Manuskripte

18MRZ2020
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Neulich habe ich für den Urlaub meinen Koffer gepackt. Dabei habe ich mich an Koffer erinnert, die ich mal bei einer Ausstellung gesehen habe.
Die Ausstellung heißt: Ein Koffer für die letzte Reise. Noch immer kann man sie bestaunen – die Termine dazu gibt es Internet. Erstellt hat die Ausstellung vor einiger Zeit der Bestatter Fritz Roth. Der hat damals hundert Menschen angeschrieben und sie gebeten, einen Koffer zu packen mit dem, was sie auf ihre Reise in Jenseits mitnehmen möchten. Diese Koffer wurden dann gezeigt.

In einem liegt zum Beispiel ein Dosentelefon. Die Koffer-Packerin will nichts Materielles mitnehmen, aber irgendwie auch im Himmel mit ihren Liebsten in Kontakt bleiben. In einem anderen Koffer liegen vier Zettel. Darauf die Worte: Liebe, Nein, Entschuldigung, Danke. Der Mann, der die Zettel eingepackt hat, sagt: „Ich wollte Werte aus meinem Leben mitnehmen, weil ich sie für wichtig erachte“. Und dann ist da noch ein etwas vollerer Koffer. Gepackt hat ihn die Autorin Susanne Fröhlich. Darin unter anderem: Ein Päckchen Nudeln für gute Stimmung, ein Rätselbuch gegen Langeweile und Zigaretten für kleine Sünden.

Durch die Ausstellung spazieren macht nachdenklich: Was würden Sie mitnehmen auf Ihre letzte Reise? Wie würden Sie Ihren Koffer füllen?
Ich würde meinen Ehering einpacken, weil er für die Liebe in meinem Leben steht. Und Kopfhörer, um auch im Himmel Musik zu hören. Und einen Lippenstift vielleicht, damit ich dem lieben Gott mein schönstes Lächeln zuwerfen kann, wenn ich bei ihm ankomme.

Während ich so noch in Gedanken bei der Ausstellung zur letzten Reise bin, habe ich meine Urlaubskoffer fertig gepackt. Wahrscheinlich habe ich mal wieder viel zu viel mitgenommen. Auf meiner letzten Reise wird mir das hoffentlich nicht passieren. Weil – obwohl ich gar nicht genau weiß, wohin es im Jenseits geht, glaube ich fest daran, dass alles, was ich dort brauche, längst da ist. Und mein letzter Koffer im Grunde deshalb einfach leer bleiben kann.

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16MRZ2020
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„Trimm dich durch Sport!“ – Mit diesem Motto hat der Deutsche Sportbund heute vor fünfzig Jahren die Trimm-dich-Bewegung gestartet. Das Ziel: Die Menschen sollen sich mehr bewegen, in Sportvereinen oder auf den Trimm-Dich-Pfaden. Die wurden sogar extra dafür eingerichtet. Den Erfindern war nämlich schon damals klar: wir bewegen uns im Alltag viel zu wenig. Dabei ist Bewegung total wichtig um lange gesund zu bleiben. Sogar, wenn, wie jetzt, eine Epidemie durch die Welt geht, ist das wichtig. Wer gesund ist, den erwischt es hoffentlich nicht so leicht.

Allerdings: Obwohl ich selbst richtig gerne Sport mache, klingt der Aufruf „Trimm dich!“ für mich überhaupt nicht motivierend, sondern eher nach Quälerei und fiesem Muskelkater.

Viel besser gefällt mir ein Motto der Bibel. Da heißt es: „Euer Leib ist ein Tempel für den Heiligen Geist.“ Das bedeutet: Der Körper ist der Ort, in dem Geist und Seele stecken. Gott hat seinen Geist in unseren Körper hineingelegt. Deshalb müssen wir sorgsam mit ihm umgehen. Oder, wie es in der Bibel weiter heißt: „Sorgt dafür, dass euer Leib Gott Ehre erweist.“ (1. Kor 6,19f)

Mit diesem Motto schaue ich viel positiver auf meinen Körper. Es geht nicht darum, auf Biegen und Brechen einen getrimmten und gestählten Body zu bekommen, sondern ich überlege: Was braucht mein Körper, damit ich durch ihn Gott Ehre erweise? Was brauche ich, damit es meinem Körper-Tempel und dem Geist darin gut geht? Was kann ich, auch gerade jetzt, tun, um für mich zu sorgen?

Dazu gehört ganz sicher auch Bewegung, damit hatten die Trimm-Dich-Erfinder schon recht. Und das bedeutet natürlich, dass man den inneren Schweinehund erst einmal überwinden muss. Aber dann soll es auch Spaß machen, finde ich. Oder entspannen und Stress abbauen.

Denn auch das braucht der Körper, damit es ihm gut geht, damit dieser ein Tempel für Gottes Geist sein kann: Ruhezeiten und Erholung. Und Verantwortung für die eigene Gesundheit und auch die der anderen.

Und manchmal tut meinem Körper, und mehr noch meine Seele, auch einfach ein Stück Schokolade gut. Das gönne ich mir dann und lass es mir richtig schmecken – zur Ehre Gottes.

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25JAN2020
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„Hochzeitstage“, „Herzschlag“, „Trau dich!“ – so oder ähnlich heißen Hochzeitsmessen, die zurzeit überall stattfinden – heute etwa in Koblenz, Worms oder Landau.

Vor meiner Hochzeit habe ich im letzten Jahr selbst diesen Rummel mitgemacht und gleich mehrere Messen besucht. Mein Mann und ich sind an den Ständen vorbeigeschlendert und haben die Auslagen bestaunt: Von Ringen über Cocktailmixer und Tortenfiguren bis hin zu Beratung für Eheverträge gab es wirklich alles was man vielleicht vor der Hochzeit brauchen könnte. Über manches habe ich den Kopf geschüttelt, anderes hat mich ziemlich begeistert und Vorfreude geschürt.

So haben wir Ideen gesammelt, Pläne geschmiedet und unsere Hochzeit vorbereitet – ein großer Spaß.

Allerdings: ein bisschen hat mich das riesige Angebot auch unter Druck gesetzt: Brauchen wir das wirklich alles auch? Wird jemand was sagen, wenn manches davon fehlt?

Wie gut hat dann der Segen getan, den die Pfarrerin uns an unserem großen Tag in der Kirche zugesprochen hat. Dafür brauchten wir gar nichts planen und vorbereiten – dieser Segen von Gott wurde uns einfach geschenkt. Als Versprechen: Gott wird bei euch sein und euch auf euren gemeinsamen Lebensweg begleiten.

In diesem Moment konnte ich richtig spüren, wie der Stress und der Druck ein bisschen weniger wurden: Weil: ob unsere Hochzeit und erst Recht die Ehe gelingt, das liegt nicht nur in meiner Hand und der meines Mannes. Sondern Gott gibt auch etwas dazu: Gott lässt Liebe wachsen, hilft manchen Fehler des anderen zu verzeihen und schenkt Kraft, wenn mal nicht mehr alles so rosa-rot ist wie an diesem Tag.

Darauf zu vertrauen tut mir gut. Es macht mich innerlich leichter und nimmt etwas von dem Druck, unbedingt immer alles perfekt machen zu müssen - sei es bei der Hochzeit oder sonst im Leben.

So bestärkt konnte ich dann unseren schönsten Tag im Leben in vollen Zügen genießen. Zwar ohne Cocktailmixer, aber immerhin mit einer wunderschönen Tortenfigur.

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24JAN2020
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Mittwochabend – der Hörsaal war gut gefüllt. Gleich findet hier eine so genannte Fuck-up-Night statt. Auf Deutsch: ein „Mist-gebaut-Abend“. Etwa fünfhundert Leute sind gekommen um zuzuhören, wenn Menschen dort von ihrem persönlichen Scheitern erzählen.

So wie Carola: Der ging es erst Mal lange Zeit richtig gut. Schon im Studium hat sie beim Radio gearbeitet, später wird sie Journalistin. Sie lernt einen tollen Mann kennen, heiratet und bekommt einen kleinen Sohn. Die Familie geht sogar für eine Zeit ins Ausland - was für ein Abenteuer.

Aber dort werden die Aufträge für Carola mit der Zeit weniger, irgendwann bleiben sie ganz aus. Die Ehe leidet darunter – es gibt öfters Streit. Schließlich geht es nicht mehr anders: sie und ihr Mann trennen sich. Carola geht zurück nach Deutschland: Arbeitslos – geschieden mit Kind – gescheitert. Sie ist vollkommen am Ende, schämt sich und traut sich gar nichts mehr zu.

Alles das erzählt sie an diesem Abend vor den vielen Menschen im Hörsaal. Die hören gespannt zu – nicht aus Schadenfreude oder um sich lustig zu machen, sondern um von Carola zu lernen. Um es besser zu machen und manchen Fehler zu vermeiden. Oder um neuen Mut zu fassen, wenn sie es selbst im Leben vermasselt haben.

Denn auch das erzählt Carola schließlich. Sie sagt: „Allein hätte ich es nicht mehr aus dem Loch geschafft, in das ich gefallen bin. Also habe ich mir Hilfe geholt und mich dann Stück für Stück zurückgekämpft. Mit kleinen Rückschlägen und immer größerer Hoffnung.“

Für mich als Christin klingt das fast nach einer Erfahrung, die ich in meinem Glauben mache: Es vermasseln, scheitern, versagen – das tut echt weh, aber es passiert. Mir auch. Ich vertraue aber darauf, dass Gott mich nicht auf meine Fehler festnagelt. Sondern: er sieht meine Möglichkeiten, sogar dann, wenn ich sie noch nicht sehen kann. Manchmal spüre ich das richtig – diesen wohlwollenden, positiven Blick Gottes auf mir. Dadurch fühle ich mich gleich ein bisschen mehr aufgerichtet. Das gibt mir neuen Mut, wenn ich es mal wieder Mist gebaut habe. Und neue Hoffnung um mich zurückzukämpfen und aus meinem Scheitern zu lernen.

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23JAN2020
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Haben Sie sich für das neue Jahr auch etwas vorgenommen? Mehr Sport treiben, weniger Stress, mehr Zeit für sich selbst und die Familie schaffen? Oder so wie ich: Gesünder ernähren.
Der Jahreswechsel ist doch immer eine tolle Chance, neu anzufangen und das Leben noch ein bisschen besser zu machen.

Aber jetzt Hand aufs Herz: Halten Sie Ihre Vorsätze noch immer durch? Oder sind Sie – wie ich - schon wieder in alte Muster zurückgefallen?

Das ist ja ziemlich typisch. Studien sagen: spätestens nach einem viertel Jahr haben die meisten Menschen die guten Vorsätze aufgegeben. Was dann bleibt, ist das schlechte Gewissen und Unmut, dass man es schon wieder nicht geschafft hat.

Dabei ist so ein Scheitern an den eigenen Vorhaben ziemlich menschlich. Sogar der Apostel Paulus schreibt in der Bibel: „Ich tue nicht das, was ich eigentlich will – das Gute. Sondern das Böse, das ich nicht will – das tue ich.“ (Röm 7, 19) Ganz genauso ist es bei mir auch- ziemlich frustrierend. Wie soll man denn da rauskommen?

Paulus meint: Gott holt uns aus dieser Zwickmühle raus. Durch Jesus Christus. Der hat den Menschen nämlich gezeigt, dass sie gut sind, so wie sie sind. Auch mit unseren Schwächen und Unvollkommenheiten sind wir Menschen unendlich wertvoll für Gott.

Aus dieser Vorstellung schöpfe ich neue Kraft: Weil es bedeutet, dass mein Leben ein wertvolles Geschenk ist, auch ohne dass ich etwas dafür tun oder auf etwas verzichten muss. Allerdings: gerade weil mein Leben ein Geschenk ist und wertvoll, will ich damit gut und sorgsam umgehen.

Die Motivation ist eine andere, wenn ich so denke: Es geht mir nicht darum, ein besserer Mensch zu werden, sondern darum, achtsam mit mir selbst zu sein und dankbar - weil ich wertvoll bin. Für Gott und für mich. Und Sie sind es auch.

Deshalb also vielleicht doch ein bisschen mehr Bewegung, ab und an mal auf Süßigkeiten verzichten oder bei einem Termin „nein“ sagen, wenn der Stress sonst zu groß wird. Ich geb’s zu – das fällt mir schwer. Aber es lohnt sich, immer wieder neu damit anzufangen.

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05OKT2019
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Anfang des Jahres stand unser ganzes Haus voll mit Anzuchttöpfen – winzige Pflänzchen auf jeder Fensterbank. Seit diesem Jahr haben wir nämlich einen eigenen Garten und hinten links in der Ecke ein kleines Gemüsebeet. Im Frühjahr konnten wir die Pflänzchen endlich da reinsetzen: Tomaten und Paprika, Gurken, Möhren, Sellerie und Radieschen.

Ich war am Anfang echt skeptisch, ob das überhaupt was wird, aber mein Mann hat sich mühevoll um das Beet gekümmert: hat die Erde gelockert, Unkraut gejätet und jeden Tag gegossen. Ziemlich viel Arbeit.

Im Sommer hatten wir dann tatsächlich ein paar Gurken im Beet und vor allem Tomaten. Die waren leuchtend rot und prall. Mein Mann hat sie geerntet und in die Küche gebracht. Sein Gesicht hat geglüht vor Freude und Stolz auf unsere erste eigene Ernte. Beim Reinbeißen waren die Tomaten süß und saftig. Himmlisch.
Der Sellerie ist leider trotzdem nichts geworden und die Möhren hatten oben zwar viel Grün dran, aber länger als drei oder vier Zentimeter war keine von ihnen.

Wenn ich jetzt beim Einkaufen durch die Obst- und Gemüseabteilung gehe, staune ich deshalb manchmal über das Angebot dort: vor allem über diese langen, geraden Möhren.  Sicher – der Gemüsebauer weiß viel besser als wir, was zu tun ist, damit sie so schön wachsen können. Aber auch für ihn bedeutet das eine Menge Arbeit. Und er ist trotz Landmaschinen, Dünger und Know-How ebenfalls abhängig von der Natur. Ob die Pflanze wirklich wächst und Frucht bringt, bleibt auch für ihn immer ein Stück weit unverfügbar.

Unser Garten und die eigene kleine Ernte machen mir das neu bewusst. Ich staune vor diesem Wunder: wie die Saat aufgeht, wächst und Früchte trägt. So bekommen wir, was wir zum Leben brauchen. Was für ein Geschenk!

Und ich bin guter Dinge: Nächstes Jahr probieren wir es wieder mit dem eigenen Gemüse. Vielleicht wächst dann ja auch der Sellerie und wir ernten lange, gerade Möhren.

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04OKT2019
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Etwas mehr als 400 Leute folgen mir auf Instagram. Instagram ist ein soziales Netzwerk wo Leute Fotos aus ihrem Leben hochladen und mit anderen Menschen teilen. Genau das mache ich auch. Auf meiner Seite zeige ich Bilder von unserer Kirche, dem Pfarrgarten, Urlaubsschnappschüsse oder Hochzeitsfotos. Typische Selfies, also Fotos von mir selbst, mache ich eher selten. Trotzdem kann man sich ein Bild von mir machen, wenn man sich meine Fotos anschaut.

 

Ein Foto von meinem Talar lässt erkennen: ich bin Pfarrerin. Eines von meinen Sportschuhen zeigt, wie gerne ich laufe. Und Bilder von Eisbechern, Sushi oder einer großen Schüssel Nudeln verraten meine Leidenschaft für gutes Essen.

So zeige ich der Welt, wer ich bin. Zumindest teilweise. Ich stelle mich und mein Leben in Bildern dar, so, wie ich mir selbst gefalle. Das, was ich an mir nicht mag, was mir peinlich ist oder unangenehm, verstecke ich lieber.

Viele kritisieren genau das bei Instagram: Die Fotos dort zeigen meistens schöne und glückliche Menschen, köstlich arrangiertes Essen oder spektakuläre Orte und Landschaften. Alles wirkt dabei mühelos und alltäglich. Nach dunklen Augenringen, verregneten Arbeitswegen und verbranntem Essen sucht man vergeblich.

Ich muss zugeben: Manchmal hätte ich mein Leben gern so. So perfekt wie auf Instagram. Gerade dann, wenn mein Leben mal wieder ganz anders aussieht als die strahlenden Fotos auf meinem Smartphone. Dann frage ich mich, warum mein Alltag nicht so mühelos und hübsch anzusehen ist. Dann tröstet mich die Bibel. Da heißt es: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an.“

Es tut mir gut, mich daran zu erinnern: Zum Leben gehört mehr als das, was man auf meinem Instagram-Profil sieht. Gott schaut mich auch dann gerne an, wenn ich nicht perfekt in Szene gesetzt bin. Das hilft mir, auch meine unschönen Seiten zu ertragen. Und vielleicht fasse ich Mut, die sogar auch mal auf Instagram zu zeigen. (Am besten versehen mit einem Augenzwinkern und dem passenden Hashtag: Für mehr Realität auf Instagram.)

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03OKT2019
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Stell dir vor: am 3. Oktober würde jeder Mensch in Deutschland einen Baum pflanzen. 83 Millionen Bäume. Jedes Jahr: Ein neuer Wald würde entstehen.

Einheitsbuddeln – so heißt diese Aktion, die das Land Schleswig-Holstein ins Leben gerufen hat].. Wir alle sind dazu aufgerufen. Zu Hause im eigenen Garten oder bei Pflanzparties, die quer durchs Land stattfinden.

Eine tolle Sache, bei der ich gerne mitmache. Als Christin glaube ich nämlich, dass das unsere Verantwortung ist. Die Bibel erzählt, dass Gott die Menschen in einen Garten gesetzt hat, den sie bebauen und bewahren sollen. Mit unserer Erde machen wir aber eher das Gegenteil: wir brandroden die Wälder und vergiften Äcker.

Die Idee vom Einheitsbuddeln setzt dem etwas entgegen: Bewaffnet mit Spaten und einem Setzling - direkt vor der Haustür was Gutes für’s Klima tun. Aufforsten gilt als wirksamstes Mittel gegen das Waldsterben und den Klimawandel. 

Aber hinter dieser Idee steckt für mich noch mehr. Die Pflanzaktion findet heute statt, am Tag der Deutschen Einheit. Wenn es nach den Erfindern geht, soll das sogar zu einer festen Tradition im Land werden. Etwas, wo jeder seinen kleinen Teil dazu tut und was uns alle miteinander verbindet: Menschen im Osten und Westen der Republik, im Norden und Süden. Die, die hier geboren wurden und die, die hier ein neues Zuhause gefunden haben.

Wenn diese Menschen alle gemeinsam anpacken, Löcher buddeln und im ganzen Land gleichzeitig Bäume setzen, verbindet das. Und vielleicht lässt das die Gesellschaft sogar ein kleines Stück mehr zusammenwachsen. Weil bei dieser Vereinigung wirklich jeder mitmachen kann und selbst was bewirkt: gegen den Klimawandel und für eine gute Zukunft für uns alle und die Generationen, die nach uns kommen.

Stell dir vor: Ein Tag, an dem wir Gottes Garten wieder ein bisschen auf Vordermann bringen – alle zusammen, vereintes Buddeln. 

Bei mir stehen Spaten, Eimer und Setzling bereit. Und falls Sie jetzt angespornt sind: Pflanzen kann man natürlich auch nächste Woche noch.

 

Mehr dazu unter: https://einheitsbuddeln.de/home

 

 

 

 

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27JUL2019
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Wie ein roter Feuerball geht die Sonne über der Savanne auf und taucht alles in ihr warmes Licht. Das ist das Reich des Königs der Löwen.

Seit einer Woche läuft der wieder in den Kinos. Ein Remake des Zeichentrick-Klassikers – diesmal täuschend echt animiert. Die Bilder sind großartig: Der rosa Himmel über der Steppe, zerklüftete Felsen, schneebedeckte Berggipfel. Davor laufen Giraffen, Zebras, Elefanten, Gnus. Sie alle kommen, um den neugeborenen Löwen zu sehen: Simba.

Und dazu diese Musik, bei der ich Gänsehaut bekomme. Der Liedtext: „Im ewigen Kreis dreht sich unser Leben. Ein Gesetz der Natur. Und wir sind ein Teil – im ewigen Kreis.“

Dahinter steckt eine uralte Vorstellung. Die Bibel kennt sie auch. Da heißt es: Gott verspricht den Menschen: Solange die Erde währt sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Ein ewiger Kreis.

Für die Bibel ist dieses Gesetz der Natur nicht zufällig, sondern Gottes kluge Ordnung. Im Film erklärt der Löwenkönig Mufasa dem kleinen Löwen Simba das so: „Alles lebt in einem empfindlichen Gleichgewicht zusammen. Auch du hast deinen Platz im ewigen Kreis.“

Ich glaube, das gilt auch für uns Menschen. Jeder hat seinen Platz im Kreis des Lebens. Leider nehmen wir Menschen uns viel zu viel Platz in diesem Kreis. Das empfindliche Gleichgewicht gerät dadurch zunehmend aus den Fugen. Die Folgen spüren wir schon jetzt. Dafür müssen wir Verantwortung übernehmen: Gott nicht so sehr in seine Ordnung pfuschen und Rücksicht nehmen auf die Schöpfung. Jeder einzelne von uns.

Ich lasse deshalb jetzt öfter das Auto stehen, kaufe mehr Gemüse aus der Region und Fleisch gibt’s echt nur noch ganz selten. Schließlich will ich auch in Zukunft noch dankbar staunen dürfen über Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter – dieser großartigen Ordnung Gottes, dem ewigen Kreis. Und es nicht nur im Kino erleben.

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26JUL2019
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Heike hat es zu was gebracht: Sie ist Ingenieurin und leitet ein erfolgreiches Bauunternehmen. Ihr Arbeitsalltag ist stressig. Zum Ausgleich zieht sie nach Feierabend Bahnen im Schwimmbad um die Ecke.

Auf der Bahn neben ihr schwimmt Heinz. Der lässt es etwas ruhiger angehen. Höchstgeschwindigkeiten und Streckenrekorde, das muss in seinem Alter nicht mehr sein. Er will sich nur ein bisschen bewegen, damit er fit bleibt.

Und dann sind da noch die Müllers. Für die ist der Badespaß im Sommer nicht wegzudenken. Große Ausflüge oder sogar in den Urlaub fahren, das geht nicht. Dafür fehlt das Geld. Aber das Schwimmbad mit der großen Liegewiese zum Sonnen, dem Sprungturm und dem Kinderbecken, das ist ja fast wie Urlaub. Dann noch eine Portion Pommes oder ein Eis und der Tag ist perfekt.

Ob Heike, Heinz und die Müllers noch lange ihr Schwimmbad nutzen können ist leider ungewiss: Alle vier Tage schließt in Deutschland ein Schwimmbad für immer, weil der Erhalt zu teuer ist.

Ich finde das echt schade. Denn Schwimmbäder gehören zu den wenigen Orten in unserer Gesellschaft, an denen ganz unterschiedliche Menschen zusammen kommen: Hier treffen sich Jugendliche, Familien verbringen gemeinsam ihre Freizeit und Menschen treiben Sport – bis ins hohe Alter.

Solche Orte gibt es heute nicht mehr oft. In der Regel verbringen wir unsere Zeit fast ausschließlich mit Menschen, die ihr Leben ähnlich gestalten wie wir. Denen dieselben Dinge wichtig sind. Jeder bleibt unter seines gleichen. Das führt dann oft dazu, dass wir einander weniger verstehen. Und der Zusammenhalt verloren geht. Deshalb sind Jedermann-Orte wie das Schwimmbad wichtig. Wo die Ingenieurin Heike den Rentner Heinz trifft. Und auch Familie Müller ihren Spaß hat. Im Bikini oder der Badehose ist es dabei fast egal, was einer sonst im Leben macht oder wo eine herkommt.  Wenn es heiß wird, treffen sich alle gleichermaßen im Becken.

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