Manuskripte

Vor 2000 Jahren am Rande der Wüste in Israel. Ein Mann steht am Ufer eines Flusses. Wild sieht er aus. Er heißt Johannes, genannt der Täufer. Sein Gewand ist aus Kamelhaaren, wie bei den Nomaden aus der Wüste. Wie sie ernährt er sich von wildem Honig und Heuschrecken. 

 

Johannes predigt in klaren Worten: „Lasst uns reinen Tisch machen. Es gibt zu viel Ungerechtigkeit bei uns. Das gefällt Gott nicht. Kommt zu mir in die Wüste, lasst uns noch mal von vorne anfangen.“

Manchmal frage ich mich, ob wir heute auch wieder so einen Johannes bräuchten. Bei all den Problemen in unserer Gesellschaft. Da werden die einen immer reicher, die anderen können kaum ihren Strom bezahlen. Da tricksen die großen Unternehmen, und die Politik soll es richten, wenn der Schwindel auffliegt. Wer glaubt noch daran, dass sich diese Dinge grundlegend ändern lassen? Viele wenden sich deshalb enttäuscht ab, sind unzufrieden und schimpfen auf die Politiker oder die Medien.

Johannes, der Täufer beschönigt nichts. Er vertröstet nicht und hält keine langen Reden. Stattdessen will er sein ganzes Volk in die Wüste schicken. Die Wüste ist der Ort, wo alles auf Null gesetzt wird. Da lässt es sich nicht gut leben. Aber dort erkenne ich, was ich ändern muss. Weil es nichts anderes gibt als mich selbst.

So viele Menschen haben sich damals von Johannes rufen lassen, dass die Mächtigen unruhig wurden. Irgendwann haben sie seinen Kopf gefordert. Doch sein Beispiel hat Geschichte geschrieben. Selbst Jesus ließ sich von Johannes im Jordan taufen.

Zu Beginn des Neuen Jahres denke ich besonders an diesen Johannes: Er sagt klar, was schiefläuft. Dabei bezieht er alle mit ein. Keiner soll einfach nur mit dem Finger auf andere zeigen und sich dann zurücklehnen. Wenn sich wirklich etwas ändern soll, heißt es für alle: Komm in die Wüste, um zu erkennen, was bei Dir schief läuft. Mach dich ehrlich, dann kann etwas Neues beginnen.

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Als Kind habe ich gern das Lied gesungen: Froh zu sein bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König. Heute meine ich oft, ich bräuchte mehr Freizeit und viele andere Sachen, um endlich froh zu sein. Da gefällt mir die Geschichte vom armen Flickschuster. 

Vor langer Zeit will ein König wissen, was seine Untertanen so treiben. Darum verkleidet er sich als einfacher Bürger und geht abends durch die Stadt. Er klopft an die nächstbeste Tür und landet bei einem Flickschuster. Der Flickschuster teilt gern mit ihm sein einfaches Essen. Neugierig fragt ihn der König, was er von der Zukunft erwartet. Da sagt der Flickschuster: Jeder Tag ist ein Geschenk Gottes. Ich freue mich über jeden Tag, den ich erleben darf!

Am nächsten Tag hängen überall Schilder in der Stadt: Flickschusterei verboten – Befehl des Königs. Der arme Flickschuster zuckt nur mit den Schultern. Am Abend kommt wieder der König vorbei. Das Essen steht schon auf dem Tisch. Der Flickschuster erzählt, er hat heute einfach Brennholz gesammelt und verkauft.

Doch der König geht noch weiter: Am nächsten Morgen lässt er den Flickschuster von zwei Soldaten abholen. Sie geben ihm ein Schwert und er muss vor dem Schloss Wache halten. Geld bekommt er nicht, dafür soll er morgen gleich wieder antreten. Der Flickschuster ist müde und hungrig. In seiner Not verpfändet er sein Schwert und kauft Essen für sich und seinen Gast. Für den nächsten Tag schnitzt er sich ein Schwert aus Holz.

Als der Flickschuster morgens zum Schloss läuft, befehlen ihm die Soldaten: Richte mit deinem Schwert diesen Mörder hin. Da ruft der Flickschuster so laut er kann: Gott helfe mir: Wenn dieser Mensch unschuldig ist, soll Gott mein Schwert in Holz verwandeln. Dann zieht er sein Holzschwert aus der Scheide und reckt es in die Höhe. Der König hat alles beobachtet und ist beeindruckt. Er stellt den Flickschuster sofort als seinen Berater ein.

Mir gefällt an dieser Geschichte, wie sich der Flickschuster nicht unterkriegen lässt. Er bleibt großzügig und dankbar. Wenn ihm andere Steine in den Weg legen, baut er sich aus diesen Steinen etwas Neues. Der Flickschuster ist für mich ein Vorbild, wenn es darum geht, Chancen zu entdecken und schlau zu nutzen. Er zeigt mir: Froh zu sein, bedarf es wenig.

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Ich bin ein großer Fan von Harald Lesch. Er arbeitet als Astrophysiker, Naturphilosoph und Fernsehmoderator. Immer wenn ich Harald Lesch zuhöre, lerne ich etwas dazu. Ich weiß nicht, wie ein Mensch so schlau sein kann. Vor allem bei Fragen rund um den Urknall oder schwarze Löcher läuft er zur Hochform auf.

 

Kurz vor Weihnachten habe ich einen seiner Vorträge gehört. Diesmal ging es nicht um ferne Galaxien, sondern um unsere kleine Mutter Erde. Der Vortrag hat mir ziemlich die Stimmung verdorben, denn er enthält eine einfache Botschaft: Die Menschheit schafft sich ab.

Harald Lesch verkündet darin nicht viel Neues. Schon als Schulkind habe ich vom Klimawandel gehört. Von den Regenwäldern, die verschwinden. Von den Insekten, die sterben. Von einem Planeten, der sich aufheizt.

Ehrlich gesagt: Oft vergesse ich einfach diesen nervigen Klimawandel und lebe mein Leben. Ich fühle mich überfordert, wenn davon berichtet wird, wie das Eis am Nordpol schmilzt. Manchmal habe ich heimlich gehofft, dass es alles halb so schlimm wird.

Doch nach dem Vortrag von Harald Lesch geht das nicht mehr. Ich will nicht, dass die Menschheit sich abschafft. Ich will, dass meine Kinder und Enkel auch noch gut hier leben können.

Vielleicht fehlt uns Menschen oft die Fantasie. Bisher heißt es oft: Entweder alles geht so weiter oder wir müssen ganz viel aufgeben: Weniger in den Urlaub fliegen, weniger Fleisch essen. Das motiviert mich nicht gerade.

Ich träume von einer Welt, in der wir staunen über all die kleinen Wunder um uns herum. Ich muss nicht nach Neuseeland fliegen, um eine wunderschöne Natur zu sehen. Das Glück liegt oft schon viel näher. Auch im Schwarzwald gibt es wunderschöne Wasserfälle und wilde Schluchten. Wahrscheinlich werden wir tatsächlich auf einiges verzichten müssen, was heute möglich ist. Vielleicht sind wir dann aber trotzdem glücklicher. Weil wir spüren: Es ist möglich anders zu leben und die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Es liegt an uns Menschen, ob sich die Menschheit abschafft. Viel besser fände ich es, wenn wir uns fragen, was uns wirklich glücklich macht. Um dann zu sehen: Mensch und Natur können es zusammen schaffen.

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Mittwochmorgen, halb neun in Freiburg. Berufsverkehr, alle haben es eilig, die Straßen sind voll. Da übersieht ein LKW Fahrer eine junge Frau an einer Kreuzung. Schwer verletzt muss sie ins Krankenhaus. Als ich an der Stelle vorbei komme, sehe ich überall Blaulicht und eine gesperrte Straße. 

In den Tagen danach denke ich immer wieder an den LKW Fahrer und die junge Frau. Der LKW Fahrer ist vielleicht seit Jahren unfallfrei unterwegs gewesen. Doch von einer auf die andere Sekunde verändern sich sein Leben und das der jungen Frau radikal. Hoffentlich geht es ihr bald besser. Ich wünsche beiden, dass ihr Leben gut weitergeht.

Ich kenne das Gefühlschaos, wenn etwas passiert ist. Schon bei kleinen Unfällen fühle ich mich oft hilflos, bin wütend oder verzweifelt, alles durcheinander. Ich will am liebsten die Zeit zurückdrehen oder weglaufen.

Zwar piept heutzutage jedes Auto, wenn ich nicht gleich angeschnallt bin. Und die vielen Verkehrsschilder und Vorschriften kann ich schon nicht mehr zählen. Und doch: Absolute Sicherheit vor Unfällen gibt es nicht. Nicht nur im Straßenverkehr ist mein Leben viel zerbrechlicher als ich oft denke. Was jetzt gerade so selbstverständlich scheint, kann nach wenigen Sekunden ganz anders aussehen.

Unfälle kommen mir immer total sinnlos vor. Wenn ich von einem Unfall überhaupt irgendetwas lernen kann, dann ist es dieser andere Blick. Auf einmal scheint alles viel weicher und verletzlicher. Alle anderen Probleme schrumpfen plötzlich in sich zusammen.

Ich erinnere mich aber auch an die Momente, wo ich viel Glück hatte. Da hat mich als Kind ein Auto übersehen, ich fliege einmal über die Straße und bleibe doch unverletzt. Da bin ich heute noch dankbar, dass ich so schnell wieder auf die Beine gekommen bin.

Wenn Sie gerade unterwegs sind, wünsche ich Ihnen eine gute, sichere Fahrt. Wenn Sie es eilig haben – atmen Sie erst mal durch. Ich mache mir oft viel Stress wegen ein paar Minuten, die ich schneller sein will. Bis mir endlich wieder einfällt, dass es darauf nicht ankommt. Denn das Leben kann so zerbrechlich sein. Gerade deshalb ist es so einzigartig.

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In manchen Situationen bekomme ich weiche Knie: Vor einem wichtigen Vorstellungsgespräch oder vor einem Auftritt vor vielen Menschen. Egal wie gut ich mich vorbereitet habe, kurz vorher will ich nur noch weglaufen.

Die Sozialpsychologin Amy Cuddy weiß: So geht es den meisten Menschen. Wenn es nach ihr geht, muss sich in solchen Momenten niemand mehr unsicher fühlen. Denn es gibt einen ganz einfach Trick: Ich stelle mich aufrecht und selbstbewusst hin. Am besten strecke ich noch beide Arme nach oben. So als wäre ich gerade richtig stolz auf mich. Nach zwei Minuten bekommt mein Körper mit, was ich da tue. Und plötzlich schüttet er die Hormone aus, die dazu passen: Der Stress geht zurück und ich vertraue mir wieder selbst.

Amy Cuddy hat mit dieser einfachen Methode schon Millionen Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Ihr Video im Internet genießt Kultstatus. Darin zeigt Cuddy: Mein Körper achtet sehr genau darauf, wie ich gehe und stehe. Gehe ich fröhlich auf und ab, kommen auch bald die ersten Glückshormone dazu.

Es lohnt sich, nicht nur vor einem Bewerbungsgespräch an Cuddys Tipps zu denken. Da ist zum Beispiel der Kollege, der scheinbar die Weisheit mit Löffeln gefressen hat und alles besser weiß. Da heißt es Kopf hoch und selbstbewusst bleiben.

Für mich geht es aber nicht nur um die Situationen, wo ich mit anderen Menschen zu tun habe. Oft will ich es gleich mit dem Allerhöchsten, mit Gott zu tun haben. Ich wende mich an Gott, wenn die Dinge nicht so laufen, wie ich es mir erhoffe. Doch ich muss mich dabei nicht als kleiner Bittsteller fühlen. Schon der Apostel Paulus sagt: Bei Gott haben wir Redefreiheit. Scheut euch nicht, euch selbstbewusst an Gott zu wenden. Steht aufrecht. Gott nimmt uns alle sehr wichtig.

So kann jeder selbst herausfinden, wann ihm Amy Cuddy weiterhilft. Mit beiden Beinen fest auf dem Boden, Kopf hoch und aufrecht stehen– diese Sprache versteht mein Körper - und mein Gegenüber.

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Im Sommer habe ich meine Tanten und Onkel in der Steiermark besucht. Viele von ihnen sind weit über 80 Jahre alt. Ich habe sie gebeten: „Erzählt mir von früher!“ Eine Geschichte werden sie alle nie vergessen:

Am 20. April 1945 stehen auf einmal Soldaten in der Tür bei meinen Großeltern. Sie holen meinen Großvater Emmerich von seinem Bauernhof. Seine Frau und die Kinder bleiben ratlos und völlig verängstigt zurück. Sie bringen ihn in die nächste größere Stadt, nach Feldbach. Dort sitzen drei Männer als Richter. Mein Großvater kennt sie flüchtig. Ein Lehrer ist dabei, ganz normale Leute aus der Gegend. Kurz vor Kriegsende halten sie Gericht über unliebsame Nachbarn. Meinem Opa werfen sie vor, schlecht über den Krieg und die Nazis gesprochen zu haben. Sie wollen nicht lange verhandeln und verurteilen meinen Opa zum Tode. Am nächsten Morgen soll er erschossen werden.

Über Nacht sperrt man ihn in den Keller der nächsten Kaserne. Kein Abschied mehr möglich, einfach nur warten. Da fliegt plötzlich das Munitionsdepot der Kaserne in die Luft. Alles rennt durcheinander, keiner weiß, was los ist. Da überlegt mein Opa nicht lange. Er bricht die Kellertür auf und flieht im Schutz der Dunkelheit.

Am nächsten Tag suchen die Nazis überall nach ihm. Kinder und Jugendliche müssen Flugblätter verteilen, um ihn zu finden. Doch mein Großvater kann sich bei seinem Schwager verstecken. 18 Tage später ist der 2. Weltkrieg vorbei und mein Opa  kehrt zu seiner Familie zurück.

Damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Ein paar Jahre später geht mein Großvater zum Elternabend in die Schule. Dort sitzt der Lehrer vor ihm, der ihn damals verurteilt hat. Beide sind wie vor den Kopf gestoßen. Der Lehrer bringt kein Wort heraus. Doch mein Opa fragt nur, wie es um seine beiden Söhne in der Schule steht.

Später will seine Familie wissen: „Wie konntest du nur so ruhig bleiben?“ Er sagt: Ich bin Christ und gehe sonntags in die Kirche. Wenn ich es nicht schaffe zu vergeben, was bringt dann der Glaube?

Ich bin stolz auf meinen Opa, und bedaure es jetzt umso mehr, dass ich ihn nicht mehr kennen gelernt habe. Er zeigt mir, was es heißt, mutig zur eigenen Meinung zu stehen. Und vor allem: was es bedeuten kann, anderen zu vergeben. Mein Opa war ein einfacher Bauer in der Steiermark - für mich ist er ein Held.

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100.000 Euro! 100.000 gewinnen: Davon träumen viele. Silvia Wollny hat es geschafft. Sie hat vor zwei Monaten bei Big Brother gewonnen. Die Sendung läuft seit vielen Jahren im Fernsehen: 12 Frauen und Männer leben für zwei Wochen hinter geschlossenen Türen. Überall hängen Kameras und filmen die Teilnehmer auf Schritt und Tritt. Nervlich sind die meisten nach wenigen Tagen am Ende. Und doch bleiben sie dabei und kämpfen um das viele Geld.

Diesmal passiert am Ende von Big Brother etwas, was ich kaum glauben konnte. Silvia Wollny, Mutter von 11 Kindern, weint vor der Kamera und sagt: „Das war eine wichtige Erfahrung für mich. Ich möchte das, was ich da drin erlebt habe, anderen Menschen ersparen. Wir hatten ja nichts, mussten von Wasser und Brot leben. Ich habe mich da durchgekämpft, aber ich wünsche das meinem größten Feind nicht.“

Silvia Wollny hat selbst schon viel mitgemacht in ihrem Leben. Sie weiß, was es heißt, arm zu sein. Doch mit dem, was sie bei Big Brother erleben musste, hat sie nicht gerechnet. Als es ihr selbst schlecht geht, denkt sie an die, die ständig so leben müssen: Menschen, die keine Wohnung haben, die auf der Straße leben. Darum sagt sie: „Diesen Menschen will ich helfen. Wenn ich die 100.000 Euro gewinne, will ich mich für obdachlose Jugendliche einsetzen. Ich werde mein Haus umbauen und dort Betten für Jugendliche von der Straße aufstellen.“ Was Silvia Wollny vorhat, finde ich stark: Sie spendet das Geld nicht einfach, sondern will sich selbst einsetzen. Will in ihrem eigenen Haus mit anpacken.

Big Brother ist erfolgreich, weil es Menschen bloß stellt. Die Teilnehmer werden gegeneinander ausgespielt und lächerlich gemacht. Klar, dass sie irgendwann anfangen sich zu beschimpfen und versuchen die anderen aus dem Haus zu drängen. Es ist eine Schule für Egoisten.

 

Silvia Wollny scheint nicht gewusst zu haben, worauf sie sich da einlässt. So nach dem Motto: „Big Brother kenn` ich nicht, da mach` ich einfach mal mit.“ Am Ende hat sie Big Brother die Show gestohlen. Denn im entscheidenden Moment guckt sie nicht nur nach sich, sondern sieht, dass es anderen Leuten noch schlechter geht. Rund 2 Millionen Zuschauer konnten abstimmen, wer gewinnt. Sie haben nicht die Klügste, den Schönsten oder den Witzigsten gewählt. Sie haben Silvia Wollny gewählt: weil sie für Menschlichkeit steht.

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Steven Pinker ist überzeugt: Wer regelmäßig Zeitung liest, bekommt das Wichtigste nicht mit. Radio und Fernsehen schaffen es nicht, uns gut zu informieren. Pinker arbeitet als Professor für Psychologie in Harvard. Er kann es nicht fassen, dass fast nur über Kriege, Erdbeben und andere Katastrophen berichtet wird. Seine Botschaft lautet: Insgesamt geht es bergauf statt bergab. Weltweit geht es den Menschen immer besser. Nur leider spricht kaum jemand davon.

Pinker hat deswegen ein Buch geschrieben. Es heißt: „Aufklärung jetzt“. Darin rechnet er haarklein vor, wie gut es uns geht. Zum Beispiel heißt es da: Millionen Menschen entkommen jedes Jahr der Armut. Die Zahl der Kriegstoten nimmt ab, obwohl mehr Menschen auf der Welt leben. Das Buch könnte die Bibel für Optimisten werden. Über 500 Seiten nur gute Nachrichten. Egal ob Terror, Hunger oder politische Mitbestimmung – überall sieht Pinker große Fortschritte.

Pinker meint zu wissen, warum so viele Menschen übersehen, wie gut es wirklich um die Welt steht.

Erstens: Menschen reagieren auf schlechte Nachrichten viel stärker als auf gute. So ist der Mensch gestrickt, weil das unseren Vorfahren geholfen hat zu überleben.

Zweitens verkaufen sich die Zeitungen besser, die von Unfällen und Skandalen berichten. Wer will schon von den tausenden Flugzeugen lesen, die jeden Tag sicher losfliegen und landen. Aber wenn alle paar Monate ein Flugzeug abstürzt, dann berichten alle Medien.

Mich hat es erleichtert zu lesen, wie viel Gutes sich weltweit entwickelt. Pinker ist eine Gegenstimme zu den vielen Untergangspropheten und zu Politikern, die Ängste schüren. Wenn die Angst vorherrscht, dass bald alles zusammenbricht, vergiftet das die Stimmung im Land. Pinker ist überzeugt: Trump und andere Populisten hätten keinen Erfolg, wenn die Leute sich von Zahlen und Fakten leiten ließen. Dann würde jeder erkennen, wie es bergauf geht.

Pinker bestreitet nicht all die Probleme, die wir noch lösen müssen. Es gibt immer noch viel zu viele Menschen, denen es schlecht geht. Jedes Kind, das hungern muss, ist ein Kind zu viel. Aber: Wenn mir das nächste Mal jemand erzählen will, wie bei uns alles den Bach runtergeht, werde ich mich wehren. Mit Pinkers Buch „Aufklärung jetzt“ kann ich antworten: Keine Panik, die Menschen sind schlauer als gedacht. Wir haben schon viel geschafft, darauf können wir aufbauen.

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Peter hat schon einiges hinter sich: Er war drogenabhängig und hat auf der Straße gelebt. Erst durch die Liebe zu seiner Frau Bea bekommt er wieder Boden unter den Füßen. Und er entdeckt eine zweite Liebe: die Liebe zu Gott. So begeistert ist er vom Glauben, dass er Pastor wird. Doch dann bewirbt er sich auf eine neue Stelle und nichts bleibt wie es war. Sein neuer Arbeitsplatz liegt Lichtjahre entfernt auf einem fremden Planeten. Er tritt die Reise allein an. Sein neuer Arbeitgeber gibt vor, dass seine Frau auf der Erde bleiben muss.

So beginnt der neue Roman von Michael Faber. Er heißt: Das Buch der seltsamen neuen Dinge und ist bereits ein internationaler Bestseller. Das Buch erzählt davon, wie Peter auf dem Planeten auf Außerirdische trifft, die von Jesus ganz begeistert sind. Wie er in diese fremde Welt eintaucht und dabei viele wunderbare Dinge erlebt.

Mich hat aber besonders fasziniert, wie Peter versucht den Kontakt zu seiner Frau Bea zu halten. Eine Fernbeziehung führen viele Paare. Doch Peter und Bea sind Lichtjahre voneinander entfernt. Sie können sich nur Nachrichten schreiben. Und dann ist da die viele Arbeit als Missionar, die Peter immer mehr vereinnahmt.

Noch etwas kommt dazu: Die Nachrichten von Bea werden immer bedrohlicher: Stürme und Überschwemmungen brechen über die Erde herein. Die Erde erscheint als ein gottverlassener Ort, während Peter auf dem fremden Planeten wie im Paradies lebt. Er ist zerrissen zwischen zwei Welten, zwischen der Liebe zu seiner Frau und seiner großen Aufgabe so weit weg.

Das Buch nimmt sich viel Zeit, um zu beschreiben, wie ein Mensch damit fertig werden kann. Peter könnte sich mit seiner Frau zerstreiten, weil ihm alles zu kompliziert wird. Er könnte auch an Gott verzweifeln, weil die Erde im Chaos versinkt. Doch Peter bleibt standhaft: Er sehnt sich nach seiner Frau, auch wenn er deshalb oft tieftraurig ist. Er will an einen guten Gott glauben, auch wenn Naturkatastrophen Millionen Menschen leiden lassen.

Der Roman zeigt einen Menschen, der viele innere Kämpfe durchsteht. Einen Menschen, der nichts beschönigt, aber es letztlich schafft, weiter zu lieben. Auch wenn er Lichtjahre von seiner Frau entfernt ist: die Liebe verbindet sie. Auch Gott vertraut er weiter, bei allen Fragen, die offen bleiben. Das hat mir gefallen: Kein billiges Happy End, aber zwei Menschen, die sich ihre Liebe bewahren. Das Buch zeigt, dass darin die Kraft liegen kann, mit all den kleinen und großen Katastrophen fertig zu werden.

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„Jugend-Glaube-Religion“. So heißt eine Studie, die gerade erschienen ist. Zwei Forscher aus Tübingen haben 7000 Jugendliche aus Baden-Württemberg befragt. Dabei ist herausgekommen: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen glaubt an Gott. Und sogar drei Viertel der Jugendlichen beten gelegentlich oder häufig. Das heißt: Viele Jugendliche beten, obwohl sie selbst sagen, dass sie nicht an Gott glauben. Sie wenden sich stattdessen einfach an eine höhere Macht. Die Forscher zeigen: Die meisten Jugendlichen beten, viele fühlen sich dabei aber unabhängig von einer bestimmten Religion oder Kirche. 

Junge Menschen wollen offentsichtlich frei sein, in der Art wie sie leben und glauben. Über viele Jahrhunderte haben die Eltern, der Staat oder die Kirche hier bestimmt, wo es lang geht. Endlich ist das anders. Wahrscheinlich sind die Jugendlichen noch nie so frei gewesen wie jetzt. Sie können auswählen und bilden sich ihre eigene Meinung. Und sie schauen, was die verschiedenen Religionen ihnen anbieten. 

Bei den Jugendlichen sind alle willkommen, die ihnen helfen, ihre Fragen zu Gott und dem Sinn des Lebens zu beantworten. Darum wünschen sie sich auch eine Kirche, die nah dran ist, wenn es um ihre Fragen geht. Eine Kirche, die keine Regeln vorschreibt, sondern zuhört und mit ihnen diskutiert. 

Hoffentlich nimmt sich die Kirche die Studie zu Herzen. Denn ich finde es schade, wenn Jugendliche sagen: beten ja, aber an Gott glauben kann ich nicht. Da entgeht ihnen was. Nämlich die frohe und entlastende Botschaft von Gott, der jeden Menschen liebt – egal er ob jung oder alt ist, egal wie viel er leistet. Wie oft hören junge Menschen, was Eltern oder Lehrer alles von ihnen erwarten: Sie sollen sich anstrengen, viel leisten, am besten immer erfolgreich sein. Gott ist anders: Bei ihm können wir so sein wie wir sind. 

Für mich zeigt die Studie aus Tübingen: Jugendliche haben ihren eigenen Stil, wenn sie nach Gott fragen, beten oder zweifeln. Sie wünschen sich Erwachsene, die sich dabei auf ihre Sicht einlassen. Erwachsene, die sich trauen, von dem zu erzählen, was sie von Gott verstanden haben. Was ihrem Leben Sinn gibt. Und ich bin mir sicher: beide Seiten können viel voneinander lernen.

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