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Teil 1. Hildegards Erbe

Was für ein grandioser Ort! - das denke ich, als ich die Stufen zur Pforte der Abtei St. Hildegard in Eibingen hochsteige. Das Benediktinerinnen-Kloster liegt traumhaft schön zwischen den Weinbergen, hoch oben über dem Rheintal. Direkt gegenüber - Bingen. Von dort hat die Heilige Hildegard die Gemeinschaft in Eibingen gegründet. Jetzt treffe ich ihre Nachfolgerin Äbtissin Clementia Killewald.
Ziemlich flott kommt sie mir im Klosterflur entgegen, fester Händedruck und ein ganz interessierter, offener Blick. Sie ist gewohnt, mit Menschen umzugehen, merke ich. Sie ist Managerin in einem kleinen Unternehmen, 52 Schwestern, ein eigenes Klosterweingut, Werkstätten und Gästehaus. Und sie verwaltet das Erbe der Hl. Hildegard von Bingen. Aufregend werden die nächsten Tage, verrät sie mir. Morgen feiern die Schwestern mit vielen Christen den Gedenktag der Hl. Hildegard, und am 7. Oktober wird die große deutsche Gelehrte von Papst Benedikt zur Kirchenlehrerin erhoben, als vierte Frau unter 35 Männern. Äbtissin Sr. Clementia freut sich über die Anerkennung. Was ist es, was Hildegard so besonders macht? 

Ihre ganzheitliche Schau, sie hat den Menschen als Ganzes gesehen, das ist sicher etwas, was für uns heutige Menschen wichtig ist, weil wir doch oft so in unserem eigenen Lebensbereich uns wichtig nehmen, da hat Hildegard schon eine Vorbildfunktion. 

Alles hängt mit allem zusammen und der Mensch ist mit der Schöpfung verbunden, diese Sichtweise hat Hildegard zu einer hervorragenden Naturwissenschaftlerin werden lassen. Ihr Wissen über Pflanzen, Mineralien und Medizin ist umfassend und immer noch aktuell. Die Abtei St. Hildegard hält die Liebe zur Schöpfung und zur ganzheitlichen Medizin aufrecht. Im Klosterladen gibt es natürlich Dinkelkekse und Bio-Produkte. Aber Sr. Clementia hält nichts davon, Hildegard nur als Kräuterheilige zu sehen: 

 sie würde nicht sagen, ich begegne Gott in einem Dinkelkeks, oder in einem Edelstein,  sie hat sich mehr Gott als lebendiges Du, der uns begegnen möchte gesehen, und nicht: ich brauche keine Glaubensgemeinschaft, weil ich Gott im Wald begegne, das kann mal sein, aber es reicht für mich nicht aus und ich glaube, auch nicht für Hildegard. 17

Da wirkt Sr. Clementia sehr bestimmt. Wer die Hildegard von Bingen nur unter einem bestimmten Aspekt sehen will, der wird ihr nicht gerecht. Hildegard war keine katholische Schamanin und sie hat auch keine Kirchenrevolte ausgerufen, obwohl sie in vielen Briefen die Amtsführung von Bischöfen und Ordensleuten kritisiert hat. Sie hat das Amt nicht in Frage gestellt:

 Also ich könnte mir vorstellen, dass Hildegard die Gemeinschaft als kleine Keimzelle für die Kirche gesehen hat, dass sie auch Dinge, die in der Kirche nicht gut laufen beim Namen genannt hat, aber eigentlich mehr als positive Kritik, die aufbauen sollte, damit die Botschaft an das Evangelium glaubhaft gelebt wurde, gerade von den Bischöfen, von den Ordensleuten. 

 Musik

Teil 2.  Mensch und Heilig

Eigentlich hätte  Sr. Clementia  Betriebswirtschaft studieren müssen, Personalführung, oder Marketing. Denn seit 12 Jahren ist sie Äbtissin der Abtei St. Hildegard in Eibingen.  Sie ist für die wirtschaftliche Existenz des Klosters verantwortlich, denn die Benediktinerinnen leben von dem, was sie selbst erwirtschaften. Und sie sorgt für ihre Gemeinschaft. Viele Aufgaben müssen auf immer weniger Schwestern verteilt werden. Sie muss Entscheidungen treffen: Wie sollen die Gottesdienstzeiten geregelt werden? Noch mehr Gäste aufnehmen, die Öffnungszeiten des Ladens ausweiten? Als ich sie nach der großen Verantwortung frage, nickt sie mehrmals.

 aber ich glaube, etwas ganz Wichtiges in der Amtsführung  ist auch das, was der Hl. Benedikt sagt: dass der Abt Glied der Gemeinschaft bleibt, und im Grunde das versucht zu leben, was die Gemeinschaft auch lebt. .... Ich kann nur das lehren, was ich selber lebe.

Gemeinschaft hat für Clementia Killewald eine ganz zentrale Bedeutung. Sie erwähnt das ganz oft in unserem Gespräch. Während ihres Musikstudiums in Mainz hat sie sich lange überlegt, ob sie auf eine eigene Familie verzichten will und kann, denn sie selbst stammt aus einer großen Familie.  Aber ihr Weg hat sie ins Kloster geführt:

Ich habe schon früh als Kind gemerkt, dass diese Lebensform etwas Wichtiges für unsere Welt ist. Dass es Orte geben muss, wo man Gott sucht, und versucht, in Gemeinschaft ein christliches Leben zu führen.   

Obwohl ein Leben nur unter Frauen nicht immer einfach ist. Auch hier gibt es Ehrgeiz, Machtstreben und Minderwertigkeitsgefühle, sagt Clementia Killewald. Gleiches gilt aber auch für Männerklöster, sagt die Äbtissin. Frauen würden ihre Konflikte nur anders austragen. Hier spüre ich: Sie ist sehr verbunden mit ihren Mitschwestern und gleichzeitig ganz realistisch: da wird nichts fromm unter den Teppich gekehrt.

 Benedikt spricht von der Schule des Lebens, dass das nie etwas Abgeschlossenes ist und wir im Grunde immer Anfänger bleiben. Es ist nicht so etwas Perfektes.

 Damit muss auch eine Äbtissin jeden Tag leben, sagt Clementia Killewald. Weil unser Gespräch länger gedauert hat, hat sie auf das Abendgebet verzichtet. Es geht eben nicht alles gleichzeitig, und schon gar nicht mit Hektik, das lernen die Schwestern hier von Anfang an.

Mein Leben ist das nicht, aber die Ruhe und Ausgeglichenheit faszinieren mich. Am Schluss öffnet Sr. Clementia ihr Cembalo, und spielt mir etwas vor. Mit leisem Tastenanschlag, um die Mitschwestern nicht zu stören. Auf Musik könnte sie nie verzichten:

Für mich wars auch ganz wichtig als ich Äbtissin wurde, dass ich das nicht aufgeben darf - muss.  Ohne die Musik würde ich dieses Amt nicht schaffen, weil es mir einfach ein Fundament gibt.

  

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