Manuskripte

Die Freiheit von uns Christenmenschen sei durch den Tod Jesu am Kreuz „teuer erkauft“, schreibt der Apostel Paulus an seine Gemeinde in Korinth (1. Korintherbrief 7,23). Teuer erkauft – kein billiges Schnäppchen! Wer sich zu Christus bekennt, ist „zur Freiheit berufen“, zum aufrechten Gang. Ein anspruchsvolles Programm! Viel bequemer ist es, sich brav in gängige Hackordnungen einzufügen. Nicht umsonst  mahnt daher der Apostel seine Gemeinde in Korinth: Werdet niemals mehr der Menschen Knechte! Das war keine Sprechblase, denn da rangelte man mit Ellbogen um die Vormacht. Alle wollten das Sagen haben: Sklaven und Freie, Gauner und Gerechte, Prostituierte und Gutsituierte.

 

Ein solches Gerangel herrscht auch in der Arbeitswelt von heute, ein Hauen und Stechen. Wer außer seiner Arbeitskraft nicht mehr zu bieten hat, muss nehmen, was kommt. Für immer noch drei Millionen Menschen kommt erst mal gar nichts, zumindest nichts Passendes! Sie sind oft seit vielen Jahren arbeitslos. Andere sind gezwungen, mehrere Arbeitsverhältnisse aneinanderzureihen, um überhaupt leben zu können. Paket-Boten, die über die Treppen hetzen, nennt man sogar „Paket-Sklaven“. Versklavt an die Arbeit sind auch jene, die rund um die Uhr erreichbar sind und ihre Arbeit am Abend und am Wochenende brav mit nach Hause nehmen, weil die Zeit nicht reicht. So werden viele zu Knechten ihrer Herren. Ja und manche buckeln auch freiwillig, um ein Treppchen höher zu steigen. Nicht zu vergessen viele klein- und mittelständische Unternehmen, denen die Luft ausgeht, weil sie bei den Herren in den Geldhäusern und Konzernen in Knechtschaft geraten sind.

 „Die Freiheit der Person ist unverletzlich“ (GG Art 2) - das fordert nicht nur die Bibel, sondern auch das Grundgesetz. Es gilt auch für die Arbeitswelt. Daher kämpfen wir in der Betriebsseelsorge mit um gerechten, nämlich tariflichen Lohn, um Lohn-Sklaverei zu überwinden. Um einer größeren Freiheit willen unterstützen wir Betriebs- und Personalräte. Sie geben der Belegschaft eine Stimme.

Wir ermutigen die Menschen, im Betrieb nicht einfach zu buckeln, sondern sich ihrer  Haut zu wehren und solidarisch zusammenzustehen. Denn Freiheit beginnt zu aller erst in Herzen und Hirnen.  

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Jeder arbeitende Mensch ist „mehr wert als alles Gold der Erde!“ Mit diesem flammenden Appell begeisterte einst der belgische Priester Joseph Cardijn junge Menschen in der „Christlichen Arbeiterjugend“. Mehr wert als alles Gold der Erde?

Das klingt nach frommer Sozial-Romantik aus dem letzten Jahrhundert. Jetzt kommt`s zur Nagelprobe: Was ist Arbeit noch wert, wenn Konjunktur und Absatzmärkte schwächeln, der Verbrennungsmotor stottert und die E-Mobilität Arbeit überflüssig macht? Die Digitalisierung legt noch eine Schippe drauf: Sie braucht keine Handlanger mehr, das machen die Robbies – wohin dann mit denen, deren Arbeit sich – taktgebunden und im Akkord – auf ein paar einfache Handgriffe beschränkte? Kaum ein Tag, an dem nicht von Arbeitsplatzabbau und Entlassungen die Rede ist.

Gar keine Frage: Arbeit war bislang „Goldstandard“ in der Wertschöpfungskette. Fleiß, Präzision, aber auch Phantasie und Kreativität, Können und Kompetenz der Arbeitenden standen jahrzehntelang für Qualität. Es wäre fatal, würde man sich nun einfach von dieser „Goldwährung“ trennen. Es darf nicht sein, dass man massenhaft Arbeitslosigkeit produziert und diese der Gesellschaft vor die Füße wirft.

Nun geht es darum, die Beschäftigten in den Unternehmen weiterzubilden und für die neuen Herausforderungen zu qualifizieren. Der Staat muss diese Transformation   finanziell anreizen und begleiten. Alle sind gefordert: Die Unternehmen, die Betriebsräte und die Gewerkschaften, die Arbeitsagentur und vor allem – die Betroffenen selbst. Viele von ihnen müssen erst wieder lernen lernen, sie haben es verlernt. Nur so kann es gelingen, verborgene Talente aus ihnen herauszukitzeln. Dann bleiben sie mehr wert als alles Gold der Erde.

Joseph Cardijn, der belgische Jugend- und Arbeiterkaplan aus dem letzten Jahrhundert verstand seinen Appell freilich nicht ökonomisch, sondern vielmehr als Wertschätzung denen gegenüber, die unseren Wohlstand geschaffen haben. Man darf sie nicht einfach wie „altes Eisen“ verschrotten. Sie zu qualifizieren, verleiht ihnen auch zukünftig Glanz, Ansehen und Würde.

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„Maria 2.0“ - Immer mehr Frauen in der Kirche protestieren gegen ihre Ungleichbehandlung. Sie fordern lautstark und mit pfiffigen Aktionen, endlich zu allen kirchlichen Ämtern, also auch zum Priesteramt zugelassen zu werden.

 „Maria 2.0“ - Wenn manche Gläubige und viele ihrer Hirten auf dieses „Label“ stoßen, fährt ihnen ein kalter Schauer über den Rücken. Manchen schwillt gar die Zornesader: Sie wittern Verrat und Verschwörung. Dabei beten die meisten von denen tagtäglich das „Magnificat“ in der Bibel, den Lobgesang der Maria (Lukasevangelium 1,46-55). Gott habe „Großes an ihr getan“, singt dieses schwangere jüdische Mädchen. Damit nicht genug: Maria, die Mutter Jesu, bekennt sich zu einem Gott an der Seite der Armen. Er fegt die Mächtigen vom Thron, enteignet die Reichen, erhöht die Niedrigen und macht die Hungrigen satt. 

Das klingt nach Revolution und war immer schon schräge Musik in den Ohren der Mächtigen, auch der Mächtigen in der Kirche. Darum hat man Maria über die Jahrhunderte hinweg vor allem als die demütige „Magd des Herrn“ verkündet und verehrt. Dazu hat sich Maria ja auch ausdrücklich bekannt. Doch Gott hat „Mächtiges“ an ihr getan und sie als die Mutter Jesu aus dem Staub gehoben. Das reklamieren die Frauen in der Kirche völlig zu Recht. Auch sie wollen nicht länger als Mägde in der Besenkammer bleiben. Auch an ihnen tut Gott Mächtiges.

Jesus selbst ist damals als Wander-Rabbi ohne religiöse Tabus auf die Frauen zugegangen. Er spricht mit ihnen, berührt sie und lässt sich berühren. Er holt sie – die sich als Randfiguren in den Synagogen an der Wand entlang drücken – in die Mitte, schenkt ihnen Achtung und Würde.

Aus verlässlichen Quellen wissen wir: Viele Frauen hielten in den frühen christlichen Gemeinden als Leiterinnen und Diakoninnen den Laden zusammen.

Heute feiert die Katholische Kirche mit dem Fest der „Aufnahme Mariens in den Himmel“ den letzten Triumph Mariens. Ausgerechnet sie als Frau und Mutter gilt als die Erste, die – wie ihr Sohn – mit Leib und Seele auferstanden ist. Sozusagen als „Prototyp“ aller Getauften.

Warum sollen dann die Frauen in der Kirche nachrangig, zweitrangig bleiben?

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Katja, eine junge Mutter, hat viel um die Ohren: Drei Kinder mit vollem Terminkalender - Kinderarzt, Sportstunden, Schulveranstaltungen. Da gibt´s täglich eine Menge zu organisieren: Einkäufe erledigen, Kindergeburtstage vorbereiten und den Kaminfeger bestellen. Die kranke Nachbarin wartet auf einen Besuch, und die Freundin feiert heute Geburtstag. Katja ist darüber hinaus auch noch berufstätig und muss ihrem Chef gerecht werden. Eines darf sie auf keinen Fall: etwas vergessen! - Und nun ist es doch passiert. Ein unaufmerksamer Moment, abgelenkt von den Gedanken an die Pflichten des Tages – da bleibt auf der Fahrt zur Arbeit in der Bahn ihr Geldbeutel liegen. Darin enthalten: alles, was man heutzutage so mit sich herumschleppt, Karten, Ausweise, Bargeld.

 

Wer schon mal beklaut worden ist, seinen Schlüssel gesucht, sein Smartphone vergessen oder ein wichtiges Schriftstück verlegt hat, weiß, wie nervenaufreibend die Stunden sind, die dann folgen.. - Irgendwo muss das verflixte Ding doch sein, aber wo? Man könnte verzweifeln, das Gedankenkarussell treibt einen schier zum Wahnsinn.

Die Bibel erzählt von einer Frau, die ein verlorenes Geldstück sucht. „Sie fegt das ganze Haus, kehrt das Unterste zu oberst und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück gefunden hat. Wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte“ (Lukasevangelium 15,8-10).

Auch Katja hat Glück. Nach einem langen und bangen Tag erreicht sie am späten Abend die Nachricht, dass ihr Geldbeutel gefunden wurde. - Man kann sich leicht vorstellen, dass sie überglücklich ist. Am liebsten riefe auch sie alle zusammen, ihre Freude mit ihr zu teilen.

Das Glück des Wiederfindens verdankt sie einem jungen Mann, der weit mehr ist als ein ehrlicher Finder. Er hat Katja ja nicht nur ihren Geldbeutel zurückgebracht, sondern ihr eine Menge Scherereien und einen größeren Geldverlust erspart. Ihm verdankt sie, dass sie aufatmen und ein ruhige Nacht haben kann. - Wie froh ist sie! Wie froh können wir alle sein, unter solchen Zeitgenossen zu leben! Wie froh macht es, selbst ein solcher Zeitgenosse zu sein!

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Ein kaltblütiger Mord auf offener Straße. In Stuttgart stehen immer noch viele Menschen unter Schock. Vor allem jene, die entsetzt und wie gelähmt durchs offene Fenster die brutale Tat mitansehen mussten. Einige der Augenzeugen griffen reflexartig nach ihrem Handy und filmten die Bluttat. Minuten später standen die Bilder im Netz, wo sie heute noch kursieren. Ich glaube, keiner von denen würde sich gerne in der Blutlache liegend im Internet begaffen lassen.

Warum halten die drauf, wenn ein Mensch ermordet wird? Ist das Böse schon so banal geworden, dass man es unbedenklich in den Äther postet? Nun ja – Abend für Abend flimmern uns Mord und Totschlag auf allen Kanälen entgegen. Da wächst mit der Zeit Hornhaut auf der Seele.

Empathie und Mitgefühl entwickeln sich vor allem, wenn man Geschichten liest oder als Kind vorgelesen bekommt. Denn Geschichten binden uns in Schicksale ein, machen uns zu Leidensgenossen. Geschichten lassen Zeit, dass die Seele nachkommen und sich Gefühle entfalten können. Man leidet mit Aschenputtel, schlüpft in die Rolle des kleinen Oliver Twist bei Charles Dickens, taucht ein in das Schicksal der Effi Briest bei Fontane.

Auch die Bibel erzählt Geschichten: Unwillkürlich zürnt man mit Mose über sein verstocktes Volk (z.B. Buch Numeri 11), oder freut sich mit der Moabiterin Ruth, dass Boas sie liebt und sie aus ihrer hoffnungslosen Lage befreit (Rut 3 und 4). Dass Jesus am Grab seines Freundes Lazarus weint und ihn das Leid der trauernden Angehörigen nicht kalt lässt, berührt mich zutiefst (Johannesevangelium 11,35).

Gegen die Katastrophen-Funker mit ihren Horror-Filmchen kann man den moralischen Zeigefinger erheben. Sie bekommen es nun auch mit dem Strafrichter zu tun. Doch Moral und Gesetz heilen nicht, was in ihnen seelisch verkümmert ist.

Ob wir nicht alle wieder mehr Gefühl füreinander entwickeln sollten? Wer geduldig zuhört und sachte nachfragt, stößt bei anderen und vielleicht auch bei sich selbst auf verschüttete Emotionen. Plötzlich dringen die eigenen Verwundungen ans Tageslicht, all die Enttäuschungen und Schicksalsschläge, die man einfach verscharren wollte. Und dann fließen die Tränen.
Wer weinen kann über sich und die Welt, hat keine Hand frei, um nach dem Handy zu greifen.    

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Bestürzt registrieren die beiden großen Kirchen, dass ihnen immer mehr Menschen den Rücken kehren. Manche klinken sich wegen der Missbrauchs-Skandale aus. Andere aber fühlen sich von ihrer Kirche schon lange nicht mehr angenommen und verstanden und ziehen daher die Reißleine. Wenn Seelsorge gesellschaftliche Veränderungen nicht wahrnimmt, verhallt ihre Botschaft ungehört.

Das hat vor einhundertfünfzig Jahren ein französischer Abbé dramatisch erfahren müssen: Léon Dehon – heute ist sein Todestag. In der französischen Industriestadt St. Quentin schlug ihm massiv das Elend des Arbeiterproletariats entgegen: Sieben-Tage-Woche, Kinderarbeit, Ausbeutung pur. Der junge Pfarrer fühlte intuitiv: Die herkömmliche Seelsorge erreicht diese Menschen gar nicht. Dehon gründete ein Kinder- und Jugendzentrum, ein Gymnasium und brachte sogar eine Arbeiterzeitung auf den Weg. Vor allem aber kämpfte er politisch für Rechte und Würde der arbeitenden Menschen. „Wir sind nicht für die Sakristei geschaffen“, so seine Devise.

In der Sakristei nimmt man kaum wahr, was draußen in der Gesellschaft vor sich geht. Dass sich viele Menschen abgehängt und vom sozialen Abstieg bedroht fühlen. Sie driften nach rechts, wo sie von Nationalisten, Populisten und Rassisten freudig erwartet werden. Weiß Kirche um die Not der Armen im Lande? Und was tut sie konkret? Sie steht doch für soziale Gerechtigkeit. Tafelläden allein genügen nicht. Es braucht den offenen politischen Kampf um eine neue Verteilung, gerechten Lohn, bezahlbaren Wohnraum.

Gesellschaft verändert sich: Viele, vor allem junge Menschen, verdaddeln ihr Leben in dubiosen Netzwerken und gehen den Datenkraken an den Haken. Ihre Sehnsucht nach Leben aber bleibt oft ungestillt. Kirche steht für persönliche Begegnung, „face to face“. Doch dazu muss man Menschen erst einmal entgegengehen, sie annehmen in ihren Sorgen und sie zusammenführen.

Kirche – das sind die Getauften, die Gefirmten, die Konfirmierten, das sind wir. An uns liegt es, Kirche an vielen Orten neu zu erfinden und im Sinne dieses französischen Priesters Léon Dehon auch zu leben. Dieser Satz gilt als sein Testament: „Gottes letztes Wort ist die Liebe“. 

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„Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst!“ - Ich liebe diesen Kindervers zum Geburtstag. Er rührt auch Erwachsenen ans Herz.

„Was gibt es denn heute an deinem Geburtstag zu feiern“, will die Erzieherin wissen. „Dass mich der liebe Gott erfunden hat“, antwortet der vierjährige Knirps. - Ich möchte noch hinzufügen, dass Gott dieses einmalige Exemplar sicher gleich patentieren ließ – als eine Sonderausgabe ohne weiteres Copyright! Das ist übrigens ganz im Sinne der Bibel: „Du selbst hast mein Inneres geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir Gott, dass du mich so wunderbar gestaltet hast“, heißt es in einem Psalm (139,13-14).

Aber ist solche Geburtstags-Euphorie nicht doch etwas übertrieben? Mit einem Schrei purzeln wir – abgetrennt von der Mutter und mit einem Klaps auf den Hintern – nackt und bloß hinaus in die Kälte und hinein in ein ungewisses Leben. Angelus Silesius, der schlesische Dichter aus dem 17. Jahrhundert, bringt es recht drastisch auf den Punkt: „Sobald der Mensch geboren ist, ist er alt genug, um zu sterben.“ Das „Herstellungsdatum“ deutet unweigerlich auf ein „Verfallsdatum“ hin, das wir gar nicht kennen. Das klingt nicht gerade lyrisch!

Wer jedoch daran glauben kann, dass er sein Leben Gott verdankt, sieht es in einem neuen Licht. Da schimmert schon ein wenig die Verheißung auf ein ewiges Leben durch, auf das wir Christen vertrauen. Denn wir glauben, dass wir wie Christus leben werden – über den Tod hinaus. Dass wir einer letzten „Entbindung“ entgegengehen, in der wir aus diesem Erdendasein heraus- und ganz in Gott hineinfallen werden.

Ich empfinde diese Hoffnung als ungemein tröstlich. Gerade, weil mir jeder Geburtstag auch die Vergänglichkeit spiegelt und das Zerrinnen meiner Zeit.

Allen, die heute in ein neues Lebensjahr eintreten oder ihr nächstes Lebensjahrzehnt beginnen, wünsche ich von Herzen Gottes Segen.

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„Worauf vertraust du denn, dass du dich so sicher fühlst“ - so fragen im „Zweiten Buch der Könige“ im Alten Testament (Kap. 18) assyrische Unterhändler Hiskia, den jungen König von Juda. Der saß damals schwer in der Klemme, eingequetscht zwischen den beiden feindlichen Großmächten Assur und Ägypten. Doch der König weigert sich, zu kapitulieren. Er vertraut dem Gott Israels. Verblüfft fragen die Assyrer: „Was ist das für ein Vertrauen“?

 „Was für ein Vertrauen“ - so lautet in diesem Jahr das Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Dortmund. Da möchte man am liebsten erst mal ein dickes Fragezeichen dahinter setzen. Ist denn der Kirche noch zu trauen, die so viel Vertrauen verspielt hat? Und überhaupt: Kann man Gott trauen? Warum fällt er den blindwütigen Attentätern nicht in den Arm, wenn sie gläubige Menschen in Synagogen, Moscheen und Kirchen ermorden? Lässt es ihn kalt, dass immer noch mehr krankhafte Egozentriker, Rassisten und Populisten an die Macht kommen und Nationen und Völker gegeneinander aufwiegeln? -  Ist das etwa ein persönlicher Vertrauensbeweis, wenn uns schwere Krankheit niederdrückt oder eine Partnerschaft auseinanderkracht? Nein – danke! Ich glaube, in Dortmund werden sich Tausende wandelnder Fragezeichen ein Stelldichein geben.

Die Menschen werden beim Kirchentag miteinander ringen und suchen, hadern und streiten, beten, singen und feiern. Und vielleicht, so hoffe ich, verwandelt sich dann doch so manches Fragezeichen in ein Ausrufezeichen. „Was für ein Vertrauen“, dass Menschen in Freud und Leid verlässlich beieinander bleiben. Dass ein kleines Kind nach meiner Hand greift und geführt werden will. Dass junge Menschen uns zutrauen, dem Klimawandel endlich Einhalt zu gebieten. Was für ein Vertrauen, dass wir uns trotz vieler Widerwärtigkeiten immer noch von Gott gehalten fühlen und daran glauben, nach dem Tod bei ihm zum vollen Leben zu kommen.

König Hiskias Vertrauen wurde damals übrigens nicht enttäuscht – im Gegenteil: Die Assyrer kehrten unverrichteter Dinge in ihr Land zurück. Möge auch unser Vertrauen belohnt werden. 

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Zwei Jammergestalten auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Ihre Hoffnung, ihre Sehnsucht, in Jesus von Nazareth den Befreier und Erlöser gefunden zu haben, liegt in Scherben. Denn ihr Meister, für den sie alles verlassen haben, hängt tot am Kreuz. Resigniert kehren die beiden in ihr altes Leben zurück. Ein Unbekannter schließt sich an. Sie erkennen ihn erst an der Art, wie er mit ihnen in der Herberge das Brot bricht: Es ist der Herr, er lebt.

Gebrochenes Brot für gebrochene Menschen. Das ist für mich das Geheimnis des Abendmahls. Wenn ich in der katholischen Liturgie das Heilige Brot breche, erinnere ich daran, dass Jesus selbst gebrochen, zerbrochen wurde am Kreuz von Golgotha.

Gebrochenes Brot für gebrochene Menschen. Viele Kranke nehmen es gläubig und dankbar in Empfang. Eine schwere Krankheit hat sie niedergeworfen, oder die Jahre zehren einfach an den Kräften. Nun pocht der Tod an die Tür. Kranke und Sterbende  verspüren etwas von der Lebenskraft dieses Brotes, schöpfen Hoffnung und Mut.

Mit Erwerbslosen habe ich immer wieder das Brot gebrochen. Mit denen, deren Lebensentwurf gewaltsam durchbrochen worden ist. Würde man die Arbeit teilen, wie man dieses Brot miteinander teilt – alle hätten Anteil. Alle hätten gut zu leben.

Gebrochenes Brot für gebrochene Menschen. Im Gefängnis begegne ich jenen, deren Biografie durch eine Straftat gebrochen wurde. Auch sie lade ich beim Gottesdienst ein, dieses Brot zu empfangen. Manche kommen nur zögerlich nach vorne. Ich mache ihnen Mut, denn das Abendmahl ist das Mahl der Sünder. Wer möchte von sich behaupten, er wäre nicht auch angeknackst und gebrochen?

Gebrochenes Brot für gebrochene Menschen – das feiert heute die katholische Christenheit an Fronleichnam. „Leib des Herrn“ bedeutet dieses für uns befremdliche Wort. Wir feiern ihn, der gebrochen wurde, und der uns das Zeichen des gebrochenen Brotes hinterlässt, damit wir leben.

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„Feind – Todfeind – Parteifreund“  - eine makabre Steigerungsformel, die Konrad Adenauer zugeschrieben wird. Sie gilt parteiübergreifend. Auch in der SPD hat man sich wohl ordentlich mit Dreck beworfen. Wen wundert´s, dass sich kaum noch jemand traut, geschweige denn Lust verspürt, den Vorsitz zu übernehmen?  Die Menschen haben diese Schlammschlachten so was von satt! Da geht es um das Überleben der Menschheit angesichts des Klima-Wandels, da klaffen Arm und Reich auch in unserem Lande immer noch brutaler auseinander, da finden Menschen keine bezahlbare Wohnung. Und weltweit wird aufgerüstet und gedroht – nun müsste endlich  politisch gehandelt werden. Statt dessen zermürben sich die Akteure. Das führt zu einer kolossalen Politik- und vor allem Parteien-Verdrossenheit. Pures Gift für die Demokratie! Politiker sind keine Übermenschen und keine Lichtgestalten, also darf und muss man sie kritisieren. Als Wählerinnen und Wähler haben wir sie unter Vertrag genommen. Wer nicht liefert, verliert sein Mandat. So knallhart gestaltet sich das politische Geschäft. Das ist die eine Seite. Die andere: Auch Politikerinnen und Politiker sind Menschen wie du und ich. Liebeshungrige, bedürftige Wesen, voller Sehnsucht nach einem Quäntchen Dank und Anerkennung und einem guten Wort. Ohne Zuwendung verkümmern sie, bringen nichts mehr richtig voran oder fallen auch noch übereinander her. Das geht gar nicht!

Der „Souverän“ in der Demokratie ist das Volk. Wir bestimmen, wo es lang geht. Daher dulden wir keine Selbstzerfleischung – weder in Regierungsämtern noch in den Parteien. Wir erwarten, dass die Verantwortlichen sachlich und fair miteinander streiten, dabei aber ihre Würde bewahren und einander respektieren. „Rote Karte“ daher für alle Intriganten, Selbstdarsteller und Wichtigtuer! 

Mein Rat: Nehmen wir doch die Politiker ins Gebet. Im doppelten Sinn: Stellen wir sie auf offener Szene! Sie sind uns Antwort schuldig. Zum andern aber: Ich nehme jene wirklich ins Gebet, die ich gewählt habe. Ich bete für sie, dass sie Politik im Sinne Jesu begreifen und leben, der gesagt hat: „Wer der Größte unter euch sein will, der sei euer Diener.“ (Markusevangelium 10,43). 

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