Manuskripte

Das Fest der Heiligen Familie, so heißt der heutige Sonntag in der katholischen Kirche. So direkt nach Weihnachten passt das ja: Jeder hat noch die Idylle der Krippe im Kopf: Wie schön sie dort dargestellt ist, die Heilige Familie: Maria ganz zart, den Kopf ein wenig zur Seite geneigt, schaut liebevoll auf den neugeborenen Jesusknaben. Josef, ein kräftiger Mann, steht im Hintergrund und passt auf seine Familie auf. Und das Jesuskind selbst, es schläft oder lächelt, einen schreienden Jesusknaben hab ich in einer Krippe noch nie gesehen. Also eine Idealfamilie, die heilige Familie, alles voller Harmonie, keine Konflikte. Denkste, in der Bibelstelle, die heute in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird, kommt es zu einem ganz schönen Konflikt zwischen Jesus und seinen Eltern. Jesus ist zwölf Jahr alt, die Familie nimmt an einer Wallfahrt nach Jerusalem teil. Auf dem Rückweg müssen die Eltern feststellen: Ihr Sohn ist weg. Wie jedes normale Elternpaar geraten sie in Panik. „Wo ist unser Kind?“ Sie laufen zurück nach Jerusalem, suchen drei Tage und finden ihn schließlich im Tempel. Da ist ihr Sohnemann und diskutiert mit den Schriftgelehrten. Nun, von einer Tracht Prügel berichtet die Bibel nicht, aber schon von der vorwurfsvollen Frage Marias: „Kind, warum hast du uns das angetan?“ Und das war erst der Anfang, je älter Jesus wird, umso schärfer wird der Ton zwischen Jesus und seiner Mutter. Der Höhepunkt kommt viele Jahre später. Jesus tritt öffentlich auf und legt sich wieder mit Schriftgelehrten an. Da kommt Maria mit dem Rest der Familie und will ihren Sohn Jesus zurückholen. Aber als die Leute Jesus sagen, dass draußen seine Mutter und seine Brüder seien, sagt der nur: „Wer ist meine Mutter, wer sind meine Brüder?“ Und er blickt auf die Menschen, die um ihn herum sitzen, und meint: „Ihr seid mir Mutter und Brüder.“ (Mk 3) Eine härtere Abfuhr kann man sich kaum vorstellen. Er lässt seine Familie vor allen Leuten abblitzen. Es  hat also doch ganz schön gekracht in der heiligen Familie.

Ich finde das sehr tröstlich und befreiend. Es tröstet zu wissen, dass es auch Maria und Josef nicht einfach hatten mit ihrem Sohn Jesus. Und es befreit von der irrigen Vorstellung, dass eine heilige Familie, eine Familie ohne Krach und Auseinandersetzung sei.  

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(Lk 21,25-28; 34-36)

„Vigilate et orate“ das ist Latein und heißt: wachet und betet. Dieser biblische Satz, der heute auch in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird, steht in goldenen Buchstaben in Trier auf dem Turm der St. Gangolfkirche. St. Gangolf war im Mittelalter die Kirche der Bürger. In direkter Nähe von St. Gangolf steht auch der Trierer Dom. Die Kirche des Erzbischofs und Landesherrn. Und auf dessen Turm ist zu lesen:  „Nescitis qua hora dominus veniet – Denn ihr wisst nicht die Stunde da der Herr kommt.“ Natürlich auch wieder ein biblisches Zitat, aber man kann den erhobenen, erzbischöflichen Zeigefinger förmlich hören. „Ihr wisst nicht, wann der Herr kommen wird, also benehmt euch, muckt nicht auf, erst recht nicht gegen die Kirche und den Erzbischof.“ Häufig in der Geschichte der Kirche wurden biblische Texte dazu benutzt, um den Menschen Angst zu machen.

Dabei handelt es sich bei dieser Bibelstelle um einen so genannten apokalyptischen Text. „Apokalyptein“ ist griechisch und heißt soviel wie enthüllen, entdecken oder offenbaren. In apokalyptischen Texten geht es um die Enthüllung der Endzeit. Man erzählt  in verschiedenen Bildern wie es sein wird, wenn diese Zeit endet – meist in Bildern vom Weltuntergang. Zurzeit Jesu haben viele Leute geglaubt, dass bald eine neue Zeit anbrechen würde. Jesus greift die apokalyptischen Vorstellungen seiner Zeit auf. Er verwendet die damals üblichen Bilder vom Weltuntergang. Aber er differenziert:  „Die Völker“ so sagt er, „werden bestürzt und ratlos sein… und die Menschen werden vor Angst vergehen.“ An die Jünger gerichtet aber sagt er: „Ihr aber richtet euch auf, erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.“ Zu gut deutsch: „Was auch immer passiert, ihr braucht keine Angst zu haben, Gott ist bei euch, fürchtet euch nicht.“ Ein guter Satz. Gerade weil er manchmal schwer zu glauben ist. Ich will ihn mir auf meinen Adventskalender schreiben.

Ich wünsche Ihnen noch einen guten ersten Adventssonntag!

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„Heute einen Krieg beenden“, so lautet das Motto für den heutigen Tag, den Buß- und Bettag 2018. Buß- und Bettag, da war doch mal was? In manchen Kalendern steht er noch. Aber als gesetzlicher Feiertag wurde er 1995 für die Einführung der Pflegeversicherung abgeschafft, außer in Sachsen. Zu arbeiten hielten damals Staat und Wirtschaft für dringlicher als zu büßen und zu beten. Was ich auch verstehen kann,  denn nur noch wenige Menschen haben damals diesen Feiertag zum Büßen und Beten genutzt.  Und heute würde wohl kaum einer auf die Idee kommen, die Einführung dieses Tages wieder zu fordern. Zu sperrig sind diese Begriffe:  Büßen und Beten.

 

Dabei geht es eigentlich um was ganz einfaches. Es geht darum, dass ich mir die Frage stelle, was läuft falsch in meinem Leben und in welche Richtung will oder sollte ich mich verändern. Sicherlich, wenn das nur mein persönliches Leben betrifft, braucht man hierfür keinen eigenen Feiertag, einen freien Tag für alle. Aber ein gemeinsamer freier Tag hat den Vorteil, dass man sich diese Frage gemeinsam stellen kann: Was läuft falsch in unserem Verein, in unserer Gemeinde, in unserer Stadt, in unserer Kirche; ja: was läuft falsch in unserm Land? Und darum ging es eigentlich bei dem Buß- und Bettag als gemeinsamer Feiertag.

„Heute einen Krieg beenden“ mir gefällt dieses Motto der evangelischen Kirche für den heutigen Tag. Zum einen ist es eine Aufforderung an mich persönlich. Wie sieht es aus mit meinen Kleinkriegen? Mit wem liege ich im Clinch? Wo könnte ich versuchen, einen Streit zu beenden? Und zwar hier und heute, nicht irgendwann am Sankt Nimmerleinstag.

„Heute einen Krieg beenden“ ist zum andern aber auch ein Appell was die großen Kriege betrifft. Nicht nur weltweit, sondern auch innerhalb unserer deutschen Gesellschaft. Da driftet im Moment vieles auseinander. Wenn ich an die Hetzkampagnen im Internet denke, gibt es da viele Kriege zu beenden.  Warum nicht schon heute damit anfangen, an Buß- und Bettag – auch wenn er kein gesetzlicher Feiertag mehr ist.

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Ich will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. So spricht Gott in der Bibel, genauer gesagt im Buch Jesaia (66,13). Er wendet sich damit an das Volk Israel, als es diesem so richtig dreckig geht. Komisch, denke ich. Immer reden wir von Gott als dem Herrn oder dem Vater und hier will Gott selbst wie eine Mutter sein, wird er auf einmal weiblich? Ein bisschen ärgert mich das auch, als ob ich als Mann und Vater nicht auch trösten könnte? Muss ich dafür in die Mutterrolle gehen? Und dann denke ich zurück. Und wenn ich da ganz ehrlich bin, wenn ich mir als Kind die Knie aufgeschlagen habe und Trost brauchte, bin ich auch zur Mutter gelaufen, nicht zum Vater. Und wenn meine Kinder von der Rutsche gefallen sind, haben sie sich auch eher von meiner Frau trösten lassen als von mir. Es ist mühsam, darüber zu diskutieren, ob Mütter besser trösten können einfach weil sie Mütter sind oder weil man sie darauf hin erzogen hat. Ob’s an den Genen oder an der Erziehung liegt? Fakt ist, wenn es ums trösten geht, will Gott lieber eine Mutter sein als ein Vater. Ihm macht es dann nichts aus, das Geschlecht, das man ihm ansonsten so zuschreibt, einfach mal zu wechseln, weiblich zu werden. 

 

Eigentlich gar nicht so schlecht, was Gott mir da so vormacht. Wenn Trösten- können etwas Mütterliches ist, dann sollte ich eben mal die weiblichen Anteile in mir aktivieren. Denn von der Biologie her wissen wir: Jeder und jede hat auch ein bisschen was vom andern Geschlecht. Als Vater kann ich auch Mutter, so wie viele Mütter auch Vater sein können. Einfach mal probieren. Vielleicht schaffe ich es ja, dass meine Enkel, wenn sie vom Baum fallen und Trost brauchen, auch mal zu mir kommen.

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„Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht“, so heißt ein Lied, das sowohl in der Evangelischen als auch in der Katholischen Kirche gerne gesungen wird. Das Lied entstand 1981 in der damaligen DDR. Anlass war der 750. Todestag von Elisabeth von Thüringen. Der damals groß gefeiert wurde sowohl hüben als auch drüben. Sowohl in Thüringen, wo sie lange gelebt hat, als auch in Hessen, wo sie gestorben ist. Das Lied greift eine Legende auf, die von dieser großen Heiligen des 13. Jahrhunderts erzählt. Während es auf der Burg des Grafen genug zu essen und zu trinken gab, hungerte das Volk.  Aber es war verboten, Nahrung von der Burg in die Stadt zum Volk zu bringen. Elisabeth hielt sich nicht daran und trug mal wieder einen Korb voller Brot in die Stadt. Da begegnete ihr der Graf, der natürlich wissen wollte, was  Elisabeth denn da im Korb hätte? Sie deckte das Tuch auf und siehe da, aus dem Brot waren Rosen geworden.

 

Eine der vielen Wundergeschichten, die gerne von Heiligen erzählt werden. Ob sich das wirklich so abgespielt hat, ist für mich zweitrangig. Wichtig ist, was damit ausgesagt wird: Elisabeth war eine Frau, die den Armen sowohl Nahrung für den Körper – Brot – als auch Nahrung für die Seele – Rosen – gegeben hat. Und davon hat sie sich von niemandem abbringen lassen, auch nicht von den politischen Autoritäten. Und wenn dies in einer Wundergeschichte erzählt wird, dann heißt das: Gott hat da seine Hände mit im Spiel. Gott hat sich da auf die Seite von Elisabeth gestellt. Und er stellt sich auch heute auf die Seite aller, die Arme wie zum Beispiel Obdachlose und Flüchtlinge mit Brot und Rosen beschenken, zur Not auch in zivilem Ungehorsam. Denn:  „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht …, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt.“

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Volkstrauertag, schon wieder einer dieser Gedenktage im November mit einer bedrückenden Stimmung. Es handelt sich nicht um einen kirchlichen Feiertag, sondern einen staatlichen Gedenktag. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er eingeführt als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten. Übrigens fand er damals nicht im tristen November, sondern am fünften Sonntag vor Ostern statt, also im Frühjahr. Die Nazis tauften diesen Tag dann um. Sie machten daraus den Heldengedenktag. Aus Totengedenken wurde Heldenverehrung. Der Grund ist offensichtlich. Aus den toten Soldaten des Ersten Weltkrieges wurden Helden, damit man Soldaten für den Zweiten Weltkrieg fand. Und die Strategie ist ja leider aufgegangen.

Land auf und land ab, in den Städten und Dörfern finden sich die so genannten Kriegerdenkmäler. Häufig ist dort die Inschrift zu lesen: „Gefallen für das Vaterland“. Ich sträube mich gegen diesen Satz. Denn die Soldaten mussten ihr Leben nicht für das Vaterland lassen, sondern für die Großmannssucht von Herrschern,  für eine menschenverachtende Ideologie und für den Gewinn der Rüstungsindustrie. Dem Vaterland haben die Kriege, in die sie zogen, nur Leid, Zerstörung, Schimpf und Schande eingebracht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man den Tag dann wieder Volkstrauertag genannt und ihn in den November verlegt. Und man hat die Gruppe derer, der man gedenkt, erweitert. Wir gedenken heute nicht nur der gefallenen deutschen Soldaten, sondern aller Kriegstoten, Soldaten und Zivilisten aller Nationen. Und man gedenkt heute nicht nur der Kriegstoten, sondern aller Opfer von Gewaltherrschaft. Also in unserer deutschen Geschichte gerade auch der Opfer des Nationalsozialismus: der Juden, der Sinti und Roma, der Behinderten, der Homosexuellen - aller Menschen, die aus politischen oder religiösen Überzeugungen Opfer von Gewaltherrschaft wurden.

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„Oh Gott, jetzt auch noch so einer.“ Ich hab’s eilig, will schnell weg und da kommt noch einer, der unbedingt mit mir reden will. Sagt, er brauche ein seelsorgliches Gespräch. Aber meine Erfahrung sagt mir, so wie der aussieht und wie er auftritt, will er nur Geld. Man kennt ja seine Pappenheimer. Ich bin allein im Pfarrhaus, kann die Sache also nicht der Sekretärin überlassen. Was tun? Ihm meine Zeit schenken und dadurch meinen Termin verpassen oder ihm einfach klar machen, dass er jetzt stört und ihn vor der Tür stehen lassen. 

Um einen der stört, geht es auch in der Bibelstelle, die heute in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird. Der blinde Bettler Bartimäus. Er sitzt in Jerichow am Straßenrand, hört, dass Jesus vorbeikommen soll und will unbedingt mit ihm reden.  Er ruft, er schreit geradezu: „Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir.“  Aber die, die um Jesus herum sind, die ihm nachfolgen, seine Jünger und Jüngerinnen wollen das nicht hören. Sie empfinden den Bartimäus als eine Störung und wollen ihn abdrängen: „Sei ruhig, halt die Klappe, Jesus hat wichtigeres zu tun als sich um dich zu kümmern.“ Bartimäus lässt aber nicht locker, sondern ruft noch lauter. Jesus hört ihn, bleibt stehen und wendet sich ihm zu. Er schenkt ihm seine Zeit  und am Ende kann Bartimäus wieder sehen.

Die Jünger hatten gute Gründe, den Bartimäus abzuweisen. Jesus hatte endlich Erfolg, immer mehr Menschen haben sich ihnen angeschlossen und sie waren auf dem Weg nach Jerusalem, dem Ziel ihrer Wanderschaft. Alles lief gerade bestens und da wollten sie auf Störungen keine Rücksicht mehr nehmen. Jesus aber hat sich stören lassen. Den ganzen schönen Zeitplan durcheinandergebracht wegen eines Bettlers an der Straße.

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Wie schwer ist es doch für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“  Das ist der zentrale Satz Jesu in der Bibelstelle, die heute in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird.

Die Geschichte dazu: Ein reicher Mann, der immer alles richtig machen will, fragt Jesus, was er tun müsse, um das ewige Leben zu bekommen. Jesus gibt darauf eine Antwort, die wohl auch heute so gegeben würde: Halte dich an die Zehn Gebote. Der Mann ist mit dieser Antwort aber nicht zufrieden: „Das tue ich schon von Jugend an.“ Jesus wendet sich dem Mann zu, schaut ihn an, umarmt ihn und sagt: „Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach.“ Das war zu viel. Der Mann geht traurig weg; denn er hat ein großes Vermögen. Daraufhin Jesus zu seinen Jüngern: „Wie schwer ist es doch für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!“  Jesus macht hier keine dogmatische Aussage, sondern der Satz ist eher ein Seufzer. Ein Seufzer am Schluss eines Gespräches. Der Mann tut ihm leid. Zunächst verlangt Jesus von dem Mann nur die Einhaltung der Gebote. Damit hätte das Gespräch zu Ende sein können. Aber der Mann will mehr, er ist mit der theologischen Standartantwort, die er wohl schon tausendmal gehört hat, nicht zu frieden. Deshalb gibt Jesus ihm den Rat, alles zu verkaufen. Er will ihm sagen: „Wenn du wirklich mehr willst, dann trenne dich von deinem Reichtum. Dann wirst du das Reich Gottes hier und jetzt schon erleben.“ Ganz bewusst spricht Jesus nicht vom Ewigen Leben, wonach der Mann eigentlich gefragt hatte, sondern vom Reich Gottes. Das ewige Leben ist etwas Zukünftiges, das kommt irgendwann, nach dem Tod – vielleicht. Das Reich Gottes gehört in die Gegenwart, das kann jetzt schon passieren, hier und heute. Überall wo Menschen loslassen können von Macht, Besitz, Reichtum. Den Schritt hat der reiche Mann nicht geschafft. Verpasste Chance. Nicht nur für den reichen Mann. Die Geschichte ist ein Stachel im Fleisch – für jeden Christen, auch für mich.

Mk 10,17-30

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Mk 8,27-35

Armer Petrus, in der Bibelstelle, die heute in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wird, tut er mir echt leid. Zunächst hat er eine Sternstunde. Jesus fragt die Jünger: „Für wen haltet ihr mich?“ Und als erster von allen antwortet Petrus: „Du bist der Messias.“ Das ist was besonderes, Petrus ist damit nämlich der erste unter den Jüngern, der erkennt, wer Jesus eigentlich ist. Seine besondere Rolle unter den Jüngern wird damit deutlich. Aber er ist nicht nur der erste, wenn es um die richtige Antwort geht, sondern er ist auch der erste, wenn es um die falsche Reaktion geht. Im Text heißt es weiter, dass Jesus seine Jünger über sein bevorstehendes Leiden belehrt. Er ihnen klar macht, dass er bald sterben, aber nach drei Tagen auferstehen werde. Jesus, der Messias soll sterben. Das kann Petrus nicht ertragen. Er nimmt Jesus zur Seite und macht ihm bittere Vorwürfe. Darauf hin weist Jesus ihn vor allen andern zurecht: „Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“

 

Jesus und Petrus haben unterschiedliche Vorstellungen von einem Messias. Für Petrus ist der Messias der King. Der König, der alles kann, der auf ganzer Fläche siegt, der für Ordnung sorgt, die politische Macht hat und – so hofft Petrus vielleicht auch - die verhassten Römer aus dem Land wirft. Und da kommt Jesus mit seinem Gerede vom Sterben. Dass Jesus auch von seiner Auferstehung spricht, hat Petrus wohl überhört oder auch gar nicht recht verstanden. Das Wort Sterben passt Petrus nicht in den Kram. Er will mit Jesus siegen, nicht verlieren, nicht sterben.

Ich kann den Petrus gut verstehen. Auch ich hätte gerne einen Messias, der die Welt in Ordnung bringt, der dafür sorgt, dass alle was zu essen haben, keiner mehr einen Krieg beginnt und überall Gerechtigkeit herrscht.

Am Ende seiner Auseinandersetzung mit Petrus sagt Jesus: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Ob es mir passt oder nicht, der Satz gilt nicht nur Petrus sondern auch mir. Es nutzt nichts die Hände in den Schoß zu legen und auf einen Messias zu warten. Ich muss schon selbst mit anpacken – auch wenn’s mühsam
ist -, Jesus nachfolgen und damit dafür sorgen, dass er kommt: Der Messias.

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Gott zu loben, fällt mir nicht immer leicht. Oft möchte ich eher klagen. Da hilft es mir in das große Gebetbuch der Bibel zu schauen: Die Psalmen.
„Wie schön ist es, dem Herrn zu danken, deinem Namen, du Höchster, zu singen.“ So beginnt der 92. Psalm. Aber nicht nur in diesem Psalm wird Gott gelobt und gepriesen. Sondern in ganz vielen dieser 150 Gebete des alten Israels.

Verständlich, denn die Juden nennen die Psalmen das Buch der Preisungen. „Halleluja! Lobt den Herrn vom Himmel her, lobt ihn in den Höhen“ heißt es im 148. Psalm. Bei soviel Lob und Preis Gottes könnte man meinen, den alten Juden sei es immer gut gegangen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Oft gab es in der Geschichte des Volkes Israel Krieg, Hunger, Zerstörung und Gefangenschaft. Aber trotzdem ist das Lob Gottes im Volk nie ganz verstummt.

Selbst in den Psalmen, in denen geklagt und geflucht wird, steht häufig zum Schluss trotz allem das Lob. Der Psalm 22 beginnt mit der Klage: „Mein Gott, mein Gott warum hast Du mich verlassen“  aber später heißt es im Text: „Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, inmitten der Gemeinde dich preisen.“

Gott loben, auch wenn es mir schlecht geht. Wie haben die alten Juden das geschafft? Vielleicht liegt es unter anderem daran, dass die meisten Psalmen nicht nur gebetet sondern gesungen wurden. „Wie schön ist es, dem Herrn zu danken, deinem Namen, du Höchster, zu singen.“  Mich erinnert dieser Vers an einen Kanon, den ich schon als Kind gelernt habe: „Lasst uns miteinander, lasst uns miteinander, singen, loben, danken dem Herrn, lasst es uns gemeinsam tun, singen, loben und danken dem Herrn.“ Selbst wenn es mir nicht gut geht, ich eher klagen möchte statt loben, wenn ich dieses kleine Lied singe oder auch nur summe, geht es mir gleich ein bisschen besser. Er stimmt schon, der alte Satz: Gut gesungen ist doppelt gebetet.

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