Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Kennen Sie den? Ein Kind fragt seinen Vater: „Gell, Oma glaubt doch an Gott?“ Der Vater: „Ja!“ Das Kind fragt weiter: „Papa, gell, wir glauben aber nicht an Gott?“ „Nein,“ brummt der Vater. Darauf das Kind: „Du, Papa, weiß Gott, dass wir nicht an ihn glauben?“
Normalerweise kann ich mir Witze nicht gut merken. Aber dieser gefällt mir. Er zeigt, finde ich, dass man Kinder nicht religiös erziehen muss. Kinder sind religiös. Sie haben das ursprüngliche Bedürfnis, sich zu binden. Sie möchten vertrauen, darauf, dass einer sie hält und tröstet und ihnen beisteht.
Natürlich sind das zuerst einmal die Eltern, wenn es gut geht auch noch andere Erwachsene, Großeltern, Verwandte, Lehrer oder Lehrerinnen vielleicht. Wie gut, wenn Kinder solche Vertrauenspersonen haben, auf die sie sich verlassen können. Aber ich kenne viele Kinder, die macht es stark und mutig, dass sie auch wissen: Gott ist für mich da. Er passt auf mich auf – und auch auf meine Eltern, auf die Geschwister, Oma und Opa, Katze und Hund.
Warum ich Ihnen das heute erzähle? Weil für die Kinder heute die Schule wieder anfängt und damit gewissermaßen das neue Jahr richtig losgeht. Und weil ich den Kindern diese Sicherheit für das neue Jahr wünsche: Gott ist für mich da. Er steht mir bei. Auch wenn das Jahr vielleicht Enttäuschungen bringt, Kummer oder wenn mir etwas Angst macht.
Gott ist da, wenn ich ihn brauche. Und er ist großzügig. Er ist da und bleibt in meiner Nähe, sogar wenn ich nicht an ihn glaube. Darin steckt ja auch: Ich muss nicht besonders folgsam sein, auch nicht besonders gut in der Schule oder sonst wie erfolgreich. Gott bleibt bei mir, er findet Wege, mir zu helfen.
Ich finde, Eltern, Großeltern, Verwandte und Lehrer sollten Kindern solches Vertrauen möglich machen. Wer Vertrauen hat, kann dem Leben tapfer entgegen gehen. Wie macht man es Kindern möglich, auf Gott zu vertrauen? Am besten natürlich, wenn man ihnen vom eigenen Glauben erzählt. Von den Situationen im Leben, in denen Gott geholfen hat und getröstet und einen Weg gezeigt. Wenn ein Kind getauft ist, kann man ihm davon erzählen: Gott hat dir ganz speziell versprochen, bei dir zu sein. Bei deiner Taufe haben wir das gefeiert.
Aber, sagen sie jetzt vielleicht, aber es gibt doch so viel, was dagegen spricht, gegen das Vertrauen auf Gott? Ja, ich weiß, da kann man vieles nennen. Irgendwann werden die Kinder darauf stoßen. Dann werden sie Fragen stellen und Antworten finden müssen. Aber: wir Erwachsenen sollten nicht für sie entscheiden wollen, ob sie glauben sollen oder nicht. Kinder sind da manchmal klüger, als wir es sind. Kein Witz!

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