Manuskripte

Wie kann man sich selbst auf die Spur kommen! Der Buchautor, John Strelecky, hat eine Idee. Und die lockt einen in die Kindheit und zu den Heldinnen aus Kindertagen. Er rät:

Schreibe Deine (…) drei Lieblingskinderbücher auf – und erkläre, warum sie es sind. Das hilft zu erkennen, was für Dich wichtig ist, welche Eigenschaften Du bewunderst, wo es dich hinzieht und wer dir als leuchtendes Beispiel dient. Es gräbt tiefer. Du musst in Dir selber stöbern.

Aus: einfachsein, Heinrich Bauer Verlag KG Hamburg

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Da ist die Woche schon um, aber fertig ist man wieder einmal nicht geworden. Martin Luther meinte, beim Christsein ist es genauso. Da wird man auch nie fertig. Trotzdem hat er ganz hoffnungsvoll geschrieben – wie ein Gruß fürs Wochenende:

Wir sind´s noch nicht, wir werden`s aber. Es ist noch nicht getan, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, aber der Weg.

Aus: Für die freie Zeit. Worte Martin Luthers und bibl. Texte zum Nachdenken, Amt für den Gemeindedienst der Ev. Luth. Kirche in Bayern

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Schenken ist eine Kunst. Das wusste schon der Dichter Joachim Ringelnatz und hat gedichtet:

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten die Gaben wiegen,
Sein dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
So dass die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Dass Dein Geschenk
Du selber bist.

Aus: Mal ehrlich. 7Wochen ohne Lügen, edition chrismon

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Martin Luther hat von der Freiheit eines Christenmenschen gesprochen. Worin diese Freiheit bestehen kann, hat die Ordensschwester Melanie Wolfers zusammengefasst. Sie ist auf fünf Freiheiten gekommen:

Die Freiheit, das zu sehen und zu hören, was im Moment wirklich da ist, anstatt was sein sollte, gewesen ist oder erst sein wird.
Die Freiheit, das auszusprechen, was ich wirklich fühle und denke, und nicht das was von mir erwartet wird.
Die Freiheit zu meinen Gefühlen zu stehen, und nicht etwas anderes vorzutäuschen.
Die Freiheit um das zu bitten, was ich brauche, anstatt immer erst auf Erlaubnis zu warten.
Die Freiheit, in eigener Verantwortung Risiken einzugehen, anstatt immer nur auf Nummer Sicherheit zu gehen und nichts Neues zu wagen.

Aus: Melanie Wolfers, Trau Dich, es ist Dein Leben. Die Kunst, mutig zu sein

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Man sollte teilen, was man gut kann und wenn man was Schönes zu bieten hat. Das findet auch der Autor Erik Flügge. Deshalb rät er den Menschen in der Kirche:

Reißen Sie die Türen Ihrer Kirche auf, wenn drinnen jemand einfach Orgel spielt. Lassen Sie Ihre Chöre erschallen auch außerhalb der gesetzten Form. Tragen Sie Ihre Kunst in den öffentlichen Raum.  

Aus: Erik Flügge, Nicht heulen, sondern handeln. Thesen für einen mutigen Protestantismus in der Zukunft

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Manchmal ist es gut planlos zu sein. Vielleicht sogar besonders am Montagmorgen. Findet zumindest die französische Sozialistin Madeleine Delbrel. Sie empfiehlt: 

Geht in euren Tag hinaus ohne vorgefasste Ideen,
ohne die Erwartung von Müdigkeit,
ohne Plan von Gott, ohne Bescheidwissen über ihn (…)

Brecht auf ohne Landkarte – und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist, und nicht erst am Ziel.
Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden, sondern lasst euch von ihm finden in der Armut eines banalen Tages.

Aus: Madeleine Delbrêl, Gott einen Ort sichern. Texte – Gedichte – Gebete

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Auch Beten kann fröhlich sein. Ich musste jedenfalls schmunzeln als ich dieses alte Ukrainische Gebet gelesen habe:

Gott schicke
Den Tyrannen Läuse
Den Einsamen Hunde
Den Kindern Schmetterlinge
Den Frauen Schafe
Den Männern Wildschweine
Uns allen aber einen Adler, der uns auf seinen Fittichen zu ihm trägt.

Aus: Ja zu jedem Tag, Biblische Texte, Gebete und Betrachtungen, hrsg. von Joachim Feige/Renate Spennhoff

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Es blüht. Zum ersten Mal durch mein Dazutun in unserem Garten. Oft schon habe ich versucht etwas anzupflanzen. Aber nie ist es mir gelungen, dass es blüht. Mal hatte ich zu wenig Zeit, um zu gießen. Oder ich habe den falschen Standort gewählt. Aber dieses Mal stimmt alles. Und ich freue mich täglich. Immer wieder gehe ich zum Beet und bestaune das bunte Wunder. Dabei wächst da gar nichts Besonderes: Bunte Blütenmischung heißt die Packung. Kornblumen und Calendula, Cosmea und Kapuzinerkresse. Die Bienen freuen sich auch. Und man kann die Blüten sogar essen. 

Es tut mir gut, dass da was wächst. Das ich dazu beigetragen habe, dass da Leben ist. Ich fürchte, vieles was ich tag täglich tue fördert das Leben nicht. Ich fahre Auto. Ich esse Fleisch. Ich bin umgeben von Dingen, von denen ich nicht sagen kann wer sie hergestellt hat und ob es demjenigen gut ging dabei. Ob er oder sie genug verdient hat um zu leben, oder nur einen Hungerlohn. Auf ganz unterschiedliche Weise bin ich verstrickt in einen Kreislauf, der viel Not und Leid hervorruft. Manchmal verzweifle ich richtig darüber. Auch weil vieles so undurchsichtig ist.

Und dann ist da das Blumenbeet. Es ist klein. Und wirklich einfach ein Fleck Erde im Garten. Aber da ist Leben. Ich wünschte mir, dass mehr so wäre wie mein Blumenbeet. So einfach und doch wunderbar. Und das Blumenbeet hat einen guten Effekt. Ich merke wie gut es mir tut dem Leben zu dienen. Deshalb  halte ich im Alltag Ausschau nach Gelegenheiten das auch da zu tun. Ich weiß – ich kann mich nicht auf einmal ganz aus den Verstrickungen befreien. Aber es ist möglich einige der Stricke zu lösen. Ich kann Eier kaufen aus Betrieben, die die Hähnchen nicht töten z.B. Und auch bei den Keksen darauf achten wo die Eier her kommen, die darin stecken. Überhaupt weniger kaufen. Das nutzen was da ist bis es wirklich nicht mehr zu gebrauchen ist. Auch Kleidung.

Es tut gut dem Leben zu dienen. Mir hat das ein Päckchen Samen wieder klargemacht. Bunte Blumenmischung. 3,99 Euro.  

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Immer im Sommer denke ich an Franka. Denn im Sommer ist Frankas Geburtstag. Das waren schöne Feste: Mit Butterkuchen unterm Sonnenschirm. Mit langen Gesprächen zum erstem Wein. Wenn ich daran zurückdenke blühen Klatschmohn und Kornblumen und immer scheint die Sonne. Und ich denke auch an die Träume, die wir miteinander geteilt haben. Wir wollten die Welt retten und Spaß haben; nach Berlin ziehen und gemeinsam studieren.

All das hat sich nicht erfüllt. Nach der Schulzeit haben wir uns aus den Augen verloren. Vielleicht hat es auch einen Streit gegeben, aber worum der ging, das weiß ich nicht mehr. Seit Jahren haben wir keinen Kontakt mehr. Und trotzdem: Immer im Sommer denke ich an sie. Das Hohelied in der Bibel ist ein Liebeslied. Aber ich finde: Was darin steht, das trifft auch auf Freundschaften zu. Zum Beispiel steht da: Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Mädchen!“ So habe ich das damals empfunden. Unter all den Mädchen hat Franka herausgestochen. Die Seelenfreundin, der ich alles erzählen konnte. Mit ihr konnte ich lachen und weinen. Wer so einen Schatz gefunden hat, sollte ihn nicht leichtfertig aufgeben. Denn im Leben lernt man schnell: oft gibt es mehr Dornen als Lilien. Ich glaube, ich bin nicht die einzige, die so jemanden wie Franka im Leben hat. Einen Menschen, der einem einmal ganz nah gewesen ist. Einen Menschen, der trotz der langen Zeit irgendwie fehlt im Leben. Natürlich ist seit damals viel Zeit vergangen. Ganz bestimmt habe ich mich verändert. Und auch Franka ist sicher nicht mehr die Abiturientin mit Baskenmütze und losem Mundwerk. Vielleicht haben wir uns nichts mehr zu sagen. Aber vielleicht eben doch. Ich werde versuchen Ihre Adresse herauszufinden. Und vielleicht gibt es im nächsten Jahr einen neuen Geburtstag – diesmal gemeinsam unterm Sonnenschirm. Freundschaft ist wertvoll – mit und ohne Butterkuchen.

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„Ich habe gar nicht gewusst, dass Kirche auch Spaß machen darf!“ Meine Freundin zwinkert mir zu und  schwärmt beim Abschied: „Was für ein wunderschöner Abend. Die Stimmung war so schön. Tolle Musik, leckeres Essen. Ich hoffe das machen wir bald wieder!“ 

Sie lacht und verabschiedet sich. Wir waren auf dem Gemeindefest gewesen. Und ich denke: da ist es wieder – das alte Problem. Meine Freundin ist getauft, und zahlt auch Kirchensteuer. Wegen all der sozialen Sachen, die die Kirche macht. Aber sie hat mit Kirche nicht viel am Hut. Die haben mir einfach nichts zu sagen, sagt sie. Da zieht mich nichts hin, in die Gemeinde. Und Sonntag früh möchte ich auch mal ausschlafen und mit meiner Familie frühstücken.

Ich kann sie gut verstehen. Sie arbeitet die ganze Woche, genau wie ihr Mann. Von Montag bis Freitag müssen alle funktionieren. Und da genießt sie jeden Moment, der nicht durchgetaktet ist. Ich habe sie trotzdem zum Gemeindefest eingeladen. Bei uns beginnt das abends im Kirchgarten. Unter Kastanienbäumen. Eine Band tritt auf. Aber so, dass man sich noch unterhalten kann. Es wird gegrillt. Alle essen und trinken miteinander. Für die Kinder gibt es spät noch openair kino und die Eltern sitzen zusammen und erzählen. Ja, Kirche darf auch Spaß machen. Sie soll es sogar. Immer wieder heißt es in der Bibel: Gott ist da, wo Freude ist. Wo Menschen einander begegnen und eine gute Zeit erleben.  Wo sie merken, hier ist es schön. Und hier kann ich sein – mit allem was ich so mitbringe.

Der Kirchenrebell und Autor Erik Flügge empfiehlt der Kirche daher: Erfindet Euch neu! Sucht nach neuen Wegen, um den Menschen von Gott zu erzählen. Und lasst Sie spüren, dass Kirche Spaß machen darf. Ein Ort ist an dem Leben gelingen kann. Miteinander nämlich. Im Teilen von Freude und Kummer. Er hat Recht, finde ich. 

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