Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Vor knapp zwei Wochen wurde Osama Bin Laden getötet. US-amerikanische Spezialkräfte hatten ihn nach zehn Jahren Suche in Pakistan aufgespürt. Auf Befehl der amerikanischen Regierung töteten sie den Al-Qaida-Chef.
Eine uralte Frage lebt mit dem Tod des Terroristen auf: Es die Frage, ob die Tötung eines Menschen überhaupt gerechtfertigt sein darf. Dieses Problem wird in Philosophie und Theologie meist unter dem Begriff des „Tyrannenmordes" verhandelt. Im Kern geht es darum, ob man einen Herrscher, einen Diktator töten darf, ob es gerechtfertigt ist, jemanden umzubringen, um möglichen Schaden von anderen abzuwenden?
Der Tyrannenmord ist umstritten, viele Menschen halten ihn für legitim. Der Schaden durch einen Diktator, einen Tyrannen, erscheint ihnen größer als der  Schaden, der durch seinen Tod entsteht.
In der Geschichte finden sich einige Beispiele dafür. Julius Cäsar wurde mit dieser Begründung getötet. Und hochrangige deutsche Offiziere wollten Adolf Hitler am 20. Juli 1944 eben aus diesem Grund töten. Um Schaden von vielen Menschen abzuwenden. Jetzt weitet sich diese Debatte auf die Tötung von Osama Bin Laden aus. Denn hier bleibt das Grundproblem: Darf ein Mensch, dürfen Soldaten, darf sogar ein Staat Menschen umbringen oder umbringen lassen, weil das, was sie tun und wahrscheinlich tun werden nicht anders gestoppt werden kann? Auf das Problem kennt auch die Vernunft des christlichen Glaubens keine eindeutige Antwort. Sondern nur eine intensive Diskussion. Ich bin allerdings gerade auf dem Hintergrund meines Glaubens davon überzeugt, dass es grundsätzlich falsch ist, jemanden zu töten. Und sei es ein Diktator oder Terrorist. Ich glaube, dass sich Gott allen Menschen zuwendet. Dass Gott alle Menschen will und bejaht. Und dann kann es nicht gut sein, einen anderen Menschen zu töten. Das mag sich naiv anhören. Aber mich überzeugen die Gründe jenseits dieser Naivität nicht. Zumal mit der Tötung eines Menschen die Gefahr ja nicht verschwindet. Oft genug folgen Diktatoren auf Diktatoren - und ziemlich sicher auch Terroristen auf Terroristen. Der Tod des Al-Qaida-Chefs erlöst uns nicht von den Übeln des Terrorismus. Die Welt ist nicht heiler, besser, gerechter, weil Bin Laden tot ist. Das lässt mich fragen, ob es nicht bessere Möglichkeiten gibt, die Welt friedlicher zu machen, als einen Menschen zu töten.

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