Manuskripte

Inbegriff der Trostlosigkeit: krank, ohne Arbeit, ohne Lohn, nicht einmal ein Dach über dem Kopf.Der Reiche geht achtlos an Lazarus vorüber.
Doch als die beiden sterben, wandeln sich ihre Geschicke: Nun liegt Lazarus in Abrahams Schoss. Der vormals Reiche hingegen muss in der Hölle schmoren. Und als er auch nur um ein bisschen Wasser bittet, muss er erfahren: Da ist nichts zu machen. Die beiden Welten sind unerreichbar voneinander getrennt.

Die Geschichte hat zwei Botschaften. Eine an die Armen und eine an die Reichen. Den Armen sagt er: Lasst euch eure Würde und Hoffnung nicht nehmen. Es gibt eine ausgleichende Gerechtigkeit. Wenn nicht hier und jetzt, dann am Ende der Zeit, bei Gott.

Die andere Botschaft geht an die Mächtigen und Erfolgreichen. Für sie ist die Geschichte eine Warnung und ein Ruf in die Verantwortung.

Wenn wir hier, wo wir leben, achtlos über die Bedürfnisse der Ärmsten hinweggehen, wenn wir ihnen nur zugestehen, sich das zu nehmen, was von unserem Tisch fällt, wenn wir sie nicht Teil haben lassen an Arbeit und Bildung, dann wird das irgendwann für uns die Hölle werden.

Zum Teil können wir das ja schon erleben. Jahrelang haben wir vor Afrika das Meer leergefischt, haben Waffen an Dikatoren verkauft – bis es für die Menschen dort unerträglich wurde und sie jetzt vor Armut und Krieg fliehen - zu uns. 

Es ist keine Drohung, wenn Jesus sagt: Der Reiche muss in der Hölle schmoren. Es ist die natürliche Folge davon, dass der Reiche sich abgetrennt hat von der Not der Armen.
Es gibt eine ausgleichende Gerechtigkeit, meint Jesus. Böse Taten kommen zurück auf den, der sie tut. Wenn nicht hier, dann irgendwann.

Es lebt sich besser, wenn man den, der vor unserer Tür liegt wie Lazarus, oder der auf den Fluren unsrer Arbeitsamtämter wartet, nicht vergisst.  Es lebt sich besser, wenn alle teilhaben können an Arbeit, Lohn und Wohlstand.

 

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 „Das letzte Hemd hat keine Taschen“, sagt man. Alles, was wir im Laufe des Lebens angesammelt haben – wie müssen es zurücklassen. Selbst das, was uns auszeichnet, Titel und Ämter, alles. Jeder weiß das. Aber nicht jeder macht sich das klar…

Die Bibel erzählt die Geschichte von einem reichen Bauern, der hat das total verdrängt. Der freut sich über seine super Ernte und dass er nun Vorräte für Jahre hat. Jetzt hat er ausgesorgt. Er lehnt sich zufrieden zurück und beschließt, das Leben von nun an in vollen Zügen zu genießen.

Das ist ein bisschen wie mit der Rente: Die meisten freuen sich auf den Tag, an dem sie genug Arbeitsjahre auf ihrem Zeitkonto angehäuft haben. Endlich der wohlverdiente Ruhestand! Sagen sie sich. Jetzt nur noch  Freundschaften pflegen, Kontakte wieder aufnehmen, was unternehmen  - und endlich Zeit haben …

Das Dumme in der biblischen Geschichte ist:
Als der Bauer sich gerade zufrieden zurücklehnt, macht Gott ihm einen Strich durch die Rechnung. „Du Narr!“, sagt er. „Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann alles gehören, was du angehäuft hast?“

Der Bauer hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Er hat vor lauter Pläne schmieden vergessen: Du bist ja gar nicht Herr über deine Lebenszeit! Es muss nur ein Unfall passieren, es muss einen nur eine Krankheit erwischen, und schon sind alle schönen Pläne über den Haufen geworfen! 

Natürlich müssen wir unser Leben planen und vorsorgen. Aber der reiche Bauer meint: Das hab ich mir verdient, das steht mir zu, nach der ganzen Plackerei!

Ich glaube, Gott stört sich an der Selbstgefälligkeit. Der Bauer plant alles ganz alleine. Er glaubt, er hat sich alles selbst zu verdanken. Kein Gedanke daran, dass er so viel Glück gehabt hat im Leben. Wir hören auch kein Wort der Dankbarkeit.

Und daran will die Geschichte erinnern: Nichts haben wir nur uns selbst zu verdanken. Nicht mal unseren Fleiß. Oder das Durchhaltevermögen. Alles das ist uns geschenkt. Auch ob wir die Zeit erleben, in der wir uns nach der vielen Arbeit ausruhen können, ist ein Geschenk. Eins, auf das man sich in aller Bescheidenheit freuen kann.

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Wer mag schon halbe Sachen? Ganz oder gar nicht – heißt es oft. Aber Halbheiten?
Mir ist aufgefallen: In Glaubensdingen gibt es viele Halbheiten. Es gibt Leute, die gehen zwar ab und zu in die Kirche und lassen sogar ihre Kinder taufen. Aber sie sagen von sich, dass ihre Zweifel stärker sind, als ihr Glaube. Oder dass sie nicht so ganz gläubig sind, aber auch nicht ganz ungläubig. Halt irgendwas dazwischen, eben.   

Fulbert Steffensky, ein bekannter Theologe, nennt diese Leute „Halbchristen“ - und er meint das gar nicht böse. Halbchristen - das sind für ihn die, die früher mal was mitbekommen haben von christlichen Bräuchen. Die vielleicht noch so ihre Kindheitserinnerungen haben. Von Weihnachten mit dem Krippenspiel oder Erntedank mit Kürbissen in der Kirche. Und die das noch immer schön finden, wenn sie dran denken. Aber sie denken eben nur ab und zu daran, bei bestimmten Gelegenheiten. Und dann glauben sie wie früher, als Kind.

Es gab Zeiten, da hatte mancher Pfarrer für solche Halbheiten wenig Verständnis. Da hat er an Weihnachten die Gelegenheit dazu genutzt, die Leute ordentlich zu beschimpfen, weil sie nur an Weihnachten in die Kirche kommen.

Aber:
Solange sich Weihnachten ohne Gottesdienst nicht richtig anfühlt, ist da doch noch eine Sehnsucht. Ich glaub, diese Sehnsucht ist entscheidend. Wenn mich  die Sehnsucht treibt, dann bin ich noch nicht fertig mit dem Thema Glaube. Dann bin ich unterwegs. Und dann ist es auch nicht wichtig, ob ich richtig  genug glaube. Das kann ich sowieso lieber Gott überlassen. Und solange ich unterwegs bin, gehören Zweifel und Halbheiten zum Glauben dazu. So wächst der Glaube, in ganz kleinen Schritten.

Und wenn man unsicher ist und nicht so genau weiß:
Wie geht das eigentlich, glauben? Dann kann man in der Kirche zusehen, wie andere es machen. Manchmal steckt der Glaube der Anderen an. Manchmal lernt man es durch  Zusehen und sich was Abschauen.

Eigentlich braucht es nur den Mut, klein anzufangen. Bescheidenheit ist im Glauben eine gute Haltung. Und die Einsicht, dass wir alle immer nur unfertig vor Gott treten. Mit Halbheiten, eben...

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Abwarten und geduldig sein – manche halten das für vertane Zeit. Es sieht aus wie: nichts tun können oder wollen. Aber grade beim Nichtstun können große Dinge entstehen. Jesus erzählt dazu ein Beispiel aus der Natur.

 „Ein Bauer ging auf seinen Acker um zu säen“, sagt er. Und dann beschreibt er, was mit der Saat geschieht: Der Bauer säet sein Getreide aus und dann legt er sich schlafen. Am nächsten Tag geht er wieder auf sein Feld und denkt sich: „Jetzt kann ich nichts mehr tun. Was in meiner Macht steht, habe ich getan.“

Jetzt muss er warten und die Zeit für sich arbeiten lassen.  Das ist gar nicht so leicht. - Wird es Früchte tragen, was er gesät hat?  
So ist es einer alten Bekannten ergangen. Wir haben uns eine Ewigkeit nicht gesehen.
„Ich muss Dir unbedingt was zeigen“, sagt sie, kaum dass wir uns begrüßt haben. Sie zückt ihr Smartphone und wischt ein paar Bilder hin und her – dann hält sie es mir unter die Nase.

Ich erkenne zwei Gesichter. Junge Menschen, die mich fröhlich anlachen. „Deine Kinder…?“
Ja, genau. Aber schau doch mal, wo sie sind!“
Ich blinzle ein paar Mal, aber bei aller Mühe, ich kann nichts weiter erkennen.
"
Taize´! Sie sind in Taize´!“ ruft sie.
„In Taize´...?“

Taize´ ist eine Bruderschaft und Glaubensgemeinschaft in Frankreich. Viele junge Menschen fahren da hin. Ich mag es sehr.

Aber was in aller Welt ist daran so aufregend? Dann dämmert es mir. Früher haben sich ihre Kinder Null interessiert für ihre Arbeit als Pfarrerin in der Gemeinde, für den christlichen Glauben, oder für die Kirche…Sie hat ihre Kinder damals nie gedrängt, mit in die Kirche zu gehen. Und doch hat es ihr wehgetan.
„Hey, das ist ja toll! Wie ist denn das gekommen?“ frage ich.

„Keine Ahnung. Der Große hat seinen Bruder dazu eingeladen. Es war sein  Examensgeschenk:  Stell dir vor - eine Woche Taizé, drei Gottesdienste am Tag - und sie lieben es! Da haben sie mir das Bild geschickt. Ich kann es immer noch nicht glauben…“

Es ist wie bei dem Bauern: Wir tun etwas, aber ob es Früchte trägt, liegt nicht in unserer Hand. Und manchmal entsteht etwas Neues, wenn wir gar nicht mehr damit rechnen.  

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Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine:
„Hey, wie geht´s?“
Antwortet der andere:
„Ach, nicht so gut. Ich glaub, ich hab Menschen…“
„Oh, das ist schlimm“, sagt der erste. „Das hatte ich auch schon. Aber weißt du was? Das geht vorüber.“

Vielleicht kennen Sie den Witz. Er ist schon alt, trotzdem muss ich immer wieder drüber lachen. Weil ich ganz automatisch die Perspektive wechsle. Der Witz bringt mich dazu, mich in unseren Planeten Erde zu versetzen. – Ja, das muss sich schlimm anfühlen, wenn man „Menschen“ hat:

Und damit den ganzen Dreck, den sie machen; die Abwässer und Industrieabfälle, die sie ins Meer kippen; den atomaren Müll, den sie unter die Erde bringen; die Wälder, die sie abholzen; die Luft, die sie verpesten; die Kriege, die sie führen. Ganz zu schweigen von der Geschwindigkeit, mit der sie sich vermehren. Das muss sich ja wirklich anfühlen wie eine üble Krankheit. 

 „Es ist zwar schlimm, aber es geht vorüber.“ Sagt der andere Planet zum Trost.
Es erledigt sich sozusagen von selbst. Wie ein Schnupfen.

Für uns Menschen ist das allerdings keine tröstliche Aussicht. Es bedeutet ja: früher oder später erledigen wir uns von selbst. Die Zeichen dafür sind ja schon unübersehbar. 
Aber immerhin: der Planet überlebt. Die Schöpfung setzt sich durch.

Und deshalb habe ich noch Hoffnung. Nicht, weil ich an die Menschheit glaube, oder gar an ihre Vernunft. Nein, ich glaube einfach, dass es unserem Schöpfer nicht gleichgültig ist, was hier auf seinem wunderbaren Planeten Erden geschieht.
Sind wir noch zu retten? Ja, aber da muss schon ein Wunder geschehen.

Eigentlich glauben alle Christen an ein solches Wunder, auch wenn sie sich dessen vielleicht nicht immer bewusst sind. Ich denke an das Wunder, um das wir Christen regelmäßig und weltweit bitten. Wir beten im Vaterunser:

„Dein Reich komme; dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.“ 

Wir bitten da ja um nichts Geringeres, als dass endlich das Reich Gottes anbricht. In dem der Wille Gottes geschieht. Und nicht mehr der menschliche Wille, mit seiner ganzen Rücksichtslosigkeit und Zerstörungswut.
Dann wären wir gerettet: Wie im Himmel, so auf Erden...

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Ein Kind, das nicht gewollt ist. Das von den Eltern abgelehnt oder kaum wahrgenommen wird. Mich macht so eine Geschichte immer traurig. Und ich frage mich: was wird aus so einem Kind? Vor kurzem hat mir ein Mann seine Geschichte erzählt. Er war das jüngste von fünf Brüdern. „Alle hatten sich unbedingt ein Mädchen gewünscht“, erzählte er mir, „und waren dann furchtbar enttäuscht…“

Als Mutter kann ich mir gut vorstellen, dass  die Energie bei 5 Jungen ziemlich überstrapaziert war. Mich haben allein zwei Kinder gelegentlich an meine Grenzen gebracht.
Nur traurig, wenn ein Kind das so deutlich spürt. Wenn sich das als Grund-gefühl durchs Leben zieht - das kann zu einer ganz schönen Bürde werden.

 „Es gibt da eine Geschichte, die setzt dem Fass die Krone auf“, erzählt der Mann weiter. Aber er muss dabei selber lachen.
Eines Nachmittags, als er noch ein Baby war, fanden seine Brüder, es sei an der Zeit zu handeln. In der Nachbarschaft war ein kleines Mädchen auf die Welt gekommen. Es war Sommer und das Kind lag draußen im Kinderwagen. Da haben sie den kleinen Bruder genommen und die Babys einfach ausgetauscht.
„Und was mich an der Geschichte am meisten empört“, erzählt er, „wissen Sie, wann meine Eltern das bemerkt haben? Am späten Abend!“  
"
Naja“,  sage ich, „immerhin: die anderen Eltern waren auch nicht schneller…“ 
Wir müssen Tränen lachen.

Das muss man sich mal vorstellen: Wie die Kinder das kleine Mädchen schlafend im Kinderwagen entdecken, und ruck-zuck einen Plan aushecken… - Kinder haben manchmal einen gnadenlosen Sinn fürs Praktische - ohne sich auch nur im Mindesten um die Folgen zu scheren…

Man fragt sich natürlich auch: Bei welcher Gelegenheit haben die Eltern den Tausch wohl bemerkt? Vielleicht beim Wickeln? Und dann haben sie sich ihr Kind erstmal richtig angeschaut…?

Was ich an der Geschichte erstaunlich finde: Als 5. Kind groß zu werden, ist ja eine echte Lebensaufgabe. Trotzdem hat der Mann es geschafft, zu einem fröhlichen Menschen heranzuwachsen. Offenbar hat Gott ihn mit viel seelischer Robustheit gesegnet. Und manchmal genügt es für ein Kind, wenn noch ein anderer Mensch segnend die Hand über es hält – die Oma, die Tante. Oder ein freundlicher Lehrer, der es fördert.

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Manchmal ist es wie verhext: Da hat man es gerade besonders eilig und alles geht schief. Man will noch schnell die Einkäufe wegräumen, und die Packung Eier fällt auf den Boden…

Einmal habe ich in der Hektik sogar vergessen, die Beifahrertür meines Autos zu schließen. Und sie ist dann - beim rückwärts Ausparken - an einer Laterne hängengeblieben. Das war dann ziemlich teuer…

Und vor ein zwei Wochen bin ich der Länge nach die Straße runtergefallen, mitten in die Matsche. – Da ist nämlich gerade eine Baustelle und es regnete in Strömen.  Ich hatte mich extra schick gemacht - wir waren eingeladen. Aber wir waren spät dran. Deshalb habe ich mich so beeilt, dass ich über meine eigenen Füße gestolpert bin. Mit dem Ergebnis, dass ich mich komplett umziehen musste. Und wir noch später dran waren.

In solchen Augenblicken könnte ich schier über mich selbst verzweifeln. Als ich meiner Kollegin davon erzähle, sagt sie:
„Dazu sag ich nur eines: FRAU  RICHTER  FÄHRT  SUPER.“
"Wie? Was soll denn das nun wieder heißen?“ Frage ich.
„Denk doch mal scharf nach.“
„FRAU  RICHTER  FÄHRT  SUPER…?  Hm. - Also einmal: Da ist eine Richterin, die kann toll Autofahren. Oder: Da ist eine Richterin, die fährt Super-Benzin. Oder: Die Frau ist gar keine Richterin, sie heißt bloß so. So wie du.“
"
Richtig.“ Sagt die Kollegin. „Aber das ist noch nicht alles. Es hat noch eine tiefere Bedeutung. Streng dich noch ein bisschen an“

Ich habe mich angestrengt. Aber es hat nichts genutzt. Schließlich sagt sie:
„Denk doch mal an was ganz Dummes, was mir passiert sein könnte…?“

Frau Richter, die im richtigen Leben nicht Richterin sondern Pfarrerin ist, fährt nämlich einen Diesel… Und jetzt ahnen Sie schon, worauf die Sache hinaus-läuft: Ja, genau, Frau Richter hat SUPER  FALSCH getankt. Und das hat sie erst bemerkt, als das Auto liegen geblieben ist. Sowas ist schweineteuer.

Mich hat die Geschichte getröstet. Da stehe ich nicht so allein da, mit meinen Dummheiten. Und wie so oft: wenn eine damit anfängt, fallen den anderen auch ihre Missgeschicke ein.
- Was im Übrigen auch sehr viel unterhaltsamer ist, als die Geschichten, in denen man alles richtig gemacht hat…

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"So nimm denn meine Hände und führe mich, bis an mein selig Ende und ewiglich…“ So heißt ein bekanntes Kirchenlied. Ein Klassiker, vor allem auf Beerdigungen. Ich persönlich fand es lange Zeit zu gefühlsselig. Bis ich die Geschichte des Liedes kennengelernt habe.

Die Dichterin des Liedes heißt Julie von Hausmann. Sie wurde vor 200 Jahren geboren. 

Als sie noch ganz jung war, hat sie sie sich Hals über Kopf in einen jungen Mann verliebt. Aber der junge Mann stand kurz davor, auszureisen, nach Afrika. Er wollte Missionar werden. Vor seiner Abreise haben die beiden sich noch schnell verlobt. Und haben verabredet, dass Julie sobald wie möglich nach-kommen solle.

Das war damals freilich nicht so einfach. Es mussten viele Papiere besorgt werden. Und die Schiffe fuhren auch nicht so oft. Es vergingen viele Monate, bis sich Julie von Hausmann endlich auf die Reise machen konnte. Und das war im Übrigen auch ganz schön mutig von ihr. Denn so eine Schiffsreise war damals ziemlich ungemütlich. Und gefährlich obendrein. Und es war ja auch eine Reise ins ziemlich Ungewisse.

- Aber was tut man nicht alles für die Liebe…Jedenfalls, Julie von Hausmann übersteht alle Strapazen. Und dann endlich ist der ersehnte Hafen in Sicht! Nur, im Hafen steht kein Verlobter. Niemand wartet auf sie.
Also macht sie sich alleine auf den Weg zur Missionsstation. Als sie endlich am Ziel ist, erntet sie nur trauriges Kopfschütteln. Einer fasst sich ein Herz, führt sie zum Friedhof und weist auf ein Grab. Nur wenige Tage vor ihrer Ankunft ist ihr Verlobter gestorben.

Noch in derselben Nacht, heißt es, habe Julie von Hausmann diese Liedverse geschrieben: So nimm denn meine Hände und führe mich, bis an mein selig Ende und ewiglich. Zuerst könnte man denken, Julie von Hausmann meint ihren Verlobten. Aber es ist ein Gebet, eine Bitte an Gott, das so weitergeht:

In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz.
Und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz.
Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht,
du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht.

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Eine Taufe ist ein fröhliches Fest. Normalerweise. Da wird ja ein neues Gemeindemitglied in die Kirche aufgenommen - auch wenn es meist noch ziemlich klein ist, oft noch ein Säugling. Die Gemeinde bringt den Täufling vor Gott und tauft ihn in seinem Namen. Und dann wird er gesegnet. Und das ist in der Regel natürlich eine feierliche und fröhliche Angelegenheit, die für Gewöhnlich auch hinterher in der Familie noch gebührend begangen wird.

Aber wie ist das, wenn eine Taufe von tragischen Ereignissen überschattet ist? Ich habe schon erlebt, dass gerade jemand aus der Familie gestorben ist; in den dramatischsten Fällen war es ein Elternteil des Täuflings. Wenn dann vorne am Taufbecken einer der beiden wichtigsten Menschen im Leben eines Kindes fehlt, dann überlagert der Schmerz so ziemlich die Freude über die Geburt und die Taufe dieses Kindes.

Solche Taufen habe ich aber nicht nur als schwer erlebt, sondern auch als besonders intensiv und eindrücklich. Alle waren mit großem Ernst dabei. Denn sie haben eben erst erfahren müssen, wie zerbrechlich das Leben ist. Und wie nötig so ein kleines Kind den Segen Gottes braucht. 

Warum taufen wir Kinder? Die Taufe erinnert uns zuerst daran: das Leben – unser eigenes und das der Kinder - ist uns geschenkt worden - und zwar als Leihgabe, auf Zeit.

Und gleichzeitig verheißt uns die Taufe: ganz gleich wie zerbrechlich und endlich unser Leben ist - Gott wird es nicht loslassen; wird uns nicht verlassen,  was auch geschieht Meine Erfahrung ist: gerade Menschen, die Leben und Tod, Dankbarkeit und Trauer, so dicht beieinander erfahren, haben oft eine tiefe, stille Ahnung davon…

Vor ein paar Jahren habe ich zwei Geschwisterkinder getauft, deren Mutter die zweite Geburt nicht überlebt hat. Bei dieser Taufe waren es auch die Kinder, die die Erwachsenen immer wieder in die Gegenwart zurückgeholt haben:

Nach der Taufe habe ich die beiden Täuflinge auf den Arm genommen, für die Erinnerungsfotos. Als ich den größeren, den Vierjährigen auf dem Arm halte, stehe ich direkt neben dem Taufbecken. Ich bemerke gar nicht, wie er seine Hand ins Wasser taucht. Plötzlich läuft mir Wasser über den Kopf. Ich schaue mich etwas verwirrt um, da lacht er mich an und sagt:
„Ich hab dich auch getauft.“

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Viele schwören auf den gesunden Menschenverstand.
Albert Einstein hat jede Menge anspruchsvolle Vorträge über Raum und Zeit gehalten. Einmal - so erzählt man - steht ein Zuhörer auf und widerspricht:

„Was Sie hier ausgeführt haben, ist mir viel zu spekulativ. Wir sind doch nicht in der Kirche. Nach meinem gesunden Menschenverstand kann es nur das geben, was man sehen und überprüfen kann.“

Einstein lächelt und antwortet: „Na, dann kommen Sie doch bitte mal nach vorne und legen Sie Ihren gesunden Menschenverstand hier auf den Tisch.“

Ja, der menschliche Verstand ist schon eine äußerst nützliche Einrichtung, aber er hat seine Grenzen. Und gerade die wesentlichen Dinge kann man eben nicht mit dem Verstand erfassen: Die Liebe, zum Beispiel. Oder die Hoffnung. Oder den Glauben.

Und für mich gehört gerade zu einem Menschen mit gesundem Menschenverstand dazu, dass er sich dieser Begrenztheit bewusst ist.

Ich kenne beispielsweise einen Arzt, der ist durch und durch Schulmediziner. Und wie Schulmediziner eben sind, glauben die auch nur an das, was sie sehen und überprüfen können. Homöopathie etwa gehört nicht dazu.
Am Ende einer Untersuchung wird dieser Arzt immer mal wieder gefragt: "Ach, Herr Doktor, was ich Sie noch fragen wollte: Ich hab das so ne Warze, die geht nicht weg. Können Sie mir da was empfehlen?“

Dann greift er regelmäßig nach einer Packung homöopathischer Kügelchen und gibt seinen Patienten drei davon. Die gucken ihn dann ganz ungläubig an.
Und er sagt: „Sie wissen ja, ich halte nichts davon. Aber meine Frau hat mir die gegeben, und sie schwört darauf. Und soll ich ihnen was sagen? Bei den meisten Patienten gehen die Warzen wirklich davon weg.“ 

 „Bist du da nicht inkonsequent?“ fragen ihn manchmal seine Kollegen.
„Nö“, meint er. „Nur weil ich nicht verstehe, wie es funktioniert, muss ich es doch nicht gleich verwerfen.“ Ich weiß auch nicht, wie vieles funktioniert… - Nehmen wir die Liebe…

Oder warum Menschen, die an Gott glauben, oft über sich selber hinauswachsen. Das geht auch über meinen Verstand. Aber was wären wir ohne Menschen, die glauben und lieben; und gegen jede Wahrscheinlichkeit auf das Gute hoffen…?

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