Manuskripte

Was das Neue Jahr wohl bringt oder einbringt? Das ist immer auch eine Frage der Perspektive. Glas halb voll oder halb leer. Oder Schuhe an oder aus… Davon erzählt eine kleine Geschichte.

Vor vielen Jahren wollte ein großes Schuhunternehmen seinen Markt ausweiten. Die Geschäftsführung beschloss, zwei Mitarbeiter in die entlegensten Teile Australiens zu schicken. Jeder sollte untersuchen, welche Möglichkeit dort bestand, Schuhe zu verkaufen. Nach einiger Zeit trafen zwei Telegramme ein. Im ersten hieß es: „Unmöglicher Markt. Alle gehen barfuß.“ Im zweiten Telegramm stand: „Unendlicher Markt! Alle gehen barfuß!“

Oh! Noch mehr Geschichten für andere Zeiten, Andere Zeiten e.V.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30035

Wer ist eigentlich für mich Vater und Mutter? Es müssen nicht immer die leiblichen Eltern sein. Pfarrer Georg Schwikart erzählt:

Ein Geflüchteter bedankt sich in unserem „Café Nachbarschaft“. Er hat die Familie zurücklassen müssen. Aber hier in der Gemeinde, so sagt er wörtlich, sind ihm „die Frauen zu Müttern und die Männer zu Vätern“ geworden. Seine Ausdrucksweise, diese orientalische Poesie, klingt für unsere Ohren übertrieben. Aber wir ahnen, wie groß das Bedürfnis nach Begegnung ist. Eltern können wir wohl kaum werden, aber diese Menschen spüren lassen, dass sie mehr sind als „Flüchtlinge“ – liebenswerte Menschen eben.

Georg Schwikart, 100% Leben

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30034

Das Motto der Evangelischen Kirche in Deutschland, die sogenannte Jahreslosung, heißt 2020 kurz und knapp: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Doch sind Unglaube und Zweifel nicht auch wichtig? Der Priester Tomáš Halík sagt:

Glaube ist kein Besitz … keine vollständige Antwort, sondern ein Suchen. Die Sicherheit des Glaubens … ist ein Ziel. […] Aber … Bis zum Ziel gehören Momente des Zweifels untrennbar zu einem lebendigen Glauben. […] Wir sollten nicht immer die einfachsten Antworten anbieten. Es gibt einige Fragen, die sind so gut, die sollte man nicht mit Antworten verderben.

3e, das Ideenmagazin für die Evangelische Kirche

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30033

Schon Pläne gemacht für das neue Jahr? Pfarrerin und Autorin Birgit Mattausch hat klare Vorstellungen…

Viel und oft: schreiben, lieben, trinken, beten, küssen, atmen, schlafen.
Häufig: zuhören, lesen, shoppen, Kaffee mit Milch.
Manchmal: ans Meer, ins Kino, Fenchel mit Parmesan.
Und nie: die Kirche retten wollen, alkoholfreier Sekt, Multifunktionsjacken, vergessen, dass ich geliebt bin.

Zeit für Freiräume, hg. V. der Steuerungsgruppe „Zeit für Freiräume 2019 der Ev. Lutherischen Landeskirche Hannovers

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30032

Wieder ein Jahr vorbei. Was war gut, was schlecht, was hat sich bezahlt gemacht? Der Dichter Lothar Zenetti macht eine ganz eigene Rechnung auf:

Einmal wird uns gewiss
Die Rechnung präsentiert
Für den Sonnenschein
Und das Rauschen der Blätter …
für den Schnee und den Wind …
Für die Luft, die wir
geatmet haben, und den
Blick auf die Sterne…
Einmal wird es Zeit,
dass wir aufbrechen und bezahlen;
bitte die Rechnung.
Doch wir haben sie
Ohne den Wirt gemacht:
Ich habe euch eingeladen,
sagt der und lacht,
so weit die Erde reicht:
Es war mir ein Vergnügen!

Gebrauchsanweisung für das Älterwerden, Nr. 4, Projektgruppe Glaubensinformation e.V. Lutherische Verlagsgesellschaft

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30031

Was ist Glück? Manchmal etwas scheinbar Unscheinbares, meint Sascha Lobo. Der Digital-Experte erzählt vom kleinen, analogen Glück:

Durch die Digitalisierung … ist die Welt so groß, so intensiv geworden, eine Überdosis Weltgeschehen strömt auf uns ein… Deswegen suche ich die kleinen Dinge. Zum Beispiel die Raupe des Wolfsmilchschwärmers: eine der schönsten Raupen, eine Sensation! … Knallrot mischt sich mit Grün, Gelb und Schwarz. … Wenn ich so eine Raupe finde, ist das ein glücklicher Moment. Und wenn ich das mit meiner raupenbegeisterten Frau erlebe, kann es ein Moment des großen Glücks werden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30030

Was ist schönste Zeit des Jahres? Nein, nicht die Weihnachtszeit, schon gar nicht die davor. Die schönste Zeit ist genau jetzt, in diesen Tagen „dazwischen“. Das meint jedenfalls Autorin Jana Hensel:

Jedes Jahr nehme ich mir vor, mich in den Dezemberwochen nicht gestresst zu fühlen. Doch es gelingt mir nicht. Ich freue mich sehr auf Weihnachten - und ich bin sehr froh, wenn es vorbei ist. Die folgenden sieben Tage zwischen den Jahren sind mir die liebste Zeit. Niemand ist in der Stadt, niemand ruft an, niemand schickt Mails – großartig.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30029

Patrick Burleigh hat einen seltenen Gendefekt. Schon mit zwei Jahren kam er in die Pubertät und das war für ihn furchtbar. Als seine Frau schwanger war, hat er mit ihr hin und her überlegt, ob sie ihr werdendes Kind auf die Krankheit testen sollten. Sein Vater meinte dazu:

Schau, Junge, ich weiß nicht, welche Kindheit du ohne die vorgezogene Pubertät gehabt hättest. Vielleicht eine einfachere. Was ich weiß, ist, dass du wegen deiner Kindheit der bist, der du heute bist. Und diese Person liebe und bewundere ich. Mach den Test – oder lass es. Ich bin sicher, dass egal, wie das Ergebnis sein wird, du deinen Sohn lieben wirst.

Stern, Ausgabe 15.8.19

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29620

Wie verändert sich unsere Gesellschaft zum Besseren? Indem man bereit ist zu lernen, meint die Publizistin Carolin Emke.

Natürlich ist das Zusammenleben in einer Gesellschaft anstrengend. Das verlangt allen etwas ab.

Ich gebe ihnen ein ... Beispiel: Als der NSU enttarnt wurde, habe ich die Namen der Opfer regelmäßig in der Zeitung gelesen, über Jahre hinweg. Ich konnte mir sie aber nicht sofort merken. ...

Ich habe … realisiert, dass es mir schwerfällt, mir türkische, meinem Gedächtnis weniger vertraute Namen zu merken... Das ist per se sicher nicht verwerflich. Das hat etwas mit Übung zu tun. ... Aber dann muss ich mich eben anstrengen. Konkret: mich hinsetzen und die Namen auswendig lernen... Das kostet Mühe...

Und ich finde auch, es muss für diesen Wandel dann auch Zeit eingeräumt werden, damit wir etwas Neuartiges ... lernen können.

Galore Interviews, Ausgabe 9 2019

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29619

Ob man den Tod fürchten muss? Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein hat seine Antwort gefunden:

Ich war 17, als meine Mutter an Leukämie starb. Das hat mich geprägt. Jeder Mensch hat zu seiner Mutter ein besonderes Verhältnis. Sie fehlt mir als Ansprechpartner, den man in dieser Lebensphase einfach braucht. Das war eine Prüfung, aber selbst das hat meine feste Überzeugung, dass es Gott gibt, und diese Nähe, die ich zu Gott verspüre, nie ins Wanken gebracht. Im Gegenteil.

Die Zuversicht, dass das Leben nach dem Tod nicht endet, hat mir immer sehr viel Kraft gegeben. Es ist letztlich das, was Gott ausmacht: Das Leben ist mit dem, was wir hier auf der Erde haben, nicht beendet.

CHRISMON-Plus, Ausgabe 9 2019

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29618