Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

In meinem Stadtviertel sind 220 Flüchtlinge in einer Notunterkunft eingezogen. 220 Männer aus zwölf Ländern, keiner aus Europa. Sie leben auf engem Raum, Bett an Bett. Keine Privatsphäre. Schon die Verständigung untereinander ist schwierig, erst recht die mit den deutschen Helfern.
Ich stelle mir vor: ich wäre mit 220 Frauen aus Finnland, Usbekistan, Portugal und dem Baltikum so untergebracht – und ich ahne, was da an Konflikten vorprogrammiert wäre.
Als die Notunterkunft belegt wurde, haben sich drei christliche Gemeinden aus der Nachbarschaft zusammengetan, um zu helfen. Ein kirchlicher Raum war schnell gefunden. Dort bieten wir nun einmal in der Woche nachmittags ein Begegnungs-Cafe an. Viele packen mit an. Einheimische und Flüchtlinge. Für die Flüchtlinge Gelegenheit, mal rauszukommen, Kaffee, Kuchen oder Obst zu genießen, gemeinsam Musik zu machen und die neuen Nachbarn kennenzulernen. Für uns Einheimische ebenfalls die Gelegenheit, die neuen Nachbarn zu treffen - und die Musik-Einlagen aus aller Welt mögen wir auch.
Die meisten der Flüchtlinge sind Muslime. Wenn sie das Café betreten, gehen sie unter dem großen Kreuz durch, das über dem Eingang des kirchlichen Gemeindehauses angebracht ist. Natürlich fällt ihnen das auf, bei wem sie da zu Gast sind. Beim zweiten oder dritten Begegnungs-Cafe hat ein syrischer Mann einen Deutschen gefragt: „Warum macht ihr das?“ Der Deutsche hat geantwortet: „Naja, wir sind ja eure Nachbarn. Wir wollen euch begrüßen.“ Der Syrer hatte inzwischen verstanden, dass bei diesem Café Menschen aus verschiedenen Kirchen zusammenhelfen. Das hat ihn fasziniert. Und wieder hat er gefragt: „Warum macht ihr das?“ Der Deutsche hat eine Weile überlegt. Dann hat er gesagt: „Wir sind Christen. Manches sehen wir unterschiedlich, aber das kommt erst an zweiter Stelle. Das wichtigste ist: wir sind alle Christen, egal ob wir evangelisch oder katholisch sind.
Und weil zu unserem Glauben gehört, dass wir anderen helfen, helfen wir euch auch, egal was ihr für eine Religion habt.“ Der Syrer hat nachdenklich zugehört und noch einige Male nachgehakt.
Ich habe das Gespräch mitbekommen, habe gestaunt und mich gefreut. Ich glaube, bei diesen Begegnungen lernen nicht nur die Flüchtlinge. Wir lernen auch. In meiner Stadt ist das die erste ökumenische Aktion dieser Art. Und ich freue mich: Da tut sich was, auch bei uns Christen.

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