Manuskripte

17OKT2020
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Auch die Tiere sind heilig!Sie sind unsere Mitgeschöpfe, kommen aus derselben göttlichen Werkstatt und haben Würde und  Glanz. Darum erschrecke ich auch immer wieder, wenn ich höre, wie viele  Arten aussterben und  zum Teil schon längst verschwunden sind.

Tiere sind auch heilig. Sie sind unverzichtbar wertvoll. Das sollte uns Menschen bewusst sein, wenn wir sie sehen, um uns haben, sie als Nahrungsquelle züchten und verzehren. Tiere können mir mitunter sogar näher als Menschen sein, mit ihrer vorbehaltlosen Zuwendung, ihrem Vertrauen, ihrer Lebensfreude im Hier und jetzt.

Dass Tiere auch heilig sind, das erlebe ich konkret, seit ich ein Pferd habe. Als ich ihn gefunden  habe, da war er gerade 3 Jahre alt, wild, wunderbar und noch namenlos. Wir waren uns sofort zugewandt und es stand augenblicklich fest, dass wir zusammen gehören.

Und dann sollte ich ihm natürlich auch einen Namen geben. Das hat ja eine alte biblische Tradition. Denn als Gott die ganze Welt, also auch alle Tiere und Pflanzen und schließlich auch die Menschen erschaffen hat, da hat er entschieden, dass die Menschen sich die Namen für die Tiere ausdenken sollen.

Also wollte ich meinem Schöpfungsauftrag nachkommen und habe mir überlegt, dass mein prächtiger Haflinger, der er nun mal war und ist, eindeutig Anton heißen sollte. Als ich diesen Entschluss dann ganz stolz  dem Züchter mitgeteilt habe, da hat der heftig mit dem Kopf geschüttelt und mir erklärt, dass alle männlichen Vorfahren meines Wallachs einen Namen mit ST am Anfang gehabt hätten, wie STEINADLER oder STANDARD zum Beispiel. Und so müsste es auch jetzt weitergehen wegen des Stammbaums..

Da habe ich nachgedacht und dann den Anton heiliggesprochen. Seitdem heißt er Sankt Anton. Wenn man das schreibt, dann steht da ja auch ein ST am Anfang. Also alles korrekt. Anton ist mir heilig-und das weiß er auch.

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16OKT2020
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Für Gott sind alle Menschen heilig. Mir kommt das einleuchtend vor. Nehmen wir also an, dass es stimmt, dann sind alle Heilige und wir könnten zueinander sagen:
DU BIST MIR HEILIG! Tatsächlich! DU! DU BIST MIR HEILIG!

Ich hoffe, sie haben gerade jemanden im Blick, oder zumindest im Kopf oder im Rückspiegel, dem sie diese Sensation zusprechen können. Nicht erschrecken, aber es ist so, es ist einfach wahr: DU BIST MIR HEILIG!

Vielleicht merken Sie es auch: Jetzt  verändert sich alles. Nichts ist mehr wie es vorher war. Ich gehe doch ganz anders mit dem um, der mir heilig ist, oder die mir heilig ist.

Das ist ein ganz neues Leben – sozusagen auf heiligem Boden. Beinahe ehrerbietig könnte es jetzt zugehen unter uns. Wie kann ich jetzt noch jemanden verachten oder verurteilen? Noch nicht einmal mehr mich selbst!

Denn jetzt könnte ich sogar aufs Ganze gehen und einmal  an mich denken, an mich als einen, der immerhin auch heilig ist. Und darum wage ich zu sagen:

ICH BIN MIR HEILIG!
ICH BIN MIR HEILIG!

Ja, wer sagts denn?

Wann habe ich zuletzt so gut mit und über mich selbst gesprochen? Das lässt natürlich alles in einem völlig neuen Licht erscheinen.

Wenn ich mir selber heilig bin, dann werde ich zukünftig ganz anders mit mir, mit meinem Körper, mit meiner Zeit mit meinem Leben umgehen, viel bedachtsamer, sanftmütiger, liebevoller. Bestimmt!

Ich könnte einmal gut zu mir sein, mir was zutrauen, mutiger werden und  dafür sorgen, dass ich auch drankomme mit meinen Wünschen und Bedürfnissen. Ich könnte endlich mal ganz anders sein. Und am Ende gottvoller auch.

Ich glaube, dann werde ich Gott antworten auf seine Heiligsprechung und meinerseits reagieren mit  Anbetung. Und die sagt: GOTT IST MIR HEILIG!

Hier stehe ich, ich kann nicht anders! Bei allem, was mir heilig ist. GOTT ist es allemal. Wer denn sonst!

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15OKT2020
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Wir sind Gott heilig! Wir – Sie und ich. So viel steht fest. Das ist auch in Ordnung so. Wir sind ja auch wirklich was wert. Gott hat da schon Recht. Sie und ich sind was Besonderes und haben allemal Wertschätzung verdient.

Jetzt kommt allerdings eine Irritation hinzu, die es uns nicht leicht macht. Wir werden jetzt stark sein müssen. Denn diese Wertschätzung Gottes gilt nicht nur uns allein.

Da kommt halt jetzt diese göttliche Besonderheit zum Tragen, diese großmütige gnadenreiche Eigenschaft Gottes, tatsächlich alle Menschen zu lieben. Also nicht nur Sie und mich, sondern auch die Anderen. Das ist tatsächlich so. Es gilt nach Gottes Plan, dass ihm alle Menschen heilig sind.

Also auch die, die anders sind als wir, ganz anders. Sogar die von auswärts und außerhalb von irgendwo und anderswo. Die anders aussehen, anders singen und klingen, anders beten und leben, essen und trinken, tanzen und feiern. Es mag Ihnen oder mir noch so exotisch fremd sein, wie die anderen anders sind, sie sind  trotzdem genau wie wir für Gott richtig und wichtig.

Also sollten wir das auch annehmen und aussprechen. Einmal wenigstens. Am besten jetzt gleich. Es sind ja nur 5 Worte. ALLE MENSCHEN SIND GOTT HEILIG! Unaussprechbar ist das nicht. Zumal Sie und ich ja damit auch gemeint sind.

Nicht nur, aber auch. Also denn, versuchen Sie doch einfach mal mitzusprechen:
ALLE MENSCHEN SIND GOTT HEILIG.

Wunderbar. Oder? Sie und ich: Heilige unter Heiligen. Wir gehen in diesen Donnerstag als angesehene heilige Gottesmenschen und wenn wir jetzt gleich draußen auf die anderen treffen, dann grüßen wir sie selbstbewusst und respektvoll als eilige Heilige allerorten.

Ich bin sicher: Das wird Folgen haben. Es wird sich eine nie dagewesene Lust und Laune verbreiten, wie eine ansteckende Gesundheit. Eine heilige Familie gewissermaßen. Obwohl noch lange nicht Weihnachten ist.

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14OKT2020
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Willkommen zur Heiligsprechung! Keine Angst, wir machen jetzt nichts Unanständiges. Wir machen nur eine Heiligsprechung der ganz anderen Art. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie darauf jetzt gar nicht gefasst sind am frühen Morgen. Womöglich wären sie vorher gerne nochmal zum Frisör gegangen oder sie sehen zu, dass sie jetzt weit wegkommen vom Radio, bis es vorbei ist.

Heiligsprechung durch das Radio – ist das nicht peinlich? Seien Sie unbesorgt, es tut nicht weh. Es ist einfach nur wahr. Dass wir unserem Gott heilig sind. Das sprechen wir also endlich mal aus.

Jeder und Jede für sich, Wir fangen mit der ersten Person Einzahl an, also mit ICH.
ICH bin…
Ich spreche es Ihnen einmal langsam  vor und dann versuchen wir es gemeinsam.
ICH BIN GOTT HEILIG!

Klar ist das erst mal fremd. Das verstehe ich. Ich habe auch erst üben müssen. Vielleicht sind sie ja gerade mit dem Auto unterwegs. Da geht das auch. Aber immer schön auf der Straße bleiben. Probieren sie s doch mal- egal wo - mit mir zusammen. Es hört ja sonst keiner. Also: ICH BIN GOTT HEILIG!

Geht doch. War doch gar nicht so schwer. Das ist ja auch wirklich die leichteste Variante der Heiligsprechung. Glauben sie mir, da gibt es schwerere Übungen. Wir schließen gleich mal eine an. Probeweise.

Ist noch jemand in ihrer Nähe? Ist da jemand? Im Auto vielleicht, oder Zimmer, Küche, Bad? Oder wenigstens ein Bild von einem lieben Menschen? Schauen sie sich mal in Ruhe um. Aber vorsichtig. Erst recht im Auto. Bitte keine Schlangenlinien fahren. Heiligs Blechle!

Suchen sie sich einen  Freiwilligen, aber sachte, nicht zu heftig. Und wenn sie jetzt jemanden gefunden haben oder zumindest an jemanden denken, sagen sie zu ihm oder ihr ganz freundlich aber bestimmt:
DU BIST GOTT HEILIG!

Sind sie noch da? Wenn sie jetzt in ein ganz ungläubiges Gesicht schauen, wiederholen sie es nochmal: DU BIST GOTT HEILIG! Was für eine Nachricht vor den Nachrichten. Wenn sich das herumspricht….

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13OKT2020
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„Ich bin nicht so heilig!“ hat einer zu mir gesagt, als er gehört hat, dass ich Pfarrer bin. Was er mir wohl damit sagen wollte? Du heilig, ich nicht?
Aber: Wer will schon als Heiliger angesehen werden. Das ist doch kein Image, Menschenskind. Ich bin nicht so heilig, will ich gar nicht sein! Lieber ganz normal. Ein Mensch halt.

Und Menschen machen Fehler und sind unvollkommen. Sind also nicht so heilig, unfehlbar schon gar nicht. Mit Heiligenschein kommt man ja durch keine Tür, eckt überall an, fällt auf und aus der Reihe.

Wenn man heilig so versteht, dann kommt man damit nicht weit. Zu exotisch, weltfremd und eigenartig wären Heilige dann.Als ob sie etwas Besseres wären….Im Zweifelsfalle will wohl kaum jemand so heilig sein. Und doch sind wir es. Wir alle. Sie und ich! Heilig.

Das steht nicht nur in der Bibel. Das steht sogar in unserem Grundgesetz. Ganz vorne. Nur mit anderen Worten. Da heißt es nämlich: Die Würde des Menschen ist unantastbar! Und das heißt doch, dass jeder Mensch heilig ist, kostbar, einmalig , wertvoll.

Nicht weil er sich für was Besseres hält, sondern, weil er was Besseres verdient hat, was Besseres jedenfalls als Verachtung und Unmenschlichkeit. Egal ob Schwarze oder Weiße, Gesunde oder Menschen mit Handicap, ob als in die Flucht gejagte, als Hilfesuchende oder Helfer.

Wer heilig ist, soll heil bleiben, ganz ganz, unversehrt und beschützt. Nicht weil er großartige Tugenden hat und Wunder bewirkt, sondern weil er eine Würde hat, eine Würde, die unangetastet bleiben soll.

Liebende verstehen das sofort. Sobald nämlich jemand einen Menschen lieb gewinnt, ist er ihm heilig.
Sobald wir einander liebevoll begegnen, findet unausgesprochen eine Heiligsprechung zwischen uns statt. Und das wirkt sich aus. Das hat Folgen. Da erklärt man sich nicht mehr den Krieg. Im Gegenteil, man verspricht sich den Himmel auf Erden. Und das hoch und heilig!

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12OKT2020
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Heiligsprechungen sind eher selten. Die Bedingungen dafür sind auch enorm. Bis jemand vom Papst heiliggesprochen wird, muss er oder sie  zu Lebzeiten nicht nur einigermaßen untadelig, sondern auch wunderwirksam unterwegs gewesen sein. Nur dann kann jemand nach seinem  Ableben mit gehörigem Abstand in diesen himmlischen Rang gehoben werden.

Mir ist aber  aufgefallen, dass es in der Bibel eine Menge Briefe gibt, da ist das mit den Heiligen aber ganz anders. Diese Briefe hat Paulus geschrieben, der Missionar unter den Missionaren. Der hat in der ganz frühen Christenheit allerhand Gemeinden gegründet. Und wenn er sie dann mit Müh und Not  aus der Taufe gehoben hatte, ist er weitergezogen,  blieb aber in Kontakt, indem er Briefe geschrieben hat.

So hat er mit Fernwärme die Beziehungen weiter gepflegt. Außer nach Rom ist seine Post zum Beispiel nach Kolossä, Korinth, Ephesus und Philippi gegangen. Das sind alles Orte in Griechenland oder Kleinasien, der heutigen Türkei. Und alle  seine Briefe  beginnen tatsächlich mit einer Art Heiligsprechung. Er spricht die Leute nicht an mit:

Meine lieben Damen und Herren,
oder: liebe Schwestern und Brüder.

Sondern er schreibt:
An alle Heiligen in Christus Jesus in Philippi!
An alle berufenen Heiligen in Rom!
An die Heiligen in Kolossä!
An die Geheiligten in Korinth!
An die Heiligen in Ephesus!

Dabei sind das alles ganz normale Leute gewesen.Und waren längst nicht mausetot. Ganz im Gegenteil. Die warenquick lebendig, haben sich gestritten und manche  waren wild und  ein bisschen wunderlich. Und trotzdem ieht Paulus sie alle als Heilige an.

Weil sie zu Gott gehören, sich zu ihm bekennen, ihren Glauben glauben, ihren Zweifel zweifeln, hoffen und lieben, so gut sie können. Darum sind sie heilig. Heilig heißt: Sie gehören zu Gott!

Es ist also davon auszugehen, dass ein Brief des Paulus heute verschickt, womöglich an alle Heiligen gerichtet wäre, die jetzt gerade Radio hören.

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11OKT2020
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Der Sonntag ist heilig. Immer noch. Vorerst jedenfalls. Die Generationen vor uns waren sich da noch ganz sicher. Und das konnte man auch sehen.Daran zum Beispiel, dass es so etwas wie die Sonntagsruhe gab. Streng nach dem Gebot, das Gott den Menschen einmal ganz am Anfang gegeben hat.

Da war noch im jüdischen Volk der Samstag, der Sabbat gemeint. Die Christen haben das dann später auf den Sonntag übertragen. Egal, es geht in jedem Fall um einen von Gott gewollten Ruhetag. Und dazu heißt es in der alten Bibelsprache: Den Sabbat sollst du halten, dass du ihn heiligst. …Der Ruhetag ist heilig.

Im Dorf meiner Kindheit wurde das noch zelebriert. Ab Samstagnachmittag wurde das Tempo deutlich herunter gefahren. Futter für 2 Tage wurde ran gekarrt, Straße und Hof gekehrt, Hoftor geschlossen, alles aufgeräumt, wegstellt. Die Welt schien angehalten. Alle wurden wir nacheinander durch die Wanne gezogen. So sauber saßen wir dann zusammen vor dem Fernseher.

Und am Sonntagmorgen dann, wurden alle in Sonntagskleider gesteckt, die sich vom Werktag  sehr unterschieden, weil sie fein und sauber und recht unbequem gewesen sind. Vor allem die Schuhe.

Zum obligatorischen Kirchgang wurde mindestens ein Vertreter der Familie abgeordnet, aber eigentlich mussten alle mal hin. Auch die Kinder, obwohl es so langweilig war.

Die Männer kümmerten sich danach um den Frühschoppen, die Frauen um den Sonntagsbraten.

Der Sonntagsspaziergang war ebenso unvermeidlich, wie der Besuch der Verwandtschaft zu Kaffee und Kuchen. Auf jeden Fall der Sonntag war anders, roch anders, schmeckte anders, hörte sich anders an. Das  Kulturgut tat der Kultur gut.

Heute ist der Sonntag wohl nicht mehr ganz so heilig, eher verkaufsoffen und  weniger reglementiert. Trotzdem sollten wir ihn heiligen, wie die Bibel es sagt, sollten ihn nutzen zur heilsamen Unterbrechung. Denn ohne Sonntag, gibt’s nur noch Werktage. Ich wünsche Ihnen einen geheiligten Sonntag!

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08AUG2020
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Den Segen brauchen wir vom Anfang bis zum Ende. Der Lebensweg soll ein Segensweg sein. Wir haben nämlich einen mitreisenden Gott. Einen Gott, der begleitet, mitgeht, alle Wege, alle Stationen, alle Räume, die wir durchleben und überschreiten.

Er ist wahrhaftig  ein stand by Experte. Und darum ist er auch am Ende unseres Lebens noch da und bleibt es auch darüber hinaus. Darum heißen die Kapellen auf den Friedhöfen auch Aussegnungsräume.

Der Segen hört nicht auf, wenn unser Leben zu Ende geht. Es heißt dann vielsagend  mit Worten der Bibel: „Der HERR segne  deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“ Man achte auf die Reihenfolge. Es heißt nicht: Er segne deinen Eingang und Ausgang. So wie wir eben den Beginn und das Ende des Lebens sehen. Sondern es klingt genau umgekehrt: Erst Ausgang, dann Eingang. Will sagen: Wer aus diesem Leben geht, der geht woanders hinein.

Ich glaube deshalb: Wir wechseln zwar die Räume, aber nicht das Haus.
„Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen“ hat Jesus einmal gesagt.

Zusammen mit meinem katholischen Kollegen habe ich vor Jahren ein neues Krematorium mit eingeweiht. Das war damals eine merkwürdige, fast gruselige Atmosphäre. Wir haben lange überlegt, was wir da sagen sollen. Ein Krematorium segnen. Geht das? Ist das nicht ein Ort der allerletzten kompletten Niederlage. Wenn man nichts mehr tun kann und das Leben am Ende scheint. Wenn nur noch die Asche bleibt?

Der Kollege und ich haben uns damals dafür entschieden, nur aus der Bibel vorzulesen. Wir haben nicht viel Worte gemacht. Wir haben den Anwesenden und uns selbst vorgelesen, was die Bibel als Trostbuch zu sagen hat. Nur so konnten wir es in diesem Krematorium aushalten.

Wir haben die Ostergeschichte von der Auferstehung Jesu gelesen und dann Worte aus dem Römerbrief, wo es heißt: „Ich bin zutiefst überzeugt: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen!“ Nicht der Tod und auch nicht das Leben.

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07AUG2020
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Segen ist wie Streicheln. Jedenfalls soll er zart und zärtlich sein. Nicht gewaltig und brutal. Alleine schon deshalb verbietet sich jeder Segen für Waffen und andere Irrtümer. Wo Gottes Segen ankommen will, da muss es sanft und gewaltfrei zugehen.

Jesus selbst hat einmal eine Gruppe von Müttern und Kindern zu sich gebeten. Die störten gerade eine Versammlung gernegroßer Schlaumeier.

„Lasst die Kinder ruhig zu mir kommen und hindert sie nicht!“ hat Jesus gesagt. „Sie sind  für den Himmel bestens geeignet!“ Und dann heißt es: „Er herzte sie, legte ihnen die Hände auf und segnete sie.“ Herzen!

Das ist ein vom Aussterben bedrohtes Zauberwort, das die wunderbarste Art und Weise andeutet, mit der Menschen einander gut tun können, ohne sich dabei weh zu tun. Herzen ohne Schmerzen!

In einem Kindergarten habe ich über viele Jahre hinweg an jedem Freitagmittag einen Wochenschlussgottesdienst gefeiert. Mit allen Kindern, dem Erzieherinnen-  Team und interessierten Eltern. Da gab es als Abschlussritual das sogenannte „verschenkte Streicheln“.

Und das ging so. Zuerst haben wir im großen Kreis in der Turnhalle immer das Gebet gesprochen:
„Die Woche geht zu ende, das Meiste war sehr schön. Wir reichen uns die Hände, sagen Auf Wiedersehen. Wir danken GOTT für alles. Er liebt uns Groß und Klein. Er segne und behüte uns hier und auch daheim!“

Und dann habe ich rechts und links von mir ein Streicheln auf die Reise geschickt. Und alle, die es bekommen haben, haben sich dann ihrem Nachbarn, ihrer Nachbarin zugewandt und es weiter gegeben.

So wie das Flüstern, wenn man „Stille Post“ spielt. Obwohl es oftmals mehr als 100 Kinder waren, ging es in diesem Augenblickvollkommen ruhig und friedlich zu.

Ganz besonders zauberhaft war es, wenn ein Kind einen Erwachsenen neben sich hatte, der sich herunter beugen musste, um das Streicheln entgegen zu nehmen.

Ich vermute, dass von daher auch der Begriff  „Zuneigung“ stammt. Wenn Große sich den Kleinen zuneigen, dann ist das ein Segen. Denn: Segen ist wie Streicheln.

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06AUG2020
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Der Haussegen soll nicht schief hängen. Der Volksmund weiß Bescheid. Wenn der Haussegen schief hängt, dann ist alles schief. Als ich Gemeindepfarrer war, kam ein Ehepaar auf mich zu mit einer ungewöhnlichem Bitte. Sie hatten neu gebaut, erst wenige Wochen wohnten sie jetzt im neuen Haus.

„Irgendwas fehlt!“ sagten sie. „Natürlich sind wir noch nicht mit allem fertig. Aber im Haus fehlt auch etwas. Der Friede. Wir sind so unruhig, seit wir drin wohnen. Da  ist kein guter Geist. Können Sie uns helfen?“

Solche Bestellungen waren bis dahin noch nicht bei mir eingegangen. Trotzdem war mir klar, dass ich diese Menschen nicht enttäuschen durfte. Sie hatten ja eine leise Ahnung davon, dass wir als Christen womöglich Zugang haben zu einem guten Geist. Also habe ich ihnen versprochen, vorbei zu kommen.

In der Zwischenzeit besorgte ich einen Haussegen. Ich kannte da jemand, der so etwas auf Bestellung wunderbar malen konnte. Ich bestellte ein Kreuz mit dem Spruch:
Gott segne dieses Haus und alle die gehen ein und aus.“

Zum vereinbarten Termin nahm ich einen Hammer und einen Nagel mit, den Segen hatte ich unterm Arm und dazu noch wacklige Knie. Ich wurde erwartet und freundlich begrüßt. Sie haben mir ihr schönes neues Haus gezeigt, das lockerte die Spannung.

Am Ende standen wir wieder im Flur neben der Garderobe. Neugierig sahen sie auf das Ding unter meinem Arm. „Ich habe Ihnen einen Haussegen mitgebracht.“ habe ich gesagt.
„Der soll Ihnen gut tun und sagen, wer der Herr in diesem Hause ist. Gott will nämlich bei uns wohnen. Da haben dann böse Geister keinen Platz mehr!“

Ich bat um eine Leiter, fragte ob der Platz über der Eingangstür recht ist, stieg hoch, schlug den Nagel in die Wand und hängte den Segen dran.

Dann beteten wir  gemeinsam das  Vater Unser. Danach haben wir noch kurz miteinander angestoßen. Beim Abschied an der Tür haben sie zu mir gesagt:
„Der hängt sogar grade. Der Segen!“
„Amen!“ Habe ich geantwortet. So soll es sein! Und bin gegangen.

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