielen Fehlern sozusagen „zu Hause bleiben“ und lernen. Aber Gott sagt: geh raus, spielen. Fühl dich frei. Das mit der schlechten Note, da kommen wir drauf zurück, wenn es dir besser geht.

Gnade brauchen wir mehr denn je, finde ich. Unsere Zeit ist eher gnadenlos. Erbarmungslos müssen wir funktionieren, müssen Leistung bringen und zwar immer mehr. Bei den Anforderungen in der Schule, vor den Freunden, in der Ehe, in der Familie und nicht zuletzt vor mir selbst, vor den Ansprüchen, die ich an mich selber habe.

Aber Gott vertritt ein anderes Prinzip, wenn es mit den Menschen besser werden soll. Gnade vor Recht. Vergeben. Den langen Atem bewahren und dem Anderen und sich selbst eine Chance geben.

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