Manuskripte

Der Journalist Heribert Prantl über ein ganz besonderes Gefühl: über den Zorn.

„Der Zorn ist eine positive Kraft. Man braucht Zorn, um (…) eine (…) bessere Welt zu schaffen – und möglichst damit bei sich selber anzufangen. Wenn der Zorn eine Leidenschaft ist, die aus dem Leiden wächst, aus der Trauer über erlittenes Unrecht... Dann reißt der Zorn (…) heraus aus der Depression; dann ist der Zorn das Gegenteil der verbreiteten Kann-man-eben-nichts-machen-Haltung. 

Zorn ist der Anfang für eine bessere Welt (…). Denn wer zornig ist, hat den naiven Glauben schon verloren, dass etwas „alternativlos“ sei, wie es die Politik so oft sagt; und das ist das Entscheidende.”

Quelle: online unter: http://denk-doch-mal.de/wp/heribert-prantl-zorn-ist-der-anfang-fuer-eine-bessere-welt/ (Stand: 19.2.2019)

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Der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs darüber, wie wichtig es ist, die richtige Arbeit zu finden.

„Deine Arbeit wird einen großen Teil deines Lebens einnehmen und die einzige Möglichkeit, wirklich zufrieden zu sein ist, dass du glaubst, dass du großartige Arbeit leistest. Und der einzige Weg großartige Arbeit leisten zu können, ist zu lieben, was du tust. Wenn du das noch nicht gefunden hast, dann halte die Augen offen. Mit deinem ganzen Herzen wirst du wissen, wenn du es endlich gefunden hast. Wie jede Beziehung wird sie mit den Jahren immer besser werden. Also halte danach Ausschau, bis du es findest. Gib dich nicht mit weniger zufrieden.”

Quelle: online unter: https://www.lomography.de/magazine/113918-die-10-inspirierensten-zitate-von-steve-jobs (Stand: 6.11.2018)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28328

Ursula von der Leyen spricht darüber, wie sie mit Hassmails umgeht. Sie sagt:

„Diese Zuschriften lassen mir den Atem stocken, das geht tief in die Magenkuhle rein. Ich habe aber gelernt, dass ich mich davor schütze und dem entziehe. (…) Ich weiß, dass der Schreiber Macht ausüben will, und sage mir, da hat jemand aber ein kleines, klebriges Ego. Dann geht es mir besser.“

 Quelle: Wochenzeitung DIE ZEIT Nr. 42, ZEIT-Verlag Hamburg, Ausgabe vom 11. Oktober 2018, S.11.

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Natalie ist 11 Jahre alt. Für eine Zeitungsumfrage hat sie verraten, was sie mit dem Wort „Liebe“ verbindet.

„In meinem Leben liebe ich am meisten meinen Vater, weil der immer für mich da ist. Er ist ein bisschen klein, ein bisschen dicker, und seine Haarfarbe ist so braun. (…) Aber er ist voll nett und witzig. Er kocht jeden Tag, wir gucken gern zusammen Filme, oder wir spielen Verstecken im Haus. Manchmal ist er auch wütend, wenn ich mein Zimmer nicht aufgeräumt habe.

Wenn ich meinen Vater treffe, nachdem ich ihm mal länger nicht gesehen habe, dann springt mein Herz richtig, weil ich mich so freue. Dann merke ich: Er ist mein Ein und Alles.“

 

Quelle:  Wochenzeitung Die ZEIT, ZEIT-Verlag Hamburg, Ausgabe Nr. 8 vom 14.2.2019, S. 77.

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Der Arzt und Komiker Eckart von Hirschhausen spricht in einem Interview darüber, wie es ihm mit dem Älterwerden geht. Er sagt:

„Ich habe die Angst vor dem Älterwerden verloren, als ich verstanden habe, es geht nicht um mich. Es geht um ein unsichtbares Band zu etwas, das über uns hinausweist. (Denn):

Das Leben ist wie eine Wunderkerze: Du kriegst einen Funken, und du hast eine bestimmte Menge Pulver. Wenn wir sprühen und unser Licht nicht unter den Scheffel stellen, können wir andere inspirieren.

Und wenn mein Feuer erlischt, tröstet mich die Hoffnung, dass diese Glut und das Feuer weitergehen.

 

 

Quelle: chrismon. Das evangelische Magazin, Ausgabe 3, 2019, Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH Frankfurt, S. 31

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Die Autorin Hanna Buiting hat einen Text mit dem Titel „Seelenfutter“ geschrieben:

Ich kann nicht entscheiden

was vor meinen Augen geschieht

welche Schreie und Parolen (…) meine Ohren hören

welchen Geruch nach Feuer und Verderben meine Nase atmet

welchen Wind und welches Wehen meine Haut spürt

Aber ich kann entscheiden

womit ich meine Seele füttere

wofür ich durchlässig bleibe

empfindsam

mitfühlend

was ich weitertrage

Liebe oder Hass

 

Quelle: Online unter https://www.hannabuiting.de/seelenfutter/ (Stand: 26.2.2019)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28304

 (GL 413)

Heute Morgen geht es im Lied zum Sonntag um ein großes Gefühl: um die Ehre. Franz Schubert hat es 1827 komponiert, im Rahmen seiner Deutschen Messe. Der Text stammt von Johann Philipp Neumann. Schuberts Messe war ein Meilenstein dafür, dass auch in der katholischen Messe endlich mehr Deutsch gesungen wurde und nicht nur Latein. Mit dem Lied von heute Morgen kommt viel Gefühl in den Gottesdienst.

 

  1. Chor a capella (Südfunk)

             „Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe!“ singet der Himmlischen selige Schar.

             „Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe!“ stammeln auch wir, die die Erde gebar.   

             Staunen nur kann ich und staunend mich freun,

             Vater der Welten, doch stimm ich mit ein:

             „Ehre sei Gott in der Höhe!“         

Wenn ich das Lied höre, dann drängt sich mir das Wort „Ehre“ auf. Aber was bedeutet „Ehre“ eigentlich? Ich muss an eine Beerdigung denken, bei der ich vor kurzem war. Da ist ein alter Feuerwehrmann aus unserem Dorf gestorben und vier seiner Kameraden standen während der ganzen Feier neben seinem Sarg. Sie haben ihm die letzte Ehre erwiesen. Mir hat gefallen wie die vier Feuerwehrleute dastanden. Wie sie ihren toten Freund bei seiner Beerdigung nicht allein gelassen haben. Und mir hat auch gefallen, wie der Kommandant in seiner Rede über den Toten gesprochen hat. Dass es eine große Ehre war, den Kameraden im Verein zu haben. Und dass der Verstorbene das selbst auch so empfunden hat. Und dann sagt der Redner am Schluss eben auch diesen einen Satz: „Wir erweisen ihm heute die letzte Ehre.“

Das klingt feierlich. Vielleicht weil es den, der da gerade „Ehre“ erfährt, irgendwie größer werden lässt. Für mich hat das viel mit Achtung und Respekt vor dem Menschen zu tun, wenn jemand so geehrt wird.

Im Lied von heute Morgen wird Gott geehrt. Wenn ich Gott ehre, dann sage ich damit: Gott, du bist mir wichtig. Ich sehe dich. Ich verstehe dich als Schöpfer und lasse dich groß sein. Ich kann nur noch darüber staunen, wie ich dich in meinem Leben erfahre.

In der zweiten Strophe von unserem Lied wird die Ehre der Schöpfung in den Mund gelegt. Nicht nur ein einzelner Mensch, sondern die ganze Schöpfung singt: Gott, du bist wichtig und du bist unendlich groß. Im Liedtext heißt es so:

„Ehre sei Gott in der Höhe!“, kündet der Sterne strahlendes Heer.

„Ehre sei Gott in der Höhe!“ säuseln die Lüfte, brauset das Meer.

Feiernder Wesen unendlicher Chor jubelt im ewigen Danklied empor.“

 

                      2) Chor a capella (Südfunk)

                      „Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe!“,

                      kündet der Sterne strahlendes Heer.

                     „Ehre, Ehre sei Gott in der Höhe!“

                     säuseln die Lüfte, brauset das Meer.

                    Feiernder Wesen unendlicher Chor

                    jubelt im ewigen Danklied empor.

                   „Ehre sei Gott in der Höhe!“

 

Wenn ich Gott ehre, dann spornt mich das auch dazu an, die Menschen um mich herum zu ehren. Denn im Lied wird Gott der „Vater der Welten“ genannt und die Menschen sind die, „die die Erde gebar“. Sie sind die Erdenkinder.

Ehre tut jedem gut. Ich kann zum Beispiel jemanden ehren, wenn ich ihn so richtig lobe. Und ich selbst empfinde es zum Beispiel als besondere Ehre, wenn mich jemand mit etwas Schönem überrascht. Dann merke ich: Ich bin wichtig und ich werde gesehen.

Jedem Erdenkind steht Ehre zu, weil auch der Vater der Welten geehrt wird. Und weil wir als seine Geschöpfe so eine enge Beziehung zu Gott als Schöpfer haben, ist jeder einzelne Mensch es wert, geehrt zu werden.

        

3) Chor Bayrischer Rundfunk mit Bläsernachspiel

Ehre sei Gott in der Höhe.

Bläsernachspiel

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Es ist Wochenmarkt in Offenburg. Samstagmorgens ist da immer viel los. Also lasse ich mich mit der Menge mit-schieben. Neben mir die Stände mit Obst und Gemüse. Da fällt mir eine seltsame Prozession auf. Bestimmt sechzig, siebzig Leute: alle schwarz angezogen und manche haben sich den Mund mit Paketband zugeklebt. Sie laufen im Gänsemarsch hintereinander her und sprechen kein Wort. Wer da alles mitmacht: junge Frauen mit Kinderwägen, Senioren, Jugendliche. Die Gruppe ist bunt gemischt. Ich bin von ihnen fasziniert, obwohl sie ja gar nicht viel machen. Sie laufen nur und schweigen. Kurz bevor die Schlange an mir vorbeigezogen ist, drückt mir noch jemand einen Info-Flyer in die Hand. „Walk for freedom“ steht darauf. – „Marsch für die Freiheit“. Als ich den Text kurz überfliege wird mir klar: die Leute in Schwarz demonstrieren gegen Sklaverei.

Als ich weiterlese muss ich schlucken. Es ist furchtbar, was da draufsteht: weltweit gibt es Millionen von Sklaven: Arbeitssklaven, Sex-Sklaven, Kinder-Sklaven. Das weiß ich ja eigentlich. Aber was ich noch nicht wusste: kaum einer der Sklaven wird je befreit. Und kaum ein Menschenhändler kommt je vor Gericht.

Das ist harte Kost für den Samstagmorgen auf dem Wochenmarkt. Aber das soll es wahrscheinlich auch sein. Nur wenn Menschen von einem Problem berührt werden, engagieren sie sich auch. In diesem Fall gibt es verschiedene Möglichkeiten: ich kann möglichst viele auf die Aktion aufmerksam machen. Ich kann die Organisation auch mit Geld unterstützen. Oder einfach mitlaufen beim nächsten „Walk for freedom“.

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„Ich muss nur nochmal schnell eine Mail schreiben.“ So was in der Art, sage ich oft. So ein Satz mit „nur nochmal schnell“. Auch ein Klassiker von mir: „Ich geh nur mal noch schnell zum Müll runter.“ Oder „Jetzt hört mal ganz kurz zu.“ Ich habe gemerkt, dass dieses „mal schnell“ oder „mal kurz“ mich hetzt. Ich lege Tempo rein, in das, was ich gerade mache, obwohl das gar nicht sein muss.

Jetzt habe ich irgendwo gelernt, dass es „schnelle Wörter“ und „langsame Wörter“ gibt. Und dass es etwas ausmacht, welche Wörter ich benutze. Wenn ich die „schnellen Wörter“ verwende, dann verhalte ich mich auch schnell. „Schnelle Wörter“ sind zum Beispiel: „nur noch eben“ oder „nur ganz kurz“, „sofort“ oder „nur ein ganz kleiner Moment“. Die schnellen Wörter machen nicht nur mich selber hektisch, sondern auch die Leute um mich herum.

„Langsame Wörter“ kenne ich auch. „In aller Ruhe“ zum Beispiel. Oder „nach und nach“. Vielleicht sollte ich den schnellen Wörtern einfach mal die langsamen entgegensetzen. Dann würde das heißen: „Jetzt geh ich noch in aller Ruhe den Müll runterbringen.“ Das wirkt gemächlicher auf meine Umwelt und es ent-stresst auch mich. Ich kann dann das, was ich gerade tue richtig machen, mich darauf konzentrieren und nicht mit den Gedanken schon wieder weiter sein. Auf lange Sicht gesehen, ist es viel sinnvoller langsam zu machen. Das ist gesünder und nicht so anstrengend wie das dauernde „schnell, schnell“. Wenn ich langsam mache, fällt viel Druck von mir ab und ich kann durchatmen. Und das ist das gut für mich und für die Leute um mich herum.

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Ein kleiner grüner Gnom mit Straßenkreide auf den Asphalt gemalt. Das Figürchen sieht lustig aus, so als ob es gerade aus einem Kinderbuch gesprungen ist. Besonders witzig sind die Haare. Die sind nicht gemalt, sondern echt. Der Haarschopf ist ein Unkrautbüschel, der sich genau an der richtigen Stelle durch den Asphalt drückt.

Der Straßenkünstler David Zinn hat die kleine Figur gemalt. Er lebt in einer amerikanischen Kleinstadt in Michigan. Mit seinen Bildern aus Straßenkreide will David Zinn seine Stadt verschönern, vor allem in den grauen und besonders hässlichen Ecken. Und er will die Leute mit seinen Motiven überraschen und sie zum Lächeln bringen. Das Besondere bei David Zinn ist: er bezieht immer das, was er am Straßenrand vorfindet, in seine Bilder mit ein: unter einem losen Pflasterstein lässt er zum Beispiel einen kleinen Drachen hervorschauen und einen hässlichen Gulli-Deckel funktioniert er zu einem Grillrost um, auf dem die Würstchen braten.

Ich finde es genial, was der Straßenkünstler macht: er nimmt das, was da ist und macht was draus. Und wenn es erstmal noch so schäbig aussieht. David Zinn malt einfach seine bunten, gutgelaunten Figürchen dazu.

Dass man es schafft an den unansehnlichen und grauen Stellen, ein bisschen Farbe und Humor reinzubringen, das ist gar nicht so einfach. Nicht nur in der Straßenkunst. Aber ich kenne Leute, die können das. Meine Tante ist so ein Typ. Als ihr Mann gestorben ist und es immer wieder Tränen gegeben hat, hat sie seine Witze und Sprüche nacherzählt. Das hat die Trauer ein bisschen leichter gemacht. Und mir fällt auch mein Physiklehrer ein. Das Fach Physik war für mich grauenhaft, aber die gute Laune von meinem Lehrer, die hat mich die blöden Unterrichtsstunden irgendwie leichter ertragen lassen.

Genial, wenn das jemand schafft: dass es in den grauen und tristen Situationen, irgendwie leichter und fröhlicher wird. Für mich ist so jemand auf jeden Fall ein Künstler.

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