Manuskripte

Onkel Heinz und Tante Irmela sitzen am frühen Abend auf der Terrasse hinterm Haus.
Trinken noch einen zusammen. Irmela will eigentlich mit Heinz reden. Aber der blättert in der Hausbibel. Ist Gedanken-clearing, sagt er. Hilft mir die Tagesschau-Nachrichten zu überstehen.
Irmela sticht der Hafer. Muss man eigentlich alles glauben, was in der Bibel steht?, fragt sie.
Nö, kommt es zurück. Das ist Irmela nun doch zu wenig.
Muffel nich rum: Muss man eigentlich alles glauben, was in der Bibel steht?
Heinz klappt die Bibel  zu. Muss man alles glauben, was auf der Tube der Hautcreme steht?
Häh?
Nun ja, ich meine, du gehst doch auch mit den Beschreibungen auf der Cremetube überlegt um.
Oder anders: Auf welche Frage von dir ist die Hautcreme eine gute Antwort?
Bitte etwas einfacher für die schlichten Gemüter, haucht Irmela...
Also: Bei der Hautcreme ist das doch ganz einfach: Du willst dich pflegen. Deswegen kaufst du dir Hautcreme. Du weißt also genau, um was es für dich gehen soll. Und ähnlich wie beim Hautcreme kaufen ist es beim Umgang mit der Bibel: Du musst dir klar machen, worum es gehen soll. Welche Frage du genau hast.
Irmela piekst weiter: Und welche Fragen muss ich an die Bibel stellen?
Na, antwortet Heinz, ich sag mal so: Die Bibel enthält Antworten von Leuten, die nach dem Sinn ihres Lebens gefragt haben. Die erfahren haben wie es ihnen Halt gibt, wenn sie Gott in ihr Leben mit hinein nehmen. Und, fügt er dann schmunzelnd hinzu, im Blick auf deine Gesundheitspflege:
Lies doch mal die Bibel in diesem Sinne auch als eine Art Schminkkästchen für die Seele.
Hhm, murmelt Irmela: Wieso soll ich Gott überhaupt  in mein Leben rein lassen?
Onkel Heinz blickt Irmela tief in die Augen: Damit du mich aushalten kannst.
Nein, im Ernst: Man muss nicht alles glauben, was in der Bibel  steht. Die ist ja keine Gebrauchsanweisung fürs glücklich sein. Aber wenn deine Seele Hunger hat, findest du kräftige Speise.
Ach ja? Beispiele?
Onkel Heinz denkt nach. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, dann bist du dem Himmel ganz nah.
Irmela lächelt: Dann creme ich mich jetzt mal ein, für die Nacht.
Ein guter Anfang, meint Heinz. Ich such dir  noch ein paar Sätze in der Bibel.
Für die Seele.

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Sie kennen wahrscheinlich alle die Sache mit dem Controlling.
Dieses neue Zauberwort der Arbeitswelt: Überall wird heutzutage „controlled":  Nicht nur bei Wirtschaftsbetrieben im engeren Sinne. Von der Stadtverwaltung bis zum Landeskirchenamt: Controlling ist angesagt. Zu deutsch Kontrolle. Überprüfung.
Der Fachmann sagt: Alles notwendig Dinge, um gut arbeiten zu können. So weit so gut.
Und doch: Vielerorts hat diese „controlling" für mich lebens-beengende Züge angenommen.
Diese ständigen Rückmeldungen: ob man auch alles so gemacht hat wie erwartet. Und wenn nein, warum nicht. Und wenn ja : warum nicht besser und noch effizienter. Und vor allem. Ob alles in diese Computerraster von Einsen und Nullen reinpasst. Wenn nicht: Dampf von oben. Untauglich. Setzen. Sechs.
Hat man mit diesem Controlling noch im Blick, dass es um Menschen geht? Mit all ihren Macken und Qualitäten? Und wie viel gute Leistungen erbringt man einfühlsam, kreativ auf eine Art, die in keine Excel-Tabelle rein passen will! Und die Stunden, die man doch so nötig braucht für gegenseitigen Trost und Ermutigung, damit die gemeinsame Arbeit rund läuft: Controller, kennst du DIE ?
Ich weiß mir da manchmal nicht anders zu helfen als mit dem aufschreiben von satirischen Versen. Zum Beispiel:
Controller mein, der du mein Budget beherrschst,
ich weiß: deine Rechenkünste sollen über allem stehen,
deine Kennziffern sollen mein Lebensalphabet sein.
Aber, Controller mein, gib mir doch ein wenig mehr Zeit für meine Fehlversuche,
sie machen uns beide menschlich! Und damit das Leben erträglich.
Bin weder Null noch 1, nur ein Mensch.
Mit einem Leben, das nicht komplett nur als brauchbare Tabellen-Arbeitszeit abgestempelt werden soll.
Und bedenke auch, Controller mein, ohne mich bleiben deine Tabellen weiß!
So komm doch mal, Controller mein, in die Gruppenstunden mit den Konfirmanden, in die Gottesdienste, und geh auf Hausbesuche mit! Und wenn du dann DA warst, dann lesen wir erstaunt in den Tabellen: wir haben uns als Menschen hinter den Nullen und Einsen erkannt!
Goodbye Controlling! Es lebe das gestärkte gegenseitige Vertrauen. Darauf kann die Firma bauen!

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 Kennen Sie den Kirchenfisch? Ja, genau: diese Aufkleber, die manchmal am Heck von Autos kleben. Ein Fisch, bei dem die Insider wissen- der Fahrer hat was mit dem Christ sein am Hut.
Der Kirchenfisch ist ein besonderes Symbol. Es stammt aus der Anfangszeit der ersten Christengemeinden. In den ersten drei Jahrhunderten haben sich die Christen einen Fisch als Symbol an die Häuserwand gemalt. Ein geheimes Erkennungszeichen:
Man konnte die einzelnen Buchstaben des Wortes FISCH  in der damaligen griechischen Sprache auch als Abkürzung eines ganzen Satzes lesen: Fisch- das hieß: Jesus Christus ist Gottes Sohn und Unser Retter.
So was konnte einen früher den Kopf kosten. Denn Retter sein und Gott, das beanspruchten die Kaiser von damals für sich. Und bitte schön: Auf die Knie und den Mund gehalten.
Wer stattdessen diesem Wanderprediger aus Nazareth die Krone geben wollte: Ab mit ihm in die Tier-Arena zu den wilden Löwen.
Später wurde dann das Kreuz zum Erkennungszeichen der Christen. Da durfte dann auch Jesus Christus laut gelobt werden. Aber wie die vergangene Geschichte der Kirche zeigt:
Manchmal hat man ganz schön sein „Kreuz mit dem Kreuz". Wie viel Macht hat die Kirche früher mit diesem Kreuz missbraucht.
Aber es gibt und gab auch immer den Kirchenfisch. Und dieser Kirchenfisch schwimmt immer noch ganz munter durch die Welt. Zum Beispiel auf Autos als Aufkleber am Heck. Und wenn man dann - auf einem Rastplatz vielleicht - hingeht und den Autofahrer fragt: Sagen Sie mal, was bedeutet dieser Fisch für Sie eigentlich ? Dann ist man schon mitten drin in einer „Kirchenfisch-Geschichte": Kommt ins erzählen über Gott und die Welt, wie der Glaube das Leben lebenswert macht.
Und, ehm, ob Sie's glauben oder nicht, der Kirchenfisch kann noch viel mehr:
Manchmal schwimmt dieser muntere Kirchenfisch einfach so in meine Gedanken hinein und lässt mir kurze Sinnsprüche zurück.
Mein Favorit ist derzeit: Ich glaube. Das verschafft meiner Klugheit wohltuende Grenzen.

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„Aus gutem Grund ist Juno rund."
Ein Werbespruch aus meiner Jugendzeit für die Zigarettenmarke JUNO.
Ich finde den Spruch  bis heute schlicht genial in seiner verführerischen Vieldeutigkeit.
Keine Sorge: ich will nicht fürs rauchen Reklame machen. Mich fasziniert das sprachliche Geschick der Werbeabteilung von damals. „Aus gutem Grund ist Juno rund."
Mit dem „rund" wird zunächst ganz klar nur auf die Zigarettenform angespielt.
Aber warum die Zigarette aus gutem Grund rund ist, das bleibt der Phantasie des potentiellen Rauchers überlassen. Weil eine runde Form einfach schön ist?
Weil es sich gut anfühlt so was stengelartig Rundes zwischen den Lippen zu haben?
Solche gezielt eingesetzte sprachliche Vieldeutigkeit fasziniert mich.
Wie ist das eigentlich mit Sätzen des Glaubens? Gibt's da was Ähnliches?
Ich habe mal rein unter dem Gesichtspunkt  werbetechnischer Sprache die Bibel durchgelesen.
Und dabei Sätze wie den folgenden entdeckt: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein." Ein von Jesus überliefertes Wort. Er hat es damals zu einer Menschenmenge gesprochen, die kurz davor war, eine junge Frau zu steinigen.
Und ich höre in diesem Satz - jetzt mal nur werbetechnisch gesehen -:
Dieser Jesus hat was vom Leben begriffen. Wer ist schon ohne Sünde, ohne Schuld, nicht wahr?
Was ist dieser Jesus für einer, der so reden kann? Und schon gehört meine nächster Gedanke dieser Person Jesus. Ich bin - rein werbetechnisch gesagt - zu einer Kommunikation mit ihm verführt.
Könnte ich für meinen Glauben ähnliche, im guten Sinne  „verführerische"  Sätze finden?
Sätze, die anregen, sich mit Gott, Kirche und Gemeinde einzulassen?
Meine Kirche, in der zum Beispiel so viel Hilfreiches mit der Kirchensteuer gemacht wird, durch viele Haupt- und ehrenamtliche Gemeindeglieder: von Familienfreizeiten bis Altenbetreuung. Dinge, die in keinen Schlagzeilen auftauchen!
Mein Locksatz für eine Kommunikation mit Gott, Kirche Gemeinde lautet:
„Kirche ist mehr als sie verdient."

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Eine „Homepage" haben mittlerweile viele von uns. Ganz wörtlich heißt das ja: die Haus-Seite. Also da wo neben Informationen auch erzählt wird, was unser ZU-Hause-Sein ausmacht.
Auch viele Kirchengemeinden haben inzwischen solche Haus-Seiten. Wir noch nicht.
Ein Wunsch aus der Gemeinde für diese Haus-Seite lautet: Machen sie was Phantasievolles als Start! OK. Mein Entwurf für den Start unserer Haus-Seite sieht derzeit in etwa  so aus:
Am Beginn stünde der Hinweis auf den EULENBRUNNEN im Dorf als die geheime Mitte der Gemeinde. Der Eulenbrunnen ist nicht nur eine Quelle. Er inspiriert auch für die Welt hinter den Dingen. Das bekommt man mit, wenn man den Eulen gut zuhör, die da am Brunnen sitzen.
Die sind zwar aus Gußeisen, können aber reden. Man muss nur gut hinhören.
Die älteste Eule am Brunnen heißt Veronika. Hat viel Übersicht und liebt Roggenbrötchen zum Frühstück. Zizzi ist die jüngste Eule. Stolz auf ihr Eulenabitur mit Note 1,1 und plappert oft einfach drauf los. Aber das führt manchmal zu interessanten Streitgesprächen.
Neben diesen und anderen den Eulen ergänzen andere Gestalten die Eulenfamilie:
RINALDO, der Scherenschleifer um Beispiel. Kennt die Welt noch wie sie früher mal war, hat keinen festen Wohnsitz. Das macht ihm manchmal sehr zu schaffen im Umgang mit Behörden. Aber er meint: Er wohne dort, wo er gebraucht werde. Das sei mindesten so zuverlässig wie eine Postadresse.
Oder WILLIBALD der Besenbinder. Hat seinen Beruf an den Besen gehängt. Arbeitet abwechselnd als Aushilfe bei der Müllabfuhr oder beim Straßenbau. Er findet die biblische Erzählung über die Geburt Jesus durch eine Jungfrau phantastisch. Regt ihn ungeheuer an. Träumt von einem Besen, mit dem man schlechte Gedanken einfach wegkehren kann. Das sollte doch gehen, meint er. Wenn schon Jungfrauen Söhne gebären können!
Mit der Präsentation solcher und ähnlicher Gestalten würde ich anfangen auf unserer Haus-Seite, der HOME-PAGE unserer Gemeinde in Fischbach. Bevor es um Informationen und Termine geht an den Ursprung von Kirche erinnern: Eine Haus-Gemeinschaft, die von den Lebensmut-Phantasien des Glaubens angetrieben wird.
Und mit solchen Phantasien kann man sich sogar die ganze Welt als HOME-PAGE eigener Art vorstellen: Die Welt als die HOME-PAGE Gottes. Zum Wohnen schön. Bitte eintreten!!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8964

Neulich beim gemeinsamen Frühstück mit Irmela:
Onkel Heinz sitzt lange Zeit ganz still am Tisch. Tief in Gedanken versunken schaut er Irmela an.
Irmela, die Frau die er liebt. Die ihn aushält mit all seinen Launen.
Für die möchte er manchmal noch viel mehr sein als nur ein guter Ehemann.
Möchte sie total glücklich machen. So wie richtige Engel das können.
Ja, denkt er: Engel müsste man sein. Viel mehr als nur ein verlässlicher Ehemann. Klar, ich bin als Ehemann schon ganz schön OK.
Zum Beispiel, wenn Irmela mit einem „Hach Schatz, hab ich heute nicht wieder köstlich gekocht?"
sich entspannt auf die Couch zurück zieht, und ich dann den Abwasch erledige.
Oder wenn ich die Küche blitz-blank aufräume. So zwischendurch. Auch wenn ich selber viel zu tun habe. Weil Irmela das so toll findet, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommt.
„Blitz-blanke Küche. Ist fast wie im Himmel!", sagt sie dann.
So in Gedanken versunken deckt Heinz den Frühstückstisch. Schaut Irmela nur an. Schenkt ihr Kaffee ein. Holt den Organgensaft aus dem Kühlschrank. Stellt ihn wortlos Irmela hin.
Irmela hebt den Kopf. Du sagt ja gar nichts! geht's dir gut?
Doch, doch, klar, ich träume nur ein bisschen.
Ach mein Heinz, denkt Irmela. Träumt vor sich hin, wenn er mir den Tisch deckt. Wenn ich dich nicht hätte.
Und dann sagt sie: Du bist ein Engel. Erzähl mir doch was. Vom Himmel!
Später, sagt Heinz. Später. Ich geh erst mal die Zeitung holen.
Und denkt bei sich: Ist doch eigentlich ganz einfach: Ein Engel zu sein.
Aber unheimlich schön, wenn es einem auch mal gesagt wird.
Und dann setzt er sich mit der Zeitung an den Tisch. Schlägt sie auf und tut so, als ob er daraus vorliest. Hör mal sagt er:
„Liebe, die ich kenn als Irmela
hat die Freude mir gebracht.
Liebe, die mir gibt die Irmela
macht mich stark bei Tag und Nacht.
Irmchen, dir ergeb ich mich,
dein zu bleiben ewiglich."
Was ist das denn?, lacht Irmela. Kurznachrichten, antwortet Heinz. Aus dem Himmel.

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Froh zu sein bedarf es wenig,
und wer froh ist, ist ein König.
Kennen Sie diesen Kinderreim noch?

Mit meinen Konfirmanden habe ich diesen Reim einmal überraschend neu verstanden.
Wir hatten in einer Gruppe einen Jungen, der geistig schwach entwickelt war.
Schaffte es kaum, drei Sätze frei zu reden. Ich nenne ihn mal Willi. Die Eltern wollten Willi erst auch gar nicht zum Unterricht anmelden. Sie hatten Sorge, dass er die Gruppe beim lernen behindern würde, und dass die Gruppe Willi hänseln würde wegen seiner geistigen Schwäche.
Wo doch zum Unterricht auch auswendig lernen gehört. Und am Ende der Unterrichtszeit, beim Vorstellungsgottesdienst zur Konfirmation: Da muss doch jeder was zu einem Thema frei erzählen.
Das würde Willi nie schaffen, meinten die Eltern.

Ich überredete sie trotzdem, Willi zum Konfiunterricht anzumelden. Zu Beginn waren wir alle unsicher, verlegen. Wie geht man mit jemand um, der sich nichts merken kann? Und deswegen Angst hat, was zu sagen, sich lächerlich zu machen?

Das Eis wurde endgültig gebrochen, als einer aus der Gruppe mal spontan meinte: Ich kann ja für Willi was sagen-! Ich kenn' den schon länger. Es wurde eine richtige Patenschaft draus. Nicht nur zwischen diesen beiden.

Die spontane Reaktion brachte uns auf die Idee, das für die gesamte Gruppe weiter zu entwickeln:
Jeder sollte sich überlegen: Was kann ich gut -? Was kriege ich nicht so gut hin -?
Und dann wurden bei Aufgabenstellungen die Fähigkeiten ausgetauscht: Wer gut lesen konnte, hat beispielsweise eine Bibelgeschichte einem anderen vorgelesen, der leseschwach war. Der musste nur gut zu hören. Und die Geschichte dann wieder nacherzählen.

Die Behinderung von Willi war auf einmal kein Thema mehr für die Gruppe. Alle waren viel zu sehr beschäftigt sich ihre Stärken gegenseitig auszuleihen: Hey, kannste mir mal bei der Collage Adam und Eva malen? Ich kriege da nur Gekritzel  hin.......

Am Ende der Unterrichtszeit, - beim Vorstellungsgottesdienst -  sagte Willi als seinen Beitrag  auswendig das Vater Unser auf. Fehlerfrei. Echt stark, meinte einer aus der Gruppe. Fanden wir alle.
Und waren um eine wunderbare Erfahrung reicher.

Froh zu sein bedarf es wenig, wenn dein Nächster für dich da ist wie ein guter König.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8174

Seit Wochen schon schaue ich auf einen Engel aus Sandstein vor meinem Fenster.
Er provoziert mich. Weil er mir die Schulter zeigt.
Dabei sieht er aus wie diese fröhlichen Putten-Engel von Weihnachten. Knie angezogen. Hände unters Kinn gesteckt, Augen träumerisch zum Himmel gerichtet. So wie man das von Putten-Engel auf Weihnachtspostkarten kennt. Wenn sie rufen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.

Aber dieser Sandstein-Engel da vor meinem Fenster: der provoziert mich. Er hat den Blick von mir weg gerichtet und zeigt mir die kalte Schulter.
Friede auf Erden?
Nein: Krieg in Afghanistan!

Mit seiner von mir abgewandten Haltung bringt er mich ins Grübeln: Was ist übrig geblieben von der Friedensbotschaft an Weihnachten, jetzt, Ende April?

War das nicht die Botschaft fürs ganze Jahr, diese Botschaft von Weihnachten?
Dass Frieden zu schaffen wäre - ohne brutal eingesetzte Waffengewalt - von wem auch immer?

Wenn wir derzeit nach Afghanistan schauen, sehen wir: Wir schaffen es nicht.
Es funktioniert nicht. Die Lage ist verwirrend kompliziert. Wie in diesem Gemisch von Verblendung, Hass, Korruption eine Schneise des Friedens schlagen ohne Granaten zu werfen
Niemand weiß es wirklich.
Und doch, wir dürfen den Anspruch des Friedensengels von Weihnachten nicht aufgeben, meine ich: Frieden ist zu schaffen - auch ohne brutal eingesetzte Waffengewalt - von wem auch immer.
Mein Fenster-Engel erinnert mich jeden Tag an das Versprechen von Weihnachten, indem er mir provokativ die kalte Schulter zeigt.
Wie fremd doch Engel sein können. Und wie notwendig in solcher Fremdheit.
Weil sie mir helfen, dass ich mich nicht abwende von der Botschaft an Weihnachten:
Frieden ohne Gewalt ist möglich.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8173

Guten morgen liebe Sorgen,
seid ihr auch schon wieder wach...?

So fängt ein Song des Entertainers Jürgen von der Lippe an.
Vielleicht hat er ihn sogar an einem Montagmorgen wie heute gesungen.
Stau auf dem Weg zur Arbeit, der Kater vom Wochenende nach der super Geburtstagsfeier, die Winterreifen immer noch nicht gewechselt und ja, auch die drohende Überziehung des Haushaltskontos am Monatsende. Wer kennt das nicht.

Nichts was einen wirklich an den Rand der Verzweiflung bringt, aber wenn die Woche schon so anfängt....
Wie aus solcher Schräglage wieder rauskommen?

Ich rufe in solchen Momenten manchmal Gott in einem Gebet zu Hilfe. Ganz zwanglos. Wie bei einem Gespräch mit einem Freund. Gott ist ja auch für die kleineren Sachen zuständig.
Manchmal gehe ich dazu im Zimmer auf und ab, drehe mich zur Seite, als ob Gott neben mir stünde.

Herr Gott!, sage ich dann, so viel hab ich doch gar nicht getrunken auf der Geburtstagsfeier.
Okay, vielleicht zuviel durcheinander. Vielleicht hab ich's deswegen auch nicht mehr geschafft, die Winterreifen endlich mal in den Kofferraum zupacken. Und um die Urlaubskasse für Kreta aufzufüllen, wollte ich doch diesen Monat ein paar Päckchen Tabak weniger rauchen....,mein Gott..

Dabei ich brauch doch nur aus dem Fenster sehen: Dieser Frühling! Was blüht da nicht alles auf! Hat der Willibei Geburtstagsfeier nicht erzählt, er habe eine neue Liebe gefunden, der Egon wieder Arbeit, und Christine glaubt wieder an dich!?
Herr im Himmel, ja, da, da muss doch auch für mich was aufblühen können, oder?

Wenn ich so zu Gott rede, dann spüre ich: Vieles wird leichter, erscheint in einem ganz anderen Licht. Die Sorgen verschwinden dann nicht wie von Zauberhand, die Räder wechseln nicht von selbst die Reifen. Aber wenn ich mir Zeit nehme, manchmal auch so mit Gott zu reden, merke ich: Ich kriege wieder neuen Schwung. Und für heute Morgen so viel Schwung, dass ich dem „Lippesong" einfach umdichte und sage:

Guten Morgen, liebe Sorgen, wenn ihr meint,  ihr könnt heut morgen
mich mit Trübsal nur versorgen, sag ich euch ganz adrett: Marsch ins Bett!
Und nicht so gaffen: Ich hab nämlich viel zu schaffen!!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=8172
„Die süßeste Versuchung seit es Schokolade gibt...
Kennen sie sicher, diesen Werbespot.
Ich finde ihn anregend, nicht nur der Schokolade wegen. Wer will nicht schon mal in Versuchung geführt werden. Dieses verboten-lustvolle Ambiente spüren...

Mit den Folgen mancher schokoladensüßer Versuchungen beschäftigen sich viele Menschen in den kommenden Wochen. Fasten ist das Thema. Der Speck Muss weg, sagen sie.
Der „Rettungsring“, der Bierspoiler, der Waschbärbauch - wie manche es auch liebevoll-seufzend nennen. Frühjahrsputz ist angesagt - auch was den Körper betrifft.

Und dann gibt es ja noch den „geistigen“ Speck, den man sich im Laufe der Zeit ansetzt:
Vorurteile, Muffeligkeit. Unduldsamkeit gegenüber anderen, solche Sachen.
Wie wird man diesen „geistigen Speck“ eigentlich los ?

Mein Vorschlag wäre: Indem man sich in Versuchung führen lässt. Geistig, meine ich: Gewohnheiten ändern. Nur mal auf Zeit. Sieben Wochen.

Eine Woche lang mal kein Fernsehen. Eine Woche lang kein schlechtes Wort über den Nachbarn reden. Eine Woche lang freiwillig, und ohne Murren den Einkauf für die Familie übernehmen.
Eine Woche lang nicht rauchen. Eine Woche lang sich Gedanken machen: was den Partner, die Partnerin gut aussehen lassen würde. Und es dann auch sagen. Eine Woche lang sich fragen: was brauche ich eigentlich nicht mehr? Wem könnte ich es schenken? Eine Woche lang die Bibel auf den Küchentisch legen und mal gucken, was passiert.

Das waren gerade mal sieben ganz unterschiedliche Vorschläge für sieben Wochen. Wenn die Vorschläge Sie nicht reizen: Welche Vorschläge wären denn für SIE wohl eine Art „geistige“ Versuchung?
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim nachdenken. Und was den Werbespot mit der Schokolade und der zartesten Versuchung angeht, dem setze ich entgegen:
„Fasten: die spannendste Versuchung seit es Denken gibt !“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=7734

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