Manuskripte

29AUG2020
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Ein Gott, der in und mit Jesus elendig am Kreuz gestorben ist. Diese scheinbar so widersprüchliche Ansicht beschreibt ein Theologenteam so:

„Der christliche Glaube findet Gott nicht in überwältigenden Machttaten in der Geschichte.

Es ist vielmehr ein Mensch, der ein ärmliches Leben geführt hat und am Ende wie ein Verbrecher zwischen zwei Verbrechern hingerichtet wurde, der für den christlichen Glauben das Lesebuch Gottes in der Welt wird. […] Man sieht dort einen Gott, der leidet und sich menschliche Vernichtungswut ohnmächtig gefallen lässt. […]

Diese Gewissheit, dass Gott sich ganz auf den Menschen einlässt und dies bis in die dunkelsten Lebensorte hinein durchhält, hält die Geschichte Gottes für Menschen heute offen.“

Autor*innen: Martin Rothgangel, Michael Kuch, Georg Raatz, Wiebke Bähnk, Melanie Beiner, Andreas Brummer, Heike Franke in: Kleiner Evangelischer Erwachsenen Katechismus

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28AUG2020
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Heute vor 57 Jahren fand der große Anti-Rassismus-Protestmarsch in Washington statt. Über 250000 schwarze und weiße US-Amerikaner forderten damals die Gleichberechtigung für die schwarze Bevölkerung. Die Rede von Bürgerrechtler Martin Luther King ist aktueller denn je. Er  forderte:

„Als die Architekten unserer Republik die großartigen Worte der Verfassung und der Unabhängigkeitserklärung schrieben, unterzeichneten sie einen Schuldschein, zu dessen Einlösung alle Amerikaner berechtigt sein sollen. Dieser Schein enthielt das Versprechen, dass allen Menschen –  ja, schwarzen Menschen ebenso wie weißen – die unveräußerlichen Rechte auf Leben, Freiheit und den Anspruch auf Glück garantiert wurden. […] Wir sind heute gekommen, diesen Scheck einzulösen. […] Jetzt ist es Zeit, Gerechtigkeit für alle Kinder Gottes Wirklichkeit werden zu lassen.“

Martin Luther King, Ich habe einen Traum

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31544
27AUG2020
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In Belarus, in Deutschland eher als Weißrussland bekannt, geht die Polizei nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl mit brutaler Gewalt gegen Demonstrierende vor. Menschenrechte werden verletzt. In den Gefängnissen kommt es zu Misshandlungen.
In dieser Situation wendet sich Wladimir Tatarnikow, Pfarrer in der belarussischen Stadt Grodno, an die Öffentlichkeit. Er schreibt:

"Liebe Brüder und Schwestern!

[…] Ich denke, Ihr habt von der Situation bei uns gehört. Es ist sehr schlimm. Die Protestaktionen im ganzen Land und auch bei uns gehen weiter. Seit Tagen gibt es kein Internet. Unsere lutherische Kirche ist permanent geöffnet für Menschen, die vor der Gewalt, die von Sicherheitskräften ausgeht, fliehen.

Auch aus unserer Gemeinde sind junge Leute dabei, die für ihre Freiheit kämpfen und gegen das Wahlergebnis der Präsidentschaftswahl auf die Straße gehen. […]

Wir bitten Euch um Eure Gebete und wünschen Euch Gottes Segen!

Euer Wladimir"

In: https://glauben-verbindet.blogspot.com/2020/08/die-lutherische-kirche-in-grodno-ist.html?spref=tw

https://www.gustav-adolf-werk.de/weissrussland.html 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31543
26AUG2020
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Heute hätte sie ihren 110. Geburtstag: Mutter Teresa. In den Elendsvierteln von Kalkutta hat sie sich um Obdachlose, Kranke und Sterbende gekümmert. Die Widersprüchlichkeiten des Lebens und des Glaubens hat sie dabei kennengelernt. Eine solche Erfahrung beschreibt sie so:

„Dunkelheit umgibt mich von allen Seiten. Meine Seele leidet. [Und so frage ich mich]:Vielleicht gibt es gar keinen Gott?
Ich spüre eine unendliche Sehnsucht, an ihn zu glauben.  Aber, wenn es keinen Gott gibt – Himmel, was für eine Leere!“

In:  https://www.deutschlandfunk.de/mutter-teresa-eine-heilige-der-finsternis.2540.de.html?dram:article_id=364019

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31542
25AUG2020
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Grenzenlose Toleranz ist fürs Zusammenleben nicht gut. Warum? Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck meint:

„Das Leben ist so beschaffen, dass wir nicht nur guten Menschen begegnen, sondern auch Menschen, die Böses im Schilde führen. Und irgendwann ist dann auch der Tolerante aufgefordert, intolerant zu werden. […] 

Es gibt Menschen, die die Freiheit nicht lieben, die lieber unterdrücken als gewähren lassen, die keine Demokratie wollen, sondern herrschen wollen. Das ist z.B. etwas, wo wir niemals tolerant sein dürfen. […] Wenn jemand zum Beispiel unser Grundgesetz wirklich in Frage stellt, unsere Grundwerte, die Menschenrechte. Wenn einer Hass predigt, - ja meine Güte, sollen wir dann auch noch tolerant sein? Also da gibt’s eine Verpflichtung zur Intoleranz.“

Bundespräsident a. D. Joachim Gauck befragt von Ursula Heller
In: https://www.ardaudiothek.de/das-ard-radiofestival-gespraech/bundespraesident-a-d-joachim-gauck-befragt-von-ursula-heller/78619276

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31541
24AUG2020
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Jannik hat sich im Pausenhof oft mit anderen Schülern gezofft. Da kam es auch schon mal zu Handgreiflichkeiten. Seitdem er das Konzept der gewaltfreien Kommunikation kennt, passiert ihm das viel seltener. Er erzählt, wie das funktioniert:

„Man fühlt sich in den anderen ein und sagt zu sich im Inneren stopp. Und laut sagt man, ich komme gleich wieder und kläre den Streit. Damit der andere auch weiß, ich komme gleich wieder und nicht denkt, der haut jetzt ab.

Und dann muss man sich auch fragen, was habe ich gemacht und nicht nur, was hat er gemacht. Und auch überlegen, was man selber für Fehler gemacht hat und sich irgendwie dafür entschuldigen. Und sich vornehmen, das mit dem nicht mehr zu machen und hoffentlich gar keine Gewalt mehr einzusetzen.“

https://www.deutschlandfunkkultur.de/lange-nacht-ueber-gewaltfreie-kommunikation-eine-sprache.1024.de.html?dram:article_id=385322&utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

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23AUG2020
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Den Sonntag gemeinsam feiern! Petra Bahr, Regionalbischöfin in Hannover, tut das gern zusammen mit Familie oder Freunden. Damit es klappt, folgt sie einer Regel. Sie erzählt:

„Die […] Regel hat meine Mutter in unseren kinder- und gästereichen Haushalt eingeführt. Sie heißt: Am Sonntag soll niemand alleine in der Küche stehen; für die Mahlzeiten sorgen alle gemeinsam.

So halte ich es auch heute. Der Sonntag war und ist der Tag für große Festessen und Gelage, für geplante Mähler oder für spontane Tortenfeiern.

[…] Der Esstisch soll an diesem Tag der Woche voll besetzt sein.

Die Vorbereitungen aber machen alle gemeinsam. Das ist gesellig, stiftet viele lustige Erlebnisse und unversehens ernste Gespräche, ohne dass einer die Arbeit macht, während die anderen sich amüsieren.“

Petra Bahr, Sonntag in: e-wie-evangelisch http://www.e-sonntag.de/

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04JUL2020
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Brunhilde Mark ist im Pflegeheim an Covid 19 gestorben. Ihre Tochter, Michaela Mark-Lutz, erzählt:

„Sie war eine Löwenoma für die Jungs. Und für mich: eine Löwenmutti. Wahrscheinlich weil sie wusste, wie wertvoll Zeit mit der Familie ist: Ihre Schwester starb, da war meine Mutter vier. […] Als Mutti 42 war, verlor sie ihre Mutter, die sie abgöttisch geliebt hatte. Sie hielt dann jene umso fester, die ihr blieben. […]

Als sie sich mit Corona infiziert hatte, sagte sie: ‚Bleibt weg!‘. Eine Löwen-Ehefrau, sie wollte ihren Mann schützen. Ich weiß bis heute nicht, ob es richtig war, auf sie zu hören. Denn sie sagte uns auch: ‚Ich vermisse Euch‘. Als sie im Sterben lag, hielt ihr eine Schwester den Hörer ans Ohr. Wir sagten ihr, wie sehr wir sie lieben.“

Michaela Mark-Lutz, Sie hielt jene umso fester, die ihr blieben. In: Die Namen hinter den Zahlen, in: DIE ZEIT, Nr. 24

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03JUL2020
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Inés de Castro ist Direktorin des Stuttgarter Lindenmuseums und hat im letzten Jahr eine besonders bewegende Reise erlebt. Sie war Teil einer Delegation, die eine Bibel zurück nach Namibia brachte. Die war nämlich unrechtmäßig von der deutschen Armee geraubt worden. Sie erzählt:

„Selbst ich als Museumschefin hatte verdrängt, welche unfassbare identitätsstiftende Bedeutung Gegenstände haben können. Diese Bibel ist ein Neues Testament in Nama-Sprache, das 1893 von der deutschen Kolonialarmee erbeutet wurde. […]

Es war eine sehr besondere Reise für mich. Es flossen Tränen, auf allen Seiten. Mir war bis dahin nicht bewusst, wie präsent das große Unrecht aus der Kolonialzeit in Namibia bis heute noch ist. Ganz im Gegenteil zu Deutschland, wo die Kenntnisse über unsere gemeinsame Geschichte mit Namibia kaum vorhanden sind. Ich war tief ergriffen von der Freundlichkeit und Dankbarkeit, die uns entgegengebracht wurde.“

Inés de Castro, Gemeinsam nach Wahrheit suchen In: Chrismon. Das Evangelische Magazin, 6/2020.

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02JUL2020
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Wie stellst Du Dir die Welt vor, wenn Du 100 Jahre alt bist? Der 10jähige Joris müsste bei dieser Frage nicht lange nachdenken:

„Sollte ich einmal hundert werden, gibt es vielleicht keine Krankheiten mehr […] und alle Menschen werden Mikrochips in den Köpfen haben gegen Vergesslichkeit, gegen Blindheit oder Taubheit. […]

Was ich mir am meisten wünsche, ist eine Welt ohne Hass und Rassismus. Ein bisschen habe ich Angst davor, dass das nicht aufhört, auch nicht in 90 oder 100 Jahren. […] Ich glaub nämlich nicht, dass es irgendwann Mikrochips gegen Hass gibt, die man einpflanzen kann. Da müssen die Menschen schon selber stark sein.

So wie es heute aussieht, müssten ganz, ganz, ganz viele Menschen aufstehen [...], damit Leute, die andere Leute angreifen, weil sie eine dunklere Hautfarbe oder eine andere Religion haben, nicht die Macht bekommen.“

Joris, Was war – und was ich vor mir sehe. Joris, 10, Frankfurt am Main. In: Chrismon. Das Evangelische Magazin, 6/2020

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