Manuskripte

Heute früh, seit sechs oder sieben Uhr, ist an manchen Orten schon recht viel los. Fleißige Hände bauen im Freien Altäre auf und legen davor farbenfrohe Teppiche mit den Blüten von Blumen. Darauf sind biblische Motive zu sehen: zum Beispiel Brot in einer Schale, oder ein Kelch, gefüllt mit Wein. All dies prägt das Fest Fronleichnam, das ich nicht missen will im Kirchenjahr. Eigentlich war es schon am vergangenen Donnerstag. An vielen Orten aber feiern katholische Gemeinden es erst heute, so auch in dem kleinen Schwarzwalddorf, in dem ich wohne. Und mit dazu gehört Mozarts Chorstück „Ave verum corpus“, die berühmteste Fronleichnamsmusik aller Zeiten.

Musik 1 –
W. A. Mozart: „Ave verum corpus“ (Beginn)
Ave verum corpus natum
de Maria virgine …

Sei gegrüßt, wahrer Leib,
den die Jungfrau Maria geboren hat …

Das Wort „Fronleichnam“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen und heißt wörtlich übersetzt: lebendiger, herrlicher, wahrer Leib. Nichts Totes also, sondern das pralle Leben. Gern würde ich eine Fronleichnams-Zeitreise unternehmen. Mein Ziel wäre die Uraufführung von Mozarts Fronleichnamsmusik im Jahr 1791 in der Kirche St. Stephan im kleinen Kurort Baden, südlich von Wien. Für diesen dörflichen Kirchenchor hat Mozart das mittelalterliche Gebet „Ave verum corpus“ – „Wahrer Leib, o sei gegrüßet“ – in verhaltene, ja ehrfürchtige Töne gefasst. Welche feierliche Stimmung hat damals die Uraufführung geprägt? Bestimmt war Weihrauch zu riechen und die Schellen der Ministranten waren zu hören, vielleicht auch das Geläut der Glocken. Und die Gemeinde hat gewiss gekniet, als Mozarts musikalischer Gruß an die Hostie erklungen ist, in der uns Christus begegnet.

Musik 2 –
„Ave verum corpus“ mit Vienna chamber ensemble (instrumentale Version),

dazu die freie Übertragung ins Deutsche:

 „Ave verum corpus“ – Sei gegrüßt, wahrer Leib,
den die Jungfrau Maria geboren hat,
sei gegrüßt, du Leib, der gelitten hat und
am Kreuz gestorben ist für uns Menschen.
Leib, am Kreuz mit einer Lanze durchbohrt,
so dass Wasser aus der Seitenwunde floss und Blut;
Leib, an den die kostbare Hostie uns heute erinnert,
Brot, das uns stärken will, auch am Ende des Lebens,
in der Prüfung des Todes – „in mortis examine“.

In dieser Musik höre ich den Sinn für das Kostbare. Kostbar ist der „Leib des Herrn“, den Mozart hier so innig begrüßt. Kostbar sind Leib und Leben jedes Menschen, auch das unausweichliche Sterben, das in den letzten Takten der Musik so ausdrucksvoll anklingt. Ein halbes Jahr vor seinem eigenen frühen Tod vereint Mozart hier Lebenslust und Sterbekunst. So wie das Fest Fronleichnam die Erinnerung an Jesu Leiden, an seinen Tod und seine Auferstehung, mit den hellen Farben des Sommers malt.

Musik 3 –
W. A. Mozart: „Ave verum corpus“ (Schluss)
 … esto nobis praegustatum in mortis examine.

… sei uns ein Vorgeschmack (auf das himmlische Gastmahl)
in der Prüfung des Todes.

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Wolfgang Amadeus Mozart: „Ave verum corpus“ KV 618
(eine deutsche Übertragung des Textes im Gotteslob, Eigenteil Freiburg/Rottenburg Nr. 877)

Quellen:       

CD W. A. Mozart. Requiem und Ave verum corpus. Chor des Bayerischen Rundfunks und Münchener Kammerochester. Leitung: Alexander Liebreich.
SWR-Archiv. W. A. Mozart. Ave verum corpus. The Vienna chamber ensemble.

 

 

 

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Musik 1 – Refrain „Halleluja“ – Klavier, Gesang, Klavier

„Halleluja“ ist ein Jubelruf, ein besonderes Wort. Es ist hebräisch und bedeutet „Lobt Gott“. Man kann es aber ganz unterschiedlich betonen: Heißt es „Hallelúja“? Oder „Hálleluja“ wie in Georg Friedrich Händels „Messias“? Oder „Hallelujá“ wie im heutigen Lied zum Sonntag. Die Betonungen werden „ver-rückt“. So wie am Ostermorgen der Stein vor Jesu Grab – auch er ist weggerückt.

Musik 2 – Strophe 1

Seht, der Stein ist weggerückt,
nicht mehr, wo er war;
nichts ist mehr am alten Ort,
nichts ist, wo es war.
Halleluja, halleluja, …

Lothar Zenetti, der „Frankfurter Dichter-Pfarrer“, der vor wenigen Wochen gestorben ist, hat vor bald 50 Jahren diesen Text verfasst. Ostern heißt für Zenetti, dass alles, was vertraut ist, ins Wanken gerät: „Grab“ ist „nicht mehr Grab“, und „nichts ist“ mehr so, „wie es war“. Da frage ich mich: Woran kann ich mich noch festhalten, wenn sich nicht nur dies oder jenes verändert, sondern schlichtweg alles?

Musik 3 – Strophe 2

Seht, das Grab ist nicht mehr Grab,
tot ist nicht mehr tot.
Ende ist nicht Ende mehr,
nichts ist, wie es war.

„Ende ist nicht Ende mehr“, behauptet dieses Lied. Wenn ich zurückblicke auf eigene Erfahrungen, dann war manches Ende ein schmerzlicher Verlust. Beruflich zum Beispiel, als ich mit der Wissenschaft an der Universität aufgehört habe. Aber mancher Schlusspunkt hat den Weg frei gemacht für einen neuen Anfang. Weil ich frei wurde für Neues, ohne es schon zu kennen. Das Neue war dann eine gute, eine österliche Erfahrung.

Musik 4: Klavier Refrain

In unserem Lied spielen sogar einige Töne verrückt. Der Rottenburger Kirchenmusiker Walter Hirt führt die Melodie auf neue Wege. Eigentlich klingt die Tonleiter so:

Musik 5 – D-Dur

Doch wenn die Töne „weggerückt“ werden, etwa so wie Jesu  Grabstein, dann klingt es so:

Musik 6 – Fis-Dur

Ostern ist für mich wie eine neue Melodie. Im Halleluja höre ich sie besonders klangvoll. So ein Halleluja, das immer wieder anders betont werden kann, ermutigt mich, auch die Schwerpunkte in meinem Leben zu verrücken. Im Büro etwa stürzt so manches auf mich ein, was möglichst sofort erledigt werden muss, und ich will ja nicht „Nein“ sagen. Dabei wäre es besser, wenn ich mir selber klare Ziele setze und dran bleibe, Schritt für Schritt. Mit diesem Lied hoffe ich, dass Jesus mit mir geht, auch auf steinigen Wegen, und dass er uns allen vorausgeht. Grund genug, ins „Halleluja“ mit einzustimmen.

Musik 7 – Strophe 3  mit Nachspiel

Seht, der Herr erstand vom Tod,
sucht ihn nicht mehr hier,
geht mit ihm in alle Welt,
er geht euch voraus.
Halleluja, halleluja, …

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Lothar Zenetti / Walter Hirt: „Seht, der Stein ist weggerückt“
(Gotteslob, Eigenteil Freiburg/Rottenburg Nr. 800)
SWR-Aufnahme im Studio Freiburg, Schlossbergsaal, am 24. April 2019 mit Eduard Wagner (Gesang) und Jörg Josef Schwab (Klavier)

 

 

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Musik 1                  Vorspiel Klavier (Michael Gees)

Musik von Johann Sebastian Bach gefällt mir eigentlich immer. Beim Lied „Komm, süßer Tod“ jedoch spüre ich eine Art von Hassliebe. Bachs Melodie ist ausdrucksvoll, und die Harmonien funkeln in leuchtenden Farben. Probleme aber bereitet mir der Text: Warum soll ich, wenn ich so gern lebe, den Tod willkommen heißen? Das heutige Lied zum Sonntag geht mir nicht so leicht von den Lippen. Die erste Strophe heißt:

„Komm, süßer Tod, komm, selge Ruh!              
Komm, führe mich in Friede,
weil ich der Welt bin müde.
Komm, ich wart auf dich, komm bald und führe mich,
drück mir die Augen zu,     
komm selge Ruh!“   

 

Musik 2                  Bach-Strophe 1 mit Christoph Prégardien und Michael Gees

Johann Sebastian Bach war mit dem Tod vertraut: mit neun Jahren hat  er seine Mutter verloren, im Jahr darauf auch den Vater. Viele Schicksalsschläge hat er verkraftet. Und trotzdem spricht aus seiner Musik pure Lebensfreude. Aber er hat auch das Lied „Komm, süßer Tod, komm, selge Ruh“ komponiert. Ich kann mir das nur so erklären, dass die Lebenslust für Bach ebenso wichtig war wie der Gedanke daran, sterben zu müssen. Und wie die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Weil Jesus selbst das letzte Wort spricht. Er hat nämlich gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Damit meint er das ewige Leben, in dem Gott selbst alle Tränen trocknet. Und wenn dieses Leben kommt, war der Tod ja vielleicht wirklich süß.

 

Musik 3             Knut Nystedt: „Immortal Bach“ für Chor a cappella

                         Beginn: „Komm, süßer Tod, komm, selge Ruh, komm, führe mich in Friede“

Spätere Komponisten haben Bachs Lied „Komm, süßer Tod“ musikalisch bearbeitet, sozusagen daran weiter komponiert. Der Norweger Knut Nystedt hat aus dem Solo-Lied einen vielstimmigen Chorsatz gemacht. Und dabei kam ihm die Idee, dass die Sängerinnen und Sänger kein einheitliches Tempo brauchen. Jeder wählt sein eigenes Tempo – so wie jeder sein eigenes Leben lebt. Auf diese Weise entstehen Zusammenklänge, die vielleicht auch Bach gefallen hätten.

 

Musik 4                Knut Nystedt: „Immortal Bach”

                            Liedzeile „Komm, selge Ruh” (unter dem Text bis Schluss des Beitrags)

 

„Immortal Bach“ – Unsterblicher Bach –, so heißt dieses Chorstück über Bachs Lied. Unsterblich will ich gar nicht sein. Aber es ist mir wichtig, Lebenslust und recht verstandene Sterbekunst gut auszubalancieren. Auf meinem Lebens-Weg darf es auch Brüche geben und manche schrägen Klänge, so wie in dieser Musik. Dass der Chor am Ende jeder Zeile den erlösenden Schlusston findet, gibt mir Hoffnung für mein eigenes Ende. Nicht zu oft, aber auch nicht zu selten will ich an das Ende denken: mit Lebenslust im Herzen, aber auch mit Johann Sebastian Bachs komponierter Sterbekunst im Ohr.

Musik 3                Knut Nystedt: „Immortal Bach“

                            auf dem Schlusston langsam ausklingende Zeile „Komm, selge Ruh“

 

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Worte: unbekannter Autor der Barockzeit (um 1720/30); Musik: Lied für Solostimme und Generalbass aus dem „Schemelli-Gesangbuch“ von Johann Sebastian Bach BWV 478 (1736) und dessen chorische Bearbeitung „Immortal Bach“ von Nnut Nystedt (1988) für gem. Chor a cappella

 

Quellen:       

aus dem SWR-Archiv: M0510809 01-002 Johann Sebastian Bach / unbekannter Textdichter: „Komm, süßer Tod, komm, selge Ruh“ BWV 478. Geistliches Lied für Singstimme und Basso continuo. Christoph Prégardien (Gesang) und Michael Gees (Klavier)

CD „Choral Works for 40 voices“. Rundfunkchor Berlin unter Leitung von Simon Halsey. Daraus Track 7: Knut Nystedt (geb. 1915): „Immortal Bach“ für gem. Chor a cappella nach Bachs Lied „Komm, süßer Tod“

Label: Harmonia mundi France, LC 7045

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(Gotteslob 396 ö)  

Musik ist ein Geschenk. Wer ein Lied komponiert oder am Klavier darüber improvisiert, der beschenkt seine Hörer. Für unser heutiges Lied zum Sonntag gilt das ganz besonders. Ein Seelsorger im Waisenhaus von Zürich – Georg Gessner heißt er – schenkt es vor über 200 Jahren den Kindern dort, für die er verantwortlich ist. Es ist ein Abschiedsgeschenk, mit etwas Wehmut vielleicht. Georg Gessner verlässt nämlich um Weihnachten 1794 das Waisenhaus an der Limmat, um eine neue Stelle am Zürcher Fraumünster anzutreten. Und da vergisst er es nicht, seine Schützlinge dazu zu ermuntern, Gott froh zu loben. So bleibt er mit ihnen – so sein Wunsch – über den Abschied hinweg verbunden. 

„Lobt froh den Herrn, ihr jugendlichen Chöre!

Er höret gern ein Lied zu seiner Ehre:

Lobt froh den Herrn, lobt froh den Herrn!“ 

Freude – so heißt der Grundton des Liedes. Den Kindern im Züricher Waisenhaus ist das „frohe Lob“ gewiss nicht immer leicht gefallen. Auch mir bleibt die Freude manchmal förmlich im Hals stecken. Wenn ich an Gott zweifle oder an mir selbst, dann will mir kein freudiges Lob über die Lippen kommen, sondern eher ein Klagelied. In vielen Situationen aber kann Musik mich ermutigen oder trösten. Nicht nur beim Hören, sondern vor allem dann, wenn ich Musik mache. Besonders beim Singen erlebe ich glückliche Momente, wenn nicht nur der Mund singt, sondern irgendwie alles in mir. Und dazu fordert unser Lied auf, wenn es heißt: „Vom Preise voll lass unser Herz dir singen“.                                                                          

"Vom Preise voll lass unser Herz dir singen!

Das Loblied soll zu deinem Throne dringen:

Lobt froh den Herrn, lobt froh den Herrn!“ 

Auch die Musik unseres Liedes kommt aus Zürich. Um das Jahr 1800 wirkt dort Hans Georg Nägeli. Er komponiert und dirigiert, leitet Chöre und hält Vorlesungen über Musik. Nägeli ist ein überaus talentierter Pädagoge. Mit seiner Melodie zu unserem Lied sollen Schweizer Schulkinder das Singen lernen. Im schwungvollen Dreivierteltakt und sogar zweistimmig, wie wir es jetzt am Klavier angedeutet hören. 

Hans Georg Nägelis zweistimmige Version des Liedes aus der „Gesangbildungslehre nach Pestalozzischen Grundsätzen“ 

Im Singen können wir uns gegenseitig beschenken. Und wenn ich in das Lob der „jugendlichen Chöre“ einstimme, spielt es kaum eine Rolle, wie alt ich nach Jahren bin. In der letzten Strophe gelingt den beiden Autoren aus Zürich dann noch eine wunderbare Steigerung. Wenn wir ein kleines Lied singen, dann hoffen wir schon auf die „tausend Weisen“ der himmlischen Musik – ein klangvolles Bild für das Glücklichsein bei Gott, dem Vater. Wenn etwas davon hier und heute schon erlebbar wird – in kostbaren Momenten der „Seligkeit“ – dann schenkt Musik uns das Schönste, was es geben kann. Mitten in der Zeit schlägt sie eine Brücke zur Ewigkeit. 

 „Einst kommt die Zeit, wo wir auf tausend Weisen,

–  o Seligkeit! – dich, unsern Vater, preisen

von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

 

Worte: Georg Gessner, Zürich 1794; Melodie: Hans Georg Nägeli, Zürich 1815

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Das Lied zum Sonntag ist heute kein klassisches Kirchenlied, sondern ein Song von Leonard Bernstein. Es stammt aus einer musical-artigen Messe. Bernstein war Pianist, hat dirigiert und komponiert – ein wahres Multitalent. Seine Botschaft heißt „Musik ist gar nicht so schwierig, wie du denkst“. Und mit diesem Song möchte er wohl sagen: Mach deinen Glauben an Gott nicht so kompliziert. Sing dem Höchsten ein schlichtes Lied, so wie früher die Psalmensänger: „Sing God a simple Song“. 

 

Musik 1                Sing God simple Song: Lauda, laude,

                            Make it up as you go along, Lauda, laude,

                            Sing like you like to sing.

                           God loves all simple things,

                           For God is the simplest of all. 

Übersetzt heißt das: „Gott liebt alle einfachen Dinge, denn er selber ist ganz einfach, einfacher als alles andere“. Stimmt das eigentlich: „God is the simplest of all“? Ich weiß es nicht. Als Theologe denke ich über Gott nach. Und manchmal verstricke ich mich regelrecht im Gewirr meines Denkens. Wie in einer höchst komplexen Musik, die mich überfordert, weil ich gar keine Melodie mehr höre. Auch solche Musik hat Bernstein in seiner musical-artigen „Messe für Sänger, Spieler und Tänzer“ komponiert: wirr, komplex und kompliziert: 

Musik 2                  L. Bernstein: „Kyrie“ aus „Mass“   

Mir gefällt auch diese Musik! Ich habe großen Respekt vor jedem, der so etwas singen und spielen oder sogar erschaffen kann. Manchmal denke und – schlimmer noch – manchmal glaube ich so, wie diese Musik klingt: kompliziert. Gott ist vielleicht ganz einfach. Aber auf meinen Wegen, ihn zu suchen, gibt es oft Umwege, Sackgassen und Irrwege. Und dann sehne ich mich nach einem einfachen Lied, wie es Leonard Bernstein gelungen ist. 

Musik 3                  L. Bernstein: A Simple Song: “Blessed is the man …”  

Blessed is the man who loves the Lord,

Blessed is the man who praises Him

Lauda, lauda, laude

And walks in His ways. 

Übersetzt heißt es im Text: „Glücklich, ja selig ist, wer Gott liebt und auf seinen Wegen geht; Lauda, lauda, laude …“ – Ein einziges Wort wird immerzu wiederholt: 

Musik 4                  „Lauda, lauda, laude …“               

… fast lallend, wie aus Kindermund, klingt dieses Lob Gottes. Eine Stimme fängt an, und die anderen können es kaum erwarten, bis auch sie dran sind und ein großer Klang entsteht: viele Stimmen, die den einen Gott loben. Wie eine Himmelsmusik, die gar nicht mehr aufhören will: 

Musik 5                  L. „Secret Songs“ aus „Mass“:

Kanon „Lauda, lauda, laude …“        

Aus dem einfachen musikalischen Thema entsteht ein mächtiger Klang. Leicht und zugleich kraftvoll. So leicht wie in dieser Musik geht es meistens nicht zu in meinem Leben. Gerade ärgere ich mich über die vielen Fehler, die noch zu korrigieren sind im Buch, das ich gerade schreibe. Die Einfachheit ist gar nicht so einfach, im Leben nicht und auch im Glauben. Aber Leonard Bernsteins „simple Song“ bringt mich der Einfachheit vielleicht wieder einen Schritt näher. Jeden Tag – „all of my days …“ – „… sing God a simple song“, spielt am Ende nochmals die Flöte, damit ich es ja nicht vergesse. 

Musik 6                  Leonard Bernstein: „Sing God a simple Song all of my days …“ 

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(GL Eigenteil Freiburg-Rottenburg 803 mit leichten Abweichungen)

Musik 1: W. A. Mozart: Vorspiel zur Arie „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus der
Oper „Die Zauberflöte“ (Takt 1–8)

Diese Musik stammt aus Mozarts „Zauberföte“, und sie hat Ohrwurm-Qualitäten. Sie heißt: „Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich“. Diese Melodie stand Pate beim Lied zum heutigen Sonntag. Es heißt „Wir singen jubelnd, dass er lebt“. Vor gut 200 Jahren ist es in Konstanz entstanden. Der Autor ist Ignaz Heinrich von Wessenberg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts managt er das große Bistum Konstanz als Generalvikar. Er ist aufgeklärt und fromm zugleich und liebt die schönen Dinge des Lebens. Und auf der Suche nach eingängigen Melodien für neue Kirchenlieder kommt ihm Mozarts Papageno-Arie gerade recht.

Musik 2  Arie „Ein Mädchen oder Weibchen“ (Zauberflöte, Takt 9–20)

Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich!

O so ein sanftes Täubchen wär Seligkeit für mich!

Ich stelle mir den Konstanzer Kirchenmann Wessenberg vor, wie er an diesem Osterlied tüftelt und feilt. Vor ihm die Arie aus der „Zauberflöte“: „Ja“, denkt er, „das wäre doch fein, wenn Mozart einen Platz in unserem Gesangbuch bekommen würde. Vielleicht würden die Menschen in meinem Bistum dann auch endlich besser mitsingen.“ Wessenberg setzt seine Pläne um. Er vereinfacht die Melodie, und das neue Osterlied ist vollendet.

Musik 3 : Osterlied „Wir singen jubelnd, dass er lebt“ (Strophe 1) 

Wir singen jubelnd, dass er lebt und auferstanden ist,

dass er in unsrer Mitte schwebt und ewig bei uns ist.

Werfen wir noch einen zweiten Blick in die Konstanzer Lied-Werkstatt. Auf dem Schreibtisch von Wessenberg liegen – neben Mozarts Zauberflöten-Arie – vielleicht auch die jüngst erschienenen „Geistlichen Lieder“ des Dichters Novalis. Dieser Romantiker wird zum zweiten Paten unseres Osterliedes. Eines seiner Gedichte beginnt so: „Ich sag es jedem, dass er lebt und auferstanden ist.“ Wessenberg macht aus dem romantischen „Ich“ einfach ein kirchliches „Wir“: „Wir singen jubelnd, dass er lebt“. Die zweite Strophe bekräftigt dann, dass wirklich alles in österliches Licht getaucht ist. Sogar das Leid ist verbannt, in die Tiefen des Meeres.

Musik 4 : Vorspiel und Osterlied „Wir singen jubelnd, dass er lebt“ (Strophe 2)

Hinunter in das tiefe Meer versank des Todes Graun,

und jeder, wenn er tot auch wär, wird seinen Heiland schaun.

Am Ende gibt das Lied für einen Moment den bitteren Erfahrungen Raum. Verlassen zu sein ist eine solche Erfahrung. Jesus hat das am Karfreitag erlebt. Heute will er bei uns sein, selbst „wenn alles uns verlässt“.

Musik 5 : kurzes Zwischenspiel

Das letzte Wort unseres Liedes ist merkwürdig. Es heißt „Weltverjüngungsfest“. Im Licht der Auferstehung scheint die Welt jünger geworden, wieder näher an ihrem guten Ursprung. Aber wie soll die Welt – oder womöglich ich selbst – denn jünger werden, anstatt älter? Mir gelingt das, wenn der alte Trott in den Hintergrund rückt und ich Neues zulassen kann. Dann kann Vertrauen wachsen und die Angst weichen. Oder der Funke springt einfach über, so wie vor 200 Jahren, als dem Konstanzer Generalvikar Ignaz Heinrich von Wessenberg in einer inspirierten Stunde aus Mozart und Novalis dieser österliche Ohrwurm vom „Weltverjüngungsfest“ gelungen ist.

Musik 6 : Vorspiel und Osterlied „Wir singen jubelnd, dass er lebt“ (Strophe 4)

Er lebt und wird auch bei uns sein, wenn alles uns verlässt,
und so wird dieser Tag uns sein ein Weltverjüngungsfest.

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(EG 4, GL 227 mit anderer Textfassung: „Komm, du Heiland aller Welt“)

 J. S. Bach: Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ (BWV 61,1),  Beginn der Ouvertüre mit Strophe 1 „Nun komm, der Heiden Heiland“

Eine schwungvolle Ouvertüre für einen feierlichen Einzug hat Johann Sebastian Bach hier komponiert. Zugleich ist es eine Adventsmusik, denn im Text heißt es, Christus soll kommen. Als „Heiland“ will er das Heil zu allen Völkern bringen. Der Begriff „Heiden“ klingt heute etwas sperrig. Damals war einfach fast die ganze Welt damit gemeint, nämlich alle Nationen. „Nun komm, der Heiden Heiland“ ist heute unser Lied zum Sonntag. Es ist das älteste Lied für die Adventszeit – kurz vor dem Jahr 400 nach Christus hat der Kirchenvater Ambrosius diesen Hymnus in Mailand verfasst. Und vor fast 500 Jahren hat dann Martin Luther die lateinischen Strophen ins Deutsche übersetzt.

Choral „Nun komm, der Heiden Heiland“, Strophe 1
(Miriam Feuersinger, Sopran – Satz von Lukas Osiander)                   

Nun komm, der Heiden Heiland,

der Jungfrauen Kind erkannt;

dass sich wunder alle Welt,

Gott solch Geburt ihm bestellt.

„Nun, komm!“ – heißt es, und das fordert fast drängend auf. Aber es fordert auch auf zu staunen, denn gleich in der ersten Strophe heißt es: „Des sich wundert alle Welt“. Ich darf mich wundern darüber, dass Gott Mensch wird, dass er verwundbar und solidarisch wird. Er bleibt nicht ganz oben und weit weg. In seinem Sohn teilt er das Schicksal der Ärmsten – von der Krippe bis zum Kreuz. Und darüber soll die ganze Welt staunen. Advent ist ja nicht nur Besinnung und Zur-Ruhe-Kommen. Wenn sich Wunderbares ankündigt, dann darf wohl auch etwas Aufregung mit im Spiel sein. Johann Sebastian Bach lässt bei den Worten „des sich wundert alle Welt“ sogar die Melodie des Liedes außer Acht, damit die Stimmen umso fröhlicher durcheinander rufen:

J. S. Bach: Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ (BWV 61,1),
„… des sich wundert alle Welt“

Die ganze Welt scheint aufgeregt zu diskutieren: Wie kann das sein? Warum steigt der Höchste in die Niedrigkeit hinab? Die Antwort unseres Liedes heißt: Gott will alle und alles befreien. Deshalb kommt sein Sohn zur Welt. In ihm sagt Gott unwiderruflich „Ja“ zu Welt und Mensch. Doch wie können wir darauf antworten? Das Lied macht dafür zwei Vorschläge. Es bittet darum, dass Jesu ankommt; deshalb der geradezu lockende Ruf „Komm!“. Die zweite Antwort ist ein freudiges Staunen über diese Geburt. Johann Sebastian Bach aber fügt noch – als drittes Moment – das Majestätische hinzu. Damit sagt er: Ja, es ist ein König, dem diese Geburt im ärmlichen Stall von Betlehem zugemutet wird: „… des sich wundert alle Welt, Gott solch Geburt ihm bestellt“.

J. S. Bach: Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ (BWV 61,1)
Schluss der Ouvertüre – „… Gott solch Geburt ihm bestellt“

                          

 

 

 

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Worte von Cornelius Becker (1602) Melodie und Satz von Heinrich Schütz (Becker-Psalter)

Orchester stimmt ein

Wenn ein Orchester sich einstimmt, steigt die Erwartung auf die ersten Klänge des Konzerts. Gespräche verstummen und die Ohren richten sich auf das, was gleich kommt. Alle Musiker – Streicher und Bläser, Schlagzeug und vielleicht noch ein Chor – konzentrieren sich auf die Partitur, die sie gemeinsam zum Klingen bringen.

Das Lied zum heutigen Sonntag ist eine ganz alte biblische Partitur. Es ist der 150. Psalm. Seine Verse sind etwa zweieinhalbtausend Jahre alt. Sie rufen ein ganzes Orchester herbei, damit es aufspielt im Volk Israel. Dieser Psalm kennt nur ein einziges Thema, nämlich Gott mit vielen Stimmen zu loben. Die erste Strophe heißt: „Lobt Gott in seinem Heiligtum, gebet dem Herren Ehr und Ruhm, und preiset seine große Pracht wohl in der Feste seiner Macht.“

 

Strophe 1

 „Lobt Gott in seinem Heiligtum, / gebet dem Herren Ehr und Ruhm,

und preiset seine große Pracht / wohl in der Feste seiner Macht.“ 

Was mich an diesem Lied fasziniert, ist der Impuls, dass alles anfangen soll zu klingen: mit Posaunen und Harfen, Gesang und Pauken, Saiteninstrumenten und mit fröhlichem Pfeifen. Der Leipziger Theologe Cornelius Becker hat die biblischen Psalmverse um das Jahr 1600 in deutsche Reime gebracht. Bald darauf hat der Dresdner Hofkapellmeister Heinrich Schütz den Liedtext vertont. Und dabei kommt ihm eine gute Idee. Er komponiert die Strophen nicht als feierlichen Choral, sondern als schwungvollen Tanz. 

Strophen 3 und 4

Lobet den Herrn mit frohem Mut / und blaset die Posaunen gut,
mit Psalter und mit Harfenspiel / lobt ihn und macht der Freuden viel.

Lobet den Herren mit Gesang / und lasst hergehn der Pauken Klang,
die Saiten lieblich klingen drein / mit Pfeifen fröhlich in den Reig’n. 

Der 150. Psalm will uns einstimmen. Wer ihn singt, übt schon für das ewige Gotteslob, das im Himmel erklingt: mit Gesang, dem Spiel vieler Instrumente und mit Tanz. Im Himmel gibt es kein Leid mehr – und auch keine falschen Töne! Alle singen und spielen ihre Stimme in der großen Partitur des Lebens. Das Stück heißt: Gott sagt „Ja“ zu Mensch und Welt, und wir danken dafür. Wer aber dankt genau? Dafür kennt die Bibel eine wunderbare Formulierung. Sie heißt: „Alles, was Odem hat!“ 

Alles was Odem hat, lobe den Herrn (Responsorium). Halleluja! 

Ganz am Ende des Liedes mündet der Dank in ein jubelndes und vielstimmiges „Halleluja“. Soll damit das Leid weggesungen werden? Nein, das nicht. Aber das Halleluja ist eine Gegenstimme zu allem irdischen Klagen. Nicht nur in frohen, sondern auch in dunklen Zeiten, in Kriegen und nach Katastrophen, haben Christen und Juden das Halleluja angestimmt: um sich daran zu erinnern, was Gott verheißen hat und um gegen diejenigen zu protestieren, die mit Kriegsgeschrei das Halleluja übertönen wollen. Jedes Mal, wenn wir hier auf Erden das Halleluja singen, kann uns das einstimmen auf jenes Lob, das die Zeit sprengt und das kein Ende kennt.

Halleluja, Halleluja, Halleluja!

 

 

 

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"Zu Martin Luthers Zeiten" Text: Ute Passarge 2015 / Musik: Jochen Arnold 2015

Martin Luther liebte die Musik. Es hat ihn getröstet, wenn er singen und musizieren konnte. Und er wollte, dass die biblische Botschaft zum Klingen kommt und so immer neu lebendig wird. Das Lied zum Sonntag heute ist ein klingendes Luther-Portät. Die Musik stammt von dem Kirchenmusiker und Theologen Jochen Arnold. Den Text hat die Journalistin Ute Passarge verfasst. Und als Refrain wählt sie ein ganz berühmtes Wort des Reformators. 

Intro und Refrain: „Hier stehe ich,ich kann nicht anders, Gott helfe mir …“  

Man hört es an den jazzigen Harmonien. Das ist kein altes Lied von Martin Luther. Aber es beschreibt ihn. Es steht im Liederbuch „freiTöne“, das extra zum Reformationssommer und zum Evangelischen Kirchentag erschienen ist. Heute ist der Festgottesdienst des Kirchentags in der Lutherstadt Wittenberg. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir.“ Auf dem Reichstag zu Worms soll Luther seine Verteidigungsrede so oder so ähnlich bekräftigt haben. Aus seinen Worten spricht ein freier und mutiger Mensch. Einer, der das Gewissen an die oberste Stelle setzt und kein Blatt vor den Mund nimmt. Selbst dann nicht, wenn es gefährlich wird.    

Strophe 1: „Zu Martin Luthers Zeiten,da hieß es manches Mal, die Kirche sei verkommen, und gierig, ein Skandal! Doch wurde es gefährlich, hielt man sich lieber raus. Du, Martin, standest aufrecht, und sprachst es offen aus: Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen. 

Ich selbst bin katholisch. Doch auch mir sagt Martin Luther, dass das Gewissen eine unbedingte Instanz ist. Auch die Kirche als Gemeinschaft muss es aushalten, dass jeder Einzelne zuletzt seinem Gewissen folgen muss. Das Zweite Vatikanische Konzil sagt dazu: „Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme hier in seinem Innersten zu hören ist.“ Luthers Bekenntnis „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ klingt zunächst trotzig. Dann aber mündet es ins Gebet „Gott helfe mir“. Und genau an dieser Stelle gewinnt die Musik eine große Weite. Neue Harmonien öffnen sich. Und die Pause danach zeigt an, dass es nicht um Leistung, sondern um ein Empfangen geht. 

„Amen“ und Nachspiel 

Diese in den Grundton führende Melodie zum letzten Wort „Amen“ hätte auch Luther bestimmt gefallen. Denn: Wer „Amen“ sagt, der sagt „Ja“ zu Gott, der vertraut auf Gott und der hofft auf Gott. „Amen“ ist zugleich ein hoffnungsvolles Wort. Leider wurden damals in Worms, „Zu Martin Luthers Zeiten“, alle Hoffnungen auf eine Einigung in den strittigen Glaubensfragen enttäuscht. 500 Jahre danach aber sollte es genug sein mit der Spaltung der Christen in Konfessionen. Vielleicht könnten die Kirchen sich sogar ein Beispiel nehmen an ihrer Musik. Denn hier ist schon viel Gemeinsamkeit – eine Harmonie, die Spannungen aushält, sie sogar braucht. Wenn das in einer versöhnten Kirche gelingt, dann dürfen, nein dann müssen wir ein großes „Amen“ anstimmen. 

Nachspiel Klavier

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=24194

(GL Freiburg-Rottenburg 831)

 Musik 1: Klavier-Intro 

Das Lied zum Sonntag stammt heute aus einem jüdischen Buch. Es liegt vor mir, und manchmal vergesse ich, dass man es anders herum aufschlagen muss als die Zeitung und die meisten unserer Bücher. Sein Inhalt sind Gebete und Gesänge für den wichtigsten Abend im jüdischen Leben: das Festmahl an Pessach zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Gegen Ende, nach vielen Lobgesängen, steht da ein merkwürdiges Gebet im Konjunktiv: „Wäre unser Mund voller Gesang, so voll wie das Meer, und wäre unsere Zunge voller Brausen, so wie Wellen des Meeres tosen, und wären unsere Lippen so breit, dass sogar der Himmel hineinpasste …“ – Ich finde: Das ist ein seltsame Vorstellung! Aber was wäre denn dann? Dann hätten wir vor lauter Gotteslob den Mund zu voll genommen, denn all das wäre, wie es im Gebet heißt „immer noch nicht genug, um dir zu danken, Ewiger, und um deinen Namen zu preisen.“                                                                                                              

Musik 2: Strophe 1

Wäre Gesanges voll unser Mund,

voll wie das Meer und sein Rauschen,

klänge der Jubel von Herzensgrund,

schön, dass die Engel selbst lauschen.

So reichte es nicht, dich, Gott, unsern Gott, recht zu loben … 

„… so reichte es nicht, dich, Gott, unsern Gott, zu loben“ – dieses Lied möchte davor warnen, den Mund beim Beten und beim Singen zu voll zu nehmen! Jede Religion soll ihren Gott loben und preisen. Jede soll für ihn argumentieren. Sogar der Streit um die religiösen Wahrheiten gehört dazu, wenn er mit Respekt geführt wird. Die vielen Gottesbilder sind sozusagen der „Grundton“ von Religion. Unser Lied hingegen besingt einen „Oberton“. Es sagt: Gott ist größer als all meine Bilder von ihm. Vieles trägt zu seinem Lob bei, auch  in diesem Lied: die glänzenden Augen, die Füße „leicht wie im Tanz“, die hilfsbereiten Hände und die singenden Kinder. Und doch gilt: „… so reichte es nicht“. Was Gott uns Gutes tut, können wir gar nicht mit eigenen Leistungen aufwiegen.                                                                                                 

Musik 3:  Strophe 4

Läge uns auch von Herzen daran,

all jene Male zu nennen,

da du uns so viel Gutes getan,

daran wir dich, Gott, erkennen.

So reichte es nicht, …                                          

Verfasst und komponiert wurde dieses Lied als eine Art „musikalisches Denkmal“:Vor 30 Jahren haben Bauarbeiter in Frankfurt am Main Reste des jüdischen Ghettos gefunden. Jahrhunderte lang mussten Juden in einer „Judengasse“ leben – ein schreckliches Zeichen religiöser Unterdrückung. Die Autoren unseres Liedes – der Theologe Eugen Eckert und der Komponist Alejandro Veciana – haben damals beschlossen, solcher Feindseligkeit eine Musik entgegenzusetzen – eine Musik, mit der Juden und Christen sich geschwisterlich begegnen können. Ihre Inspiration fanden sie in dem hebräischen Buch, das vor mir liegt. Mir sagen das Buch und das Lied: Halte einen Platz frei in deinem Leben für die unermessliche Größe Gottes. Raube ihm nicht sein Geheimnis und sperr ihn nicht in menschliche Rahmen ein. Auch im Wettstreit der Religionen muss das gelten! Und das Wichtigste vielleicht: Verlerne nicht zu staunen vor dem Höchsten.                                                                                                                    

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