Manuskripte

28MRZ2020
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Heute, am 28. März, wird es bei uns zuhause von 20.30 h bis 21.30 h dunkel sein. Wir machen das Licht aus. Wir verringern unseren Stromverbrauch.

Warum? Heute ist der Tag der ‚earth hour‘, der ‚Stunde der Erde‘. Es ist eine weltweite Klima- und Umweltschutzaktion. Seit dem Jahr 2007 wird sie durchgeführt. Ausgehend von Australien entwickelte sich diese Aktion zu einem weltweiten Ereignis. Öffentliche Gebäude verzichten auf ihre Außenbeleuchtung, viele Geschäfte und Unternehmen auf Gebäudelichter.

Ich weiß: Im Augenblick haben viele ganz andere Sorgen. Da geht es um Fragen der Existenz. Wird mein Betrieb die Corona-Krise überleben? Wie wird es in einigen Wochen, in Monaten wirtschaftlich weitergehen? Die Situation im Augenblick überschattet vieles. Sie verändert Leben. Dennoch wird es auch nach der aktuellen Krise wichtig bleiben, unsere Lebensbedingungen auf der Erde zu ändern und darauf hinzuweisen:

An der ‚earth hour‘ hatten sich im zurückliegenden Jahr 2019 bereits 180 Länder beteiligt. Viele private Haushalte weltweit kommen dazu. Ursprünglich gab es Bedenken: Eine zu große Beteiligung an der Aktion könnte zu Abschaltungen im Stromnetz und dadurch zu einem ‚Blackout‘ führen, zu einem großflächigen Stromausfall. Dies allerdings war bisher nicht der Fall. Interessant ist für mich diese Berechnung: Wenn 50 Prozent der deutschen Haushalte nur für fünf Minuten das Licht ausschalten, können deutschlandweit ca. 343 Tonnen CO²eingespart werden.

Ich bin sicher, als Einzelne können wir mehr tun, als wir uns im ersten Moment zutrauen.

Heute Abend um ½ neun werde ich das Licht ausschalten und Kerzen anzünden.

Dies ist mein Beitrag zur ‚earth hour‘: Ein Impuls zum Nachdenken und Anders leben. Miteinander. Solidarisch. Auch und gerade in Zeiten der Corona-Krise.

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27MRZ2020
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Heute sind es genau zwei Wochen her. Da hatten sich die Ereignisse überstürzt. Alles wurde anders. Hier eine Momentaufnahme vom Sonntag danach:

‚Ich sitze in unserer Kirche. 11 Uhr an einem Sonntagmorgen in der Fastenzeit 2020.

Eigentlich wären heute viele Menschen hier zum Gottesdienst versammelt.

Die anglikanische und die alt-katholische Gemeinde würden jetzt miteinander Gottesdienst feiern. So steht es auf dem Plan. Zweimal im Jahr machen dies unsere beiden Kirchen gemeinsam. Aber heute ist alles anders. Seit kurzem finden keine Gottesdienste statt, keine Veranstaltungen, keine Versammlungen.‘

Inzwischen sind Gottesdienste untersagt. Kirchen geschlossen. Das Corona-Virus bringt unsere Pläne durcheinander. Ein seltsames Gefühl. Für viele eine wirtschaftliche, eine finanzielle Herausforderung. Existenzen sind bedroht. Das normale Leben befindet sich in einer Art ‚off-modus‘. Hier ist zu lesen: „Abgesagt!“, dort heißt es „Fällt aus!“ oder „Geschlossen!“ und meist „bis auf Weiteres“.

‚Jetzt – in unserer Kirche – würde der anglikanische Diakon predigen, wir würden englische und deutsche Lieder singen, miteinander beten. Doch jetzt brennt da nur eine Kerze, und Taizé-Lieder erklingen im Hintergrund. Die Kirche ist noch offen zum persönlichen Beten, zum Schweigen und zum Einfach-Da-Sein, auch zum Gespräch.Einzelne Personen kommen vorbei. Sie nutzen diese Zeit, auch wenn alles anders ist. Irgendwie unwirklich. Seltsam. Ungewiss.‘

Keiner von uns weiß, wie lange diese seltsame, diese andere Zeit dauern wird.

Ich hoffe, dass wir Gutes daraus machen können. Einige Beispiele, die möglich sind:

Wenn schon nicht mit Händen, dann noch mehr mit unseren Herzen grüßen. Aneinander denken. Einander zuhören. Sorgen teilen. Nachfragen, zum Beispiel per Telefon, ob ich helfen kann. Solidarität üben. Solidarisch leben. Das wirkt. Weit über die Corona-Krise hinaus… 

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26MRZ2020
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‚Bed in church‘ – Ein Bett in der Kirche! Es ist ein befremdlicher und gleichzeitig auch ein faszinierender Gedanke, tatsächlich ein Bett in einer Kirche aufzustellen. Verbunden mit der Einladung an Menschen, sich dort hineinzulegen. Für ein paar Minuten oder auch für Stunden. Es war ein Projekt, eine Art Kunst-Projekt, das in der ‚Atelier: Kirche‘ in Wernau am Neckar vor einigen Monaten durchgeführt wurde. Es ging nicht darum, Menschen Asyl zu geben, wenn diese kein Dach über dem Kopf hatten, auch nicht darum, gestressten Menschen für kurze Zeit Ruhe-Pausen zu gönnen. Obwohl auch das wichtige Aufgaben der Kirchen sind. Sinn und Ziel dieses Projekts war es vielmehr, Menschen zum Nach-Denken zu bringen. Manchmal gelingt dies im Liegen besser als beim Sitzen, Stehen oder Gehen. Und im Bett verbringen wir alle mindestens ein Viertel unseres Lebens.

Das Liegen und Nichtstun kann aber auch eine ‚Zeit mit Gott‘ sein. Diese Zeit lässt mich spüren: ‚Ich bin was wert‘, ‚Der Wert meines Lebens besteht nicht in erster Linie in dem, was ich leiste, sondern allein darin, was ich bin!‘ Das Projekt ‚Bed in church‘ will Menschen im öffentlichen Kirchen-Raum provozieren, so dass sie Fragen stellen wie: „Was muss ich leisten, um da sein zu dürfen?“ „Bin ich auch etwas wert, wenn ich am Ende eines Arbeitstages kein Ergebnis aufweisen kann?“ „Ist es überhaupt eine Leistung, nichts zu leisten?“

Ich finde, das können spannende Fragen sein. In diesen Zeiten der Corona-Krise mehr denn je!

Ich bin sicher, Gott lässt mich spüren, dass mein Leben Wert hat. Im Bett. In der Kirche. Und anderswo.

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29FEB2020
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Im Laufe einer Woche begegne ich vielen Menschen. Manche Begegnungen sind fest eingeplant, andere eher zufällig. Hin und wieder, wenn ich Zeit dafür finde, versuche ich am Wochenende, mich zu erinnern an die Tage zuvor und an konkrete Personen.

Wem bin ich begegnet? Bilder gehen mir durch den Kopf, Gespräche werden wieder wach. Hin und wieder kommt es vor, dass Menschen mich darum bitten: „Schließen Sie mich ein in Ihr Gebet!“ Dahinter kann ein persönliches Schicksal sein, eine Krankheit, Beziehungsstress, Angst vor der Zukunft. Meine Zusage, dies zu tun, ist ihnen wichtig. Sie spüren und sie können sich darauf verlassen: ‚Das Gespräch geht weiter. Der denkt an mich. Der legt in seinem Beten ein gutes Wort für mich ein‘. Wie oft komme ich mir dennoch ohnmächtig vor. Ich kann nichts ändern an der Situation des einzelnen. Bei mir als Seelsorger gibt es kein Rezept für dieses oder für jenes Medikament, keine Therapie mithilfe medizinischer Hilfsmittel.

Aber auch ich spüre, dass ich meine Ohnmacht teilen kann, mitteilen im Gebet. Das kann helfen, und zwar allen, die beteiligt sind. Eine ‚Win/Win-Situation‘ sozusagen. Jeder von uns gewinnt! Im Wissen um die Beteiligung ‚einer anderen Instanz‘. Das ist – ob mit oder ohne Auftrag eines anderen Menschen – ein Vorsatz für diese neue Fastenzeit: ‚Ich bete für andre‘. Falls mir passende Worte fehlen oder klare Gedanken schwerfallen, dann kann ich einfach eine Kerze anzünden, zuhause, im Büro oder auch in einer Kirche. Da, wo es eben geht. Mit diesem Zeichen bin ich ‚für Dich da‘! Für Menschen, die mich darum gebeten haben, und auch für andere, die gar nicht darum wissen.

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28FEB2020
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In der Fastenzeit gibt es sicher gute Gründe für Aktionen wie ‚Sieben Wochen ohne‘.

Das kann für die Gesundheit gut sein und für den Geldbeutel. Im besten Fall für beides.

Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, nicht ‚für mich‘ auf irgendetwas zu verzichten, sondern ‚für andere‘ etwas bewusst zu tun.

Wie oft reden wir über andere Menschen? Da fallen nicht nur sanfte und wohlwollende Worte, sondern auch schlechte, vernichtende. Ich kann mir vornehmen, bewusst gut über andere zu reden. Natürlich, hin und wieder braucht es ein kritisches Wort. Da nützt es niemandem, wenn einer ‚schön daherredet‘. Da bringt es nichts, wenn ich zu allem ‚Ja‘ sage. Weil ich Angst davor habe, auf Widerstand zu stoßen. Aber meine grundsätzliche Haltung sollte wertschätzend sein für den oder für die Nächsten. Ich kann gut über andere reden, wenn es angebracht ist. Ich kann die Stärken, die positiven Züge einer anderen Person betonen. Ich kann ein Kompliment machen, wenn ich den Eindruck habe, ‚das war gut, was Du gemacht hast!‘

Ich bin sicher, es kann im guten Sinn ansteckend sein, wenn wir gut übereinander reden in unseren Beziehungen, im Freundeskreis, über Verantwortliche, über Kolleginnen und Kollegen im Betrieb, im Verein, in der Politik und in der Gesellschaft. Vor kurzem hatte ich den Fastenvorsatz gehört: „Ich verzichte auf das Weitersagen von schlechten Nachrichten und negativen Gerüchten!“ Und ich denke mir, das wird nicht leicht. Es kann eine Herausforderung sein, (nur) gut über andere zu reden – oder ansonsten einfach mal zu schweigen.

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27FEB2020
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Gestern hat mit dem Aschermittwoch für uns Christen die Fastenzeit begonnen. Ich begegne immer mal wieder Menschen, für die diese Zeit mit mulmigen Gefühlen verbunden ist. Warum?

Weil sie sich entweder vornehmen, in diesen Wochen auf etwas für sie Wichtiges zu verzichten. Auf Alkohol, auf nicht notwendiges Autofahren, auf Süßigkeiten oder auf irgendetwas anderes. Dabei ist ihnen bewusst, dass dies nur schwer durchzuhalten ist und sie schon jetzt fürchten, dass ihr Vorhaben scheitern könnte. Oder sie haben von vornherein ein schlechtes Gewissen, weil sie zwar verzichten würden, aber keinen Plan haben, wie und worauf…

Sicher gibt es gute Gründe für Aktionen wie ‚Sieben Wochen ohne‘.

Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, nicht ‚für mich‘ auf irgendetwas zu verzichten, sondern bewusst etwas ‚für andere‘ zu tun. Keiner lebt nur für sich – wir alle begegnen anderen Menschen. Im täglichen Miteinander bleibt mitunter wenig Zeit zum Zuhören. So kann ich einplanen, anderen bewusst ‚mein Ohr zu leihen‘, also: zuzuhören. Dort, wo ich das Gefühl habe, dass dies ‚dran ist‘, dass die oder der andere dies braucht, jetzt!

Dies kann in der eigenen Partnerschaft und Familie wichtig sein, ebenso im Beruf, in der Schule, unter Freunden und in der Nachbarschaft. Dazu ist es nur notwendig, auf Signale zu achten, die mir zeigen: ‚Jetzt wäre es gut, wenn Du Dir Zeit nehmen könntest zum Zuhören‘. Da geht es einfach darum, Zeit füreinander zu haben. Dem anderen zu zeigen, ‚Du bist mir wichtig!‘ – ‚Jetzt nehme ich mir Zeit für Dich‘ – ‚Jetzt bin ich für Dich da‘. 

Kurzum: Fastenzeit mit dem Motto ‚Sieben Wochen mit…‘

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09OKT2019
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Es gibt Tage, die beginnen schon damit, dass vieles ‚schief geht‘:

Das Handy hat nicht richtig geladen. Die Kaffeemaschine streikt. Der Zug, mit dem ich fahren will, ist einfach gestrichen.

Und jetzt?

Ich kann mit meiner Wut im Bauch weiter ‚grollen‘ und grantig sein. Wahrscheinlich wird dann noch mehr misslingen. Menschen, die mir begegnen, stecke ich sogar an mit meiner schlechten Laune.

Oder aber:  Ich hake die Missstimmung ab und denke mir: ‚Von jetzt ab kann’s doch nur noch besser werden!‘ Vielleicht erinnere ich mich sogar an einen Vers aus der Bibel: „All eure Sorge werft auf Gott!“ (1 Petrus 5, 7).

Ich gebe zu: Ganz so einfach wegwerfen lässt sich eine schlechte Stimmung ebenso wenig wie ein verpasster Termin, weil die Bahn einen Zug gestrichen hat. Aber in meinem Unmut, in meinem Grübeln darüber, was denn ‚heute so los ist‘, ist für mich auf einmal ‚Gott mit im Spiel‘. Und das kann mir helfen: Ich bin nicht mehr allein mit mir selbst. An diesem Tag, an dem nicht alles so läuft wie ich dies wollte.

Ja, vielleicht gelingt es mir sogar, dass ich anfange, zu beten.

So etwa: ‚Gott, wenn Du da bist, dann gib, dass der Tag gelingt, trotzdem.

Hilf mir. Gib mir neuen Mut, auch, wenn ich im Augenblick noch nicht so richtig daran glauben kann.‘

So oder ähnlich kann es gehen.

Mag sein, dass dann der Tag doch nicht so blöd weitergeht, dass nicht auch alles Weitere schiefgeht, sondern dass es gelingt!

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08OKT2019
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Viele fleißige Hände sind gerade beschäftigt, damit wir schon bald wieder etwas Wunderbares auf dem Tisch haben: Wein!

Dabei ist die Wein-Lese nur ein Teil dessen, was zu tun ist. Das ganze Jahr über haben Winzerinnen und Winzer und alle, die mit Reben und mit Wein beschäftigt sind, etwas zu tun. Sie sorgen sich um die Beschaffenheit des Bodens, haben einen wachsamen Blick auf Rebstöcke und Blätter, müssen schnell handeln, wenn es das Wetter nötig macht. Dann kommt, wie zurzeit, die Lese (oder das ‚Herbsten‘, wie es vielerorts heißt) und die Sorgfalt bei all den weiteren Schritten, bis hin zum Abfüllen. Bis zum Genießen dessen, was da gereift ist, braucht es also Zeit und lange Wege, Kenntnis, Sorgfalt, Mühe und Geduld.

Wenn wir allein oder auch in geselliger Runde einen guten Wein genießen, dann dürfen wir daran denken, welch kostbares Geschenk das Leben und die Güter der Schöpfung sind, und: Wieviel Arbeit darin steckt, in dem einen Glas wundervollem Wein.

Wir dürfen genießen. Wir dürfen lernen, achtsam auch mit diesen Geschenken umzugehen.

Gut ist es, wenn wir dann dankbar und froh sein können. In der Bibel wird dies so ausgedrückt:

„Fröhlichkeit des Herzens und Heiterkeit der Seele bringt der Wein, zur rechten Zeit und maßvoll getrunken.“ (Jesus Sirach 31, 28)

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07OKT2019
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Es kann ziemlich anstrengend sein, wenn ich etwas ändern will in meinem Leben. Das betrifft nicht nur den viel diskutierten Klimawandel im eigentlichen Sinn, also, wie ich für bessere äußere Lebensbedingungen sorgen kann - auch mit meinem eigenen Verhalten. Ich finde, es ist auch ‚dran‘, das ‚Klima‘ in Bezug auf Menschen in meiner direkten Umgebung anzuschauen.

Habe ich wirklich Interesse daran, wie es meiner Partnerin, meinem Partner geht?

Nehme ich mir Zeit zum Zuhören?

Welche Sorgen drücken mein Gegenüber am Arbeitsplatz im Augenblick?

Wie begegnen wir einander?

Bin ich bereit, meinen Beitrag zu leisten, damit ein gutes ‚Klima‘ herrscht in unserem täglichen Miteinander?

Solch eine Art von ‚Klimawandel‘ kann in mir drin beginnen!

Es ist gut, wenn ich mir selbst hin und wieder Gutes tue und mir was gönne. Wenn ich mir Zeit nehme. Für mich allein oder mit jemand anderem. Wenn ich Ruhe und Stille genieße. Oder Musik. Wenn ich Geräusche in der Natur bewusst wahrnehme.

Dann wird manches ‚neu‘!

Dann spüren die Menschen, mit denen ich zu tun habe:

Du bist anders! Du kannst zuhören. Du hast Zeit. Das tut gut…

Der Mönch Bernhard von Clairvaux schreibt bereits vor über 800 Jahren: „Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: Tu das immer. Ich sage nicht: Tu das oft. Aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da.“

Ich bin sicher: Wenn wir so auch für uns selbst achtsam sind, dann geht öfters ein Lächeln übers Gesicht. Dann wird manches freundlicher in uns und um uns herum. Denn gutes Klima ist ansteckend.

Sorgen wir in diesem Sinn für einen Klimawandel im Guten. Für einen ‚Klimawandel in den Herzen.‘

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06OKT2019
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Erntedank! Das heißt für mich: Schön geschmückte Altäre in unseren Kirchen, prall gefüllte Körbe mit Obst und Gemüse, mit Wein, Sonnenblumen und vielem mehr. An Erntedank dürfen wir über die Fülle von Früchten und die bunte Vielfalt dessen staunen, was uns an Lebensmitteln zur Verfügung steht. Und wir dürfen dankbar sein.

Wir können den Menschen danken, die für das Säen, für Wachstum, Pflege und Ernte sorgen.

Gott dürfen wir auch Danke sagen für so manches Wunder an Leben!

Wie geht das zusammen mit all dem, was uns an Wünschen und Forderungen in Zusammenhang mit dem Klimawandel begegnet? Kann ich einerseits an ‚Fridays for future‘-Demonstrationen teilnehmen und andererseits noch guten Gewissens „Danke!“ sagen für Ernte, für Wasser, für Luft. ‚Danke‘ für die klimatischen Bedingungen, damit überhaupt etwas wachsen kann… Gilt dieses „Danke!“ dann überhaupt noch?

Ich denke, ja, umso mehr! Es ist gut, wenn ich nicht alles als selbstverständlich annehme. Es ist wichtig, dass ich mich informiere über das, was ‚dran‘ ist.

Wir hatten eine Ausstellung mit dem Namen ‚Kunst fürs Klima‘ in unserer Kirche – mit Bildern der indischen Künstlerin Lucy D’Souza-Krone. Da war zum Beispiel Noah zu sehen, der schon vor Tausenden von Jahren mit einer ‚Klimakatastrophe‘ zu kämpfen hatte, auch um Abraham ging es als einem Klimaflüchtling, um Joseph, der angesichts von Engpässen die Kornspeicher als Vorrat füllen ließ. Es ging aber auch um uns! In begleitenden Aktionen konnten wir über unseren ‚Ökologischen Fußabdruck‘ staunen, wir mussten einsehen: Es geht auch um uns selbst. Jede und jeder einzelne kann die eigene Lebensweise hinterfragen:

Wie bin ich unterwegs? Wie ernähre ich mich?

Wieviel Strom und wieviel Wasser verbrauche ich?

Etwas zu ändern kann anstrengend sein, aber es wird sich lohnen. Auch schon für uns. Und erst recht für andere, die nach uns leben wollen und dann hoffentlich leben können!

Das alles hat zutiefst mit ‚Erntedank‘ zu tun. Und mit Vertrauen auf Gott, der uns hilft, damit wir für bessere Lebensbedingungen Sorge tragen.

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