Manuskripte

10JUL2020
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Wie war der Tag Liebling?“ fragen sich die Komikerin Anke Engelke und der Moderator Kristian Thees regelmäßig gegenseitig in einer Radiosendung.

Ich mag diese Frage.

„Wie war der Tag“, das frage ich mich auch manchmal selbst, wenn ich von der Arbeit nach Hause fahre oder wenn ich einige ruhige Minuten am Abend habe.

Dabei geht es mir weniger um die erledigten oder unerledigten Dinge des Tages, sondern es geht mir um die Begegnungen, dich hatte. Und es geht mir um die Gefühle, die mich im Laufe des Tages bewegt haben.

Wenn ich den Tag dann in Gedanken durchgehe, spüre ich auf einmal, wie froh ich war, eine Kollegin, die ich lange nicht mehr gesehen habe, wiederzusehen.

Ich spüre, wie ärgerlich ich bin, weil ich meine Vorbereitungen für das Seminarnicht zu Ende bringen konnte.Verärgert bin ich auch über die Absage einer Fortbildung. Beim Nachdenken darüber spüre ich dann, dass unter dem Ärger eine große Enttäuschung liegt. Ich hatte mich so darauf gefreut. Und ich denke noch mal an den lustigen Moment, als wir mit mehreren im Büro standen – auf Abstand selbstverständlich – und von Herzen über einen Witz gelacht haben. Diese Gemeinschaftserfahrung tut gut nach der langen Zeit der Heimarbeit. Fast alle Gefühle kommen im Laufe eines Tages vor, die Freude, die Traurigkeit, die Angst und die Wut.

Dieser Rückblick hilft mir umzuschalten von der Arbeit auf zuhause. Dann kann ich auch mit den Ereignissen des Tages abschließen und aufgeräumt nach Hause kommen. Manchmal erzähle ich auch meinem Mann dann, wie mein Tag war, und auch mit ihm geht nicht nur um die Fakten, sondern auch um meine Gefühle. Unsere Frage heißt dann: Wie war dein Tag, Liebling? Was hat dich heute bewegt?

Später, wenn ich noch mal mit Jesus ins Gespräch komme, erzähle ich auch ihm von meinen angenehmen und unangenehmen Gefühlen. Ich vertraue sie ihm an, weil ich weiß, dass auch Jesus die ganze menschliche Gefühlspalette kennt: Jesus hat Mitleid mit einem Stummen.

Jesus wird zornig im Tempel über die Geschäfte, die dort getätigt werden.

Jesus ist traurig und weint, als sein Freund Lazarus gestorben war.

Und Jesus hat Angst vor dem, was ihn nach seiner Gefangennahme erwartet. Alles was mich als Mensch bewegt, ist auch Jesus vertraut.

So kann ich mich ihm mit allen meinen Gefühlen, mit allem, was mich belastet und allem, was mich freut anvertrauen und weiß: er kennt das auch!

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09JUL2020
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Es ist eine meiner Lieblingsgeschichten aus der Bibel. Jesus ist unterwegs mit seinen Jüngern, mit seinen Anhängern. Das war sicherlich ein ganzer Pulk von Leuten, vielleicht so ähnlich wie wenn heute Promis unterwegs sind.

Dann wird Jesus aufgehalten von einem Mann, der in der Stadt bekannt ist: vom Synagogenvorsteher. Er spricht Jesus an. Seine Tochter liegt im Sterben. Die ganze Gruppe kommt ins Stocken. Jesus wendet sich ihm zu. Er hört ihm zu und doch spürt er gleichzeitig noch etwas anderes: jemand hat ihn an seinem Gewand berührt.

Er fragt in die Menge, wer ihn berührt habe, aber niemand bekennt sich dazu. Petrus sagt: „Meister, da sind so viele, wie willst Du herausfinden, wer Dich da berührt hat?“ Aber Jesus lässt nicht locker: „Ich fühlte, wie eine Kraft von mir ausströmte.“ Erst dann meldet sich eine Frau zu Wort und sagt: „Ich war das, ich habe dich berührt und meine jahrelange Krankheit ist geheilt.“ Sie erzählt Jesus alles, was sie bewegt und Jesus nimmt sich inmitten der ganzen Menge, inmitten der Aufregung und auch trotz der Bitte des Synagogenvorstehers die Zeit, der Frau zuzuhören.

Für mich ist das eine wunderbare Geschichte, die so deutlich macht, dass Gott jede und jeden von uns im Blick hat.

Wenn ich manchmal denke: „na ja, Gott hat wahrscheinlich anderes zu tun, als sich meiner Alltagssorgen anzunehmen“, dann erzählt mir diese Erzählung aus der Bibel, dass Gott nicht die Menge der Menschen sieht, sondern jede und jeden von uns.

Die kranke Frau, sie berührt Jesu Gewand in der Hoffnung, dass sie dadurch geheilt wird.

Die Frau wird geheilt, aber nicht durch einen Berührungszauber, ein Berührungswunder, sondern dadurch, dass Jesus ihre Berührung spürt, sich umdreht und ihr so von Angesicht zu Angesicht begegnet.

Jesus wendet sich um und Jesus blickt die Frau an. Jesus schenkt ihr von seiner Kraft – dadurch wird ihre Krankheit geheilt.

Es gibt viele Geschichten, wo Jesus sich den Kleinen, den Unbedeutenden zuwendet, ganz persönlich von Angesicht zu Angesicht. Es gibtdie Geschichte von dem verlorenen Schaf oder die Geschichte des Zöllners Zachäus, der zu klein war, um Jesus zu sehen und deshalb auf einen Baum klettert. Dort in den Ästen entdeckt Jesus ihn, spürt seine Sehnsucht ebenso wie die Sehnsucht der kranken Frau.

Und er wendet sich ihnen zu: der kranken Frau, dem verlorenen Schaf, dem unbeliebten Zöllner und - wie ich glaube – auch mir.

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08JUL2020
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In den letzten Wochen habe ich wieder ein Buch hervorgeholt, dass mich seit fast 40 Jahren begleitet. Ich habe es zur Verabschiedung an meiner ersten Stelle als Gemeindereferentin geschenkt bekommen.

Es hat den schönen Titel „mach aus mir einen Regenbogen“. Dom Helder Camara hat in diesem Buch die Gedanken seiner nächtlichen Meditationen aufgeschrieben. Er war bis 1985 Erzbischof von Recife und Olinda in Brasilien und ein Streiter dafür, dass die Kirche zu den Armen gehen muss. „Theologie der Befreiung“ ist ein Wort, das viele mit Dom Helder verbinden.

Ich durfte ihn einmal in seiner Heimat im Gottesdienst erleben.

Der Werktagsgottesdienst wurde in einer kleinen Kirche gefeiert. Sehr schlicht und sehr einfach war dieser Gottesdienst. Mich hat sehr beeindruckt, dass meine Freundin und ich als offensichtlich Fremde sofort angesprochen wurden, mitzutun: ob wir die Lesung übernehmen würden? Wir haben uns leider nicht getraut, den Leuten unser schlechtes portugiesisch zuzumuten. Aber die Überraschung und Freude, in dieser Gemeinde wahrgenommen zu werden, klingen bis heute noch in mir nach.

Immer mal wieder blättere ich in diesem Buch. Obwohl ich viele der Gedanken auswendig kenne, sprechen sie mich immer wieder aufs Neue an. Einen  Gedanken möchte ich Ihnen heute mit in den Abend geben:

Dom Helder Camara schreibt: „Die Menschen belasten dich?                                                                                   Trag sie nicht auf den Schultern. Schliess sie in dein Herz.“        

Mir hilft dieser Gedanke immer wieder alle meine Sorgen um den einen oder anderen in der Familie, im Freundeskreis, in der Gemeinde loszulassen. Ich denke an die Frau, der ich heute begegnet bin. Sie hat erst vor kurzem ihrem Mann verloren und fühlt sich sehr einsam. Und ich denke an die Erzieherinnen in unseren Kindergärten, deren Arbeit aktuell sehr anstrengend ist.Ich nehme alle diese Menschen heraus aus meinem sorgenvollen Gedanken und schließe sie in mein Herz. - Mein Herz und was darin ist, das überlasse ich Gott. Mein Herz mit meinen Sorgen lege ich Gott ans Herz. Er wird sich um alle sorgen.

Helder Camara weiß auch um die Sorgen, um die Gedanken, die uns gerne abends beschäftigen und am Einschlafen hindern. Er findet ein, wie ich finde, schönes Bild dafür, wie wir damit umgehen können. Er sagt:

„Lass deine Sorgen an der Schwelle des Schlafes zurück, lasse alle Bedenken zurück, alle Bitterkeit, allen Kummer, damit du dich beim Aufwachen nicht so müde wiederfindest, als hättest du in den Kleidern geschlafen, die Schuhe an den Füßen, den Hut auf dem Kopf.“

Wenn Sie heute Abend ins Bett gehen, legen Sie bewusst den Hut, die Schuhe und ihre Kleider ab.  In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Abend!

 

Aus dem Buch: Helder Camara, Mach aus mir einen Regenbogen, mitternächtliche Meditationen, Pendo Verlag, Zürich 1981

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07JUL2020
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Wenn unsere Gäste von unserem stillen Örtchen zurückkommen, dann haben sie oft ein Schmunzeln im Gesicht. „Das stimmt ja, was da steht“ heißt es dann oft. Dort hängt eine Karte mit dem Spruch: „Die Blumen machen den Garten, nicht der Zaun.“

Ich kann das nur bestätigen. Das Arbeiten zuhause in der Corona- Zeit hat mir viel Zeit im Garten geschenkt. Ich konnte meine Arbeit vor einem großen Wintergarten – Fenster erledigen und weit über meinen Garten auf die Felder bis hin zum nächsten Ort schauen.

Das ist ein Luxus. Nicht jeder hat einen Garten. Aber die Natur war und ist in dieser Zeit für viele eine wichtige Hilfe.

Diese viele Zeit mit Blick in den Garten oder bei Spaziergängen hat mich alle Veränderungen in der Natur aufmerksamer als sonst erleben lassen.

Und immer wieder habe ich gespürt, wie sehr die Natur mit unserem Glauben und den Geschichten aus der Bibel verbunden ist. Wenn ich die Veränderungen in der Natur wahrnehme, fallen mir ganz viele biblische Erzählungen ein.

Als erstes springen mir die bunten Blumen in den Blick, eine Pracht: Prärie-Kerzen in rot und gelb, weiße und lachsfarbene Rosen, der duftende Lavendel und viele mehr.

Jesus sagt: „Was sorgt ihr Euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen… Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht so gekleidet wie eine von ihnen.“

In unserem Dach hat sich eine Spatzen - Großfamilie eingenistet. Oft ärgern sie mich mit ihrem Dreck und mit ihrer Lautstärke, aber ich freue mich auch an ihren kecken Rufen, an ihrem eifrigen Nestbau, daran, wie sie auf der Dachrinne sitzen und Ausschau halten nach den anderen.Die Spatzen erzählen mir von der Lebensfreude und vom Vertrauen, dass sie all das bekommen, was sie brauchen.

Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Verkauft man nicht fünf Spatzen für zwei Pfennige? Und doch ist nicht einer von ihnen vor Gott vergessen. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.“

Mich erinnern diese Worte daran, wie begrenzt wir nur für uns selbst sorgen können. Die Spatzensorgen für den heutigen Tag, unermüdlich und liebevoll. Jeden Tag wir ein neuer Grashalm dem Nest zugefügt, und neues Futter für die Jungen mitgebracht.

Die Spatzen sind mir gute Lehrmeister im Gottvertrauen: mich darauf einlassen, dass meine Planungen nun kurzfristiger und flexibler sein müssen. Nicht ein ganzes Kopfkino voller Sorgen pflegen, sondern im hier und jetzt bleiben. Meinen Grashalm für heute mitbringen: ein aufgeschobenes Telefonat erledigen, mir Zeit nehmen für den Blick in die Natur. „Fürchtet euch nicht“, sagt Jesus.

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06JUL2020
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Es gibt solche Tage, da funktioniert einfach gar nichts. Am Samstag hatte die Freundin unseres Sohnes einen solchen Tag. Beide waren bei uns zum Wochenendbesuch. Lilly hatte sich darauf gefreut, sich am Nachmittag mit einer Freundin zu treffen. Die Freundin sagte ihr ab, der Weg war ihr zu weit. Einerseits verständlich, aber Lilly war sichtlich enttäuscht. Dann hat hoffentlich eine ihrer Schwestern Zeit für sie! Aber auch da gab es nur Absagen.

Nun war Lilly richtig unzufrieden. In der Hoffnung, sie ein wenig in Bewegung zu bringen, bat ich sie, ein paar kleine Einkäufe in unserem Dorfladen zu machen – die berühmten vergessenen Kleinigkeiten. Und statt mit dem Auto zu fahren, könnte sie doch zu Fuß gehen.

Lilly ging recht mürrisch los zum Dorfladen. Aber sie kam strahlend zurück: “ Weißt Du, was mir passiert ist? Ich gehe da so die Straße entlang und da lag in einem Vorgarten ein 50 Euro-Schein. Einfach so! Da bin ich zur Haustür gegangen und habe geklingelt – ich hatte so Herzklopfen. Eine Frau hat mir aufgemacht und mich erst mal skeptisch angeschaut. Ich habe sie dann auf den 50 Euro – Schein in ihrem Garten hingewiesen. War die froh! Der sei wohl ihrem Sohn aus der Tasche gefallen.“

Auf dem Rückweg kam Lilly wieder an diesem Haus vorbei. Vor dem Haus standen Leute und sprachen Lilly an: „Haben Sie den 50 Euro- Schein gefunden?“ „ Ja!“ Da lag doch tatsächlich an der Stelle, an der vorher der Geldschein gelegen hatte ein Päckchen mit Danke-Pralinen und einem 10 Euro Schein. Und nun konnten die Besitzer Lilly sogar noch persönlich Dankeschön sagen.

Lillys Tag war gerettet. Sie kam freudestrahlend zurück und erzählte uns von ihrem Erlebnis. Besonders stolz war sie darauf, mutig an der Tür geklingelt zu haben. Und sie war froh, dass die Besitzer sich so dankbar zeigten. Nicht nur Lillys Tag war gerettet, auch der der anderen Familie.

Auch mich hat dieses Erlebnis froh und dankbar gemacht. Denn in einer Zeit, in der ich immer mehr: eine „ich zuerst“ Haltung erlebe, tut diese Erfahrung richtig gut. Nicht den eigenen Egoismus ausleben, sondern auch den anderen in den Blick nehmen und das tun, was richtig ist. Dazu gehören Mut und Haltung.

Auch mein Tag war gerettet.

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07FEB2020
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Tabea ist ein Mädchenname, der in den letzten Jahren an Beliebtheit zugenommen hat.Ich kenne einige Mädchen und junge Frauen in meinem Umfeld mit diesem Namen. Heute dürfen alle „Tabeas“ Namenstag feiern.

Aber wer war denn Tabea? Das ist eine recht unbekannte Geschichte. In der Bibel, im Neuen Testament, wird von einer Frau mit Namen Tabea erzählt. Sie war wohl eine Näherin, eine Berufsschneiderin.Und sie war sehr engagiert in der jungen Gemeinde. Sie unterstützte die Witwen der Gemeinde mit ihrer Nähkunst und wohl darüber hinaus mit viel herzlicher Zuwendung.Und sie wird eine „Jüngerin“ genannt, sie ist also jemand, der besonders aktiv in der Gemeinde den Glauben weitergibt.

Tabea ist für mich das Beispiel für die Frauen, die auch heute in unseren Gemeinden mitarbeiten. Da gibt es die, die den Laden am Laufen halten, indem Kaffee gekocht wird, die Älteren eingeladen werden, die Kirche mit Blumen  geschmückt wird und vieles mehr. Ohne sie wäre vieles an Gemeinsamkeit und Festen nicht möglich. Da gibt es aber auch ganz viele, die ihre beruflichen Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinde stellen. Das sind nicht nur die Männer in den Verwaltungsräten, die kompetent mit dem Geld der Pfarrei wirtschaften.

Das sind viele Frauen, die ihre Berufserfahrung anderen zur Verfügung stellen: im Kindergottesdienstkreis sind viele Lehrerinnen und  Erzieherinnen, die zusammen mit anderen dafür sorgen, dass die Kinder Sonntag für Sonntag auf ihre Art und Weise den Gottesdienst feiern können.

Das gibt es die, die sich in der Firmvorbereitung engagieren: Sozialarbeiterinnen, Krankenschwestern, Unternehmerinnen. Sie bieten Projekte für junge Menschen an und machen so deutlich, dass Glaube und Leben zusammengehören.

Da gibt es Frauen, die ihre beruflichen Kenntnisse nutzen, um Unterstützung für Waisenkinder oder Hilfen für Schulen in Afrika zu organisieren.

Die Tabeas in meiner Gemeinde heißen Sandra und Anke, Simone und Mara, Sarah und Anja. Und noch viele andere Namen fallen mir ein. Sie alle teilen das Schicksal von Tabea – es wird viel zu selten von Ihnen erzählt. Und manchmal haben sie nur einen Gruppennamen: der Kindergottesdienstkreis oder die Katechetinnen. Aber jede einzelne davon ist wie Tabea eine Jüngerin auf den Spuren Jesu und jede trägt ihren Teil dazu bei, dass die Frohe Botschaft weitererzählt wird. Wenn wir uns dann treffen, um neue Projekte zu überlegen, gemeinsam etwas vorzubereiten, dann ist manchmal die Freude an unserem Glauben, der gemeinsame Geist spürbar. Ich bin sehr dankbar, dass es in unserer Gemeinde – und in vielen anderen – auch heute solche Tabeas gibt.

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06FEB2020
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In den Wintermonaten habe ich das Buch „Mittagsstunde“ von Dörte Hansen gelesen. Sie beschreibt darin das Dorfleben in Norddeutschland seit den 70ger Jahren. Dieses Buch ist voll Wärme zu den Menschen auf dem Land geschrieben und hat mich angeregt, meine eigenen Kindheitserinnerungen mit denen des Hauptdarstellers zu vergleichen. Der Gastwirt in diesem Dorf in den 70er Jahren hat ein Neugeborenes im Haus – das uneheliche Kind seiner Tochter, Ingwer heißt es. Dieses Kind ist ungewollt und auch ungeliebt und es schreit. Es schreit und schreit und niemand kann es beruhigen. Sönken, der Gastwirt, ist sehr unglücklich über den kleinen Jungen in seinem Haus. Trotzdem setzt er sich an einem Nachmittag an sein Bettchen und sagt „Bist koolt?“ Ist Dir kalt?

Und dann nimmt er den kleinen Jungen aus seinem Bett, er knöpft sich Weste und Hemd auf und legt den Kleinen auf seine nackte Haut. Als seine Frau nach ihm schaut, sieht sie: Großvater und Enkel sind beide eingeschlafen. Diese Erfahrung war für Sönken der Auslöser, den kleinen Ingwer nun überall hin mitzunehmen. Er trägt ihn vor sich auf der Brust. Das führt zu einer ganz besonderen Beziehung von Großvater und Enkel. Es führt aber auch dazu, dass er im Dorf belächelt wird.

Mich hat es an meinen eigenen Vater erinnert. Er war auch einer der Männer, die zu einer Zeit, als das absolut unüblich war, den Kinderwagen geschoben hat und sich um seine kleine Tochter gekümmert hat. Ich kann mich gut daran erinnern, dass mein Vater mich gelegentlich mitnahm und immer stolz auf seine Tochter war. Als mein Mann und ich in den 90ger Jahren selber Eltern wurden, haben wir uns die Erziehungsarbeit geteilt. Wir haben beide jeweils in Teilzeit gearbeitet, um Zeit für unsere Söhne zu haben. Mein Mann wurde damals immer noch neidvoll bis mitleidig belächelt, wenn er mittags seine Arbeit beendete. „Schönen Feierabend! So gut möchte ich es auch haben!“

Damals gab es nur Erziehungsurlaub, noch keine Elternzeit. Seitdem hat sich viel verändert und heute finden wir es selbstverständlich, dass sich auch die Männer um die Kinder kümmern. Die zwei Monate gemeinsame Elternzeit hat der Entwicklung noch einmal einen neuen Schub gegeben. Heute dürfen Kinder beide Elternteile erleben und Mann und Frau ergänzen sich als Vater und Mutter in ihren Aufgaben. Und noch etwas ändert sich damit – zumindest in meinen Augen:

Es ändert sich damit auch das Bild von Gott als Vater. Denn unser Gottesbild ist immer von unseren menschlichen Bildern geprägt: ein Vater, der mit seinem Kind spielt, es füttert und pflegt – das ist ein anderes Vaterbild als das des strafenden und richtenden Vaters. So wird schon in der Bibel Gott wie ein moderner Vater beschrieben:

„Ich war es, der sie gehen lehrte, der sie nahm auf seine Arme. Ich war da für sie wie die, die den Säugling an ihre Wangen heben. Ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen.“ (Hosea 11, 3).

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05FEB2020
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Jedes Jahr mache ich mit einer kleinen Gruppe aus unserer Gemeinde eine Reise. Im vergangenen Jahr hatten wir uns etwas Besonderes vorgenommen: Reisen mit Bahn und Linien-Bus.

Der erste Reiseabschnitt bis nach Basel klappte zur allgemeinen Zufriedenheit. Bei der Weiterfahrt erwartete uns dann aber das komplette Bahnchaos: Sonntagabend, viele Pendler wollten zurück zum Arbeitsort und: der Zug war halbiert worden, statt 6 Wagen waren nur drei gekommen. Unsere kleine Gruppe, die meisten waren ältere Damen, quetschten sich erst einmal in den Zug. Irgendwie mussten wir ja weiterkommen. Nach dem Einstieg stellten wir fest, dass alle Plätze besetzt waren und auch in den Gängen standen Leute. Ein Durchkommen war unmöglich. Also standen wir erst einmal in der ruckeligen Bahn, die alles dafür tat, uns ordentlich durchzuschütteln: zügiges Anfahren, scharfes Bremsen, Halt an jedem kleinen Bahnhof. Wollte jemand aussteigen, so mussten die Gäste an der Tür zunächst raus, um die Fahrgäste hinter sich durchzulassen. Dann wieder schnell in den Zug, die nächsten Mitfahrer drängten schon.

Aber zu meiner Verwunderung gab es unter allen Mitreisenden, nicht nur in unserer Gruppe, eine ausgesprochen gute Stimmung. Rempler wurden mit einem freundlichen „Macht nichts“ kommentiert. Mit der Hilfe einiger junger Männer wurden Koffer hin und her gewuchtet und nach einigen Stationen hatten einige von uns auf den Notsitzen einen Platz gefunden. Von der guten Stimmung wurden auch alle andern angesteckt, die in den überfüllten Zug kamen und erst mal tief durchatmeten. „Wie soll das hier über Stunden gehen?“ Durch die Fröhlichkeit und Gespräche mit den oft unbekannten Leidensgenossen, ließ sich die anstrengende Bahnfahrt gut aushalten. Einer der jungen Männer bezeichneten unsere älteren Damen als „flotte Weiber“ und wurde sogar eine wenig rot, als er merkte, dass wir seinen Spruch mitgehört hatten und darüber lachen mussten.

Mich hat diese Erfahrung noch länger beschäftigt. Die Situation hatte viel Potential in Ärger und gegenseitiger Beleidigung oder in einen Kampf um die wenigen Plätze umzuschlagen. Nichts davon war passiert. Ich denke auch deswegen, weil viele Mitreisende sich auf die Situation eingelassen haben – zu ändern war sie ja sowieso nicht. Die goldene Regel „was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu“ hatte uns einen guten Urlaubsanfang ermöglicht. Ich habe seitdem öfter an diese Erfahrung gedacht und merke: so wie ich auf andere zugehe, so fällt die Antwort aus: Ein Lächeln bekommt oft ein Lächeln zurück. Nichts wirklich Neues, aber etwas, das ich mir immer wieder mal vor Augen halten muss, weil es mir und anderen guttut.

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04FEB2020
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Im Winter gehe ich oft morgens im Dunkeln aus dem Haus und komme abends im Dunkeln nach Hause. Gefühlt spielt sich das ganze Privatleben in der Nacht ab. Ganz schlimm finde ich Abendtermine in dieser Zeit: schon die Fahrt zu solch einer Veranstaltung macht auf mich den Eindruck, mitten in der Nacht zu einem Treffen zu fahren. Deshalb sehne ich mich immer nach dem 2. Februar: Maria Lichtmess.

Jetzt in der Woche danach, werden die Tage spürbar länger. Ich komme nicht mehr im Dunkeln nach Hause, sondern es wird dann erst langsam dunkel und mit jedem weiteren Tag fahre ich auch nicht mehr in stockfinsterer Nacht, sondern in der Dämmerung zum Treffen am Abend. Das drückt sich auch aus in dem Spruch:

Der Tag verlängert sich an Weihnachten um einen Hahnentritt,

an Neujahr um einen Männerschritt,

an Dreikönig um einen Hirschensprung

und an Lichtmess um eine ganze Stund.

Diese Sehnsucht nach Licht, nach Helligkeit und Wärme verbindet die meisten Menschen. Auch die Bibel beginnt damit, dass Gott Licht ins Dunkel bringt: „Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Finsternis lag über der Urflut Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.4 Gott sah, dass das Licht gut war.“

Licht brauchen wir Menschen zum Leben. In vielen Gebeten wird Gott als das Licht der Welt, als das Licht des Lebens angerufen: Da heißt es z.B. in einem Psalm:  Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Das kann ich mir gerade in der dunkleren Jahreszeit gut vorstellen.

Im Dunkeln gehe ich langsam und vorsichtig, weil ich nicht sehe, wohin ich meinen Fuß setze. Ich bin ängstlich! Aber: Gottes Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Das funktioniert durchaus ganz konkret in meinem Leben. Wenn ich traurig oder niedergeschlagen bin, dann hilft mir manchmal diese Zusage aus der Bibel, dass es nicht dunkel bleibt. Wenn ich mal wieder Abschied nehmen muss von einem lieben Menschen und dann höre, dass Gott die Verstorbenen aus dem Dunkel ins Licht führt – dann fällt mir das Loslassen ein wenig leichter.

Diese Worte und Bilder aus der Bibel, tun gut, besonders in der dunklen Jahreszeit. Sie machen mein Herz warm und licht, sie lassen es in mir licht werden. Johannes sagt über Jesus: Und das wahre Licht kam in die Welt. Ich freue mich an diesen Februarabenden an dem wachsenden Licht, jeder Tag ist ein wenig heller. Und ich möchte Ihnen einen Segensspruch mit in den Abend und in die Nacht geben: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

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03FEB2020
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Gestern war wieder so ein Tag, an dem in der Kirche nur die kurze Version des Evangeliums vorgelesen wurde. Der Teil, den wir nicht zu hören bekamen, handelt – wen wundert ´s – von einer Frau. An Maria Lichtmess wird erzählt, wie Joseph und Maria, wie alle Eltern damals, mit ihrem Neugeborenen in den Tempel gehen und ein Opfer bringen. Im Tempel begegnen sie Simeon und Hanna. Diese beiden alten Menschen leben schon lange dort. Simeon erkennt, dass Jesus der Erlöser ist, auf den die Menschen schon so lange warten. Und mit seinem Lobgebet endet die Kurzfassung des Evangeliums. Ich finde, danach geht es noch spannend weiter. Denn dann wird von Hanna erzählt, die auch schon lange im Tempel lebt. Und so wie Simeon erkennt sie in Jesus den Retter, den Heiland und sie erzählt allen davon. Mich berührt diese Geschichte immer wieder. Nicht nur die Hirten auf dem Felde, nicht nur die heiligen drei Könige, auch Hanna erkennt das Besondere in Jesus und seiner Mutter. Und sie in guter Gesellschaft. Denn ebenso sieht es Elisabeth, als Maria sie während ihrer Schwangerschaft besucht. Beide Frauen sind schon älter, also eher Omas. Beide geben Maria und Jesus ihre uneingeschränkte Unterstützung. Sie bestätigen Maria in dem, was sie bisher erlebt hat und sie danken Gott für Jesus.

Wenn ich an Hanna und Elisabeth denke, dann sehe ich auch Frauen aus unserer Gemeinde vor mir. Sie unterstützen ihre Kinder und Enkelkinder uneingeschränkt und mit großer Liebe. Sie sind oft wie ein Schutzengel für die jungen Familien, weil sie mit ihrer Lebenserfahrung weitersehen und gelassener reagieren. Sie sind auf eine andere Art und Weise dankbar für das neugeborene Leben, weil sie um die Zerbrechlichkeit und die Endlichkeit des Lebens wissen.

Und: alle frischgebackenen Großeltern erzählen vom Wunder des Neugeborenen, von dem schönsten Enkelkind von allen – und heute gibt es dazu tausend Handyfotos.

„Mit jedem Kind, das dir begegnet, ertappst du Gott auf frischer Tat“ sagt Martin Luther. Omas tragen die Hoffnung und die Zuversicht weiter –häufig sind sie diejenigen, die den Glauben an die Enkelkinder weitergeben.Eine junge Oma erzählte mir, dass sie mit ihrem Enkelkind auf dem Friedhof war und dort über Sterben und Leben nach dem Tod gesprochen hat.Die kleine Enkelin sagt: Gell, Oma, die Mama glaubt nicht so an Gott, aber wir beide schon!Die Erfahrung, dass ältere Menschen das Leben der kleinen bereichern, sie gilt auch heute noch.

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