Manuskripte

Es muss eine bestimmte Absicht dahinter stecken,  dass die Kirche in ihrem Heiligen-Kalender  ausgerechnet diese zwei als „Säulen der Kirche“ an einem Tag  zusammen verehrt, nämlich heute – Peter und Paul :

Petrus, der Fischer vom See Genezaret in Galiläa, ein ziemlich einfacher Mann; der hat auch eher einfach gedacht, so mehr vom Bauch her und mit dem Herzen.  Aber er ist von Anfang an mit Jesus mitgegangen. Er ist ein Freund, der seinen Freund schließlich verleugnet  und behauptet hat: Jesus – kenne ich nicht. Und den Jesus trotzdem beauftragt: Weide meine Schafe.

Und Paulus – der eher Intellektuelle aus Tarsus in der heutigen Türkei, früher hat er mal Saulus geheißen.  Hat sich zunächst hervorgetan als eifriger Christen-Hasser.  Dann hat ihn eine Vision zu Jesus bekehrt; da hat er sich dann Paulus genannt – das bedeutet: der Kleine. Aber immer noch hat er quer zum System gestanden. Dem Anführer Petrus hat er öffentlich widersprochen,  als es darum ging, ob man erst Jude werden soll,  wenn man Christ werden will und um die Taufe bittet. Damit wäre die Christengemeinde eine unbedeutende kleine Sekte geblieben.

Paulus hat sie nach außen geöffnet –  für die damals so genannten Heidinnen und Heiden auf ihrer Suche nach Gott. Aber auch innerlich waren da noch viele Grenzen zu überwinden –  auch die Christengemeinden machten nämlich gern weiter,  wie es in ihrer Umgebung üblich war: Herren blieben Herren  und Sklaven eben Knechte. Frauen hatten sich unterzuordnen,  Römer waren wichtiger als Griechen und immer so weiter. Paulus hat sich engagiert, dass das aufhört: Ihr seid alle Schwestern und Brüder.  Lebt also auch als Geschwister, auf Augenhöhe. Daran müsste sich die Christenheit gelegentlich stärker wieder erinnern und moderner werden – zum Beispiel Frauen und Männer  endlich wirklich gleichberechtigt an allem beteiligen.

Paulus hat bei allem Widerspruch immer die Führungsrolle des Petrus anerkannt: Er ist der Erste der Oster-Zeugen. Ich bin nur der Kleine. Einerseits. Aber es gehört eben immer alles zusammen – das Große und das Kleine, das Glaubens-Gefühl und der vernünftige Glaube.  Nur alle zusammen machen die Christenheit farbig und spannend. Und so ist es gut und richtig und ein bisschen eine Provokation, diese beiden Heiligen heute gemeinsam zu feiern. 

Glückwunsch allen Peters und Pauls  und den Paulas und Petras – zum Namenstag.

 

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Undenkbar, so eine Szene im Kleidergeschäft: Kunde probiert den chicen Dreiteiler-Anzug an –  gefällt ihm aber nicht so richtig oder ist zu weit oder zu eng; Kunde reicht das Teil aus der Kabine heraus –  und der Verkäufer hält ihm gleich den Müllsack hin. Kann leider nicht wieder in die Auswahl zurück –  ist ja nicht mehr ganz neu.

Geht’s noch? Ja – geht noch; und zwar immer stärker da, wo die Leute zu Hause bleiben statt in die Stadt oder in den Laden zu gehen. Online auswählen, was gefallen könnte und vielleicht passt;  gerne auch in eine Nummer kleiner oder größer bestellen. Kann ich ja einfach zurückschicken. Gesagt getan – und wenn’s gut geht, wandern nur zwei der drei bestellten Teile aus der Retoure beim Versandhändler in die Tonne.

Das hat die Politik angeblich erst vor zwei Wochen als Problem entdeckt. Kurz vor Beginn der Saure Gurken-Zeit. Hektische Betriebsamkeit; endlich mal wieder ein leicht handelbares Thema das die Leute auch gut verstehen und an dem wir zeigen können,  dass wir was tun. Vielleicht ist es ja nebenbei auch mitmotiviert von den Kids,  die heute schon wieder weltweit demonstrieren für ihre eigene und für die Zukunft der ganzen Welt. Fridays for future eben.

Denn damit hat die unglaubliche Vernichtung von Ressourcen  natürlich ganz direkt etwas zu tun: Da werden Rohstoffe zu Waren verarbeitet – etwa Baumwolle zu Klamotten; die werden hin und her transportiert – von oft schlecht bezahlten Kurieren; und schließlich weggeschmissen, weil nicht mehr neu, statt dass jemand sie überprüft, vielleicht reinigt und bügelt oder jedenfalls als B-Ware noch mal auf den Markt bringt. Da wäre Arbeit zu vergeben gewesen –  und wer sich nie so ein edles Teil  hätte leisten können,  trägt auf einmal die edlen Marken – sie wissen schon. Welch eine winwinwin-Situation, wenn mehr Leute endlich anfangen, es zu verstehen: es gibt keinen Planet B.

Gott hat den Menschen die Schöpfung geschenkt; allen.  Und die Generation von heute hat sie von ihren Kindern nur ausgeliehen. Diese Welt ist begrenzt und soll noch lange halten. Also auf in den Laden, wenn ich was Neues zum Anziehen brauche; versuchen, ob jemand mir das defekte Küchengerät reparieren kann, statt es wegzuwerfen und ein neues zu kaufen.  Es ist nur ein bisschen unbequemer; aber eben auch viel nachhaltiger. Und zugleich ein Beweis dafür, dass auch Menschen von heute so etwas wie Anstand haben und Ehrfurcht empfinden vor der Schöpfung und ihrem Schöpfer.  Und Achtung und Wertschätzung für die Kinder –  für die eigenen und die Kinder der Welt.

 

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Kann schon sein, dass der neue Präsident der Ukraine alte Probleme durch neue ablöst. Wolodymir Selenskyj, studierter Jurist und gelernter Schauspieler und Komiker, hat aber jedenfalls die Wahl im Mai sehr klar gewonnen. Die Wähler in der Ukraine wollten eine andere Politik –  und die werden sie vermutlich bekommen. Ich fand ein paar Sätze spannend, die er in der Rede bei seiner Vereidigung gesagt hat. „Ich möchte sehr“, sagt er,  „dass in Ihren Arbeitszimmern nicht mein Bild hängt.  Denn der Präsident ist keine Ikone und kein Götzenbild,  der Präsident ist kein Porträt.  Hängen Sie dort Fotografien Ihrer Kinder hin und schauen Sie ihnen vor jeder Entscheidung in die Augen.“

 

Ich hoffe sehr, dass da wirklich der Präsident gesprochen hat und nicht mehr der Schauspieler Selenskyj. Und dann nehme ich dem Mann gern ab,  dass er ernst gemeint hat, was er da sagt –  weil er nämlich einen sehr guten Vorschlag macht. Meinetwegen soll der ruhig populistisch klingen – er ist jedenfalls richtig. Schaut euren Kindern in die Augen, denkt an eure Kinder und die Generation nach euch,  wenn ihr Entscheidungen trefft. Das ist so richtig,  weil nämlich fast jede Entscheidung in Politik und Wirtschaft weiter reicht als nur gerade bis in die nächsten Tage  oder bis an die Grenzen dieses Landes oder dieses Kontinents.  Ihr habt die Erde von euren Kindern nur gepachtet, sagt ein weiser Satz. Und dass alle Menschen Schwestern und Brüder sind und werden, behauptet die Europa-Hymne ähnlich wie der Glaube der Christenheit.  Beide Worte sind zugleich Aufträge.

 

Und die machen ganz schön demütig –  jedenfalls jede und jeden, die sie richtig verstehen wollen. Davon redet Präsident Selenskyj ja auch: In den Büros sollen die Leute Bilder von ihren Kindern da hin hängen, wo sonst immer und überall ein Foto vom Präsidenten hängt,  verehrungs-würdig wie eine Ikone in der östlichen Kirche.

 

„Johannes – nimm dich nicht so wichtig“,  hat der Konzils-Papst Johannes der dreiundzwanzigste sich selbst zugerufen. Scheint, der Präsident der Ukraine tickt ein bisschen in die gleiche Richtung; auch wenn sich erst noch zeigen muss, wie er sich im Amt entwickelt. Und sicher wird es eine Lösung geben, wenigstens für den Übergang. An der Amtsstuben-Wand gibt es Platz für die Kinder-Fotos  und die blau-gelbe Staatsflagge – irgendwie muss es ja auch amtlich zugehen und muss klar sein: Hier ist mehr als nur privat.

 

Aber im Ansatz ist es richtig: Schaut euren Kindern in die Augen und blickt auf die Zukunft – auf ihre und eure. Und dann trefft eure Entscheidungen – sie werden anders ausfallen,  hoffentlich nachhaltiger …

 

 

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Schon okay, dass immer mehr Menschen meinen, sie müssten sich für die große Krise vorbereiten. Sie legen sich große Vorräte an und machen Überlebenstrainings; kaufen sich AmateurFunk-Geräte und erwerben die Lizenzen, bauen Bunker oder andere sichere Räume in ihre Häuser ein… Solche Maßnahmen eben. Die sind teuer – aber erst mal schaden sie niemand. Prepper nennen diese Leute sich – vom englischen „be prepared“,  sei vorbereitet. In USAmerika ist die Bewegung deutlich größer  als hier in Europa. Ich bin froh, dass die große Krise erst mal nicht zu kommen scheint –  und hoffe, dass das auch so bleibt.  Wer anders vorbereitet sein will – soll es machen.

Nicht zu fassen finde ich aber, was vor zwei Wochen durch die Medien ging: Vier Polizisten in Norddeutschland  haben ausgerechnet beim Landeskriminalamt Munition geklaut. Die sollen sie an einen Prepper weitergegeben haben. Manche Prepper wollen sich nämlich bewaffnen.  Damit sie sich verteidigen können, bevor die Krise kommt.  Und um ihre Vorräte zu schützen, wenn die Krise da wäre und andere was mithaben wollen.

Du Narr, sagt Gott zu einem Menschen, von dem Jesus in der Bibel erzählt. Die Ernte war gut, er hatte extra neue Scheunen und Lagerräume gebaut –  und jetzt war alles voll und er hat sich zur Ruhe gesetzt. Du Narr – in dieser Nacht wirst du sterben – und was nutzt es dir, dass du das alles angehäuft hast… Und Jesus kommentiert das so: Wer nur für sich selbst Schätze ansammelt, ist eben nicht wirklich reich.

Und dann lädt Jesus in der Bibel dazu ein, dass seine Jünger  und mit ihnen alle Christenmenschen weniger vorsorgen sollen. Von den Vögeln lernen, die Gott am Leben hält –  ganz ohne Vorratskammern und Scheunen. Schön sein wie die Blumen auf dem Feld – von Gott gekleidet. Und sich lieber einen Schatz im Himmel erwerben, für immer und ewig. Radikale Vorstellungen – klingt unrealistisch unter heutigen Bedingungen.

Aber umsetzbar und dringend nötig wäre es doch, auch heute noch und wieder:  Vorräte anlegen und teilen mit denen, die nichts haben. Viel besitzen, sich alles mögliche leisten können – und andere einladen, dass sie mitmachen und teilhaben an dem, was da ist: Dann bräuchte es keine Waffen und keine Munition  und weder Bunker noch hohe Mauern,  um „alles Meins“ zu verteidigen.

Wer so prepared wäre, also ein bisschen anders als die Prepper von eben, so vorbereitet wären alle ein bisschen glücklicher –  schon lange vor der großen Krise – und sicher nach deren Ende.

 

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Es war bei einem Außentermin, vor ein paar Wochen. „Wir gehen dann gemeinsam bis zum Aussichtspunkt;  da erklärt jemand Ortskundiges alles.  Bleibt da oben, solange ihr wollt. Und nachher laden wir zum Kaffee und zum Imbiss ein und zum Reden und zum Weiterdenken. Wer den Weg zum Pfarrheim nicht weiß: geht einfach der Menge hinterher…“ Es war eine schöne Besichtigung,. Und zum Kaffee zu finden, war so einfach – alle haben ihren Weg gefunden; ich auch.

Dabei gehe ich eigentlich ungern da entlang, wo schon immer schon alle herlaufen. Der Menge hinterher – den ausgetretenen Pfaden folgen: Das ist bequem, es kann aber auch langweilig werden. Ich suche mir lieber eine alternative Route. Schon klar: Manchmal gibt es eben nur den einen Weg zum Ziel. Aber denken sie an die Bilder vom Mount Everest im Mai: Gedränge auf dem höchsten Berg, am Gipfelgrat –  das war außerdem auch noch gefährlich, da oben in der eisigen Kälte.

Wie gesagt: wo möglich, nehme ich lieber einen anderen Weg als alle. Dazu lädt übrigens auch Jesus in der Bibel ein: „Geht durch das enge Tor!, sagt er.  Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt,  und der Weg dahin ist breit, und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng,  und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn.“

Das klingt, als würde Jesus da  zu einer exklusiven Veranstaltung einladen. Das Leben – damit ist das ganze Leben gemeint: vor und nach dem Tod. Und zu diesem wahren Leben ist jede und jeder eingeladen.  Und übrigens auch in der Lage, es zu ergreifen  oder den Weg da hin zu finden. Eine Regel dafür steht in der Bibel gerade eine Zeile vorher: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ Die Goldene Regel – und die ist weder exklusiv christlich noch biblisch oder auch nur religiös begründet; einfach gelebte Menschlichkeit. Und eigentlich leicht zu befolgen.  Wer weiß, was er oder sie selbst gern hätte,  weiß auch schon, was den anderen gut tun würde, möglicherweise. Schade, dass viele das anscheinend schwierig finden – einen engen Pfad also, um im Bild zu bleiben, ein schmales Tor.

Immerhin: Alle sind dazu eingeladen –  ein bisschen Zeit für andere haben, sich dem üblen Gerede verweigern über bestimmte Gruppen –  ganz einfache Sachen eigentlich.  Aber wäre es wirklich eine Gefahr oder langweilig, wenn viele oder sogar alle gemeinsam  auf dem Weg der Goldenen Regel wären? Das wäre doch mal ein schönes Gedränge!

 

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Irgendwann muss wirklich mal Schluss sein,  selbst mit dem besten Gemüse der Welt. Aber sieben Wochen Spargel – das ist ja schon mal eine ganz schöne Leistung. Gefühlt waren die leckeren weißen Stangen dieses Jahr  sogar schon früher auf dem Markt als vor sieben Wochen. Keine Ahnung, ob das mehr an der Globalisierung lag oder am Klima-Wandel. Recht warm ist es ja gewesen, im April…

Keine Ahnung habe ich auch, warum ausgerechnet am Johannistag,  heute also, der letzte Spargel geerntet wird, und dann werden die Felder und die Pflanzen in Ruhe gelassen bis zum nächsten Jahr. Wahrscheinlich ist der „Johannis“-Tag ein so markantes Datum. Im Kirchenjahr genau sechs Monate vor und nach Weihnachten Und einer der Tage nach der kürzesten Nacht des Jahres – Sommersonnenwende – ab heute werden die Tage kürzer  und die Nächte länger. Manche finden das ähnlich traurig wie das Ende der Spargel-Saison.

Aber das hat doch auch was Gutes: Beim Spargel signalisiert es selbst den verwöhntesten Wohlstands-Essern, dass alles seine Grenzen hat – und dass die Natur ihr Recht fordert, die sie sonst gern rücksichtslos nutzen oder gar ausbeuten. Dass die Nächte länger werden, weist auch darauf hin,  dass der Mensch vielleicht Krone der Schöpfung ist; und doch abhängig von ihr und angewiesen auf sie. Natur und Welt und Welten-Raum sind einfach viel größer, da wirken ganz andere Kräfte, als wir kleinen Menschen uns vorstellen können.

Kein Wunder, dass die ganz frühe Christenheit ihr Fest für den heiligen Johannes den Täufer auf diesen starken Tag gelegt hat. Mit dem Jesus-Geburtstag hatten sie den heidnischen Tag der Sonne besetzt, die Wintersonnenwende, von der an es immer heller wird. Und an der Sommersonnenwende liegt dann, wie in der Bibel beschrieben, eben der Geburtstag von Johannes dem Täufer. Maria ist ja am Anfang ihrer Schwangerschaft mit Jesus,  und besucht ihre Tante Elisabet; die ist schon im dritten Monat mit Johannes. Damit ließen sich überall die ursprünglichen Mittsommerfeste überschreiben. Beinahe jedenfalls. Die vielen Johannis-Feuer in der letzten Nacht sind ja noch Spuren der vorchristlichen Zeit: Damals Zeichen der magischen Hoffnung, die bösen Geister zu vertreiben.

Christen verbinden mit Johannes dagegen ja eher  die Hoffnung auf Gottes neue Welt von Liebe und Gerechtigkeit – und den Auftrag, dass sie daran mitarbeiten …

 

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Komponisten müssen ihr Werk aus der Hand geben, damit es hörbar wird: Und doch: wo möglich sorgen sie sich bis zum Schluss darum, dass alles so wird wie sie es sich gedacht haben -  vom Auftakt bis zum Ende der Aufführung.

Da finde ich beachtlich, was Yehudi Menuhin über Sir Edward Elgar erzählt. Der große Geiger des zwanzigsten Jahrhunderts trifft mit sechzehn Jahren mit dem Komponisten zusammen – der ist da schon vierundsiebzig; sie wollen Elgars Violinkonzert auf Platte aufnehmen.  Wie üblich sollen Komponist und Dirigent Elgar und Solist Menuhin das Stück noch mal durchgehen, bevor sie mit dem Orchester ins Studio gehen.

Menuhin spielt also den Geigenpart – Elgar hört aufmerksam zu; aber nur bis zum Anfang des zweiten Themas im ersten Satz. „Das kann man nicht besser spielen“, sagt er. Und „Bitte entschuldigen sie mich. Das Wetter ist so schön – ich gehe lieber zum Pferderennen…“

Schon klar: Yehudi Menuhin, der Wundergeiger hatte das Stück  gut und ganz richtig aufgefasst und gespielt. Aber ein sorgfältiger und ehrgeiziger Komponist hätte da doch  ein bisschen genauer hinhören können –  schließlich sollte sein Werk für die ganze Nachwelt auf Platte kommen. Und Menuhin war nur der Ersatzgeiger. Ich nehme mich nicht so wichtig, scheint Elgar sagen zu wollen. Manchmal soll er sowieso locker mit der eigenen Musik umgegangen sein.

Das bestätigt sich dann an den beiden Studio-Tagen.  Elgar dirigiert das große Orchester – und macht den Eindruck, als wäre es eigentlich unwichtig, dass er da ist: kleine Gesten statt großem Gerudere mit den Armen; leise Töne, wenn er was zu korrigieren hat. Als wolle er sich niemand aufdrängen, findet Menuhin. Und dass er gelernt hat: „Autorität muss sich unaufdringlich, fast bescheiden präsentieren.“

Das stimmt – übrigens auch biblisch, denke ich. Wer unter euch der oder die Erste sein will, sagt Jesus einmal,  soll euer Diener sein. Das ist Edward Elgar in dieser Szene jedenfalls: Diener der Musik,  Diener des Orchesters und des Geigensolisten –  und doch die wichtigste Person da im Studio.

Das muss, glaube ich, zusammenkommen – und es gelingt ja, Gott sei Dank, auch schon oft: Jemand ist einfach so gut in seinem Thema oder ihrer Sache, dass die Autorität ganz von selbst entsteht; wo es hilft, ordnen sich alle ihr unter –  und niemand hat am Ende je das Gefühl gehabt, ich hier unten und der da oben. Wir sind gemeinsam vorangekommen, das Werk ist gelungen. Denn der oder die Wichtigste dabei  ist auf Augenhöhe mit uns gemeinsam auf dem Weg gewesen. So – hätte Jesus vermutlich gesagt – so soll es bei euch sein

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Scheint, dass die Schulschwänzer-Freitage doch allmählich gehört werden.

Auch heute werden sie es wieder tun: Die Schule schwänzen und für eine bessere Politik demonstrieren, fast überall auf der Erde, und sicher auch hier im Land. FFF – Fridays for Future nennen sie es. Greta Tunberg hat die Aktion losgetreten, sechzehn Jahre alt, schwedische Schülerin.

Was sollen wir in euren Schulen lernen – und für welches Leben, wenn ihr uns mit eurer Wirtschaft und mit eurer Politik die Zukunft verbaut und die Welt versaut. Mit euren Autos und Fliegern verschwendet ihr Erdöl und vergiftet die Luft und sorgt dafür, dass in dreißig Jahren Kiel einen Meter hoch unter Wasser stehen wird. Und denkt an das Gift, das ihr auf die Äcker spritzt, damit ihr mehr Lebensmittel erzeugen und dann wegschmeißen könnt. Und an den Plastikmüll,  der dann in Fischstäbchen wieder auf den Tisch kommt. Die meinen übrigens uns; unseren Alltag, der ihre Welt so bedroht. Und doch winken viele ab: Das ist alles bekannt und schon tausend mal gesagt.

Ja – aber noch nicht von allen. Und deswegen ist es erst mal gut, dass Greta und ihre Generation jetzt mitreden. So lange hat man sie als die Unpolitischen und Konsumfreaks kritisiert; Videospiele und hard rock und Schmuse-Ecken –  und alles wäre gut: so haben viele sie gesehen. Jetzt machen die jungen Leute Schluss damit – oder jedenfalls viele von ihnen. Und machen witzige Sprüche und hauen zornig auf die Pauke.  Ich finde es gut. Und übrigens auch ziemlich christlich.

Und da kommen Politik und Stammtisch ihnen mit der Schulpflicht! Jede freitags gefehlte Stunde kommt unentschuldigt aufs Zeugnis. Denkt an eure Zukunft! Ja eben, sagen Greta und Co da nur. An unsere Zukunft. Wenn wir denn noch eine hätten. Ihr habt die Welt von uns doch nur geliehen – was lasst ihr uns übrig von ihr?

In Trier hat es zwei bemerkenswerte Reaktionen gegeben  auf  FFF Friday for Future. Jaja, auch in Trier haben sie demonstriert. Auch Schülerinnen von kirchlichen Schulen.  Die werden natürlich auch die Fehlstunden auf’s Zeugnis schreiben. Außerdem halten sie den Ball aber flach.  Weil sich für die Schöpfung zu engagieren und eben auch für’s Klima demonstrieren: Ist doch echt ein christliches Lernziel. Und für den anderen Lernstoff bietet die Schule nachmittags freiwillige AGs an.

Und schau an: zwei Fraktionen im Trierer Stadtrat tun sich zusammen – und fordern, ausdrücklich auch als Reaktion auf die Freitags-Demos:  Kostenlose Bustickets in der Stadt – oder jedenfalls deutlich billigere; und mehr Busse in dichteren Fahrplänen. Und die anderen stimmen zu. Na gut – ist auch Wahlkampf – aber schön ist es doch jedenfalls,  wenn ein paar geschwänzte Schulstunden die Politik in Bewegung bringen…

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Den ganzen Donnerstag vor zwei Wochen  war Wikipedia geschlossen – das deutsche Internet-Lexikon. Protest gegen das neue Europäische Urheberrecht. Schwarze Seite statt Lexikon über alles, was die Menschheit weiß… Und Protest gegen die in Brüssel; die haben es dann doch beschlossen trotz der UploadFilter, die nach Zensur klingen...

Stop – warum muss ausgerechnet Wikipedia streiken? Die sind doch doppelt raus aus dem Spiel. Einmal, weil sie gemeinnützig sind – wer sie unterstützt, kann das als Spende steuerlich geltend machen. Und schon deswegen müssten sie sich um urheberrechtlich geschützte Bilder und Videos und Töne und Text eigentlich keine Sorgen machen.

Und außerdem ist Wikipedia raus, weil sie schon immer strikt darauf achten, dass ich wirklich nur Bilder und andere Medien hochlade, die mir wirklich gehören oder zu denen ich jedenfalls die Rechte besitze. Und das kontrolliert die Wikipedia-Community auch ziemlich sorgfältig. Also alles in Ordnung, oder? Nein, fand der Vorstand von Wikipedia: Wir müssen uns gerade deswegen  dafür einsetzen, dass das Internet offen bleibt für alle und ohne Zensur und am liebsten umsonst.

Heiliger Isidor, habe ich gedacht. An den erinnert übrigens heute die katholische Kirche: Isidor von Sevilla, Bischof und Kirchenlehrer um das Jahr 600 herum; ein großer Theologe – und einer der letzten Menschen, die angeblich alles wussten, was Menschen wissen können. Universalgelehrter. Theologe, Autor und Herausgeber von Lexika und Sammlungen zu allen möglichen Themen.  Und deswegen ist er auch offizieller Schutzpatron des Internets.

Hätte er, wenn man genauer hinschaut,  heute wohl keine Chance mehr, zu werden. Denn seine Sammlungen und seine riesigen Wissensschätze hatte Isidor natürlich aus allen möglichen Quellen zusammengefunden. Weil Wissen ja genau so funktioniert: Was jemand herausgefunden hat oder erfunden oder aufgeschrieben, das soll allen zur Verfügung stehen. Und einer wie Isidor trägt genau dazu bei. Und Wikipedia doch auch:  Viele, irgendwie eigentlich alle, die was wissen, können es aufschreiben  und im weltweiten Netz mit allen anderen teilen.  Heute viel viel leichter als im sechsten Jahrhundert, als sie alles noch von Hand aufgeschrieben und abgeschrieben  und weitergegeben haben!

Irgendwie muss das doch beides zusammen hinzukriegen sein: Das Wissen der Welt gehört einerseits allen, ohne Zensur; und Schriftsteller und Journalisten und Fotografen und andere Künstler müssen auch von ihrer Arbeit leben können . Isidor von Sevilla – Patron des Internets, wie gesagt – heiliger Isidor, hilf!

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Auf dem Teich – oder eigentlich schon mehr im Teich –  schwamm eine Biene.  Eigentlich hatte ich nur gesehen,  dass da was Kleines ziemlich hektisch herumzappelte auf der Wasseroberfläche.  Keine Biene geht schwimmen.  Muss wohl beim Trinken abgerutscht sein.  Wer weiß. Jedenfalls ist sie kurz vor dem Ertrinken.

Es war eigentlich nur ein kleiner Teich –  aber doch zu groß, als dass ich hätte hinlangen können.  Und kein Ast weit und breit, den ich zur Rettung hätte einsetzen können.  Aber da: Ein paar Grashalme schwimmen ganz in der Nähe von Biene in Not.  Ob sie die gesehen hat und hinpaddelt –  oder ob es nur Zufall ist und ein bisschen günstiger Wind:  Die Biene stößt an einen der Grashalme;  und weil der halb unter Wasser schwimmt,  kriegt sie ihn zu fassen und klettert hinauf.

Gerettet? Leider ist wohl zu wenig Zeit, um die Flügel zu trocknen.  Oder sie ist einfach nur erschöpft und ungeschickt –  jedenfalls purzelt sie noch mal ins Wasser.  Schade – aber gerade, als ich sie verloren geben will und weitergehe,  hat die kleine Biene schon die nächste Gelegenheit ergriffen,  hat einen neuen Halm bestiegen  und ist diesmal ein wenig geschickter ins Trockene gekommen.

Flügel ausgebreitet, damit sie schnell trocken werden,  ein paar Mal auf und zu gefaltet, wie zum Test –  und dann fliegt sie in kleinen Spiralen steil fast senkrecht hoch  und verschwindet – sicher an ein ruhiges und sonniges Plätzchen,  damit sie sich erst mal putzen und ganz trocken werden kann. 

Ich blieb unten am Boden, klar.  Und bin dankbar an meinen Schreibtisch zurück gegangen.  Ich hatte so was wie ein kleines Wunder gesehen –  nur als Zuschauer; keine Chance, selbst zu helfen.  Hätte ich natürlich getan, für Schwester Biene.

Von Franz von Assisi erzählt man das ja:  Eilig unterwegs hält er plötzlich an, geht ein paar Schritte zurück  und hebt eine Schnecke oder eine Ameise vom Boden auf  und setzt sie am Wegrand ab –  damit dich keiner aus Versehen tottritt, liebe Schwester.

Nur: ich mit den Büroklamotten in den Teich im Park – für eine Biene?  Aber die – und vielleicht ja die ganze Schöpfung mit ihr –  sie kann sich anscheinend auch ganz gut selber helfen.  Vielleicht sollten die Menschen sie sowieso lieber öfter mal in Ruhe lassen.

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