Manuskripte

„Gegen die Irrtümer der Griechen“ – Contra errores Graecorum, hieß das Buch, das der päpstliche Hoftheologe Thomas von Aquin im Jahr 1263 im Auftrag des Papstes geschrieben hat. Gemeint war die griechisch-orthodoxe Kirche. Ich will es heute erwähnen, am Gedenktag des großen heiligen Kirchenlehrers Thomas – und zwei Tage nach der Gebetswoche für die Einheit der Christen.

 

Gegen die Irrtümer der griechischen Kirche – das klingt erst mal wie eine Kampfschrift. Sollte aber eigentlich – ganz im Gegenteil – eine theologische Basis sein, auf der die damals getrennten Kirchen wieder hätten zusammenfinden können.

 

Die erste große Kirchenspaltung war damals gerade 200 Jahre alt – eher eine kurze Zeit, verglichen mit den fünfhundert Jahren, die jetzt schon seit Martin Luthers Thesen und der großen Trennung der westlichen Kirchen vergangen sind. Möglich, dass da noch was drin gewesen wäre – eine Einigung oder wenigstens eine Verständigung. Dazu wollte Thomas beitragen. Die meisten so genannten „Irrtümer der griechischen Kirche“ entlarvt er als gegenseitige sprachliche Missverständnisse zwischen dem östlichen Griechisch und dem westlichen Latein.

 

Leider ist der große Thomas mit seiner guten Absicht gescheitert. Hat sich wohl auch an zu alten Texte abgearbeitet. Da wäre es schon geschickter gewesen, man hätte auf Augenhöhe und direkt miteinander gesprochen. Allerdings wäre das natürlich schwierig gewesen, solange beide Kirchen sich gegenseitig als Ketzer und Häretiker beschimpften – ganz abgesehen von Kriegen und wirtschaftlicher Konkurrenz rund ums Mittelmeer – die standen dann auch noch im Weg. Und gemeinsam gebetet hätten die Christenmenschen im Mittelalter kaum –  wenn schon, dann höchstens gleichzeitig und gegen die jeweils anderen.

 

Da sind wir heute ein großes Stück weiter. Eigentlich wissen inzwischen sogar die meisten Kirchenleitungen in Ost und West und Nord und Süd, dass es nur eine Kirche geben kann, wenn sie den Auftrag ihres Herrn Jesus Christus ernst nehmen wollen. Die Leute nehmen Kirche sowieso meistens als „eine Kirche“ wahr – jedenfalls die Leute, die das sowieso alles für Hokuspokus halten; aber immer mehr normale Kirchenmenschen auch.

 

Dass die Kirchen in Deutschland und Europa gemeinsam an fünfhundert Jahre Reformation erinnern, macht sie ein bisschen mehr wieder zu der einen Kirche, die Jesus wohl eher gewollt hat. Und da ist es doch gut, wenn alle gemeinsam beten – die eine Woche im Jahr – aber eigentlich immer und immer wieder.

 

 

 

 

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Trauer-Beflaggung heute an Schulen und Rathäusern und überhaupt an den öffentlichen Gebäuden im ganzen Land. Könnten eine Erinnerung an Bundespräsident Roman Herzog sein, der am 10. Januar gestorben ist, siebzehn Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit. Heute Mittag wird er zu Grabe getragen.

Tatsächlich erinnern die Flaggen auf Halbmast an den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Und damit auch wieder an Roman Herzog – als Bundespräsident hat er den Gedenktag 1996 verbindlich eingeführt.

„Die Erinnerung darf nicht enden;“, hat Herzog damals gesagt. „sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. … (Erinnerung) soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Dass es der siebenundzwanzigste Januar wurde, hat einen konkreten historischen Anlass. Heute vor zweiundsiebzig Jahren hat die Rote Armee das KZLager Auschwitz-Birkenau besetzt; die Soldaten hatten die wenigen Überlebenden dort befreit und viele Tote gefunden. Die Nazischergen haben ja bis zum Ende ihres „Tausendjährigen Reiches“ weitergemordet. Tag der Befreiung des vielleicht schlimmsten Todeslagers – natürlich ist das nur ein Datum von vielen möglichen. Schreckliche Tage hätte es genug gegeben in der dunkelsten Zeit von Deutschland und Europa.

Aber dieser Tag ist doch auch bewusst gewählt. Erinnert an das Schreckliche und Unmenschliche; und zugleich steht er eben auch für die Hoffnung auf Befreiung. Es gibt tatsächlich eine Chance, dass so etwas nie wieder geschieht. Dass in diesem Land der Täter immer genügend Menschen darauf achten, wie sie miteinander leben und miteinander umgehen: Wie sie aufeinander achten und sich gegenseitig unterstützen; wie Fremde und Andersartige sich einbringen und integrieren können – und wie alle gemeinsam an der einen Gesellschaft arbeiten. Das wird eine bunte Gesellschaft sein – mit Menschen aus vielen Nationalitäten und Herkunfts-Ländern, mit vielen Formen an einen Gott zu glauben oder auch nicht, mit Dutzenden von Sprachen und Moden und sexuellen Orientierungen…

Tag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau, Tag der Opfer von Nationalsozialismus und Rassismus - ein Tag der Hoffnung auf eine gute Zukunft dieses Landes und seiner Menschen in Europa.

In dieser Hoffnung wird heute Mittag in Schöntal auch der Gottesdienst für Roman Herzog gefeiert –

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„Wunder der Natur“ heißt meine Lieblings-Ausstellung, zur Zeit; schon über ein Jahr zu sehen im Gasometer Oberhausen. Wunder der Natur…

Drinnen neben tollen Fotos auch ein kleiner Film; da ist das Wunder ein Moment in der Kinderstube der kleinen Mandarin-Enten. Die Entenmutter hatte ihre Eier in einer Baumhöhle abgelegt und ausgebrütet; Sicher, gut geschützt vor irgendwelchen Nesträubern. Aber jetzt, vor vierundzwanzig Stunden sind sie erst geschlüpft, müssen sie raus. Fliegen lernen sie erst später. Aber wenn sie aus dem Baum krabbeln, geht’s erst mal zehn Meter senkrecht runter auf den Boden.

Es scheint den kleinen Enten eher unwohl zu sein, wie sie da hinauslugen. Vermutlich verhindert ihr Instinkt, dass sie springen – wäre ja auch lebensgefährlich. Aber dann macht die Entenmutter es ihnen vor - sie lässt sich einfach aus dem Baumloch fallen und landet unten in einem weichen Teppich aus Laub und Moos. Und lockt sie mit einem speziellen Ruf. Und – für mich ist das das Wunder – die Kleinen folgen der Mutter und springen ihr nach. Bei Menschen würde man es wohl Vertrauen nennen. Ob MandarinEnten auch sowas haben?

Jedenfalls sind sie schließlich alle sicher am Boden und werden fliegen lernen und auf dem See paddeln und Futter suchen… Wie gesagt: Nur eines von vielen Wundern der Natur, die da in tollen Fotos und Videos und ein paar echten Stücken ausgestellt sind.

Wenn ich zum dritten Mal in die Ausstellung gehe, werde ich das auch alles noch mal sehen und genießen. Vor allem aber werde ich mich wenigstens eine Stunde in die große Halle legen; die ist fast hundert Meter hoch und mittendrin schwebt mit zwanzig Meter Durchmesser eine Erd-Skulptur. Ein riesiger Ballon, draufprojiziert Millionen Bilder von Wettersatelliten, mit Tag und Nacht im Wechsel, mit Orkantiefs und Wolkenfetzen, mit dem Licht der großen Städte überall auf der Welt und dem Dunkel der Wüsten und der Ozeane.

Die Erde – der Heimatplanet – das eigentliche Wunder der Schöpfung. Unendlich groß und mächtig – und zugleich so verletzlich; den Menschen anvertraut und zugemutet und ausgeliefert zugleich.

Man muss das erleben, glaube ich. Und es lohnt sich wirklich – auch wenn der Weg weit ist nach Oberhausen im Ruhrgebiet. Die Wunder der Natur sind noch bis November zu sehen.     

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23536

Genau ein Monat ist vergangen seit Weihnachten – kommt manchen viel weniger vor. Ja – es ist viel passiert seit dem Fest; die vielen anderen Feiertage, Silvester und Neujahr mit ihren guten Vorsätzen, in Baden-Württemberg und Bayern der Dreikönigstag; Manche haben auch KurzUrlaub gemacht, sind gewandert oder skigelaufen, wenn’s ein bisschen Schnee gab. Sogar im Privatleben: Viel los, vermutlich, bei vielen.

Und auch im öffentlichen Leben ist es ziemlich rund gegangen – weltweit bis zur Amtsübernahme des neuen US-Präsidenten am letzten Freitag. Und in Deutschland mit vielen Debatten über die Sicherheit nach den Berliner Attentaten; es geht um Menschen auf der Flucht und Männer mit terroristischen Absichten. Ziemlich offen ausgebrochen ist inzwischen der Wahlkampf; schließlich ist dies ein Jahr mit vielen Wahlgängen, bei uns und bei den Nachbarn…

Schon ein ganzer Monat – oder nur ein Monat!? Auch dieses Gefühl kommt ja vor. Manchen Menschen geht einfach alles zu langsam. Der Winter dauert (obwohl: hat ja auch erst spät richtig angefangen), es ist immer noch Krieg in Syrien und Afghanistan und vielen anderen Ländern; ...

Aber vor allem dauert es, finde ich, viel zu lange, bis Weihnachten und seine Botschaft endlich umgesetzt werden. Macht’s wie Gott – werdet Mensch, hat Franz Kamphaus, der frühere Bischof von Limburg, diese Botschaft mal als Buchtitel zusammengefasst. Gott lebt als Mensch unter Menschen und lädt damit ein, dass Gläubige und – warum nicht – auch Ungläubige es ihm gleichtun: Menschen werden also.

Schon klar: sind sie doch schon; jedenfalls biologisch und bürgerlich-gesetzlich. Aber in Punkto Menschlichkeit ist noch viel Luft nach oben. Die meisten wissen es eigentlich auch schon selbst.

Eine Kollegin spricht jeden Tag wenigstens zwei Frauen oder Männer an, die sie überhaupt nicht kennt. Manchmal bleibt es bei „Ich wünsche Ihnen einen guten Tag“. Aber oft entwickelt sich ein kleines oder längeres Gespräch; ein bisschen mehr Menschlichkeit zieht ein.

Menschwerdung – werde Mensch – lasst mehr Menschlichkeit zu unter euch und setzt sie selbst um: auch einen ganzen Monat nach Weihnachten bleibt das eine aktuelle Herausforderung. Sind ja noch elf Monate bis zum nächsten Christ-Fest…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23535

„Gib dir jeden Tag eine Stunde Zeit zur Stille,“ hat der heilige Franz von Sales einmal gesagt. „Außer wenn du viel zu tun hast … dann gib dir zwei.“ Franz von Sales war ein frommer Mann und Bischof von Genf; lebte allerdings in Annecy in Frankreich, weil  Genf ja reformiert war…

 

Vermutlich gab es auch anfangs des siebzehnten Jahrhunderts, sowieso schon hektische Zeiten und noch hektischere – Franz von Sales hat damals schon das menschliche Leben richtig eingeschätzt. Schließlich hatte er auch eigene Erfahrungen damit – so viel wie er durchs Land reisen musste…

 

Ziemlich modern war eigentlich auch die Gemeinschaft von frommen Frauen, die der Bischof Franz von Sales damals neu gründen wollte, zusammen mit einer jungen Baronin, Johanna Franziska von Chantal. Anders als Nonnen sollten sie eigentlich in einem offenen Kloster leben – also leicht erreichbar sein für Menschen in Not, oder noch lieber auch „draußen“ für sie arbeiten. „Heimsuchungsschwestern“ wollten Arme, Kranke und Bedürftige daheim aufsuchen, um sie zu unterstützen. So wollten sie die Gottesliebe in der Nächstenliebe sichtbar machen. Im ersten Kloster, in Annecy selbst, hat das auch funktioniert. Wohl auch, weil die Schwestern sich an die Regel gehalten haben: eine Stunde täglich für’s Beten – und wenn du keine Zeit hast, lieber zwei.

 

Nach einigen Jahren sollte eine zweite Gemeinschaft entstehen und so leben, diesmal in Lyon, weit im Süden; aber der dortige Bischof hielt das für undenkbar – ein offenes Kloster!? So  entstanden dann eben Klausur-Klöster mit einem geschlossenen Bereich für die Schwestern. Und sicher mit viel mehr Zeit zum Beten als wenigstens eine Stunde am Tag.

 

Aber – und da waren die Salesianerinnen dann doch anders als viele andere Ordensgemeinschaften: Ganz ausdrücklich sollten sie außer Jungfrauen auch Witwen aufnehmen, wie die Baronin von Chantal eine war. Und von Anfang an sollten auch Frauen zu Schwestern werden, die mit einer Behinderung leben mussten. Der Heiland ist für alle gestorben, meinte Franz von Sales, „der will, dass man Schwache, Lahme und Blinde daran teilnehmen lasse.“

 

„Inklusion“ heißt das heute – und gilt als eine sehr moderne gesellschaftliche Entwicklung. Alle Menschen sind als Menschen gleich berechtigt und müssen mit gleichen Chancen mit allen zusammenleben können, barrierefrei, um es mal mit einem technischen Ausdruck zu sagen. Könnte schon sein, dass Kirche und Welt auch da noch was zu lernen hätten. Warum nicht von Franz von Sales!? Heute ist sein Gedenktag.

 

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23534

Manchmal hat Valerie das Gefühl, sie rennt bei Franziskus gegen eine Wand. Und vermutet: er hat genau das gleiche Gefühl. Nur kommt er von der anderen Seite.

Valerie ist eine junge Jounalistin aus Berlin und Franziskus ein fast ebenso junger Priester, Kaplan in Roxel bei Münster. Sie haben sich auf ein abenteuerliches Projekt eingelassen. Valerie und der Priester heißt es. Sie ist – sagen wir mal: eher kirchenfremd, jedenfalls mit großem Unverständnis und vielen Anfragen bei dem, was Kirche heißt.

Aber Valerie hat sich dem Auftrag gestellt: Ein ganzes Jahr lang soll sie den Kaplan begleiten und in einem Blog online berichten, was sie da erlebt, worüber sie reden, wie sein Alltag in der Gemeinde abläuft, wie er Weihnachten feiert, warum er mit dem Zölibat einverstanden ist. Offensichtlich sind alle Fragen erlaubt – und offenbar funktioniert das Projekt. Sicher hat der Blog auch einige follower, die sowas wohl seltsam finden. Nicht zuletzt in Valeries Umgebung in Berlin – die beschreibt sie gelegentlich als eine ganz ganz andere Welt.

Ob sie sich wirklich verstehen, fragt man sich manchmal. Bei diesem Dialog etwa, als Franziskus eine Hostie für die Krankenkommunion einsteckt. Valerie: „Und das ist jetzt theoretisch der Leib Christi?“ Er: „Auch praktisch.“ Oder im Dezember: „es weihnachtet sehr“, findet sie. Während es für Franziskus höchstens „adventet“ – Weihnachten kommt erst... Und dann ist da auf einmal dieses Gefühl von GegeneineWandlaufen – aus verschiedenen Richtungen.

Franziskus und Valerie schaffen es, auch darüber miteinander zu reden. Bis jetzt finde ich das mit am wichtigsten in diesem Projekt. Weil es ja auch sonst hohe Mauern gibt, unüberwindbare manchmal zwischen „normalen“ Menschen und Kirche.

Oder, wie Valerie das beschreibt, zwischen zwei Gruppen: Den einen bedeuten die Kirche und ihr Glaube sehr viel bis alles;? sie fühlen sich verletzt, wenn sie sich ständig rechtfertigen müssen. Ziehen sich in ihre Gruppe zurück. Auf der anderen Seite sieht sie Menschen, die aus irgendeinem Grund nicht in der Kirche bleiben konnten …

 

Beide Gruppen kommunizieren oft nicht mehr miteinander, stellt Valerie fest. Und fürchtet: Das könnte ihr und Franziskus auch passieren. Ich für meinen Teil bin erst mal froh, dass sie sich auch an der Wand weiter abarbeiten, bis jetzt.

 

Jedenfalls geht der Blog weiter - www.valerieundderpriester.de heißt die Adresse. Kann Wände durchlässiger machen, hoffe ich mal.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23533

Radio ist bekanntlich alles andere als langweilig und überflüssig – muss man mal dran erinnern…

Radio hören unterhält; Radio hören bildet;
Radio informiert – wem müsste man das erzählen.
Immer noch ist das Radio das schnellste – oder doch wenigstens
eins von den schnellsten Informations-Medien.
Wenn auch das Internet oft genug den Eindruck macht,
noch schneller und noch authentischer nah dran zu sein.
Die Konkurrenz ist groß – und sie ist spannend.
Jedenfalls hier in Europa und drüben in Nordamerika.

Ein bisschen weiter südlich ist das anders.
Mitten in der Einsamkeit des peruanischen Urwaldes platzt eine Ölpipeline.
Radio Marañón berichtet als erster und einziger Sender –
auf Spanisch und auch in den indigenen Sprachen dort im Amazonas-Tiefland.
Ein immer noch riesiges Waldgebiet.
Viele Orte sind nur mit Booten zu erreichen –
Internet und Fernsehen haben keine Chance.
Aber das Radio. Von Jaén aus, in Nordperu,
erreicht der Sender rund eine Million Amazonasbewohner.

Seit vierzig Jahren fördert das katholische Hilfswerk Adveniat Radio Marañón. Die Kolleginnen und Kollegen dort sind hautnah dran am Leben der Menschen. Sie sind oft die einzige unabhängige Informationsquelle
und zugleich auch Sprachrohr für die Menschen in einer Region,
die der Staat vernachlässigt.

Und jetzt also die Pipeline, die platzt; Katastrophe in einer Gegend,
in der alles Leben vom Fluss abhängt!
Nur weil das Radio berichtet, erfahren die Leute,
dass sie sich in Acht nehmen müssen:
anderes Wasser trinken, was anderes essen als den frischgefangenen Fisch…
Radiohören hilft leben – dass das so konkret sein kann,
muss man sich noch mal vor Augen halten.

Zu Weihnachten werden die Katholiken für die Aktion Adveniat spenden;
sie unterstützen damit auch Radio Marañón.
Keine schlechte Idee – wo wir hier mit Radio ja doch ganz schön verwöhnt sind!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23307

Neun Tage noch – für Kinder ist er sehr lang, dieser Advent.
Von weit vor dem ersten Dezember
bis eine Woche nach der vierten Kerze am Adventskranz …

Da ist es gut, das Warten ein bisschen zu gestalten –
und das gilt für Erwachsene ähnlich wie für die Kleineren.
Bei einer Kollegin sind die heiligen DreiKönige
schon seit dem ersten Advent unterwegs sind; als geschnitzte Krippen-Figuren. Die rückt sie alle paar Tage ein Stück weiter –
durchs Arbeitszimmer, durch die Küche… – und erst nach Weihnachten
werden sie ankommen bei Jesus Maria Josef am Stall.
Warten heißt da Unterwegssein zu einem Ziel; ist doch schön in Szene gesetzt.

Von den drei Weisen aus dem Osten mit ihrer Karawane
berichtet die Bibel; leider schweigt sie von ihrem langen Weg
bis zum Stall und zum Kind in Betlehem.
Auch darüber, was sie alles erlebt haben
und über die vielen Probleme: kein Wort.
Aber um so leichter können wir uns selbst in ihnen wiederfinden.
Jedenfalls: Statt in Seelenruhe zu warten, was da auf sie zukommt,
haben sie sich aufgemacht; Zukunft, wir kommen!…

Advent heißt einerseits Warten –
und das fällt manchen leicht, manchen schwerer.
Auf Weihnachten warten, also auf ein hoffentlich schönes Fest
und – wer weiß – vielleicht auch auf ein paar Geschenke.
Aber Warten geht am besten, wenn man selbst auf dem Weg ist -   
zu anderen Menschen hin und mit ihnen zusammen;
in der Familie, im Kreis der Kolleginnen oder Freunde –
und manche sind ja auch unterwegs zu ganz fremden Menschen.

Ein Stern hat die Weisen im Morgenland damals aufgescheucht
und ihnen den Weg gezeigt.
Gut, so einen Stern zu haben, der lockt und führt.
Eine Idee, einen Wunsch, eine Sehnsucht.
Unterwegs sein, dem eigenen Stern folgen:
das ist eine gute Art, zu Warten – auch im restlichen Advent! 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23306

Einen so schönen Adventssamstag hatte uns der liebe Gott geschenkt
oder wer auch immer:
Strahlender Sonnenschein, kalter Nordostwind;
mittags war die Gartenarbeit erledigt, im Haus alles fertig –
und draußen die Straßen trocken –
ich musste einfach für eine gute Stunde auf’s Rad;
auch, weil es meinem wehen Rücken gut tun würde.

Tatsächlich: Alles Prima. Die Mosel hoch mit Rückenwind,
nur wenige Fußgänger unterwegs…
Es rollt – nur leider ein bisschen zu schnell –
jedenfalls, als da plötzlich die blöde Linkskurve in Sicht ist;
scheint heute irgendwie viel enger als sonst.
Schaffe ich noch. – Nee, in die Bremse!
Die hat dann zu fest zugebissen, blockiert, das Hinterrad rutscht,
Lenken unmöglich… Gott sei Dank, der Zaun ist ja bestimmt nicht so hart…

Niemand hat meinen Schrei und das Stöhnen gehört,
als ich erst mit Helm und Gesicht in den Zaun prallte
und als der mich mitsamt dem Renner auf den Asphalt zurückwarf.
Im Schock des ersten Moments blieb der Schmerz eher eine Andeutung.
Das Brillenglas ging wieder in die Fassung rein, das Rad schien in Ordnung –
bald saß ich wieder drauf und war unterwegs.

Mann, guten Schutzengel gehabt, habe ich auf dem Heimweg gespürt:
Wie gut, dass ich da gerade allein war –
kein Radler im Gegenverkehr, keine Fußgängerin am Wegrand betroffen.
Wie gut, dass es ein paar kleine Prellungen sind – und sonst nix.
Und das Rad hätte ja sowieso zum Service in die Werkstatt gemusst –
die gucken halt zusätzlich, ob sich etwa der Rahmen verzogen hat,
was die Bremse blockiert hat, reparieren den Schalthebel oder tauschen ihn  aus.

Und klar: Ich habe auch was gelernt:
Den Weg doch wieder ernster nehmen – auch wenn ich ihn schon kenne.
Tempo anpassen – und bloß nicht bremsen um jeden Preis,
wenn ich noch den letzten Rest Kontrolle behalten will!

Und, ja: danke, lieber adventlicher Schutzengel!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23305

Es ist nur ein kleines Jubiläum gewesen:
30 Jahre sind die Trierer Römerbauten jetzt Weltkulturerbe der UNESCO.
Porta Nigra und Amphitheater, die römischen Badeanstalten
und die kaiserliche Palastaula: Alle unter dem besonderen Schutz der UNO.

Und, obwohl keine Römerbauten, auch der Trierer Dom und die Liebfrauenkirche daneben – ein weltweit einzigartiges Ensemble.
Die stehen auf römischen Fundamenten,
mehr als tausendsiebenhundert Jahre alt.
Und da, wo der romanische Dom und die gotische Nachbarkirche heute stehen,
hat sich tatsächlich auch schon zur Römerzeit
die Christengemeinde in einer Vorvorgängerkirche versammelt.

Welterbe - aber das römische Theater und die prächtigen Bäder
waren irgendwann außer Gebrauch.
Sie sind verfallen – und die Ruinen haben lange als Steinbruch gedient –
Reste von ihnen finden sich in beinahe jedem alten Gemäuer der Stadt.

Die Kirchen dagegen sind ununterbrochen bespielt worden,
waren voll von Menschen und ihrem Leben und ihren Gebeten.
Die Gemeinden und die Bischöfe haben pompöse Gottesdienste gefeiert
und ganz stille; wie gesagt: über viele Jahrhunderte.
Und auch wieder in der ersten Adventswoche.
Da hatte der Trierer Bischof zusammen mit der Ministerpräsidentin
zu einer Schweigeminute für die Menschen in Syrien eingeladen –
und zum Gebet. Nachmittags um drei. Der Dom war ziemlich voll.
Das Gedröhn der Bomben in Aleppo stieß auf lautes Schweigen
und auf laute und stille Gebete hier in der Kirche.
Und eigentlich geht es so jeden Tag: Viele Touristen gehen ein und aus
und immer triffst du auch Menschen, die hier zu ihrem Gott kommen,
mit Dank und mit großen und kleinen Bitten. Sie fühlen sich bei ihm zu Hause.

Die Not der Welt – auch sie hat ihren Platz
in der Weltkulturerbestätte Trierer Dom;
und für mich macht ihn das besonders wertvoll.

So ein Erbe – das wirkt doch nachhaltig; hoffentlich noch lange!   

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23304

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