Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

Jana HohbergWolf-Dieter Steinmann trifft Jana Hohberg, „Sternenkindmama“ aus Karlsruhe, engagiert im Netzwerk „Sternenzauber und Frühchenwunder“

… nähen für Sternenkinder

Sie hat mit ihren 25 Jahren schon Schwereres erlebt als ich mit über 60. Vor 2 Jahren haben sie und ihr Mann ihre Tochter bei der Geburt verloren. Heute näht sie Kleider und Decken für Frühchen und „Sternenkinder“ und tut auch den Eltern Gutes.

Die Eltern wissen vor allem, dass sie warm eingepackt sind und zu den Decken machen wir noch so Erinnerungsstücke, eines von den Stücken bleibt beim Kind und das andere bei den Eltern und da ist ne schöne Verbindung zwischen Kind und Eltern da, weil das ja das Einzige ist, was die Eltern noch haben von dem Kind.

Jana Hohberg hätte auch gern so ein Stück. Als direkt Betroffene ist man so unter Schock. Da müssen andere helfen, zu tun, was einem hinterher gut tut.

Aus dieser Erfahrung heraus ist das Netzwerk „Nähen für Sternenkinder“ entstanden. Initiiert auch von einer Betroffenen.

Dadurch, dass wir uns über Facebook organisieren, sind es deutschlandweit um die 600 Frauen und Männer. Zum Teil kennt man sich persönlich, man fühlt sich aber automatisch verbunden, weil viele von den Frauen, so wie ich auch, ein Kind verloren haben und im Anschluss dessen ihre Trauer verarbeiten wollten und so dazugekommen sind, dass sie wissen, sie können anderen Eltern helfen wo ihnen nicht geholfen wurde.

Manche ziehen sich enttäuscht zurück, wenn ihnen nicht geholfen wird. Ich finde es ein kleines Wunder, wenn das Gegenteil glückt: Wie in dem Netzwerk, in dem sie sich engagiert. Ich empfinde Demut ihr gegenüber, wie sie aus dem Schmerz aktiv wurde. Ein Segen, dass in Karlsruhe auch Kliniken offen sind für ihre Initiative.

Es kommen immer wieder Eltern, die uns persönlich anschreiben, die über Bekannte, Freunde, übers soziale Netzwerk davon erfahren haben. Unsere Hauptarbeit liegt darin, dass die Kliniken ausgestattet sind, die Sachen an die Eltern geben.

Diese 2 Jahre waren ein weiter Weg für Jana Hohberg: Der Verlust, dann der Mut, Kontakt aufzunehmen zu anderen Frauen. Der Trost, in der Community verstanden zu werden mit etwas, was eigentlich nicht zu verstehen ist. Sie hat anscheinend aus dem Leid auch Kraft gezogen, zu leben. Und anderen zu helfen.

Ein Glücksgefühl. Dadurch dass ich wusste, ich zaubere Eltern in der schwierigsten Situation ihres Lebens ein Lächeln aufs Gesicht. Natürlich ist es nicht schön, zu wissen, dass das Kind gestorben ist, aber zu wissen, dass es warm und nicht ganz nackt im Sarg liegt, das hilft enorm.

Den Eltern und ihr selbst. - Geben und nehmen gehen ineinander über. Ist so vielleicht Leben überhaupt? Vieles nebeneinander, auch durcheinander und Gott mittendrin, hoffentlich auf heilsame Weise. Auch für Jana Hohberg.

Es ist eine Achterbahnfahrt, weil es immer Höhen und Tiefen gibt. Am Anfang fiel es einem auch schwer, Kinder zu sehen im dem Alter. Aber es wird mit der Zeit leichter. Ich kann inzwischen meistens darüber reden, ohne zu weinen. Ich liebe es, über meine Tochter zu sprechen. Ich könnte es mir auch gar nicht anders vorstellen, weil sie mir auch eigentlich viel Positives gebracht hat: Ich habe unglaublich tolle Frauen kennen gelernt.

.... leben aus der Trauer

Jana Hohberg ist 25. Angehende Grundschullehrerin für Deutsch und Religion. Als wir uns treffen, stecken ihr eine schwere Erkältung in den Knochen und ein Unterrichtsbesuch. Aber sie ist schnell ganz da, freundlich, lebendig. Dabei hat ihr und ihrem Mann das Leben schon viel zugemutet. 3 1/2 Jahre sind sie verheiratet. Vor 2 Jahren ist ihre Tochter gestorben, bei der Geburt. Ein Schock.

Dass die Hebamme zu mir gesagt hat: ‚Es tut mir leid, Frau Hohberg, Ihre Tochter hat es nicht geschafft.‘. Von da an ist alles wie in Trance abgelaufen. Ich weiß nur, dass ich in diesen Raum kam, wo mein Mann schon mit unserem Kind saß und dann hab ich auch versucht, dass sie doch wach wird, aber es kam nichts.

Der Verlust hat ihnen nicht den Boden unter den Füssen weggezogen. Obwohl, es ist so widersinnig, wenn Eltern ihr Kind verlieren. Umgekehrt sollte es sein. Jana Hohberg weiß, Freunde und Familie haben viel geholfen. Und die Frauen in der Community, die dasselbe erlebt haben. Menschen helfen, wenn sie Trauer mittragen, auch lange.

Außerdem hatten wir große Hilfe von einer Hebamme, die sich spezialisiert hatte, auf trauernde Eltern. Ihr war es ganz wichtig, dass mein Mann auch immer dabei ist, wenn wir uns treffen.

Viele Beziehungen und Ehen sind schon am Verlust eines Kindes gescheitert. Weil Mütter und Väter oft unterschiedlich trauern. Jana Hohberg und ihr Mann kennen das auch. Aber es hilft, wenn man weiß, dass es so kommen kann.

Uns hat es irgendwie stärker gemacht, weil wir uns gegenseitig unterstützen konnten. Wenn es mir mal nicht so gut ging, war er da. Manchmal hat er es auch geschafft darüber zu reden und dann war ich für ihn da. Man heiratet ja und es heißt ‚in guten wie in schlechten Zeiten‘ und es sind nun mal sehr sehr harte schlechte Zeiten, aber deswegen hat man ja auch geheiratet.

Vieles muss sie auch innerlich durchkämpfen. Ihr Glaube hilft ihr, wenn zB. die Frage kommt, wo ihre Tochter ist. Und wenn sie den Sinn sucht, warum sie erst da war und so bald wieder weg.

Ich glaube fest daran, dass sie irgendwo im Himmel ist, mit ihrem Opa zusammen. Gleichzeitig denke ich aber immer wieder, dass sie bei mir ist: In Prüfungssituationen habe ich mir immer vorgestellt, sie sitzt auf meiner Schulter und flüstert mir die Antworten zu. Am Anfang habe ich immer gesagt: Sie ist mein Schutzengel. Das sind alles Erklärungsversuche, wenn man halt keinen greifbaren Grund hat, weswegen es gehen musste, versucht man sich welche zu suchen. Und ich bin fest der Überzeugung, sie ist bei Gott. Und das hilft, dass wir uns irgendwann wiedersehen.

Sorge hat ihr gemacht, dass die Kinder in der Schule sie traurig machen könnten. Aber das geht gut. Sie hat ihnen erzählt von ihrer Tochter und bekommt viel Lebensfreude und Vertrauen zurück.

Dann haben sie natürlich gefragt, warum es mich traurig macht, dann habe ich ihnen natürlich erzählt. Die Kinder sind da ganz offen, und wenn Frau Hohberg traurig ist, dann ist sie traurig. Dann wird man mal in den Arm genommen und dann ist es auch in Ordnung.

„Leben ist Geben und Nehmen." Das nehme ich bereichert mit von Jana Hohberg. Ihr Näh-Netzwerk kann zB immer Stoffe brauchen. Auch ganz besondere, für die Sternenkinder.

Wenn jemand sein Brautkleid schon ganz lange im Schrank hängen hat, wir freuen uns immer über Brautkleider.

Jana@regenbogen-karlsruhe.de

Jana Hohbergs Netzwerk:
Sternenzauber und Frühchenwunder

 

weitere social media Gruppen:

Aktion Nähen für Regenbogenkinder und Frühchen
Aktion Nähen für Sternenkinder 2.0

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23573

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