Manuskripte

Dein Reich komme – das ist eine Bitte aus dem Vaterunser. Der Wittenberger Pfarrer und Publizist Friedrich Schorlemmer erzählt, wie diese Bitte einen Menschen verändert:

„Dein Reich komme! Wer so bittet, schaut auf, hat offene, gespannte und erwartungsvolle Augen für das, was […] kommt, unabhängig davon, was uns den Horizont verdüstert. Gewiss, er sieht nicht darüber hinweg, aber er lässt sich nicht fatalistisch deprimieren, sondern motivieren, auf das Erhoffte zuzugehen.
Für ihn gibt es höhere Güter als die Erhöhung des Bruttosozialproduktes, z.B. […] die Frage nach einer gerechten Verteilung, sowohl von Geld als auch von Arbeit.
Dein Reich komme – ein mutmachender Unterwegssatz, der mir sagt: Es gibt noch Hoffnung! Es gibt noch Offenheit.“

Friedrich Schorlemmer, Verse – Vater unser! Dein Reich komme, in: Die Bibel für Eilige

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Einen Seitensprung der eigenen Ehefrau - viele Männer können das kaum verkraften. Finn B. wollte seine Frau und die Kinder auf keinen Fall verlieren. Wie er das geschafft hat, beschreibt er so:

„Ich musste mich entscheiden, meiner Frau zu verzeihen. Ich habe das rational gesehen und entsprechend gehandelt. Hass- und Wutgefühle hatte ich nur gegen den anderen Mann. Für mich standen die Kinder an erster Stelle. Die wollte ich nicht nur am Wochenende sehen.
Es machte keinen Sinn, meiner Frau immer vorzuhalten: Was hast du mir angetan? […]Das Gefühl, betrogen worden zu sein, braucht Zeit, einfach nur Zeit, damit es vergeht“
Finn B. (anonym), zitiert von Cordula Henne

Unter der Oberfläche. Affäre, Seitensprung, Zweitbeziehung – etwa jeder zweite Deutsche geht laut einer Theratalk-Umfrage mindestens einmal in seinem Leben fremd. Wenn die Untreue auffliegt, beginnt für beide Seiten ein schmerzhafter Prozess.

In: Anders Handeln. Ein Magazin von anderen Zeiten e.V., Ausgabe 1 (2017)

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Unsere Erde aus dem Weltall betrachten – das konnte der amerikanische Astronaut Scott Kelly. Dabei hat ihn vor allem die zarte Zerbrechlichkeit unserer Erde angerührt. Er schreibt:

„Mir ist, als hätte ich eine intime Kenntnis der Erde, die den meisten Menschen verwehrt ist – Küstenlinien, Gelände, Berge und Flüsse. Manche Teile der Erde […] erscheinen wegen der Luftverschmutzung so diffus, dass sie krank wirken, als bräuchten sie eine Behandlung oder wenigstens eine Gelegenheit, sich zu erholen. Die Kontur unserer Atmosphäre wirkt so dünn wie eine Kontaktlinse über dem Auge, und ihre Zartheit scheint nach unserem Schutz zu verlangen.“

Scott Kelly, in: Endurance. Mein Jahr im Weltall

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Einen sicheren Job und eine gesunde Familie – viele wünschen sich vor allem das und arbeiten hart für dieses Ziel. Der Schriftsteller und Weltbürger Ilija Trojanow hat noch etwas anderes im Blick. Er sagt:

„Ich glaube, dass es das Ziel des Lebens ist, sich von dem eigenen kleinen Ego wegzubewegen. Das Schönste, was es im Leben gibt, sind Beziehungen mit anderen Menschen. […] Das ist für mich eine große Beglückung. Mein Ziel ist das Dialogische, das Plurale. Und je älter ich werde, umso mehr lerne ich, nicht zu urteilen.“

Ilja Trojanow, Das Leib- und Seele-Gespräch: „Ich will weg vom eigenen kleinen Ego“ mit Publik-Forum, in: Publik-Forum, Nr. 5, 8.3.2019

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Welche Wünsche und Träume haben Sie für das Jahr 2050? Die Politikredakteurin Elisa Rheinheimer-Chabbi hat sich das gefragt und ihren Traum für Europa beschreibt sie so:

„Mein Traum, wie die EU [im Jahr 2050] aussieht: […] Es ist eine europäische Öffentlichkeit entstanden […].Austauschprojekte in Europa sind fester Bestandteil im Berufsleben der Menschen – nicht nur für Akademiker, sondern auch für Handwerker, Reinigungskräfte und Altenpfleger. Jeder Bürger und jede Bürgerin Europas, die nach 2025 geboren wurden, erhält zum 18. Geburtstag ein kostenloses Interrail-Ticket für Europa, auf dass sie andere Europäer kennenlernen. Die EU ist zu einer Gemeinschaft geworden, auf die die Menschen stolz sind.“

Elisa Rheinheimer-Chabbi, Mein Traum von Europa, in: Publik-Forum, Nr. 6, 22.3.2019

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Was soll in diesem neuen Jahr genauso bleiben, wie es ist? Woran möchten Sie festhalten? Die Designerin und Sängerin Eleonore Hochmuth beantwortet die Frage so:

„Die Freiheit soll bleiben, wie sie ist. Sie ist für mich […] das wichtigste Gut. Die Lust am Leben, die Liebe, Hoffnung, Aufmerksamkeit und Zuversicht sollen bleiben […].
Ich wünsche mir, dass […] der Mut, seine Meinung zu sagen, das Interesse daran, sie zu bilden und die Kraft, sie zu vertreten, anhält. [… Dabei darf] die Toleranz gegenüber anderen Menschen, Meinungen und Religionen nicht verletzt werden. Möge der Dialog weitergehen, in jedem Umfeld: in der Politik, unter Nachbarn, Freunden und Kollegen und auch in der Partnerschaft.“

Eleonore Hochmuth, Möge der Dialog weitergehen, in: Silvesterumfrage; was soll für Sie bleiben, wie es ist? In: Schwäbisches Tagblatt, 31. Dezember 2019

 

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In der Vesperkirche werden alle satt – egal, ob mit oder ohne Geld. In diesem Winter gibt es in Baden-Württemberg 34 Vesperkirchen und heute beginnen einige von ihnen mit ihrer Arbeit. Was die Vesperkirchen ausmacht, hat das Ludwigsburger-Team frei nach Hanns-Dieter Hüsch formuliert:

„Es tummeln sich viele verschiedene Menschen dort: Obdachlose und die ganz Vornehmen, Landstreicher und Familienfrauen mit ihren Kindern, Schnorrer, Jugendliche, gestresste Angestellte und viele, viele andere.
[…] Der liebe Gott hat seine Freude daran. Denn er liebt die, die mit anpacken und offen sind. […] Die nicht zu allem Ja und Amen sagen, sondern miteinander für Leib und Seele sorgen wollen.  Und, das verrate ich Ihnen jetzt im Vertrauen, an manchen Tagen der Vesperkirche ist der liebe Gott auch mitten unter den Gästen, sitzt mit ihnen am Tisch, schwatzt und lacht mit den Tischgenossen.“

VertreterInnen der Ludwigsburger Vesperkirche in Anlehnung an Hanns-Dieter Hüsch, Für die Seele, in: https://www.vesperkirche-ludwigsburg.de/fuerdieseele.html

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Heute vor 30 Jahren ist die Berliner Mauer gefallen. Uwe Schwab, der ehemalige DDR-Bürgerrechtler erinnert sich, dass die Leipziger Nikolaikirche damals ein zentraler Ort der friedlichen Revolution war und erzählt:

 

„Mich hat […] einfach mal jemand mit in die Nikolaikirche genommen - das war ein Glücksfall. Ich bin kein Christ, aber man traf dort auf junge Leute, die ganz anders tickten und nicht nur alles nachbeteten, was von oben verlangt wurde. Die redeten ganz offen über gesellschaftliche Probleme […]. Für mich war das wie eine Schule der Demokratie, in der man gelernt hat, andere Meinungen zuzulassen und Argumente auszutauschen […]

Natürlich gab es auch Pfarrer, die jeden Protest abgelehnt haben und nie Räume zur Verfügung gestellt haben. Genug andere haben es aber getan – […] so sind in der Kirche viele Gruppen entstanden - das war eine Grundbedingung für das, was dann zur Wendezeit passiert ist. Ohne die evangelische Kirche wäre das nicht möglich gewesen.“

 

 

Autor: Uwe Schwab

Titel: Die Kirche hat eine riesengroße Rolle gespielt

In: https://www.evangelisch.de/inhalte/160849/01-10-2019/ex-ddr-buergerrechtler-uwe-schwabe-kirche-rolle-friedliche-revolution

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Heute vor genau 70 Jahren hat Georg Elser versucht, Adolf Hitler umzubringen, um so den Krieg abzuwenden. Der Journalist Tim Pröse schreibt darüber:

 

„Dreizehn Minuten zwischen Leben und Tod. Zwischen Rettung und Untergang. Diese dreizehn Minuten fehlten Georg Elser, um die Welt zu verändern. Wäre seine Bombe nur etwas früher explodiert, hätte sie Hitler getötet. […]

Elser war ein selbstbewusster Mensch mit klarem Blick und verschmitztem Lächeln. Etwas Unternehmungslustiges und Unabhängiges lag in seinen Zügen.

Der Mut eines Alleingängers, der so fest war, dass er selbst die Nazis verwirrte. Niemanden hatte Elser von seinem Vorhaben erzählt. Allein Gott im Gebet vertraute sich der gläubige Katholik an.“

 

Autor: Tim Pröse

Text: Hitler Attentäter Georg Elser. Es fehlten nur 13 Minuten.

In: https://www.spiegel.de/geschichte/georg-elser-und-das-attentat-auf-adolf-hitler-nur-13-minuten-fehlten-a-1142134.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29705

Der Schulalltag der Brüder-Grimm Grundschule in Oberhausen ist von kultureller und religiöser Vielfalt geprägt. Die Grundschullehrerin Fereba Seleman spricht für alle Kinder dort ein Segensgebet:

 

„Gott schenke uns die Kraft des Herzens,

dass es weit genug sei, um aufzunehmen und zu empfangen.

Gott schenke uns die Kraft der Hände, um Frieden in die Welt zu säen.

Gott schenke uns die Kraft der Gedanken, um fantasievoll Auswege aus

der Sackgasse zu finden.

Gott schenke uns die Kraft der Stimme, dem Frieden eine Melodie zu

geben, die alles durchdringt.“

 

 

Autor: Fereba Seleman

Titel: Segensgebet

In: Pädagogisches Institut. Evangelische Kirche von Westfalen: Interreligiös unterrichten. Fort- und Weiterbildung für Schulen und Kirche 2/2019, S. 45.

Link zum PDF: http://www.pi-villigst.de/veranstaltungen.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29704