Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Im Jahr 1977 hat der italienische Pater Pierangelo Sequeri ein Lied komponiert, das in Italien sehr beliebt wurde. Er hat es „Symbolum“ genannt, das heißt übersetzt „Bekenntnis“. Auch in Deutschland ist das Lied mittlerweile bekannt. Pfarrer Christoph Biskupek hat den italienischen Liedtext übersetzt. In der ersten Strophe heißt es: 

(Instrumentalvorspiel

 (CD: 1. Strophe)

Herr, du bist mein Leben, Herr du bist mein Weg.

Du bist meine Wahrheit, die mich leben lässt.

Du rufst mich beim Namen, sprichst zu mir dein Wort.

Und ich gehe deinen Weg, du Herr gibst mir den Sinn.

Mit dir hab ich keine Angst, gibst du mir die Hand.

Und so bitt ich, bleib doch bei mir.

Die erste Strophe bezieht sich auf eine Stelle im Johannesevangelium. Jesus spricht beim Letzten Abendmahl mit seinen Jüngern. Er will sie auf seinen Tod und die Auferstehung vorbereiten und ihnen Mut machen. Er sagt: „Ich werde wiederkommen und euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.“

 Der Apostel Thomas, schon ganz der Zweifler, fragt daraufhin: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?“ Und dann antwortet Jesus mit den berühmten Worten, die auch im Lied zitiert werden: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ 

Eine klare Ansage. Und eine unbequeme: Niemand kommt zum Vater außer durch mich. Das heißt, der Weg zu Gott führt nur über Jesus. Wenn ich das ewige Leben erreichen will, dann muss ich an Jesus glauben oder zumindest so leben, wie er es gezeigt hat: gewaltlos, und immer bereit zu vergeben und zu helfen. 

Es geht also nicht nur um etwas Fernes in der Zukunft, um das ewige Leben. Es geht ums Leben hier und jetzt. Und das formuliert Jesus im nächsten Satz auch eindeutig. Er sagt nämlich weiter: „Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“ Dieses „schon jetzt“ ist typisch für Jesus. Das Reich Gottes ist nicht nur etwas für die Verstorbenen oder für das Ende aller Tage. Es ist schon jetzt spürbar und erkennbar. Vielleicht noch nicht in seiner ganzen Fülle, aber Fünkchen davon kriege ich jetzt schon ab, wenn ich so lebe, wie Jesus es vorschlägt. 

In der vierten Strophe des heutigen „Liedes zum Sonntag“ wird deutlich, wie das Reich Gottes schon auf der Erde anbrechen kann. Da heißt es: „Geist der Liebe, atme in uns, schenke uns Einheit, führe uns, mache uns zu Boten deiner Liebe.“ 

(CD: 4. Strophe)

Vater unseres Lebens, wir vertrauen dir.

Jesus, unser Retter, an dich glauben wir,

und du, Geist der Liebe, atme du in uns.

Schenk du die Einheit, die wir suchen auf der Welt.

Und auf deinen Wegen führe uns ans Ziel.

Mache uns zu Boten deiner Liebe.

Mit einem Gebet des Religionspädagogen Hubertus Halbfas möchte ich Ihnen einen besinnlichen und schönen Sonntagmorgen wünschen: 

Gott, dieser Tag
und was er bringen mag,
sei mir aus deiner Hand gegeben:
Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. 

Du bist der Weg,
ich will ihn gehen.
Du bist die Wahrheit,
ich will sie sehen.

Du bist das Leben:
mag mich umwehen
Leid und Kühle,
Glück und Glut,
alles ist gut,
so wie es kommt.
Gib, dass es frommt! 

In deinem Namen
beginne ich. Amen.

(Quelle: Hubertus Halbfas: Der Sprung in den Brunnen, Patmos-Verlag, Düsseldorf 1996, S. 146.)

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