Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Einen Tag ungestört in Muße zu verleben, heißt einen Tag ein Unsterblicher zu sein.“ Ich habe selten ein so sinnvolles Plädoyer für den Sonntag gelesen, wie diese chinesische Weisheit. Weil sie aber beim ersten Hören fremd klingen mag, gerne nochmal: „Einen Tag ungestört in Muße zu verleben, heißt einen Tag ein Unsterblicher zu sein.“ Es lohnt sich den Einzelteilen dieses Satzes nachzuspüren. Zunächst dem „ungestört“. Also sich einen Tag durch Nichts und Niemanden stören lassen. Keine Besuche machen, keinen Besuch bekommen, kein Handy, kein Smartphone, kein PC. Und was heißt Muße? Muße heißt zweckfrei bei mir sein und bei mir bleiben. Nur das tun, was mir gut tut: Spazieren gehen, Lesen, Musik hören, im Haus oder im Garten werkeln. Aber nichts erledigen, nichts machen müssen, sondern nur wollen, sich treiben lassen bis hin zum wohligen Nichtstun, sich körperlich und seelisch hängen lassen. Das ist ganz schön schwer, ich weiß das sehr wohl, weil ich auch gern aktiv bin, weil ich es gewohnt bin, aktiv zu sein und weil ich dabei merke, dass ich lebe. Und genau bei diesem Gedanken habe ich mich gefragt, ob ein Teil meiner Betriebsamkeit nicht auch aus Angst vor dem Tod kommt. Weil aktiv sein doch Leben heißt und passiv sein irgendwie leblos ist, ja  tot. Aber diese chinesische Weisheit behauptet doch dass ich unsterblich bin wenn ich nichts tue, dass ich ewig lebe, wenn ich nichts zielgerichtet tue und es mir gut gehen lasse.

Ich glaube diese Lebensweisheit hat recht! Denn wenn ich aus aller Betriebsamkeit der Welt heraustrete, trete ich ein in meine Zeitlosigkeit. Wo es kein Gestern und kein Morgen gibt, sondern nur das Jetzt. In dem ich an mein wahres Sein rühre, mein Innerstes, meine Seele berühre. Die – wie ich glaube  - unsterblich ist. Und so kann ich, wenn in Muße bin, tatsächlich ein paar selige Momente lang eintauchen in die Unsterblichkeit.

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