Manuskripte

Der Kirche ein Gesicht geben. Kirche gemeinsam gestalten.

In den katholischen Gemeinden werden in diesen Wochen Frauen und Männer gesucht, die in den Gremien der Pfarrei mitarbeiten möchten, die ihrer Kirche vor Ort ein Gesicht geben. So steht es auf dem Werbeplakat.

Freizeit, Kraft und Nerven kostet das. Wie jedes andere Ehrenamt auch. Und dann auch noch für die Kirche. Wer will da noch mitmachen?

Zu viel ist da schief gelaufen in den letzten Jahren, zu wenig von der Frohen Botschaft rüber gekommen.

„Da müsste erst mal einiges anders laufen“, bekomme ich oft zu hören.

Dass einiges anders läuft, das wünsche ich mir auch. Und ich weiß, viele mit mir.

Interessant finde ich, was Mutter Teresa, die Ordensfrau aus Kalkutta einmal dazu gesagt hat. Ein Reporter fragt sie: „Was muss sich eigentlich in der Kirche ändern?“ Ihre Antwort: „Sie und ich!“

Die Antwort überrascht. „Sie und ich, wir müssen uns ändern!“ Der Reporter hat wohl eher erwartet, dass sie die ganzen kritischen Themen aufzählt. Machtmissbrauch, die kirchliche Sexualmoral oder die Frage nach den Frauen in der Kirche. Aber Mutter Teresa denkt wohl: Warum mit dem Finger auf die anderen zeigen?

Wir müssen uns ändern! Ich denke, da ist was dran. Bei mir selber anfangen, mich einbringen auch und gerade mit den kritischen Fragen. Kreativ werden und nicht nachlassen, wenn es unbequem wird. Unrecht muss benannt werden. Riten, die hohl und leer sind, abgeschafft werden. Vertrauen, das verspielt wurde, neu aufgebaut werden.

Und genau dazu braucht es Frauen und Männer, die auch heute trotz allem Kirche mitgestalten, verändern. Die mutig auch heiße Themen anpacken.  Eben ihrer Kirche ein Gesicht geben. Gerne auch ein kritisches und unbequemes! Damit das Wesentliche bleibt: Gottes Botschaft der Liebe und Barmherzigkeit. Gottes Botschaft an Sie und mich.  

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Den Nachmittag hatte ich mir anders vorgestellt. Ich wollte meine Eltern im Westerwald besuchen. Kaffee und Kuchen. Dabei das ein oder andere regeln. 

Und dann das: Vollsperrung auf der A3 und ich mitten drin. Kein vor und kein zurück. Nichts geht mehr. Ich bin nun vollkommen ausgebremst.

Ich ärgere mich. Denn eins ist klar: So schnell komme ich hier nicht weiter. Der schöne freie Nachmittag dahin. Mit dem Handy kläre ich, was zu klären ist und dann heißt es: Warten. Akzeptieren, was nicht zu ändern ist und die Dinge geschehen lassen.

Und dann gehe ich ein wenig auf der Autobahn spazieren. Da ist der Vordermann, der die Vollsperrung zur Mittagszeit für ein Nickerchen nutzt. Die junge Frau, mit einem dicken Buch in der Hand, die an der Leitplanke im Schatten sitzt und die nächsten Kapitel verschlingt. Und der nette polnische LKW - Fahrer, der eigentlich gar nicht versteht, was ich sage und doch ahnt, worum ich ihn bitte: Etwas Wasser, damit in der brütenden Hitze mein Kreislauf nicht schlapp macht.

Ja, was zählt, wenn ich im Leben ausgebremst werde. Wenn nichts mehr geht, so wie ich es mir vorgenommen habe.

An diesem Nachmittag lerne ich das ganz neu und ganz konkret mitten auf der Autobahn:

Pause machen und Kraft sammeln, wie der Mann, der ein wenig schläft.

Tun, was trotz allem noch geht. Wenn auch anders als gewohnt. Wie die Frau mit dem Buch im Schatten auf der Autobahn. 

Und vor allem: Sagen, was ich brauche und annehmen, was mir gegeben wird. Und sei es nur ein Schluck Wasser.

So eine Vollsperrung ist nichts Schönes. Zumal sie oft einen schrecklichen Grund hat. Und doch: An diesem Nachmittag lerne ich neu, was zählt und hilft, wenn das Leben mir einen Strich durch die Rechnung macht:

Akzeptieren, was ist und tun, was dennoch geht!

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Alles muss raus.

Dieser Satz ist in meiner Familie in diesem Sommer häufiger gefallen. Das Elternhaus meines Mannes ist nicht mehr bewohnt und muss nun geräumt werden. Was für eine Aufgabe!

Kisten voll Wäsche, Geschirr, Bücher, Akten und vieles mehr. Was da alles zum Vorschein kommt: Das ein oder andere Spielzeug aus Kindertagen, Briefe der Enkel, Mitbringsel aus einem Urlaub, Fotos. So viele Fotos. Das Haus erzählt aus dem Leben der Familie. Wie hier gelebt und gearbeitet wurde, was wichtig und kostbar war, wem sich alle verbunden gefühlt haben.

Ein Haus räumen. Das kann man professionell machen lassen. Entrümpelungsfirmen machen das für einen. Das geht schnell. Da wird nach Material sortiert und entsorgt. Geschaut, was noch irgendwie verhökert werden kann. Ohne große Emotionen. Klare Sache. Aber nicht mein Fall.

Ein Haus räumen. Für mich geht das nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. Und jede Menge Respekt.

Manchmal frage ich mich: Darf ich das überhaupt anschauen? Ein Arbeitszeugnis aus alten Tagen. Ein Brief von fernen Verwandten. Und was tun, mit den Dingen, die einem schlichtweg nicht gefallen? Der einst liebevoll geknüpfte Teppich, das gute Sonntagsgeschirr, das Bild aus dem Wohnzimmer. Dinge, die mal lieb und teuer waren, aber heute niemand mehr haben will.

Alles muss raus. Manches landet auf der Deponie. Das geht nicht anders. Manches bei der Caritas. Manches in einem anderen Keller, oder an einer neuen Wand. Und das ein oder andere in der Studentenbude der Enkel.

Ein Haus räumen. Das heißt: Erinnern und weiter Abschied nehmen. Und heißt vor allem: Loslassen!

Mir hilft dabei, dass das Wichtigste bleibt: Nämlich all das, was in diesem Haus erlebt wurde. Wie miteinander gesprochen und gestritten, gefeiert und gearbeitet wurde. Wie hier gelebt und letztlich gestorben wurde. Es bleibt, was alle, die in diesem Haus groß und alt geworden sind, verbunden hat: Das Leben, das miteinander geteilt wurde.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29384

In diesem Sommer ist meine Nachbarin gestorben. Mit 96 Jahren. Ein reiches, intensives Leben hat sie gehabt. Nicht immer einfach, und doch habe ich sie kaum jammern hören.

Bei Besuchen hat sie mir aus ihrem Leben erzählt und besonders gerne die ein oder andere Geschichte aus unserer Straße. Wer da was nicht wollte, wer mit wem Streit oder auch eine Liebschaft hatte.

Erzählen. Das konnte sie. Die Augen waren zuletzt ganz schwach. Und das Hören ging auch nicht mehr so gut. So blieb das Erzählen. Ich habe ihr immer sehr gerne zugehört.

Und dann ist sie gestorben. Ihre Nichte war bei ihr und so ist es ihre Nichte, die mir erzählt, wie sie gestorben ist. Das Besondere: Meine Nachbarin konnte schon mehrere Jahre ihre Wohnung höchstens mit sehr viel Hilfe verlassen. Und in der Nacht vor ihrem Tod, steht sie auf und geht ganz alleine eine steile Treppe hinunter bis zur Haustür. Dort findet eine Pflegekraft sie, den Wohnungsschlüssel in der Hand. Keiner konnte sich vorstellen, wie sie das so ganz alleine geschafft hat.

Mich hat das sehr berührt. Ich stelle mir vor, wie meine Nachbarin spürt, dass ihr Leben bald zu Ende sein wird und sie bricht auf. In der Stille und Dunkelheit der Nacht werden Kräfte geweckt, die keiner vermutet. Sie überwindet eine Treppe; eine Grenze, die sie jahrelang an ihre Wohnung gefesselt hat. Sie will raus, bereit, das Vertraute zu verlassen. Vielleicht ahnt sie, dass etwas Neues auf sie wartet.

Als Christin glaube ich daran, dass im Tod eine Grenze überschritten wird. Dass Neues möglich wird, eine neue Lebendigkeit auf mich wartet. Dass mein Leben bei Gott neu geweckt wird. Die vielen Erfahrungen und Geschichten, die das Leben prägen und dem Menschsein Sinn geben, nehme ich mit. Und vielleicht werden sie dann einen ganz neuen, tieferen Sinn bekommen.

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Petrus sitzt mit seinen Freunden beisammen. Ziemlich ratlos und enttäuscht müssen sie gewesen sein. Wie sollen sie nur weitermachen?

Mit Jesus waren sie unterwegs, haben ihn begleitet, ihm zugehört, mit ihm gegessen und gefeiert. Sie sind bei ihm geblieben, auch als es schwierig wurde, sogar bei seinem Tod am Kreuz. Und sie haben erlebt, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist. Sie haben erfahren: Jesus ist auch weiterhin bei uns. Gott hat ihn auferweckt.

Und trotzdem wissen sie nicht, wie es weiter gehen soll. Wer soll ihnen diese Geschichte glauben? Ist das überhaupt zu glauben?

Werden sie als verrückt abgestempelt oder müssen sie jetzt auch um ihr Leben bangen?

So sitzen sie beisammen. Hinter verschlossenen Türen und Fenstern. Ohne Mut und Zutrauen. Ängstlich und kleingläubig.

Und dann, so erzählt die Bibel, war da dieses Pfingstfest:

„Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren… Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden (Apg 2,2.4).“

Pfingsten. Ein Fest, das alles durcheinander wirbelt. Ja, ein regelrechtes Wunder: Die Jünger lassen sich nicht mehr von ihrer Trauer und Mutlosigkeit niederdrücken und einengen. Sie reißen Türen und Fenster auf und brechen auf. Gehen nach draußen und erzählen, was sie erlebt haben.

Sie spüren: Die Sache Jesu ist nicht vorbei. Sie hat gerade erst angefangen. Die Jünger müssen reden von dem, was sie begeistert und belebt.

An dieses wunderbare Ereignis erinnert das Pfingstfest, das wir morgen und übermorgen in den Kirchen feiern. Ich höre diese Erzählungen der Bibel gerne.  Sie ermutigen und holen mich aus so mancher Ratlosigkeit und Resignation heraus.

Von diesem Geist Gottes möchte ich mich erfüllen und durcheinander wirbeln lassen. So wie die Jünger. Und dann gerne entdecken, welche Türen sich auftun.

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Elija hat getan, was er konnte. Aber jetzt hat er die Nase voll. Er kann nicht mehr. Erschöpft. Am Ende. Enttäuscht.

Von Elija erzählt die Bibel. Elija ist ein Prophet. Einer, der im Auftrag Gottes unterwegs ist. Wahrlich keine einfache Aufgabe, auch nicht vor fast dreitausend Jahren. Elija setzt sich voll und ganz für seinen Gott ein. Kämpft, streitet und riskiert einiges. Mit Leidenschaft und sehr viel Eifer.

Doch dann kann er nicht mehr. Elija legt sich unter einen Ginsterstrauch, müde, ja lebensmüde. Er will nur noch seine Ruhe. Nichts mehr hören. Nichts mehr sehen. Elija schläft ein.

Und dann, so heißt es in der Bibel weiter, rührt ein Engel Elija an. Weckt ihn, bringt Brot und Wasser und bittet: „Steh auf und iss!“ Gleich zweimal hintereinander wird Elija so geweckt und gestärkt. So kommt er wieder zu Kräften. Es reicht, für die nächsten Schritte. Vielleicht zaghaft, aber es geht weiter. Schließlich erreicht er den Gottesberg Horeb. Und dort erlebt Elija Gott, wie er ihn noch nie zuvor erlebt hat:

Ein mächtiger Sturm zieht vorüber, dann ein gewaltiges Erdbeben. Schließlich bricht ein Feuer aus. In der damaligen Vorstellung sind das alles Zeichen für Gottes Wirken, für Gottes Stärke und Macht. Aber, so heißt es in der Bibel: Gott war nicht im Sturm, nicht im Beben und auch nicht im Feuer. (1 Kön 19,11 ff)

Aber: Nach dem Feuer kommt ein sanftes, leises Säuseln. Und jetzt, ganz unerwartet, ganz anders als gewohnt und bekannt, spürt Elija: Gott ist da.

Im Säuseln. Was für ein sanftes, zartes, ja liebevolles Gottesbild.

In diesem Moment am Berg Horeb zerbrechen wohl alle Bilder, die Elija sich bis dahin von Gott gemacht hat. Elija erlebt: Gott ist anders. Gott ist viel mehr als er bis dahin gedacht hat.

Und er erfährt: Gott berührt, richtet auf, tröstet und stärkt – manchmal am  Ginsterstrauch. Manchmal säuselnd, ganz unscheinbar und doch enorm wirkungsvoll.

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Exerzitien. Das Wort verbinden viele mit Schweigen, Kloster und Beten.

Ein paar Tage raus aus dem Alltag, raus aus dem Trott, um Zeit zu haben. Zeit für mich selbst, die Fragen, die mich umtreiben, Themen, die anstehen. Und Zeit für Gott haben. Für die Stille, das Gebet, ein Gespräch mit dem Seelsorger. Zeit, um mich neu auszurichten. Das kann sehr intensiv und bereichernd sein.

In meiner Gemeinde gibt es seit ein paar Wochen auch Exerzitien. Die Frauen und Männer, die daran teilnehmen, bleiben allerdings zuhause. Ich spreche von Exerzitien im Alltag. Mitten im Alltag, so wie er sich gestaltet, mit vollem Terminkalender, Bügelwäsche und Gartenarbeit. Trotz Beruf und Verpflichtungen Exerzitien machen. Kann das gehen?

Die Stille und freie Zeit, die ein Kloster bietet, kann ich im Alltag nicht erwarten. Aber dennoch geht das.

Für die Frühaufsteher passt es am Morgen, bei anderen ist es die Mittagspause und wieder andere finden abends Zeit. Für ein Gebet, eine Bibelstelle, einen Impuls, für Stille. Das reicht schon, um den Tag zu prägen, ihn auf Gott hin auszurichten.

„Bitte Gott um all das, was du heute brauchst.“ Das ist eine Empfehlung der Exerzitien. Und so wie jeder Tag mit einem anderen Thema, einem neuen Gedanken gestaltet wird, so fällt diese Bitte auch ganz unterschiedlich aus. Kraft, Mut, Klarheit für eine wichtige Entscheidung. Leichtigkeit, Freude, Trost. Was ich brauche, kann jeden Tag etwas anderes sein.

Doch ich erlebe: Gott gibt. Vielleicht nicht genau das, was ich mir vorstelle. Aber doch so viel, um gut durch den Tag zu kommen. Das fällt mir abends auf. Wenn ich, wie bei Exerzitien üblich, auf den Tag zurückschaue. Was gelungen ist, wofür ich dankbar bin, was anders als gedacht war, was noch offen ist.

Ein paar bewusste Minuten am Tag, eine kleine Auszeit, in der ich erahnen darf, dass Gott mich begleitet. Eine Zeit, die sich voll und ganz lohnt.

Und der Wäschekorb und das Unkraut können dabei ruhig noch etwas warten.

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Gottesdienst im Seniorenheim. Ein Ehepaar ist neu und feiert zum ersten Mal in unserer Runde Gottesdienst.

Der Mann fällt mir auf, weil er so eine schöne und kräftige Stimme hat und unseren Gesang sehr bereichert. Seiner Frau hingegen fällt das Sprechen schwer. Aber sie nickt, lächelt und hört sehr aufmerksam zu.

Die Riten und Lieder sind den beiden vertraut. Gottesdienst haben sie wohl schon oft zusammen gefeiert. Nur nicht hier. In der fremden Umgebung. Mit Menschen, die sie kaum kennen.

Und dann sehe ich, wie die Hand der Frau nach der Hand ihres Mannes sucht.

Sie möchte berührt werden und spüren: Wir sind hier zusammen. All das Neue und Unbekannte im Heim, die vielen Beschwerden, die unser Leben mühsam machen, all das stehen wir zusammen durch. Und dabei verbindet uns, wenn wir zusammen beten. Das ist uns vertraut. Das brauchen wir. Denn das gemeinsame Beten verbindet uns beide auch mit Gott.

Sie erleben: In all dem Neuen schenkt der Glaube Halt.  Es ist der Glaube, dass Gott jedes Leben begleitet, auch und gerade, wenn es beschwerlich wird. Das hilft, das Leben anzunehmen, so wie es nun mal ist.

Und so beten und singen wir alle miteinander. Die Hand der Frau liegt geborgen und zärtlich in der Hand ihres Mannes. Die beiden halten zusammen. Das sieht man. Sie schenken sich Halt und sie empfangen Halt.

Nach unserem Gottesdienst gehen alle wieder in ihre Zimmer. Das Ehepaar hält sich immer noch an der Hand. Und im Vorbeigehen spricht der Mann einfach aus, was er empfindet: „Das hat jetzt richtig gutgetan.“ 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28191

Christ werden. Glauben. Wie kann das gehen?  

In meiner Kirchengemeinde stellen wir uns die Frage. Und ringen um Ideen.

Dabei ist mir Charlotte in den Sinn gekommen. 

Ich sehe sie noch genau vor mir: Schwarze, lange Haare. Große, neugierige Augen und einen pinken Koffer in der Hand.

Charlotte war vor ein paar Jahren unsere Austauschschülerin aus England. Zwei Wochen hat sie bei uns gewohnt.  Charlotte wollte lernen. Vor allem die deutsche Sprache, aber sie interessierte sich für alles, was typisch deutsch ist.

Und so haben wir ihr gezeigt und erzählt, was so typisch für uns ist. Deutsches Essen, bestimmte Redewendungen, Kulturelles und Sehenswürdigkeiten.

Charlotte hat einfach mit uns zusammengelebt. Wir haben sie überall mit hin geschleppt und ihr erklärt, was sie wissen wollte. Wir haben sie teilhaben lassen an unserem Leben. Und je mehr Charlotte unsere Kultur kennengelernt hat, umso mehr hat sie sich in die deutsche Sprache verliebt und sie fast nebenbei gelernt.

Vielleicht können wir uns in unserer Kirchengemeinde von den Austauschfamilien eine Scheibe abschneiden, wenn es um den Glauben und das Christ werden geht: Anderen erzählen, was mir wichtig am Glauben ist. Was der Glaube mir bedeutet. Was für mich typisch ist. Den ganz persönlichen Glauben miteinander teilen:

Dass ich mich geborgen fühle und von Gott begleitet. Dass ich nur staunen kann über alles Lebendige auf der Welt. Dass ich spüre: Gott geht es um mich. So wie ich bin. Auf Gottes Liebe ist Verlass.

Diesen Glauben kann ich anderen nicht aufdrängen, nur anbieten.

Glauben kann ich nicht lernen wie Vokabeln oder Grammatikregeln.

Aber ich kann erleben, was Glauben bewirkt: Im Austausch mit anderen, beim Beten, im Vertrauen auf Gott, der es mit jedem Menschen gut meint.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28190

Feiern hilft. Punkt. Auf grauem Asphalt sind in bunten Farben diese beiden Worte aufgesprüht: Feiern hilft. Und dahinter ein dicker Punkt. Damit scheint alles gesagt.

Der Satz bringt mich ins Nachdenken. Ich feiere ganz gerne. Mit anderen zusammensitzen, etwas leckeres Essen, ein gutes Glas Wein, Musik, die Zeit vergessen. Das mag ich. Aber: Wieso hilft feiern?

Im Leben geht es ja oft nicht gerade feierlich zu. Viel öfter erlebe ich da grauen Alltag, Verpflichtungen, Krankheiten und manchmal auch große Sorgen. Alles andere als feierlich.

Auf der anderen Seite spüre ich auf einem Fest: Da gibt es Menschen, mit denen ich gerne zusammen bin. Erzähle, lache oder auch jammere. Und da sind Menschen, die gerne mit mir zusammen sind. Sonst wären sie ja schließlich nicht gekommen.

Feste zeigen mir also:

Es gibt sie. Die schönen und bunten Zeiten. Und die Menschen, für die ich dankbar bin, die mir verbunden sind.

Ja, das hilft. Das hilft, das Schöne im Leben wahrzunehmen. Und zumindest für den Moment froh und dankbar zu sein. Mögen die Tage drumherum auch gerade ziemlich grau sein.

Für mich spielt dabei noch etwas eine Rolle: Mit den Menschen um mich herum, in dem unbeschwerten, ehrlichen Miteinander erfahre ich, dass es Gott gut mit mir meint.

In der Bibel ist die Rede vom Leben in Fülle (Joh 10,10), das Gott für jeden Menschen will.  Gott will also, dass es mir rundum gut geht. Dass ich mich geborgen und aufgehoben fühle. Dass ich gesegnet bin.

Davon können mir Feste eine Ahnung geben.

So hoffe ich, dass es immer mal wieder einen Grund zum Feiern gibt.

Denn: Feiern hilft. Punkt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28189