Manuskripte

Was ist wichtig im Leben? In einer Gesprächsrunde haben wir uns darüber unterhalten. Eine Frau hat gesagt: Am meisten kommt es auf die Menschen an: dass sie sich gut verstehen. Dass sie miteinander lachen können. Dass sie sich gegenseitig unterstützen.

Ja, bestätigt eine andere: Die Menschen sind wichtig, viel wichtiger als das, was sie haben, was es zu essen gibt und wieviel sie für ihre Klamotten ausgeben. 

Ich gebe ihr Recht. Besonders beim Essen ist eine gute Atmosphäre wichtig. Da kann die Speisekarte noch so verlockend sein und der Koch noch so bekannt, wenn der Service nicht freundlich ist, dann nützt das alles nichts. Und zu Hause ist es ebenso: Was nützt mir ein tolles Essen, wenn die Nerven der Hausfrau blank liegen. Jeder am Tisch fühlt sich angespannt und hat Angst, etwas Falsches zu sagen. Essen macht dann Freude, wenn sich die Menschen am Tisch gut verstehen. 

Dies wurde schon vor vielen hundert Jahren genauso empfunden. In einem alten Weisheitsbuch der Bibel finde ich den Spruch: Besser ein Teller Kraut mit Liebe als ein gemästeter Ochse mit Hass.

Es ist nicht so wichtig, was ich auf dem Teller habe, was ich mir leisten und kaufen kann. Was Menschen durch ihre frohe Stimmung und eine angenehme Unterhaltung daraus machen, das macht das Essen schön.

Wenn ich mit interessanten Menschen zusammen bin und wir uns gut verstehen, dann gibt es viel zu erzählen. Da schmeckt ein frisches Brot, ein Stück Käse und ein guter Wein genauso gut oder besser als ein aufwendiges Essen, für das einer lang in der Küche stehen muss. Wo sich zwei aber nichts zu sagen haben außer Vorwürfen, da nützt auch ein Goldrand am Teller nichts.    

Deshalb komme ich immer wieder darauf: Die Menschen sind wichtig und dass sie sich gut verstehen. Es muss nicht immer etwas Besonderes oder Teures sein, wenn ich meine Freunde zum Essen einlade.  

Es stimmt schon: Lieber ein Teller Kraut mit Liebe oder Lachen als ein Ochsenbraten mit Streit. Wie aber wär es denn mit einem Ochsenbraten mit Liebe? Diese Variante finde ich auch nicht schlecht.  

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Wohin schaue ich, wenn Gefahr droht? Worauf höre ich, wenn ich Angst habe? Starre ich auf die bedrohlichen Wellen oder auf das, was mir Mut macht? Davon hängt viel ab.

Ein gutes Beispiel dafür ist Petrus. Einer aus dem Freundeskreis um Jesus. Er war ein Fischer, kein langweiliger Typ, einer der etwas gewagt und den Mund aufgemacht hat. 

Die Bibel erzählt: Einmal war Petrus mit seinen Freunden auf dem See. Jesus ist nicht im Boot gewesen. Plötzlich ist ein Unwetter aufgezogen. Der Wind peitschte über den See, die Wellen schlugen ins Boot. Da ist ihnen Jesus auf dem See erschienen. Sie haben gedacht, das kann nicht sein. Aber Jesus hat sie angesprochen. Petrus will es genau wissen und bittet: Jesus, sag, dass ich zu dir kommen soll. Und da sagt Jesus wirklich zu Petrus: Komm her zu mir.

Ich frage mich: Wie kann man nur so etwas wagen. Wie soll das gehen. Aber Petrus hat sich ein Herz gefasst und ist aus dem Boot gestiegen. Er hat das Wasser betreten. Bisher hat es immer geklappt, wenn er den Worten Jesu vertraut hat. Und auch die Worte, die Jesus zu anderen gesagt hat, die haben gestimmt, die haben getragen.

Petrus geht also über das Wasser. Sein Blick ist auf Jesus gerichtet. Fast könnte man denken, dass zwischen den beiden ein unsichtbares Drahtseil gespannt ist. An dem geht Petrus auf Jesus zu. Aber dann, bei der nächsten großen Welle, hat Petrus die Angst gepackt. Sein Blick ist nicht mehr auf Jesus gerichtet, sondern auf das tobende Wasser. Petrus hat die Kontrolle verloren. Er hat gemerkt, dass er untergeht. 

Jesus hat Petrus seine Hand entgegen gestreckt. Da ist sie wieder, die Verbindung, die Zusage, der Halt. Hör auf mich, richte deinen Blick auf mich und vertraue mir. 

Auch ich habe schon erlebt: wenn ich auf das Rettende schaue, wenn ich den Worten vertraue, die Jesus sagt: ich bin bei dir, hab keine Angst – dann gehe ich nicht unter. Wenn ich die Hand ergreife, die Gott mir entgegenstreckt – oft durch andere Menschen – dann versinke ich nicht in der Angst. 

Vielleicht wird nicht alles gut. Die Krankheit ist nicht weg. Der Streit noch nicht beendet. Aber ich habe einen Haltepunkt. Ein Drahtseil, an dem ich durch hohe Welle gehen kann. Wenigstens so weit, bis ich wieder festen Boden unter den Füßen habe.

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Wenn alle in eine Schublade gesteckt werden, das gefällt mir nicht. Lehrer sind so, Handwerker sind so und Rentner so …und Lastwagenfahrer sind rücksichtslos. Besonders die aus Osteuropa, habe ich eine Frau klagen hören. Selbst wenn da etwas dran wäre. Ich finde diese allgemeinen Urteile trotzdem ungerecht. Nicht alle sind so.

Es gibt eine Geschichte in der Bibel. Sie erzählt: In einer Stadt herrschen Unrecht und Gewalt. Alle Einwohner scheinen verstrickt in Betrug und Lügen. Deshalb beschließt Gott, die ganze Stadt zu bestrafen. Da hat es einer gewagt und ist eingetreten für die Stadt. Es war Abraham (1.Mose 18), einer der Väter des Volkes Israel. Er bittet Gott: Verschone diese Stadt. Es hat nicht nur böse Menschen darin. Und dann fängt Abraham an, mit Gott zu handeln. Und Gott lässt sich darauf ein. Er verschont die Stadt, wenn 10 gefunden werden, die anders sind.  

Mir geht es nicht um eine ganze Stadt. Mir geht es um eine Gruppe von Menschen, über die ein Urteil gefällt wird. Aber nicht alle aus dieser Gruppe sind so. Faul oder rücksichtslos oder geizig. Um der wenigen willen, die anders sind, finde ich es unfair, alle in eine Schublade zu stecken und pauschalen Urteile zu verbreiten.   

Stichwort Brummifahrer. Neulich bin ich mit dem Fahrrad in die Stadt gefahren. Der Radweg kreuzt die Einfahrt auf die Autobahn. Ich habe zeitig über meine linke Schulter zurückgeschaut. Da habe ich gesehen, dass ein überlanger Brummi sich auf der Einfädelspur nähert. Automatisch habe ich mich darauf eingestellt, dass ich abbremsen muss. Doch schon hat der Fahrer seinen Riesenlaster abgebremst. So konnte ich mit Schwung meine Fahrt fortsetzen. Ich habe mich bedankt und gewinkt. Der Fahrer hat zurückgewinkt. Und gerade noch habe ich sehen können, dass da ‚Ro‘ auf dem Nummernschild steht für Rumänien.
Schon einer genügt, um zu zeigen, dass nicht alle so sind.   

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Die Bibel ist ein Wir-Buch. Sie macht von Anfang an klar, dass der Mensch kein Einzelgänger ist. Sie sagt: es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Er ist geschaffen, mit anderen und für andere zu leben.

Diese anderen sind Menschen, Männer und Frauen, Kinder. Aber nicht nur. Zu diesem Wir gehören auch die Mitgeschöpfe, die Pflanzen und die Tiere. Heute lernen wir wieder, Erde, Wasser und Luft als eine große Schöpfungsfamilie zu sehen. Da geht es jedem dann gut, wenn es dem anderen auch gut geht. Wie in einem Mobile hängen wir alle zusammen.

Die Bibel ist ein Wir-Buch. Das zeigt nicht nur die Schöpfungsgeschichte. Auch in den Schriften der Propheten finden wir dies: Witwen und Waisen haben zu ihrer Zeit am unteren Rand der Gesellschaft gelebt. Alle hatten die Pflicht für sie zu sorgen. Also von wegen: die gehen uns nichts an oder selber Schuld oder wer arbeiten will, der bekommt Arbeit. Die Propheten haben Fürsorge und sozialen Ausgleich im Namen Gottes eingefordert.

Auch im Neuen Testament, das sich auf Jesus Christus bezieht, bleibt die Bibel ganz in dieser Spur. Der Einzelne ist wichtig bei Gott. Ich finde es rührend, dass er jeden mit Namen kennt und sich persönlich kümmert. Aber genauso gilt, dass Gott mit Jesus Großes vorhat. Nicht nur den einzelnen, sondern die ganze Welt will er heilen und befreien. Gott will, dass sie ein Lebensraum ist und bleibt, für alles was lebt. 

Gut 20 Jahre nachdem Jesus gestorben war, schreibt Paulus, der Apostel: Einer soll dem anderen helfen, auszuhalten, was schwer ist. Und er mahnt:  Wenn ihr mehr habt als ihr braucht, soll das dazu dienen, den Mangel auszugleichen, den die andern gerade erleiden.

Wir. Zusammen. Gemeinsam. Füreinander. Gegenseitig. So spricht die Bibel davon, wie wir Menschen miteinander leben sollen. Als Gottes Geschöpfe und Kinder. Ich finde: Wir brauchen solche Worte und die entsprechenden Taten heute ganz dringend. Denn nur wenn es jedem gut geht, können wir in der Einen Welt in Frieden leben.

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Menschen brauchen Vorbilder. Nicht um diese zu kopieren, sondern als Beispiele.
So ein Vorbild ist für mich Dietrich Bonhoeffer. Heute sind es 73 Jahre, dass er im Gefängnis Tegel in Berlin ermordet worden ist.

Dietrich Bonhoeffer war Pfarrer. Zusammen mit anderen Männern und Frauen hat er Widerstand geleistet gegen das unmenschliche System des Dritten Reiches. 

Warum hat er das getan? Er konnte nicht tatenlos zusehen, wie Gottes Wort missachtet wurde. Damals wurden jüdische Bürgerinnen und Bürger ausgegrenzt und verfolgt. Der Staat hat das angeordnet. Und die Kirche hat dazu geschwiegen. Kauft nicht bei Juden stand dann an jüdischen Geschäften geschrieben. So wurde die Bevölkerung aufgefordert, das Recht jüdischer Bürger mit Füßen zu treten. Für Bonhoeffer war klar, da dürfen Christen nicht mitmachen.   

Wir dürfen uns Dietrich Bonhoeffer aber nicht als einsamen Helden vorstellen. Er ist in einer großen Familie mit fünf Geschwistern aufgewachsen und hatte viele Freunde. Er liebte gutes Essen und er reiste gerne.

Eine zärtliche Liebe hat ihn mit seiner Freundin und Braut Maria von Wedemeyer verbunden. Sie war 12 Jahre jünger als er. Als Dietrich 1943 – 1945 im Gefängnis war, haben sie sich Briefe geschrieben. Es berührt mich, wenn ich lese, was sie ihm ins Gefängnis geschrieben hat: ich habe einen Kreidestrich um mein Bett gezogen etwa in der Größe deiner Zelle. Ein Tisch und ein Stuhl stehen da. Wenn ich dasitze, glaube ich schon beinahe, ich wäre bei dir.

Aber weder die Liebe zu seiner Freundin noch die schönen Seiten des Lebens konnten Bonhoeffer abhalten, einzutreten für Gerechtigkeit. Er hat auf sein Gewissen gehört und hat Widerstand geleistet gegen die Gewaltherrschaft des Dritten Reiches. Es hat für ihn keine andere Wahl gegeben. Er musste Gottes Wort gehorchen mehr als denen, die an der Macht waren.  

Dieses mutige Beispiel darf nicht vergessen werden. Es weckt auf. Es ruft nach dem Mut, der heute nötig ist, einzutreten für ein friedliches Zusammenleben mit allen Menschen in unserem Land.   

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Der Mann führt. Das ist eine Grundregel, die alle kennen, die als Paar tanzen. Ob Walzer oder Tango, ob klassisch oder Latein, der Mann führt und die Partnerin ist dann gut, wenn sie sich führen lässt. Aber natürlich setzt auch der Mann seine Schritte nicht einfach wie er will. Nicht willkürlich. Er hält sich bei seinen Schritten und Drehungen an den Rhythmus der Musik.

Der Rhythmus ist durch die Musik vorgegeben. Partner und Partnerin tanzen dann gut miteinander, wenn sie sich beide dem Rhythmus der Musik anvertrauen.

In der Bibel wird von einer langen Wanderung erzählt. Nicht von einem Tanz, aber doch von einer Bewegung in einem bestimmten Rhythmus. Unterwegs sind die Israeliten. Ihr Anführer ist Mose. Er hatte sie aus der Gefangenschaft in Ägypten herausgeführt und dann auf einer langen Wanderung durch die Wüste begleitet. Von Gott hatte er den Auftrag dazu bekommen. 40 Jahre sollen sie unterwegs gewesen sein.

Auf dieser Wanderung, so wird erzählt, wurde ein bestimmter Rhythmus eingehalten. Es war der Rhythmus, den Gott festgelegt hatte. Ein Gottesrhythmus. Denn letztlich war es Gott, der durch Mose die Menschen führte. Sie haben sich nach diesem Gottesrhythmus gerichtet und sind ihm gefolgt. So wie beim Tanzen.

Die Schrittfolge wird im 2. Buch Mose beschrieben: Sie lagerten sich und sie brachen auf. Es gab Zeiten, in denen sie sich ausruhten und Zeiten, in denen sie unterwegs waren. 

Dieser Rhythmus hat sich bis heute bewährt für die Wanderung durchs Leben. Ich brauche Zeiten der Ruhe. Tage, an denen ich nicht sofort losrennen muss an die Arbeit. Zeiten, in denen ich einen anderen Rhythmus leben darf als sonst. Langsamer, achtsamer, stiller. Danach habe ich auch wieder Lust, weiterzugehen und mir etwas vorzunehmen. Wenn es nicht mehr die berufliche Arbeit ist, dann eben die Obstbäume schneiden. Die Küche streichen. Oder einen Besuch machen, den ich schon lange vor mir hergeschoben habe.

Mal lagerten sie sich, mal brachen sie auf. Dieser Rhythmus, den Gott seinem Volk unterwegs gegeben hat, ist bis heute aktuell. Meine Erfahrung ist: er lässt einen weniger außer Atem kommen und besser durchhalten. Gott weiß eben, was seinen Menschen guttut.

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Wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist, das gefällt mir. Er ist ihnen auf Augenhöhe begegnet. Er hat die Menschen gesehen: Mit Ihrer Freude, wenn sie etwas wiederfinden, das sie verloren haben. Mit ihren Sorgen, wenn es einfach nicht klappen will mit der Heilung. Jesus hat die Menschen angeschaut und durchgeblickt. Nicht wie Menschen gerne gesehen werden wollen, sondern wie sie wirklich sind und was sie brauchen, dafür hatte er Augen und ein Herz.

Was für die meisten Menschen heute wichtig ist, dem hat Jesus nicht viel Beachtung geschenkt. Auto. Klamotten. Bankkonto. Das alles hat er nicht verboten, aber es war nicht entscheidend für ihn. Er hat die Menschen nicht höher eingestuft, weil sie einen Titel haben und hat sie nicht besser gefunden, weil sie in feinen Kreisen verkehren. 

Ein Mann hat mir erzählt, dass er als Kind in der Schule darunter gelitten hat, dass er mit seiner Familie in einem heruntergekommenen Viertel gelebt hat. Ein schlechtes Viertel hat man gesagt. Hinter der Mauer. Das war wie ein Stempel. Da haben die gewohnt, die Probleme hatten. Mit dem Geld, mit dem Alkohol, mit der Ehe. Es hat lange gedauert, hat der Mann gesagt, ich war schon Jahre weggezogen, bis ich mich von diesem Stempel befreien konnte.

Es sieht so aus, dass in unserer Gesellschaft Ansehen und Größe, Herkunft und Besitz immer wichtiger werden. Das fängt schon bei den Kindern an. Ein Mädchen weint. Sie wird nicht mehr zu den Geburtstagsfesten eingeladen, weil sie selbst nicht zu einer schicken Geburtstagsparty einladen kann.

Jesus hat den Spieß umgedreht. Er hat mit den kleinen Leuten sympathisiert. Seine Freunde waren Fischer und Handwerker. Er hat mit denen gegessen, bei denen selten Gäste über die Schwelle kamen. Kindern und Kranken hat er gezeigt, dass sie wichtig sind, auch wenn sie keine Leistung bringen. Das hat er von seinem himmlischen Vater übernommen. Der hatte von Anfang an eine Schwäche für die Kleinen, auch mit Jesus hat Gott ganz klein angefangen. Als Kind im Stall.

Ich finde es aufregend, wenn ich mich an Jesus orientiere und den Maßstab umdrehe. Wenn ich nicht das Große bewundere, sondern dem Unscheinbaren etwas zutraue. Das ändert viel.  

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Mach was draus… steht auf einer Postkarte. Ich habe mich gefragt, was dahintersteckt. Ich habe die Postkarte umgedreht und gelesen: es geht um eine Aktion. Ich soll 10 Euro geschenkt bekommen. Und ich soll dafür sorgen, dass aus den 10 Euro 20 oder 30, 50 oder sogar hundert werden. Die gehen dann an einen guten Zweck, der darunter beschrieben wird. Mach was draus. Ich finde, das ist ein tolles Motto für ein noch frisches Jahr.

Auch mir wird mit diesem Jahr etwas gegeben. Wenn alles gut geht, bekomme ich 365 Tage, 12 Monate oder 52 Wochen. Ein Kredit an Tagen und Stunden. Und jetzt: Mach was draus. In der Bibel steht ein Satz, der genau dazu passt: „Macht das Beste aus der Zeit“, heißt es da (Epheser 5,16). Entdecke deine Gaben, bau dein Lebenshaus aus, erkunde dein Gebiet und schau, wo du dich noch weiterentwickeln möchtest. Mach was draus.

Ich habe mir überlegt, wie das aussehen könnte, dieses Motto ins Leben umzusetzen. Für den, der sich gerne zurückzieht in sein Schneckenhaus, kann es heißen: Beteilige dich, mach mit, bring dich ein, wo du gebraucht wirst. In der Nachbarschaft beim Kindergarten. Oder beim Naturschutz. 

Für den anderen kann es bedeuten: Lauf nicht jeder Party nach. Geh einmal dorthin, wo du keinen kennst. Versuche auch einmal einen Abend für dich alleine zu bleiben und dabei zu erleben: Wie komme ich mit mir selbst klar? 

Mach was draus kann auch meinen: Fang etwas an mit deinem Feierabend. Nicht nur Videos, Sofa und Chips. Ein Bekannter erzählt: ich denke nicht, dass der Tag gelaufen ist, wenn ich aus der Firma komme. Da liegt noch manches drin. Laufen, im Chor singen. Seit kurzem habe ich eine Kreativ-Werkstatt entdeckt. Alle sägen und schleifen und leimen. Sie machen etwas aus Holz, Metall oder Stein. Manche reparieren etwas vom Sperrmüll, das sie dann wiederverwenden.  

Mach was draus. Ich höre das als einen Anstoß, meine Zeit und mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Nicht rumzuhängen und zu warten, dass die anderen für mich Programm machen. Natürlich können andere manches besser. Aber ich mache mit, wo ich kann und so, wie es mir möglich ist. Ich mach was draus.

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Dritte Klasse. Religion. Wir waren gerade beim Thema: So ist Gott. Gott ist immer da und überall bei uns, habe ich gesagt und ein paar Beispiele gegeben: auf dem Schulweg, wenn jemand krank ist, wenn Kinder Angst haben vor der Klassenarbeit. Die Kinder waren sofort im Boot. Sie haben immer neue Beispiele gefunden, wo Gott bei ihnen ist. Wenn sie in den Urlaub fliegen, wenn Mama und Papa sich streiten, wenn sie einen Wettkampf turnen, wenn...

Da fragt Louis, ein Schüler, der immer gern witzig ist und die anderen zum Lachen bringt: Ist Gott auch auf dem Klo dabei? Er hat Erfolg. Alle haben über seine Frage gelacht. Und ich habe überlegt. Was sage ich jetzt? Wenn ich sage, da nicht, dann stimmt mein Satz nicht. Und das Vertrauen der Kinder bekommt Löcher. Darum habe ich gesagt: Ja, auch auf dem Klo. Wieder haben alle gelacht. Klingt ja auch komisch, oder?

Aber Gott ist nicht aufdringlich, habe ich noch dazu gesagt. Vielleicht wartet er vor der Tür, bis du rauskommst. Aber weit weg ist er nicht.
Gott auch auf dem Klo? So eine Frage hat was. Vielleicht haben Sie sich das auch schon gefragt, in besonders intimen oder privaten Situationen.

Gott ist immer und überall da. Der Satz kann trösten. Er kann aber auch irritieren. Ja, sogar störend wirken. Es gibt Momente, da will ich niemanden dabeihaben. An nichts anderes denken.

Übrigens stellen nicht nur Drittklässler solche Fragen. Eine Frau hat sich Gedanken gemacht und mich gefragt, wie das ist, wenn Menschen sich lieben und miteinander schlafen. Ist Gott dann auch dabei?

Ja, ich glaube, dann ist er nicht einfach weg. Er versteckt sich nicht, wie wir uns verstecken, wenn es peinlich wird. Ich glaube, Gott freut sich, wenn Menschen sich mögen, wenn sie zärtlich miteinander umgehen. Und wenn sie leidenschaftlich sind, dann ist das auch nicht gegen seine Absicht. Freiwillig versteht sich und ohne Zwang. Er hat die Menschen geschaffen, dass sie sich guttun und sich ergänzen.

Ja, Gott ist überall. Das stimmt für mich. Auf dem Klo oder im Bett. Aber er ist diskret. Manches Mal bleibt er vor der Tür und freut sich, wenn es uns gut geht.

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Übergänge gehören zum Leben. Sie geben den Jahren einen Rhythmus und den Tagen eine Struktur. Manche Grenzen überschreitet man nicht freiwillig. Wer will schon arbeitslos werden oder krank? Niemand will freiwillig solches Gebiet betreten.
Andererseits gibt es Grenzübertritte, auf die man sich freut. Für viele ist das, wenn sie ein Enkelkind bekommen und zum ersten Mal Oma und Opa werden. Das ist wie Neuland betreten.

Die Grenzen, die ich sichtbar und äußerlich überschreite, verlangen auch eine Grenzüberschreitung im Inneren, in meinen Gedanken und in meinem Herzen. Es fordert mich heraus: mich auf Unbekanntes einzustellen. Neues zu lernen und meinen Standpunkt zu ändern. Das braucht Vertrauen. Ich habe die Erfahrung gemacht: Vertrauen kann wachsen, wenn ich zurückschaue. Dann kann ich wahrnehmen, dass mich Gott bis hierher begleitet und behütet hat und dass ich mit ihm viele Übergänge geschafft habe.

Es lohnt sich, die vielen kleinen und großen Grenzübertritte zu beachten und sie bewusst zu erleben. Am Geburtstag mache ich mir klar: jetzt habe ich den Schatz eines Jahres mehr auf dem Konto meiner Lebenserfahrung. Und manche nehmen sich am Ende einer Reha vor: dies oder jenes hat mir gutgetan. Das will ich beibehalten im Alltag.

Wenn ich eine Grenze überschreite, dann betrete ich neues Gebiet. Dann ändert sich etwas. Ich treffe Menschen, die sich hier schon eingelebt haben und sich auskennen. Sie können mir helfen, dass auch ich mich im Neuen zurechtfinde und auch mit dem Unerfreulichen fertig werde.  

Viele Übergänge kann ich vorbereiten. In Gedanken schon mal vorausgehen. Ich werde nicht auf einen Schlag 60. Und der Ruhestand kommt auch nicht wie ein Überraschungspaket ins Haus. Bei einem Kind hat man in der Regel 9 Monate Zeit sich darauf einzustellen.

Übergänge gehören zum Leben, die erfreulichen und die unerwünschten. Wenn ich auf die vielen Übergänge zurückschaue, die schon hinter mir liegen, höre ich eine Stimme, die mir sagt: Der dich bisher begleitet hat, der wird auch alle bevorstehenden Übergänge begleiten. Das macht mir Mut für das, was kommt.

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