Manuskripte

Als der Kardinal den Namen nennt, den sich der neue Papst gibt,
ist es schon die zweite Sensation innerhalb weniger Sätze.
Ein Papst aus Südamerika,
ein Ordensmann noch dazu – das war schon mal stark.
Und er nennt sich Franziskus.
Er stellt sich und sein schweres neues Amt
unter das Zeichen des heiligen Bettelmönchs aus Assisi.
Dabei hat der doch zeitlebens immer mal im Konflikt gestanden
mit  der Amtskirche und ihrem Papst in Rom...

Das, vermute ich mal,
war Papst Franziskus weniger wichtig.
Er wollte sich und die ganze Kirche
(und vermutlich auch gleich die ganze Welt)
jeden Tag an die Botschaft erinnern:
Gott ist ein Gott der Armen; Besitz oder gar Reichtum ist vielleicht schön,
aber immer gefährlich.
Wer viel hat, braucht Waffen, muss seinen Reichtum verteidigen –
und  das, hat Franz von Assisi gesagt, ist der Anfang von Streit und Krieg.
Also weg mit dem Plunder.

So hatte er selbst sich gleich am Anfang schon von allem getrennt:
Sein Vater, der reiche Kaufmann Pietro Bernardone,
wollte ihn noch zur Vernunft bringen.
Der örtliche Bischof soll das regeln, in einer Art Prozess,
auf dem Marktplatz, in aller Öffentlichkeit.
Da reißt Francesco sich die Klamotten vom Leib
und schmeißt sie dem Vater vor die Füße:
Nicht mal mehr das will ich mitnehmen; nackt werfe ich mich in Gottes Arme – arm und ganz ohne Besitz, wie Jesus auch gelebt hat.

Das nämlich war der andere Grund für seine Sehnsucht nach der Armut
und für seinen Entschluss, das prächtige Luxusleben dranzugeben:
er wollte Jesus so ähnlich sein wie möglich.
Arm wie die Ärmsten seiner Zeit;
bereit, sogar sein Leben zu opfern
im Dienst des Evangeliums.
Er trug die Botschaft ja im Herzen und war immer auch bereit,
sie mit anderen zu teilen – mit Menschen und Tieren, erzählt man sich.

Scheint gelungen zu sein –
denken sie nur an den bösen Wolf von Gubbio, vor dem die Stadt Angst hatte:
Franziskus geht allein zu ihm raus auf den Acker, begrüßt ihn als Bruder Wolf
und vermittelt Frieden zwischen ihm und den Leuten…

Ich weiß nicht, ob der Papst heute Namenstag feiert –
es ist jedenfalls der Tag des Heiligen Franziskus.
Glückwunsch schon mal allen, die so heißen wie er:
Franz, Frank, Francis, Frantek, Francisco...
Und außerdem: Das verspreche ich schon mal ihnen und allen:
dass wir weiterarbeiten werden an dem Auftrag,
den ihr Namenspatron so deutlich gelebet hat – in aller Bescheidenheit:
ganz nah, als Bruder bei Menschen und Tieren und der ganzen Schöpfung.
Der Franziskus in Rom wird sicher auch heute wieder Hand anlegen
für mehr Gerechtigkeit und Verständigung und damit: für wirklichen Frieden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25082

Ein schwieriger Feiertag ist das heute: Tag der deutschen Einheit – dritter Oktober 2017,
27 Jahre nach der Wiedervereinigung von zwei Deutschlands zu einem.
Na gut – ein Gedenktag. Geschichte. Erinnerungen…

Aber ob da wirklich was zum Feiern ist – eine Einheit,
wie besungen in der Nationalhymne?
Kann man doch wohl bezweifeln nach der Wahl zum deutschen Bundestag
vor gerade mal zehn Tagen.
Ein zerrissenes Land – gespalten immer noch zwischen Ost und West;
gespalten auch zwischen reich und arm – der Riss wird jedes Jahr tiefer;
gespalten zwischen „deutsch“ und „fremd“, gebildet und weniger gebildet,
in Arbeit oder schon lange ohne und in Hartz vier…

Das Wahlergebnis spiegelt diese Zerrissenheit irgendwie –
und ob und wie sich „die Politiker“ verständigen können:
mal gespannt, ob sie mehr schaffen als
nur gegen die sogenannte Alternative zusammenhalten!

Schon klar: Wir Kirchenleute sollten da schön vorsichtig sein.
Gerade Ende Oktober, in genau vier Wochen
geht ein Erinnerungs-Jahr zu Ende,
wieder mit einem Feiertag, das uns an die erste große Spaltung erinnert:
An Martin Luthers Reformation, die die eine Kirche
erst entzwei gebracht und dann ganz viele hat entstehen lassen –
am 31. Oktober vor fünfhundert Jahren hat das angefangen.
Also: haltet euch bedeckt, ihr Kirchen…

Oder vielleicht doch nicht.
Weil die Kirchenleute haben dieses Fünfhundertjahrejubiläum
ja doch erstaunlich gut genutzt – und zwar gemeinsam,
auf einem Weg zu mehr Einheit,
statt zur Profilierung auf Kosten der jeweils anderen Seite.
Beinahe umarmt haben sich der evangelische Rats-Vorsitzende
und der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz immer mal wieder –
auch öffentlich. Sah doch glaubwürdig aus.
Obwohl diese führenden Kirchenmänner natürlich wissen,
dass bei aller persönlichen Nähe zwischen ihnen beiden
noch weite Wege liegen zwischen ihren Kirchen.

Beim Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim
hatten sie dafür ein sehr starkes Bild – oder eigentlich sogar zwei Bilder:
Gefeiert und gebetet und gesungen wurde ökumenisch
in der mittelalterlichen Andreaskirche.
Da feiern schon seit kurz nach der Reformation
evangelische und katholische Gemeinde Gottesdienst unter einem Dach.
Und das zweite Bild stand mitten im Gang,
vor dem Altar der Kirche: Eine riesige,
mehr als Mann-hohe Panzersperre –
drei Stahlträger, in der Mitte über Kreuz zusammengeschweißt.
Man kennt das Bild noch von der damals innerdeutschen Grenze…  
Unüberwindliches Hindernis, auf den ersten und zweiten Blick.
Und dann kamen ein paar Menschen
und stellten dieses Gebilde aus drei Balken senkrecht auf:
Ein Kreuz stand da – mit vier Armen zeigte es in alle Himmelsrichtungen.
Das Kreuz – das Zeichen für die Rettung der Menschheit aus dem Tod:
Es liegt im Weg, wie eine Panzersperre, wie gesagt,
solange die Menschen es liegen lassen.
Erlösung bietet Gott den Menschen an – ergreifen müssen sie sie
und selbst mit daran arbeiten. Gemeinsam,
ohne Rücksicht darauf, dass die eine Kirche traditionell zersplittert zu sein hat... 

Das sehen die Christenmenschen aller Sorten
in den Initiativen und Gemeinden vor Ort und im Alltag oft genau so:
den Flüchtlingen helfen sie schon lange gemeinsam,
bei den sogenannten Tafeln sorgen sie ökumenisch für die Menschen,
die sonst nix zu essen hätten –
und geheiratet wird längst quer über die Konfessionsgrenzen hinweg,
wenn sie sich überhaupt noch kirchlich
und vor Gott und der Gemeinde trauen… 

Ja, Deutschland: so könnte Einheit gehen –
und die könntest du dann auch mit mehr Recht und Begeisterung feiern.
Da wäre ich gern dabei.
Im Grunde ist doch längst klar, dass die meisten Probleme angepackt gehören!

Denn auch dafür war die stählerne Sperre in Hildesheim ein gutes Bild,
die sie da als Kreuz aufgerichtet haben:
das konnten sie nur gemeinsam – egal, auf welchem Hintergrund.
Der dritte Oktober, finde ich, erinnert auch daran: Wir können das schaffen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25081

Die Frage stellt sich – ähnlich wie sie damals einer gestellt hat;
da hatte Jesus von Nazaret die Nächstenliebe zum wichtigsten Gebot erklärt…
Wer ist denn mein Nächster?!

In Deutschland, 2016/17, hätte Jesus sein Beispiel gleich um die Ecke gefunden,
statt in die Wüste zu schauen, auf den Weg von Jerusalem nach Jericho.
Gleich beim nächsten Bankautomaten könnte es sein –
so wie am 3. Oktober 2016 in Essen-Borbeck.
Ein alter Mann geht zum Bankautomaten;
sein schwaches Herz hält irgeneiner Aufregung nicht stand –
der Alte bricht zusammen und liegt da am Boden.

Drei andere Menschen – alle jünger als der da im Weg lag – drei andere
brauchen auch Geld.
Der erste kommt durch die automatische Tür,
sieht den alten Mann da liegen und sich noch rühren -
aber ganz in Gedanken läuft er um ihn herum und schiebt die GiroCard
in die Geldmaschine, nimmt die Scheine und geht seiner Wege.

Ein zweiter Mensch – auch ganz in Gedanken, wird er später sagen –
steigt dem da unten über die Beine – lässt sich nicht stören von dem da,
diesem Penner oder was.
Steckt die Karte in den Schlitz, tippt die Pin ein, wählt die Scheine
und nimmt sie aus dem Schacht – und dann nichts wie weg.

Und noch eine – findet es wohl normal,
mittags um drei an einem Feiertag, dass da einer vor dem Bankomat
scheinbar seinen Rausch ausschläft. Was geht’s mich an!
Ich hab gerade selber Stress genug!
Bankgeschäfte erledigt und ab dafür.

Erst Patrick, nach zwanzig Minuten,
braucht eigentlich auch Geld, findet es aber nicht so richtig normal,
wie der alte Herr da liegt, spricht ihn an – und wählt endlich den Notruf.
Um dann auch zum Geldautomaten weiterzugehen.

Zu spät kam die Hilfe, leider;
die Kopfverletzungen waren zu schwer,
die der Mann sich beim Sturz zugezogen hatte.
Aber das wäre doch kein Anlass gewesen für die Scheißegal-Haltung –
so hat der Richter es genannt,  beim Urteil vor zwei Wochen,
dass sie da über den Hilflosen hinweggesehen haben
oder sogar über ihn drübergestiegen sind.

Patrick hat einfach getan, was eigentlich jede und jeder tun sollte,
ganz selbstverständlich: auf die Mitmenschen achten,
sich einfühlen in die Lage eines Menschen, der da auf dem Boden liegt.
Könnte ja sein, dass es wirklich ein Obdachloser wäre –
dann wird der schon weiter wissen. Könnte aber eben auch anders sein.
Und obdachlos oder schwer verletzt: Wer in Not ist,
wer Hilfe braucht, ist dein Nächster oder deine Nächste.
Kann irgendetwas anderes wichtiger sein als ihr oder sein Leben zu retten!?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25080

Normalerweise sind Madonnen-Bilder ja eher süß oder lieblich; dies hier steht dazu im Widerspruch – und hat Skandale ausgelöst…

„Maria mit dem Kinde lieb uns allen deinen Segen gib. Amen“ Das hab ich im Kindergarten von Schwestern Agnes gelernt, als Schluss des Abendgebets. Sechzig Jahre ist das her…

… und passt kaum zu dem Marienbild, das mir inzwischen eines der liebsten geworden ist. Max Ernst hat es gemalt – es hängt im Museum Ludwig in Köln. Im nach oben offenen Raum sitzt eine junge Frau mit schmalem Heiligenschein, knöchellanger blauer Rock, enganliegendes rotes Oberteil, weit ausgeschnitten. Mit dem rechten Arm holt sie weit aus, gleich wird sie dem blondgelockten Kind auf ihren Knien auf das bereits gerötete Hinterteil schlagen. Links schauen drei Personen durch ein kleines Fenster in der Wand und erleben die Szene von außen mit. Das Kind hat übrigens seinen Heiligenschein verloren – der liegt links am Boden.

Maria mit dem Kinde lieb? – hier scheint das Kind gerade eher böse gewesen zu sein. Und die Mutter – obwohl ihr Gesicht im Schatten liegt? Selbst wenn das Kind eine Strafe verdient hätte: Schlagen geht doch wohl gar nicht – und wäre mehr als „nicht lieb“. „Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen: André Breton, Paul Éluard und dem Maler“, heißt das Bild. Breton und Eluard waren Malerkollegen. Das Bild hat Skandale ausgelöst – in Paris, 1926, in der Ausstellung der Surrealisten.

In Köln wurde es ein Jahr später dann auch gezeigt; da verlangte der Erzbischof: Abhängen. Und sein Generalvikar hat den Maler öffentlich aus der Kirche ausgeschlossen und in einer KatholikenVersammlung ein dreifaches Pfui Pfui Pfui über ihn ausgerufen… Skandalös dabei war übrigens nicht die Gewalt gegen das Kind – als  Skandal galt der runtergerollte Heiligenschein.

Also: Selbst den Kirchenleuten aus dem vorigen Jahrhundert scheint wohl klar gewesen zu sein, dass es manchmal weniger lieb zuging im Hause Jesus Maria Josef. Ja, der JesusKnabe war auch ein Bengel – ein normales Kind eben, mit einem allmählich ausgeprägten Selbstbewusstsein. Mit zwölf allein zurückzubleiben in Jerusalem – das war doch mutig.

Mein Lieblings-Marienbild, habe ich gesagt, weil es genau das so drastisch zeigt: der GottesSohn ist auch MenschenSohn – so sehr normal, dass der Heiligenschein verloren gehen kann. Einer wie du und ich und unsere Kinder und einfach jeder andere Mensch. Wie beides zusammenpasst? Schwierig zu erklären. Aber schön zu glauben – und wie gesagt: Max Ernst hat es einfach prächtig gemalt!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24499

Seit gut zwanzig Jahren gehört fest zu den Heilig Rock-Tagen in Trier ein kurzes ökumenisches Mittags-Gebet; ein zwei kurze Gesänge, eine kurze Lesung aus der Bibel, eine kurze Predigt. Eingeladen sind die vielen Pilgerinnen und Pilger, die zum Bistums-Fest nach Trier gekommen sind und den Heiligen Rock besuchen, das letzte Hemd von Jesus, das die da im Dom aufbewahren. Mittags also: Ökumenisches Mittagsgebet. Pfarrer und Theologinnen aus allen christlichen Kirchen gestalten das  mit. In den letzten Jahren war es ein wenig verkümmert. Viel zu wenig Zuhörer und Mitbeterinnen verloren sich im riesigen Dom. Dann waren sie umgezogen in die Krypta, also in die Unterkirche des Doms; das war kein guter Ausweg: zu versteckt…

Verstecken – das wäre gerade für 2017 ein schlechtes Signal gewesen: im Jahr Fünfhundert nach Luthers Thesenanschlag sollte der ökumenische Akzent der HeiligRock-Tage sichtbar sein. Das Gedenkjahr der Reformation begehen die Kirchen doch eigentlich gemeinsam, auf dem Weg zu der einen Kirche, die sie eigentlich sind und sein sollen.

Also haben sie sich entschlossen, mittags um zwölf mitten in Trier zu beten, auf dem Hauptmarkt, zwischen Gemüse- und Blumenständen, nah beim Petrus-Brunnen, auf dem Laufweg der Touristen und ihrer Guides. Mitten ins Leben sollte Gottes Wort gesagt werden – denn für die Welt und die Menschen ist es doch bestimmt.

Ob da jemand mal kurz an ein Jesus-Wort gedacht haben könnte: Gebt das Heilige nicht den Hunden, und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor...? Das ist ein Jesus-Wort aus der so genannten Bergpredigt, in der Jesus auch so wichtige Sachen sagt wie „Selig ihr Armen – denn euch gehört das Himmelreich“…

Ehrlich gesagt: Es hat sich ein bisschen fremd angefühlt, da auf dem Markt zu sprechen und zu singen und zu beten; und ein wenig befremdet haben auch manche geschaut, die da unterwegs waren und plötzlich hörten sie ungewohnte Töne und Worte... Viele sind stehengeblieben, haben zugehört und mitgesungen.

Die Gute Nachricht, also das Heilige auf die Märkte tragen – das sollen die Christenmenschen eigentlich immer tun. Keine Spur von Perlen und Säuen – wer wären wir denn, Menschen so einzuordnen. Viele sind stehengeblieben, haben zugehört, sich treffen lassen; einige haben sich ausdrücklich bedankt:  War einfach gut, mal kurz anzuhalten und sich was sagen zu lassen…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24498

Von ihrem Streit berichtet die Bibel gleich zweimal: Die Apostelgeschichte aus der Sicht des Evangelisten Lukas. Und aus eigener Perspektive und als Haupt-Beteiligter beschreibt Paulus in einem Brief an seine Gemeinden in Galatien, wie es damals zugegangen war: Grundsätzlich hatte die junge Christengemeinde in Jerusalem schon zugestimmt, dass Paulus das Evangelium zu den HeidenVölkern bringt. Sonst wären sie ja eine kleine sektiererische Gemeinde geblieben.

Áber kurz danach treffen Paulus und Petrus in Antiochia in Syrien aufeinander. Da, schreibt Paulus, da „bin ich ihm offen entgegengetreten“. Es gab doch noch Streit: Müssen die Heiden erst Juden werden, bevor sie getauft und Christen werden dürfen? Das hatten sie in Jerusalem eigentlich entschieden: Heiden können direkt getauft werden. Aber jetzt weigert sich der Petrus auf einmal doch, sich mit den getauften Heiden an einen Tisch zu setzen – angeblich aus Respekt vor den Judenchristen in der Gemeinde. Aber in Wirklichkeit natürlich inkonsequent.

Paulus hat sich durchgesetzt. Gott sei Dank. Und Petrus gilt trotzdem lange als der Anführer. Die beiden sind dann verschiedene Wege gegangen; aber ihre letzten Jahre und Monate haben sie beide dann wohl in Rom verlebt und sind dort wegen ihres Glaubens hingerichtet worden. Den Paulus haben sie enthauptet – er hatte sozusagen einen römischen Pass und deswegen das Recht auf eine ordentliche Todesstrafe; Petrus starb an einem Kreuz aufgehängt, wohl zu Zeiten von Kaiser Nero.

Verehrt werden der frühere Fischer Petrus und der eifrige Theologe Paulus als die beiden wichtigsten Säulen der Kirche: Dem Petrus  hatte ja Jesus ausdrücklich die Führung übertragen; Paulus wusste sich von Christus und dem Heiligen Geist selbst berufen und hatte viele Gemeinden in der damals bekannten römischen Welt gegründet. Zwei Säulen, zwei Grundsteine sozusagen, obwohl sie offenbar ziemlich häufig miteinander gestritten hatten. Was macht man mit so einem Konflikt und mit seinen beiden Repräsentanten, die beide so wichtig sind?

Die Kirche feiert einfach beide zusammen, an einem Tag. Schon seit dem dritten Jahrhundert. Und heute auch noch: Peter und Paul, am 29. Juni.

Die beiden haben sich gestritten und wieder zusammengefunden – eigentlich  ein wunderbares Vorbild dafür, wie ihre Kirche auch heute umgehen sollte mit Fragen, zu denen es verschiedene Ansichten und Meinungen gibt: Streiten, miteinander ringen, Antworten suchen und dann gemeinsam weitergehen.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24497

Papst Franziskus ist immer wieder mal für eine Überraschung gut oder auch für einen schrägen Gag. Und die Leute hoffen darauf – so wie das verlobte Paar, das ihn mittwochs auf dem Petersplatz anspricht. Unterwegs zur öffentlichen Audienz hat Franziskus das PapaMobil mal wieder verlassen, um ganz nah an die Menschen heranzukommen. Der Bräutigam ruft ihm zu „papa, Papst, wir heiraten nächstes Jahr“. Und kriegt zur grinsend zur Antwort: „Was – ins Gefängnis geht ihr?!“

Eigentlich kann Franziskus sich da nicht verhört haben. Und wird auch gleich wieder ernst und segnet das Paar –und schon ist er weiter. „Papst veralbert ein Brautpaar“, schlagzeilte das Internet-Portal katholisch.de über das Filmchen, das Radio Vatican von der Szene online gestellt hat. Und greift haarscharf daneben.

Ja gut, Ironie und ähnliche Scherze sind manchmal ein bisschen schwierig. Aber bei diesem Papst muss man doch nun eigentlich jederzeit damit rechnen, dass er so ganz normal agiert und reagiert – und also so ähnlich wie viele andere auch. Zumindest „Habt ihr euch hoffentlich gut überlegt“ denkt doch fast jeder und jede, wenn zwei junge Leute mit dieser freudigen Nachricht rüberkommen. „Herzlichen Glückwunsch, dass ihr euch traut“: Das kommt erst als zweiter Satz – wenn überhaupt. Und angesichts der Erfahrungen mit der Haltbarkeit von Ehen ist das sogar ganz verständlich.

Na gut – aber der Papst hat doch eine lange Enzyklika geschrieben mit dem Titel „Amoris laetitia – von Fröhlichkeit und Freude der Liebe“. Passt es dazu, und wenn er noch so locker sein will, den beiden was von „Gefängnis“ zu erzählen? Ja – es passt. Franziskus bleibt Realist – auch bei seinen Überlegungen zur „fröhlichen Liebe“ und zur Ehe und zur Familie. Schon klar, dass in der Enzyklika kein Gefängnis vorkommt; aber dass es manchmal auch schwer sein kann, es auszuhalten miteinander und zusammenzubleiben und zu lieben: das weiß Franziskus. Und redet ausführlich darüber, wie gut ein Paar vorbereitet sein soll, dass die Gemeinde sie begleiten und unterstützen kann. Und der Papst will, dass die Kirche sich neu aufstellen und Frauen und Männer begleiten und aufnehmen soll, die aus einer Ehe ausgebrochen sind oder die verlassen wurden und neu angefangen haben.

Niemand geht ins Gefängnis am Hochzeitstag; aber jedes Paar braucht Gottes Segen auf dem Weg in die Doppelzelle. Und den hat Franziskus dem Brautpaar vor Sankt Peter ja dann auch gegeben. Alles Gute den beiden und allen Paaren!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24496

„Werden die sieben Schläfer nass 
regnet’s noch lange Fass um Fass.“


Siebenschläfer-Tag – so wie heute soll das Wetter sieben Wochen sein. Sagt der hundertjährige Kalender – und die Sprücheweisheit glaubt es auch. Na hoffentlich gefällt Ihnen das Wetter heute
  so wie es ist –  ein paar Fass Regen – schönen langsamen Landregen am liebsten –hätte mein Freund der Öko-Bauer schon ganz gern.

Sieben Wochen Regen: der Siebenschläfer-Tag heute hat seinen Namen aber weder vom Wetter noch von dem gefürchteten Siebenschläfer-Nager. Sondern aus dem Heiligenkalender der Kirche. Die Geschichte ist anderthalb tausend Jahre alt. Sieben junge Christen-Männer weigerten sich damals, so wird es erzählt, den römischen Kaiser als Gott zu verehren.

Sie bekommen noch eine Galgenfrist, aber statt sich eines Besseren zu besinnen verteilen sie ihr bisschen Habe an die Armen und ziehen sich dann in eine Höhle zum Beten zurück. Und während des Gebets fallen sie in einen tiefen Schlaf. Die Henker finden sie und mauern der Einfachheit halber die Höhle zu. Sollen sie doch langsam verhungern – spart das Holz für den Scheiterhaufen!

Zweihundert Jahre später wird die Höhle wiederentdeckt. Der Besitzer des Grundstücks bricht die Mauer ab und weckt die sieben Schläfer. Die meinen, sie hätten wohl eine Nacht verschlafen und schicken einen in die Stadt, Frühstück holen. Aber da gibt es ein Problem: Er hat nur Geld von damals dabei, der Kaiser auf der Münze ist seit zwei Jahrhunderten tot.

Der Bischof der Stadt soll dann noch versucht haben, die sieben SpätAufgewachten zu benutzen. Wäre doch ein schöner Beweis gewesen, dass die Toten von den Toten auferstehen. Hat aber nicht funktioniert – sie waren ja auch nicht tot gewesen. Hatten nur das eigene Martyrium verschlafen. Sie sind dann auch bald gestorben – verzögerte Märtyrer, sozusagen.

Die Geschichte von den sieben heiligen Märtyrer steht auch im Koran. In der Bretagne gibt es eine Siebenschläfer-Kapelle, zu der auch heute wieder muslimische und christliche Wallfahrer pilgern –gemeinsam oder wenigstens gleichzeitig. Und in Selcuk in der Türkei, das ist das antike Ephesos, halten Muslime und Christen die gleiche Höhle für die der sieben Schläfer…

Zweihundert Jahre verschlafen –scheint, dass der Glaube auch andere Heilige braucht und hervorbringt als die ganz aufgeweckten.  Das wäre ja vielleicht doch eine Chance für mich und ein paar andere!?

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24495

„a bicicleta“ heißt unsere Truppe – rauf auf’s Rad für Trier und Bolivien. Fast zwanzig Menschen aus Trier und Umgebung haben sich formlos und locker online zusammengetan und beteiligen sich seit zwei Wochen an der bundesweiten Aktion „Stadtradeln“. Fast 1.000 Leute in allen Gruppen in Trier zusammen.

Klar: Radfahren ist deutlich gesünder für einen oder eine selbst, als mit dem Auto zur Arbeit oder gar zur Freizeit zu fahren. Und auch dem Bus- und Bahnfahren ist es überlegen; weil erstens bewegst du dich – und das ist für Körper und Seele gut; und zweitens ersparst du dir und deiner Umgebung Lärm Dreck und Gestank. CO2-Einsparungen im Bereich von ein paar Kilo summieren sich zu vielen Tonnen, wenn nur genug mitfahren. In der ersten Woche waren es in Trier schon sechs Tonnen. Und das ist doch was – wo sie in Städten wie Stuttgart Fahrverbote planen, weil es einfach nicht mehr so weitergeht.

Schon klar: Die drei Wochen im Sommer sind nur ein kleines Signal. Mehr eine Demo: Geht doch. Zur Arbeit – selbst wenn es ein bisschen bergab und bergauf geht; und flache Strecken gibt es genug für’s Radeln in der Freizeit. Aber es ist auch mehr als Demo: Manche haben in der kurzen Aktionszeit schon gelernt, dass es schön ist und Spaß macht, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Dass es beim Runterkommen hilft nach einem stressigen Arbeitstag; und wie erholt du zuhause ankommen kannst, kaum später als sonst.

Nur manchmal bin ich ein bisschen neidisch, wenn die Kollegin sich im Büro verabschiedet, die Tasche auf den Rücksitz wirft, sich ins klimatisierte Auto setzt – und ab. Ich muss mich erst noch umziehen, alles in die Packtaschen, das Rad beladen… Es dauert, bis  ich endlich unterwegs bin. Aber dafür bin ich ja morgens an ihnen vorbei gefahren, als sie im Stau zur Stadt rein Geduld brauchten.

Letzten Montag haben wir das alles rund um den Trierer Dom herum auch noch mit einem guten Zweck verbunden. Wer fünf Runden á einen Kilometer geradelt ist, bekam von seinen oder ihren Sponsoren fünf Euro gespendet –so viel kostet ein Baumsetzling im Partnerland Bolivien. Da muss dringend aufgeforstet werden, damit das Land das Wasser halten kann. Tausend km haben 1500 Euro erradelt. Und es hat 76 Leuten Spaß gemacht – ganz kleine Radlerkinder waren dabei und junge und alte Menschen – konventionelle und e-Bikes.

Auch das – natürlich – kaum mehr als eine schöne Demonstration für eine sehr sinnvolle Art, sich im Verkehr selbst zu bewegen und weniger Lärm und bessere Luft zu erzeugen. Aber solche Zeichen braucht unsere Welt – lange vor dem Fahrverbot.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24494

Neun Monate noch bis Weihnachten. Kann schon sein, dass das im Moment nur mäßig interessant scheint; „drei Wochen nur bis Ostern“: das wäre jedenfalls näherliegend. Und trotzdem feiern die Kirchen heute genau das: Neun Monate bis Weihnachten.

Martin Luther hat es „eines der fürnehmsten Feste“ genannt. Und im katholischen Feiertagskalender ist es ein Hochfest. Und heißt „Verkündigung des Herrn“. Die Christen feiern den Tag, an dem ein Engel eingebrochen ist in den Alltag einer jungen Frau in der kleinen Stadt Nazaret in Galiläa. Mit einer Botschaft an Mirjam oder Maria: Du wirst schwanger und sollst einen Sohn zur Welt bringen. Und du sollst ihn Jesus nennen – Gott ist der Retter heißt das – und er wird König von Israel sein…

Wen wunderts: Maria ist erst mal erschrocken und dann ratlos. Wie soll sie schwanger werden – ist ja kein Mann da oder jedenfalls noch keine eheliche Verbindung. Und dann erzählt der Engel, wie das Wunder geschehen wird. Maria lässt sich darauf ein; vermutlich, ohne es zu verstehen. Aber das ist ihre Art, zu glauben: Sie lässt sich auf so eine riesige Herausforderung ein, obwohl sie sich damit selbst in Gefahr bringt. Unverheiratet schwanger – da drohte schon damals Schlimmes in der orientalischen Gesellschaft.

Aber mal ehrlich: Wer hätte bis heute verstanden, was da passiert. Um so wichtiger, das alles sozusagen zu erden und mit der wirklichen Realität zu verbinden. Deswegen heute, neun Monate vor dem Fest der Geburt: Fest der Ankündigung dieser Geburt. So wunderlich seltsam die Geschichte sein mag: Sie lässt sich am Kalender festmachen und an den natürlichen Abläufen.

Wie jeder andere Mensch braucht der kleine künftige Jesus neun Monate im Bauch seiner Mutter, bis er das Licht der Welt erblicken kann. Denn zur Welt kommt da einer von uns. Ganz Mensch eben.

Gottes Sohn sein: das wird er lernen. Weil er ein besonderes Verhältnis zu Gott hat und Gottes Liebe so sehr an sich heran lässt, dass er sie weitergeben kann. Das wird ihm eine ganz besondere Kraft geben – er wird Kranke gesund machen und Tote zurückrufen ins Leben.

Aber das dauert noch – erst mal neun Monate bis zur Geburt. Und dann dreißig Jahre unauffälliges Leben im Dorf Nazaret. Da können wir ruhig Karfreitag und Ostern feiern, in drei Wochen. Liegt im Moment einfach näher…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23884

Netiquette

Anregungen, Lob, Kritik - hier können Sie sich zu unseren Sendungen im SWR äußern.

Ihre Kommentare werden moderiert und dann so bald wie möglich freigeschaltet.

Wir bitten Sie aber, bei Ihren Beiträgen folgendes zu beachten:
Ein Anspruch auf Veröffentlichung eines Kommentars besteht grundsätzlich nicht.
Ihre Kommentare sollten fair und sachlich gehalten sein. Wir bitten Sie die folgende Richtlinien bei Ihren Kommentaren zu kirche-im-SWR.de zu beachten.

Kommentare dürfen nicht

  • strafbar oder die Rechte Dritter verletzend
  • gegen die guten Sitten verstoßend
  • beleidigend oder ehrverletzend
  • politisch oder religiös extrem
  • Religionen, Weltanschauungen, Menschen pauschal verurteilend
  • fremdsprachlich
  • pornographisch, obszön oder jugendgefährdend
  • unsinnig oder anderweitig inakzeptabel sein.
  • Kommentare sollen sich auf Sendungen der Kirchen im SWR Programm beziehen.
  • Es dürfen keine Beiträge mit gewerblichem und/oder werbendem Charakter eingestellt werden.
  • Eine kommerzielle Nutzung durch z.B. das Anbieten von Waren oder Dienstleistungen ist nicht erlaubt.
  • Die Beiträge dürfen keine Links enthalten.
  • Zitate müssen durch die Angabe einer Quelle bzw. des Urhebers belegt sein.
  • offensichtlichen Missbrauch von Klarnamen enthalten

Wir behalten uns vor, Beiträge nicht zu veröffentlichen.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir anonyme Beiträge nicht freischalten, melden Sie sich daher bitte mit Ihrem Namen an. Geben Sie am besten auch Ihre E-Mail- Adresse an, damit wir Ihnen gegebenenfalls individuell antworten können.

Durch das Abschicken Ihres Beitrags räumen Sie kirche-im-SWR.de das Recht ein, Ihre Beiträge dauerhaft zu präsentieren, in Beiträge einzuarbeiten (ohne Namensnennung) oder sie nach redaktionellem Ermessen zu löschen. Wir behalten uns vor, diese Richtlinien ggf. zu ändern bzw. zu ergänzen.

Wenn Sie Anmerkungen haben, die Sie uns direkt zukommen lassen möchten, die aber nicht veröffentlicht werden sollen, schicken Sie uns bitte eine Mail an: ev.rundfunkpfarramt.bw@kirche-im-swr.de

Schließen