Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

Franziskusstube in Stuttgart – Heimat für Obdachlose

Sie gilt als Mutter Theresa von Stuttgart, und ihr Herz schlägt für die Obdachlosen auf der Straße. Sr. Margret Ebe lebt nicht in einem Kloster, sondern mitten in Stuttgart. Wer kein Dach über dem Kopf hat, kann zu ihr in die Franziskusstube kommen, und dann erhält er immer ein Frühstück.

Dann setze ich mich dazu, frühstücke mit, ist mir ganz wichtig, damit man einfach bei den Leuten ist, und erfährt, was grad so geht auf der Straße, was los ist.

Sr. Margret lächelt entspannt, als ich sie in Stuttgart besuche. Am Nachmittag wird es ruhiger in der Franziskusstube. Tag für Tag bereitet sie mit einigen ehrenamtlichen Helfern bis zu 70 Obdachlosen ein Frühstück. Das ist für sie gelebte Caritas, Nächstenliebe zu üben an den Menschen, die als Bettler in unseren Städten die Einkaufsstraßen bevölkern. Die Franziskusstube in Stuttgart ist eine kirchliche Einrichtung, das wird schon vor dem Frühstück deutlich.

Wir starten morgens mit einer kurzen Besinnung, ein kurzer Auftakt, entweder ein Gebet, eine kleine Geschichte, ne Meditation, das machen auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter, jeden Morgen jemand anders. Das wird selbstverständlich angenommen. Ein High-Light war mal, wo einer die BILD-Zeitung weggelegt hat und zugehört hat. (lacht)

Wer zu Sr. Margret kommt, der hat eine Karriere nach unten hinter sich. Arbeitslosigkeit und die finanziellen Folgen einer Scheidung sind die Hauptgründe für ein Leben auf der Straße, oft verbunden mit  Drogenmissbrauch. Eine gute Bildung schützt vor Obdachlosigkeit auch nicht mehr.

Wir haben Leute bei uns, die sind Juristen, Akademiker, Graphiker, gut ausgebildete Leute, nicht unbedingt hilft dies (Bildung) vor dem Absturz. Auch viele psychisch kranke Leute gibt es.

Den Namen „Franziskusstube“, den haben die Obdachlosen selber ausgesucht. Der Heilige Franziskus hat sich nicht nur um die Tiere gekümmert, sondern auch um die Armen seiner Zeit, erklärt mir Sr. Margret. Sie ist selber Franziskanerin – eine Arbeit für die Armen unserer Zeit liegt da nahe. Auch Obdachlose haben ein Recht darauf, irgendwo Zuhause zu sein. Ich spüre, dass Sr. Margret auch Seelsorgerin ist.

Unser Frühstück ist ein Ort der Begegnung, für viele ein Stück Heimat, die kommen morgens her, das ist ein guter Auftakt vom Tag, man hat eine Stärkung, kriegt eine andere Richtung und hat gute Begegnungen.

Die Franziskusstube gehört zu einem ganzen Netz, das sich in Stuttgart um Obdachlose kümmert. Wer bei Sr. Margret ein Frühstück bekommen hat, kann an anderer Stelle sich duschen oder übernachten. Sr. Margret weiß immer, wo die passende Hilfe zu suchen ist.

Wir haben zum Glück das ganze Caritas-Netz im Rücken, was uns sehr unterstützt, wo man Hilfe bekommt, auch fachliche Hilfe. Dass zum Beispiel ein Psychiater vorbei kommt, oder der Seelsorger für AIDS, oder auch eine Drogenberaterin. Eine gute Sache, weil man auf unterschiedliche Nöte wenigstens versuchsweise eingehen kann.

 

„Ich komme auch an meine Grenzen“

Sr. Margret stammt gebürtig aus Riedlingen und ist 67 Jahre alt. Nach ihrer Ausbildung zur Hauswirtschaftsmeisterin zog es sie mit 30 Jahren ins Kloster nach Siessen. Aber in den engen Klostermauern hielt es sie nicht lange. Sie wollte hinaus, dorthin, wo das Leben spielt und Menschen mitunter übel mitspielt. Kraft findet sie in ihrer Beziehung zu Gott.

 

Das ist einfach mein Glaube. Was mich besonders stärkt und was mir hilft, das ist der Satz aus der Heiligen Schrift, dass Gott da ist. „Ich bin, der ich da bin“, und ich hoffe immer, dass er in mir auch diese Präsenz zeigen kann, und diese an unsere Leute weiter geben kann.

Sr. Margret hat keine Scheu vor Armut. Sie findet in ihrer Arbeit Erfüllung, sie spricht aber auch ganz offen über ihre Ohnmacht.

Wenn ich dann merke, das meine Kräfte weniger werden, dann gönne ich mir ein paar stille Tage, ich verschwinde dann in einem strengen Kloster, mit Stillschweigen und so weiter, und das hilft mir dann immer, den Frust auch loszulassen, aufzutanken in dieser kontemplativen Atmosphäre.

Sr. Margret ist Franziskanerin vom Kloster Siessen. Klosterfrauen leben für gewöhnlich in Gemeinschaft. Sr. Margret lebt allein und ohne Mitschwester in Stuttgart. Das ist nicht immer leicht für sie.

Was mir persönlich sehr hilft, ist zu sagen: Klöster sind entstanden aus Einsiedeleien, und seit ich mich damit beschäftigt habe, mit den Klöstern und Einsiedeleien und mit der Spiritualität, kann ich mich gut damit arrangieren, kann darin leben. Ich musste mir diese spirituelle Seite der Einsiedelei in der Stadt irgendwo – das musste mir zuwachsen.

Mir imponiert, mit welcher Heiterkeit Sr. Margret sich um die Obdachlosen ihrer Stadt kümmert.  Zu ihren größten Erfolgen zählt, dass ein Kiosk in der Nachbarschaft der Franziskusstube den Verkauf von Alkoholeingestellt hat. Das hat sie mir gleich zweimal mit einem Strahlen im Gesicht erzählt. Manchmal kann sie einem Menschen auf der Straße sogar zu einer echten Wende in seinem Leben verhelfen.

Es kann dann immer sein, dass einer nach Jahren auftaucht und fragt: „Kennst du mich noch? Ich war der und der und du hast mir das gesagt. Und jetzt habe ich es geschafft!“ – Das gibt es immer wieder!

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