Manuskripte

21OKT2020
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Mission, das Wort hat immer noch einen schlechten Klang bei vielen Menschen. Man denkt da an gewaltsames Missionieren und Kolonialisieren. In früheren Zeiten haben Missionare tatsächlich mitgemacht bei der Unterdrückung und Ausbeutung anderer Länder, Länder in Afrika oder Südamerika oder Asien. Heute ist das Gott sei Dank ganz anders. Die Bedeutung von Mission hat sich in der katholischen Kirche sehr gewandelt. Mission: Das heißt heute vor allem: Solidarisch sein mit den Ländern im Globalen Süden. Denn die Botschaft der Bibel heißt ja nicht: andere ausbeuten! Sondern: sich für andere einsetzen! Gerechtigkeit schaffen! Diese Botschaft will Kirche heute in die Welt senden, das ist ihre Mission. 

Der Oktober ist traditionell der Monat der Weltmission in der katholischen Kirche, und der kommende Sonntag ist der so genannte Weltmissionssonntag. Er steht dieses Jahr unter dem Motto „Selig, die Frieden stiften! Solidarisch für Frieden und Zusammenhalt.“ Und natürlich ist auch er von der Corona-Krise beeinflusst. Denn sie wirkt sich auf die armen Länder im Süden noch viel stärker aus als auf uns. Sicher, auch bei uns gibt es Menschen, die gebeutelt sind von der Krise. Die sich Sorgen machen um ihre Gesundheit und ihren Arbeitsplatz. Aber in Deutschland muss Gott sei Dank keiner verhungern, wenn er nicht arbeiten gehen kann. In Brasilien, Paraguay oder Ghana schon. 

Solidarität ist deswegen nicht nur bei uns in Deutschland wichtig. Sondern weltweit. Und es ist gut, dass sich viele Menschen dafür einsetzen, beim katholischen Hilfswerk Missio und in vielen Partnerorganisationen vor Ort in Afrika oder Südamerika. Christinnen und Christen und Menschen anderer Religion oder Weltanschauung. Sie alle helfen mit, damit Menschen in Brasilien oder Ghana oder Paraguay medizinisch versorgt werden. Lebensmittel bekommen. Und Kinder in die Schule gehen können. 

Ich werde etwas spenden zum Weltmissionssonntag. Und ich bete dafür, dass wir es schaffen, weltweit noch solidarischer zu werden. Und die ganze Welt solidarisch und gut durch diese Krise kommt.

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20OKT2020
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Beim Heiligen, der heute im Kalender steht, muss ich an einen Elefanten denken. Heute ist der Festtag des heiligen Wendelin. Und die Älteren erinnern sich vielleicht: Wendelin, der kam in den 70ern Jahren in einer Fernsehshow vor: „Der Große Preis“ mit Wim Thoelke. Da gab es zwei Zeichentrickfiguren von Loriot: Wum, den Hund, und Wendelin, den Elefanten. Die haben mich als Kind begeistert. Wendelin, der graue, freundliche Elefant, konnte sprechen und singen und sogar in seinen langen Elefantenrüssel einen Knoten machen.

Hund und Elefant passen zu dem Heiligen Wendelin. Denn der wird heute auch als Patron für Tiere und Natur verehrt. Wendelin war Hirte, Schafshirt – und das macht ihn mir schon deshalb sympathisch, weil ich Hirt mit Nachnamen heiße. Auch die bekannteste Legende zu Wendelin erinnert mich an Tiere, an das Märchen vom Hase und Igel nämlich. Da geht es um ein Wettrennen, das gewinnt der Igel durch eine List. Auch der heilige Wendelin muss einmal ein kleines Wettrennen bestehen. Der Edelmann, für den er als Hirte arbeitet, ist zornig: Weit weg von zuhause trifft er Wendelin mit seiner Schafsherde. Aber als der Edelmann wenig später zurück in seinen Hof einreitet, da sind Hirt und Herde schon da, schneller als er. Allerdings nicht durch eine List, die hat Wendelin gar nicht nötig. Bei ihm geschieht das, wie es sich bei einem Heiligen gehört, durch ein Wunder.

Hase und Igel, Schafe, Hund und Elefant: Ich verbinde den heiligen Wendelin mit vielen Tieren. Und ich find es wunderbar, dass er Patron für Tiere und Umwelt ist. Tiere und Umwelt können einen Patron und Beschützer heutzutage besonders gut gebrauchen, finde ich. Klimakrise und Massentierhaltung: Ich glaube, Wendelin hätte seine Meinung dazu. Ich versuche, mich für Tiere und Umwelt einzusetzen, ich kaufe regional ein, fahre viel mit dem Fahrrad und denke bei der Bepflanzung meines Balkons an die Insekten. Ich glaube, den heiligen Wendelin hätte ich da auf meiner Seite.

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19OKT2020
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Heute starten die rheinland-pfälzischen Kinder und Jugendlichen in ihre zweite Herbstferienwoche. Und auch ich hab ein paar Tage frei. Natürlich verbringe ich sie anders als ursprünglich mal gedacht, wie schon die Osterferien und die Sommerferien.

Aber mittlerweile hab ich immerhin schon Übung darin, auch in Deutschland und in meiner näheren Umgebung ganz wunderbar Urlaub zu machen. Im Sommer war ich - statt auf Hüttentour in den Alpen - eine Woche am so genannten Grünen Band unterwegs, an der Grenze von Hessen und Thüringen. Großartige Landschaften und wunderschöne Dörfer waren das. Und in den nächsten Tagen will ich Rheinhessen und den Rheingau unsicher machen. Wandertouren durch Weinberge und über weite Felder und Hügel. 

Es ist kurios. Ein Virus hat dafür gesorgt, dass ich die Landschaften und Ortschaften hierzulande noch mal anders wahrnehme. Und auch: neu wertschätze. Es gibt so viele fantastische Flecken Erde bei uns. Und es gibt noch so viel zu entdecken. Die Bahn hat dieses Jahr eine klasse Werbekampagne gestartet mit dem Titel „Deutschland neu entdecken“. Da sieht man faszinierende Bilder von Bergen und Seen oder auch: Weinbergen und grünen Hügeln - und dann heißt es darunter zum Beispiel: „Toskana? Nah dran. Hier sieht man aber die deutsche Weinstraße in der Pfalz.“ 

Es gibt wirklich beeindruckende Landschaften bei uns in Deutschland. Und ich finde es klasse, dass nicht nur ich, sondern viele Menschen sie in diesem Jahr neu entdecken. Und dann gibt es ja noch ein Argument für den Urlaub in der Nähe: Der Schöpfung und dem Klima tut es auch gut, wenn wir etwas weniger durch die Welt jetten. Urlaub in Deutschland: Das ist auch eine wunderbare Sache, um Gottes Schöpfung zu bewahren.

So schrecklich dieses Corona-Virus ist: Das ist für mich ein positiver Effekt. Und ich fände es gar nicht schlecht, wenn der auch ohne Virus weiterwirkt: Ich jedenfalls werde auch in den kommenden Jahren öfter mal Ferien bei uns daheim in Deutschland machen.

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18OKT2020
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Ich starte morgens gerne in den Tag mit einem Gebet. Das muss gar nichts Langes und Vorgefertigtes sein. Beten ist manchmal nur ein Seufzen, das sagt schon die Bibel. Ach, danke, lieber Gott! sag ich zum Beispiel. Danke, dass ich gesund aufgewacht bin. Und in einem warmen Bett schlafen durfte. Und danke, dass ich gleich einen Kaffee trinken darf. Oder auch: Bitte, lieber Gott, lass heute dies oder jenes gut klappen. Und lass mich diesen oder jenen Menschen treffen, der mir gerade guttut. Begegnungen: Die sind ja oft das Schönste am Tag. Und so wird aus meinem kleinen Morgengebet auch ein kleiner Tagesvorblick. Was wird’s heute so geben, was steht an? Wenn ich Gott zu diesem Tag dazu bitte, komm ich leichter aus dem Bett. 

Genauso wie mir am Abend auch der Tagesrückblick mit Gott guttut. Was war heute los? Lieber Gott, dieses oder jenes ist schiefgegangen. Aber wie gut, dass trotzdem doch so einiges gut gelaufen ist. Und wie schön, dass ich heute wirklich diesen oder jenen Menschen getroffen habe. 

Jetzt im Herbst 2020 kann so ein Abendgebet oder Tagesrückblick sogar noch eine ganz neue Bedeutung bekommen. Eine Virologische sozusagen. Professor Drosten, den viele schätzen und manche auch gar nicht, hat etwas empfohlen: ein Kontakttagebuch. Ich soll mich abends erinnern: Wen hab ich getroffen? Und das dann notieren. Damit, wenn wirklich das Gesundheitsamt anklopfen sollte, ich schnell Auskunft geben kann und das Gesundheitsamt nicht ewig recherchieren muss zu Kontaktpersonen, Clustern und so weiter. Der Vorschlag hat viel Kritik bekommen. Aber ich find die Idee gut. Sie kann helfen, dieses schreckliche Virus einzudämmen. Und für mich hat sie eben auch diese Bedeutung von Tagesrückblick und Abendgebet. 

Ich hab mir kein eigenes Tagebuch angelegt dafür. Aber ich schreib jetzt noch genauer in meinem Kalender hinein: Mit wem war ich wo Mittagessen? War ich einkaufen, hab ich Freunde getroffen? Mancher Name bekommt ein Ausrufezeichen in meinem Kalender. Nicht, weil dieser Mensch virentechnisch besonders gefährlich gewesen wäre. Sondern: weil es einfach schön war, ihm zu begegnen.

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01AUG2020
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Ich bin eine, die gerne plant. Ich freue mich, wenn ich frühzeitig Dinge unter Dach und Fach bringen kann. Dienstlich und privat. So früh wie in diesem Jahr hatte ich noch nie das Kartenmaterial für meine Reisen bestellt und geliefert bekommen, die Wanderkarte für die Hüttentour in den Bergen zum Beispiel. Und dann kam Corona. Die Wanderkarte wanderte ins Regal, und die Reisepläne für den Sommer fielen ins Wasser. Wie bei fast allen Menschen in diesem Jahr. Die neue Formel lautet: Auf Sicht fahren. Und das ist natürlich eine echte Herausforderung für Menschen wie mich, die gerne planen. Plötzlich sollen wir ganz flexibel bleiben. Auf die aktuelle Lage reagieren. Was in vier Wochen ist, weiß ja kaum jemand so genau. 

Es fordert mich heraus, dieses Auf-Sicht-Fahren. Aber ich gebe zu: Es tut mir auch ein bisschen gut. Es fördert Haltungen in mir, die bisher noch nicht so ausgeprägt waren. Gelassenheit zum Beispiel. Ok, ich kann Dinge nicht so planen, wie ich das gerne möchte – also lasse ich los. Ich versuche, weniger angespannt zu sein, Dinge so zu nehmen, wie sie eben sind, Entwicklungen so zu akzeptieren, wie sie kommen. Dazu gehört vor allem auch: Vertrauen. Auch das ist eine Haltung, die ich gerade wieder neu übe. Ich vertraue auf andere Menschen. Ja, zum Beispiel auch auf Politikerinnen oder Virologen, die sich besser auskennen mit diesem Virus  und der gesellschaftlichen Lage als ich, und die schon gute Entscheidungen treffen werden, da hab ich begründetes Vertrauen. Und begründetes Vertrauen hab ich als Christin natürlich auch auf Gott. Er wird uns nicht allein lassen in dieser Krisenzeit. Er ist an meiner Seite und hilft mir durch diese Zeit. 

Wenn ich so auf Sicht fahren: Dann ergeben sich tatsächlich auch manchmal neue, wunderbare Lösungen. Statt der Hüttentour ging‘s diesen Sommer auf Wanderschaft im Mittelgebirge. Meine Mitwanderin hat neues Kartenmaterial besorgt, und es wurde eine tolle Tour. Wir sind auf Sicht gefahren bzw.: auf Sicht gewandert.

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31JUL2020
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Manches in dieser Corona-Krise, ich gesteh’s, find ich ja wirklich ganz gut, zum Beispiel: Wie sich die Räume neu sortieren, besonders in den Städten. In Mainz, wo ich wohne, da sind weite Teile des Gutenbergplatzes vor dem Theater jetzt Restaurant- und Kneipenbereich. Überall sitzen die Leute an Tischen und essen Salat oder trinken Wein. Draußen an der frischen Luft ist man sicherer vor dem Virus als drinnen, und Abstand halten sollen wir natürlich auch weiter - deswegen wird der öffentliche Raum im Freien immer großzügiger genutzt. In vielen Straßen hat man auch kurzerhand Parkplätze in Sitzplätze verwandelt. Da, wo eben noch Autos standen, sitzen jetzt Menschen und plaudern und lachen und essen und trinken. Ich find das klasse. Ich trau es mich kaum zu sagen, denn natürlich: Das Virus ist furchtbar, aber: Meine Stadt find ich in diesem Corona-Sommer fast noch schöner als sonst. Und ich hoffe, wir merken uns ein bisschen etwas von dieser neuen Raum-Aufteilung für später und behalten manches bei. 

Wie verteile ich Räume? Wem und was gebe ich Raum? Das sind wichtige Fragen in dieser Zeit, nicht nur für Restaurantbesitzer und Städteplaner, eigentlich für jede und jeden von uns. Das fängt ja schon damit an, dass viele die Räume zuhause neu sortiert haben. Wo baue ich im Homeoffice den Computer auf, wo will ich arbeiten? Wo sollen die Kinder spielen und ihre Schulaufgaben machen? Oder jetzt, wenn viele Ferien haben: Wo sind die Räume, in denen ich mich erholen kann? Wie soll mein Balkon oder Garten aussehen, wenn ich dort Urlaub mache? 

Räume neu sortieren, das hat ja immer auch was von: Leben neu sortieren. Prioritäten neu setzen. In den Städten haben Restaurantgäste oder auch Fahrradfahrer jetzt hier und da mehr Priorität als Autos. Und zuhause hat gerade oberste Priorität: ein Platz, an dem ich durchatmen und mich erholen kann. Für mich zum Beispiel auch: ein Platz, an dem ich gut beten kann. Es ist ein Merkmal dieses Sommers, und ich finde, ein schönes: dass wir uns neue Räume erschließen und sie genießen.

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30JUL2020
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Was genau meint eigentlich Solidarität? Darüber hab ich in den letzten Monaten immer wieder nachgedacht. Natürlich: Wegen dieses neuen Virus, wegen Corona. Mir ist immer klarer geworden: Wir gehören ja alle zusammen, wir Menschen. Wir sind gemeinsam von diesem Virus bedroht. Jeder Mensch auf dieser großen weiten Welt kann es bekommen und niemand weiß sicher, wie heftig es ihn erwischt. Alle Länder sind betroffen in unserer globalisierten Welt, die so eng zusammenhängt. In mir weckt das ein Gefühl von: Wir gehören zusammen. Und so übersetzen auch manche dieses Wort Solidarität: Es ist ein Zusammengehörigkeitsgefühl. 

Aber Solidarität, die bleibt nicht beim Gefühl stehen. Wenn das Gefühl stark wird, dann wird daraus eine Haltung und ein Handeln. Ich hab mich in den letzten Monaten nicht nur besonders verbunden gefühlt mit anderen Menschen, auch mit Wildfremden auf der Straße oder in den Geschäften. Ich hatte auch den Drang, etwas für andere zu tun, solidarisch zu sein. Und ich hatte den Eindruck: Das geht vielen so. Wir lächeln uns mühsam zu durch die Masken hindurch. Wir warten geduldig, wenn sich eine Schlange bildet vor der Buchhandlung. Und ich weiß auch von etlichen Leuten, die wie ich mehr als sonst Spenden überwiesen haben. Für Menschen in anderen Ländern, die vom Virus noch viel heftiger betroffen sind als wir. In Brasilien zum Beispiel – oder auch im Osten und Süden Afrikas, wo nicht nur die Pandemie die Menschen bedroht, sondern auch schreckliche Hungersnöte wüten. 

Natürlich: Es gibt auch die anderen Leute, die sich in diesen Virus-Zeiten erst recht als Egoisten entpuppen. Die nur an sich denken und zum Beispiel sagen: Mir selbst kann ja gar nichts groß passieren - warum soll ich denn Rücksicht nehmen, Abstand halten, Maske tragen? Aber Gott sei Dank: Die Mehrheit ist das nicht. Die meisten Menschen nehmen Rücksicht aufeinander. Sie schaffen es, sich selbst ein wenig zurückzunehmen – um der Gemeinschaft willen, damit andere gesund bleiben, damit es anderen gut geht. Das ist Solidarität. Im Fühlen und im Handeln. Und sie ist in dieser schwierigen Krisenzeit eine richtig gute Erfahrung.

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03JUN2020
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Geld, Handy, Schlüssel. Die drei Dinge musste ich bisher immer dabei haben, wenn ich das Haus verlasse. Jetzt ist noch ein viertes dazugekommen: die Maske. Ohne meinen Mund-Nasen-Schutz komme ich nicht rein in den Supermarkt oder den Eine-Welt-Laden. Also darf ich den auf keinen Fall vergessen, wenn ich aus dem Haus gehe. Und ich hab auch dran gedacht, ich hatte ihn im Gesicht, letzte Woche, im Eine-Welt-Laden. Leider aber fehlte das Geld, als ich in meinem Rucksack danach wühlte. Also: wieder nachhause und das Portemonnaie holen. 

Ich versuche mir das jetzt zu merken: Es sind seit Corona eben vier Dinge, an die ich denken muss: Geld, Handy, Schlüssel, Maske. Der blöde Virus zwingt uns dazu, unsere Gewohnheiten zu ändern. Das ist anstrengend. Denn Gewohnheiten entlasten ja. Ich muss nicht immer neu nachdenken, wie ich Dinge zu tun habe – weil ich sie eben immer gleich erledige. Deswegen muss ich mich jetzt, in Corona-Zeiten, oft besonders konzentrieren, schon, wenn ich das Haus verlasse. Oder auch: Wenn ich im Supermarkt nichts vergessen will, weil ich nur einmal die Woche einkaufe. Oder wenn ich im Laden aufpasse, damit ich keinem Menschen näherkomme als einen Meter fünfzig. All das ist immer noch irgendwie anstrengend. Naja, ich hab es ja auch jahre- und jahrzehntelang anders gemacht. 

Gewohnheiten ändern, das ist ganz schön anstrengend, das sagen auch die Verhaltensforscher. Aber natürlich kann es manchmal auch gut tun. Darüber denke ich jetzt in Corona-Zeiten auch öfter nach. Welche Gewohnheit zum Beispiel wäre es wert, sie nach Corona beizubehalten? Vielleicht könnte ich auch künftig meinen Einkauf besser planen und nur das kaufen, was ich wirklich brauche. Oder: im Supermarkt mehr Rücksicht nehmen auf die Menschen um mich herum. Oder: Ich könnte wirklich regelmäßiger eine Spende überweisen, so wie ich das gerade mache für Länder, die besonders von Corona betroffen sind. Manchmal sind neue Gewohnheiten auch gut. Nur das mit der Maske: das gewöhn ich mir gerne auch irgendwann wieder ab.

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02JUN2020
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„Atem Gottes“, so wird der Heilige Geist manchmal genannt. Jetzt an Pfingsten haben Christinnen und Christen die Herabkunft dieses Heiligen Geistes auf die Erde gefeiert. Der Heilige Geist als Atem Gottes: Die Vorstellung hat für mich in den letzten Wochen eine ganz neue Bedeutung bekommen. In diesen Corona-Krisen-Wochen. 

Ein Freund von mir, Anfang fünfzig, hat sich Mitte März mit dem Corona-Virus infiziert. Gut drei Wochen lang lag er im künstlichen Koma und am Beatmungsgerät. Es war eine sehr schwere Zeit für ihn und seine Familie und auch für uns Freundinnen. Ich habe in diesen Wochen immer wieder dafür gebetet, dass dieser Freund wieder selbstständig atmen kann. Aber das war schwierig. Ich musste lernen: Vom Beatmungsgerät wieder weg zu kommen, das ist gar nicht so einfach. Der Körper muss das Atmen wieder richtig erlernen und einüben. Als die Nachricht kam, dass das langsam wieder geht, war ich ganz schön erleichtert. 

Atmen können, das ist lebensnotwendig. Und Gott, so glaube ich als Christin, schenkt uns Atem und Leben. Schon in der Schöpfungsgeschichte am Anfang der Bibel heißt es: Gott formte den Menschen und blies in seine Nase den Lebensatem (vgl. Genesis / 1 Mose 2,7). Und von Jesus wird erzählt: Er haucht seine Jünger an und sagt zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! (vgl. Johannes-Evangelium 20,22) 

Der Heilige Geist, der jetzt an Pfingsten gefeiert wurde: Er steht für den Atem und die Lebendigkeit, die Gott in uns hineinhaucht. Ich bin so froh, dass mein Studienfreund wieder selbstständig atmen kann. Er ist auf dem Weg der Besserung. Ich bete für all die Kranken, die noch an den Beatmungsgeräten hängen und die das Atmen wieder lernen müssen. Und ich selbst, ich atme in diesen Tagen oft sehr bewusst ein und aus. Spüre den Lebensatem in mir. Und danke dafür, dass ich gesund bin, und für das Leben, das in mir steckt und das mir geschenkt ist.

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01FEB2020
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Heute fliegt er auch bei mir endgültig raus: der Weihnachtsbaum. Ziemlich vertrocknet ist er mittlerweile tatsächlich, aber die Nadeln haben eigentlich ganz gut gehalten am Baum. Ich weiß: Mancher wird jetzt verständnislos mit dem Kopf schütteln. Weihnachtsbaum Anfang Februar? Aber für mich hat das seit Kindertagen Tradition. Weihnachten, das ging bei uns damals bis Lichtmess, bis 2. Februar. Erst dann wurden Krippe, Baum und Lichterketten abgeräumt. Bis heute ist das an vielen katholischen Orten so, zum Beispiel auch auf dem Petersplatz in Rom. Obwohl die Weihnachtszeit in der katholischen Kirche offiziell mittlerweile auch kürzer ist, seit 50 Jahren schon: Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil endet sie mit dem Fest „Taufe des Herrn“, am Sonntag nach Dreikönig, dieses Jahr war das der 12. Januar.

Aber ich habe Weihnachten trotzdem dieses Jahr wieder drei Wochen länger gefeiert. An dem Punkt bin ich sozusagen Reformverweigerin. Ich finde es einfach wunderbar, wenn der Weihnachtsbaum im Januar noch lange steht. Wenn die Geschenke und Karten darunter über Wochen zum Stöbern und Schmökern einladen. Wenn mir Mitte Januar noch der Nadelgeruch in die Nase steigt, wenn ich nachhause komme, und die Lichterkette am Baum mein Wohnzimmer in ein wohliges Licht taucht.

Bis Lichtmess leuchtet das Licht der Weihnacht einfach weiter. Und wenn ich mich am 2. Februar dann doch von Weihnachten verabschieden muss, dann geschieht auch das mit einem besonderen Licht. An Lichtmess wird in der katholischen Kirche der Blasiussegen gespendet. Der heilige Blasius hat seinen Tag am 3. Februar, gleich nach „Lichtmess“. Beim Blasiussegen steht der Pfarrer mit zwei in Kreuzform gehaltenen, leuchtenden Kerzen vor mir und spricht: „Der allmächtige Gott schenke dir Gesundheit und Heil. Er segne dich auf die Fürsprache des heiligen Blasius durch Christus, unsern Herrn.“ Ich kann darin die Botschaft spüren: Gott schenkt mir Licht und Heil. Auch nach Lichtmess noch. Mit seinem Licht-Segen will er mich das ganze Jahr wärmen und schützen, an Leib und Seele.

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