Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

„Wenn die Liebe geht, was kommt dann?“ heißt es in einem Lied von Andre Heller. Wenn die Liebe geht....Ich sitze einer Frau in einem Cafe gegenüber, sie erzählt mir ihre Geschichte: „Können Sie sich vorstellen,“ sagt sie, „wie das ist, wenn man im Bett liegt, neben einem der Mensch, den man mal geliebt hat, und man sich dann beim Gedanken erwischt, „wär das gut, wenn er nicht mehr aufwachen würde?“ Können Sie sich vorstellen, wie man dann erschreckt, weil man sich erinnert, an die Zeit als man für einander durchs Feuer gegangen wäre, durchs Feuer gegangen ist, knatschverliebt war, jede Minute ohne ihn verloren schien? Und jetzt wünscht man, man bräuchte ihn nie mehr zu sehen, weil man den täglichen Kleinkrieg nicht mehr aushält. Können Sie sich vorstellen, wie kaputt man sich fühlt, so zu denken?“ Die Frau, die mir das sagt, sagt das leise, so als spräche sie mit sich selbst, aber sie sagt es. Sie sagt es mir und verlangt keine Antwort, weil sie ja weiß, was wir dazu sagen, wir Katholiken. Einmal ja, immer ja. Was Gott verbunden hat, das soll der Mensch nicht trennen. Ich weiß, dass es richtig ist an der Unauflöslichkeit der Ehe festzuhalten, weiß was es heißt, wenn wir bei der Ehe von einem Sakrament sprechen. All das weiß ich. Aber ich frage mich, was passiert, wenn man scheitert. Wenn es mehr als eine Krise ist, wenn alles versucht wurde, wenn schlicht nichts mehr geht.  Nein, ich kann mir nicht vorstellen, wie das ist, solche Gedanken zu denken, von denen mir die Frau im Cafe erzählte, wie das ist jemand den Tod zu wünschen, um befreit zu sein. Aber ich kann mir vorstellen, dass nicht alles so läuft, wie es mal aus ganzem Herzen gewollt war. Wunderbar wenn man den Weg findet, ein ganzes Leben miteinander zu verbringen, dabei Raum zwischen sich zu lassen und sich notwendig zu bleiben wie Brot und Salz. Kann aber auch sein, dass es ganz anders läuft als man es sich je hätte vorstellen können. Es gibt immer nur den Einzelfall, nicht austauschbar, mit keiner Schablone zu lösen. „Wenn die Liebe geht, was kommt dann..“ singt Andre Heller. Hoffentlich das: Mut sich nichts vorzumachen, wenn der Schmerz immer größer wird. Nicht durchhalten um durchzuhalten. Fairness, um miteinander zu reden, auch über das was sich im Kopf abspielt. Alles versuchen, um Brücken zu schlagen. Und wenn dann doch nichts mehr geht: Respekt bewahren. Vor einander, vor dem was war, vor der gemeinsamen Geschichte. Auch wenn sie getrennt weitergeschrieben wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Trennungen ohne Hass nicht auch irgendwie gesegnet wären.

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