Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Aus meines Herzens Grunde sag ich Dir Lob und Dank
In dieser Morgenstunde und all mein Leben lang
Dir Gott, in deinem Thron, zu Lob und Preis und Ehren
durch Christus, unsern Herren, dein eingeboren Sohn.

Aus meines Herzens Grunde - Choral zu 4 Stimmen BWV 253 Evangelische Singschule Pforzheim 

Dieses Lied gehört zum Kernbestand protestantischer Lieder - und auch im katholischen Gesangbuch ist es zu finden. Ein Gotteslob, dessen beschwingter Dreivierteltakt dazu einlädt, den Tag fröhlich zu beginnen.

„Aus meines Herzens Grunde" - Der Herzschlag wird zum Gebet. Wer so betet und singt, hat einen ganz direkten Draht zu seinem Gott.

Gott ist nicht der ferne, unergründliche Herrscher der Welt, denn er ist uns nahe gekommen in seinem Sohn Jesus Christus. 

Einen neuen Tag beginnen - das ist ein Grund, um meinem Schöpfer zu danken. Wenn ich aufwache und zu mir komme, wird mir wieder bewußt, dass es ein Geschenk ist,  leben zu dürfen. Eine Gnade. Ich verdanke mich - meinen Eltern, meiner Zeit, meinen Lebensumständen - und letztlich Gott. Weil er mir das Leben geschenkt hat, kann ich darauf vertrauen, dass er mich behütet und begleitet. In der vergangenen Nacht und am Tag, der heute vor mir liegt. 

Dass du mich hast aus Gnaden in der vergangnen Nacht
Vor G´fahr und allem Schaden behütet und bewacht.
Ich bitt' demütiglich, woll'st mir mein' Sünd' vergeben,
Womit in diesem Leben ich hab' erzürnet dich.

Aus meines Herzens Grunde - Choral zu 4 Stimmen BWV 253 Evangelische Singschule Pforzheim 

Ich muss gestehen: Bei dieser Strophe stört mich, dass ich mir - kaum aufgewacht - gleich meine Sünden und Verfehlungen vor Augen führen soll. Kann die Beziehung zu Gott nicht einfach vertrauensvoll und unbelastet sein? Sind wir Menschen denn wirklich so große Sünder, dass wir ständig unser Gewissen erforschen müssten? Die meisten versuchen doch, gut zu ihren Mitmenschen zu sein, und ein ehrliches Leben zu führen.  

Es hilft weiter, wenn man Sprache und Denkweise aus der damaligen Zeit versteht.

Georg Niege, der Dichter des Liedes, hat im 16. Jhd. gelebt. Als junger Mann kam er zum Studium nach Marburg - ein Leben als feinsinniger Gelehrter und Dichter schien vor ihm zu liegen. Doch dann hat er einen folgenreichen Entschluss gefasst: Niege hat sein Studium abgebrochen und ließ sich als Söldner anwerben. Krasser könnte der Gegensatz nicht sein. In seinen Lebenserinnerungen beschreibt Niege, dass er sich „begeben zu den Landknechten in ein ruchlos Leben". Er hat erlebt, wie Soldaten Dörfer abbrannten, Frauen vergewaltigten und eine Spur der Zerstörung hinterließen.  

Für Georg Niege ist  daher die „Sünde, die Gott erzürnet hat", nicht nur eine theologische Floskel gewesen. Oft genug hat er die zerstörerische Realität der Sünde erfahren  - und trotzdem seinen Glauben an einen barmherzigen Gott nicht aufgegeben. 

In der nächsten Strophe wird deutlich, dass er Gott noch viel mehr zutraut: Segen - trotz allem Bösen auf der Welt. Gott kann die Dinge zum Guten wenden. Daher kann der Dichter sich Gott anvertrauen - so wie er ist.

Das bedeutet es letztlich zu glauben.

Gott will ich lassen raten, denn er all' Ding' vermag;
Er segne meine Taten, an diesem neuen Tag',
Ich hab ihm heimgestellt mein'n Leib, mein' Seel', mein Leben
Und was er sonst geben. Er mach's, wie's ihm gefällt.

Aus meines Herzens Grunde. Choral, BWV 269  Bläserensemble
Rekkenze-Brass Bach, Johann Sebastian Lobe den Herren: Choräle für Chor, Bläser und Orgel  1990 Studioproduktion   

Wenn wir dieses Lied heute immer noch singen, dann geben wir damit auch unser Leben in Gottes Hand. Dankbar für alles Gute, das uns widerfahren ist und das wir verwirklichen konnten. Und im Vertrauen darauf, dass bei Gott auch alle Dunkelheiten und Nöte aufgehoben sind, ja selbst unsere Schuld.

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