Manuskripte

Das ist doch eine verrückte Woche gewesen. Mit lauter verrückten Geschichten. Aber die Verrückteste kommt heute zum Schluss. Denn: Wir werden am Ende alle verrückt.

Wie Jesus. Der ist es schon lange. Und er sagt: „Im Hause meines Vaters im Himmel sind viele Wohnungen. Und ich geh dahin und bereite für euch alle den 2. Wohnsitz vor. Und dann komme ich irgendwann und hole euch ab und dann rücken wir dort alle zusammen.“

Himmel nochmal, ist das nicht verrückt? Das ist doch eine verrückte Idee. Wir und die Bäume sollen bis in den Himmel wachsen. Wohin denn sonst. Wir rücken noch ganz weit auf. Wir sind die Nachrücker des verrückten Jesus.

Und irgendwann werden wir umziehen, dann werden aus uns Erdenbummlern Himmelsstürmer. Der Zimmerservice ist schon vorbereitet. Wir werden erwartet. Wir sind erwünscht. Himmelhohe Aussichten sind das. Schwindelerregende Perspektiven.

Aber vorerst sind wir noch hier. Und solange das so ist, brauchen wir uns nicht verrückt zu machen.

Wir können uns konzentrieren auf das hier und heute. Sorgsam uns kümmern um all den Kummer, den es hier zu bewältigen gibt.  Nur weil wir eine Zweitwohnung in Aussicht haben, heißt das noch lange nicht, dass wir die hier vernachlässigen dürfen. Hier ist nämlich auch die gute Stube Gottes.

Und die gilt es aufzuräumen und in Ordnung zu halten. Uns wird zugetraut, was uns anvertraut ist. Damit der Wohnraum Erde erhalten bleibt für die, die uns nachrücken.

Weil wir eine Zukunft haben, sollen wir uns um die Gegenwart sorgen und die  erschöpfte Schöpfung verschonen und bewahren. Gott hat lauter verrückte Ideen. Und wir sind eine davon.

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Jesus kann auch ganz schön verrückt sein. Nicht nur brav und liebevoll. Nicht nur der Retter und Helfer in der Not. Manchmal rastet er auch aus. Zornentbrannt und schier aus dem Häuschen ist er jedenfalls, als er eines Tages sieht, was im Tempel zu Jerusalem abgeht.

Da haben sich nämlich Geldwechsler und Händler breit gemacht. Souvenir und Gier. Der Tempel ist zur Shoppingmeile umfunktioniert. Die Geschäftsidee ist so clever wie erfolgreich. Zum Tempel kommen ganz viele Leute. Er ist der Durchlauferhitzer der ganzen Stadt.

Und wenn man sich da günstig platziert, können die Leute im Vorübergehen einkaufen. Womöglich wollen sie auch was opfern und es fehlen ihnen noch die nötigen Utensilien. Kult und Konsum küssen sich gerne. Damals wie heute.

Gebet und Geld, Mammon und Sermon, Klingelbeutel in Variationen. Da wird Jesus verrückt. „Dies Haus soll ein Bethaus sein! und Ihr habt eine Räuberhöhle draus gemacht!“ schreit er, brüllt er lauthals im heiligen Zorn. Und dann wirft er die Verkaufsstände um, reißt alles nieder und treibt die Händler zum Tempel hinaus.

Da ist eine Grenze überschritten, wenns in der Kirche nur noch ums Geld geht. Da wird man gottlos, wenn das große Los angeboten wird im Vorhof des Heiligen. Lotterie und Liturgie gehen nicht zusammen.

Gesangbuch und Sparbuch sind nicht dasselbe. Geschäft gehört nicht unters Kirchendach. Dort wohnt ein anderer Geist, hoffentlich. Der verkaufsoffene Sonntag ist mir suspekt. Gewinnoptimierung und Umsatzsteigerung können doch nicht Teil des Gottesdienstes sein.

Jesus wird bis heute verrückt, glaube ich, wenn er sich unsere Tempelkultur ansieht. Wenn er uns immerzu reden hört von Mitgliederschwund und Rückgang der Kirchensteuer. Tempelreinigung ist womöglich dran, würde er sagen. Und dann würde er gerne mal wieder umwerfend und verrückt sein, bis wir was merken und verstehen.

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„Ich glaub, ich bin verrückt!“ Das sagen mir in der Trauerbegleitung ganz viele Leute. Wer nämlich in die Trauer gefallen ist, weil er einen lieben Menschen verloren hat, für den ist erst einmal alles nicht mehr, wie es war.

 

Alles ist neben der Spur, weit weg gerückt von dem ausgewogenen, unspektakulären selbstverständlichen Leben. Und weil Trauer nichts anderes als Liebe ist, trauern vor allem die Menschen besonders intensiv, die ganz viel geliebt haben.

Und liebevolle Trauer ist Schwerstarbeit und kommt auf ganz verrückte Ideen. Da deckt jemand jeden Morgen den Frühstückstisch für den Verstorbenen mit. Sein Platz ist zwar leer, aber er wird freigehalten und er kann jederzeit herein kommen und sich dahin setzen. An den gedeckten Tisch.

Da sieht jemand die verstorbene Partnerin jeden Abend wenns dunkel wird draußen auf der Terrasse stehen.  Nur ganz kurz. Aber ganz wirklich und doch unnahbar.

Da schläft jemand jede Nacht im Schlafanzug des Partners, nur um sich ihm ganz nahe zu fühlen. Und wenn das alles andere sehen oder erfahren, dann schütteln sie womöglich nur mit dem Kopf.

„Meine Kinder haben mich im Mantel meines Mannes angetroffen und gesagt: Mama, du bist ja verrückt!“ Bin ich denn verrückt? Ja! sage ich. Das sind sie. Wer trauert wird leicht verrückt. Ist nicht mehr ganz ganz. Weil nichts mehr normal ist. Wie sollte er es dann sein. Die Normalität ist vorerst verloren gegangen. Bis auf Weiteres nichts Heiteres.

In einem Gebet für Trauende heißt es:
„Gesegnet seien alle, die mich nicht ändern wollen, sondern geduldig so nehmen, wie ich jetzt bin, verrückt vor lauter Trauer.
Gesegnet seien alle, die mich ertragen, weil sie wissen, dass nichts mehr ist, wie es war.
Gesegnet seien alle, die mir zeigen, dass Gott mich nicht verlassen hat.

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„Du machst mich noch ganz verrückt!“ So sagen wir zueinander, wenn wir uns auf die Nerven gehen. Wenn Kinder um etwas betteln ohne Ende. Wenn sich jemand was in den Kopf gesetzt hat, unbedingt will und einfach nicht aufhört, es allen jederzeit und überall zu sagen.

 

Es macht nicht besonders sympathisch, und Freunde macht man sich eher nicht damit. Umso erstaunlicher ist es, dass wir unseren Gott verrückt machen dürfen. Das jedenfalls sagt Jesus seinen Leuten. Und er will ja Gott erklären. Woran wir bei ihm sind. Wie wir mit ihm umgehen können.

Als Beispiel dafür, erzählt er von einer Witwe, der man ständig Unrecht tut. Und deshalb wendet sie sich an einen Richter. Aber der ist auf beiden Ohren taub. Und weil sie ohnedies eine rechtlose Person ist, denn damals galten Frauen nicht viel und verwitwete schon mal gar nicht, darum lässt er sie links liegen und setzt sich nicht für sie ein.

Da hat er sie aber unterschätzt. Denn sie lässt nicht locker. Unablässig liegt sie ihm in den Ohren. Sie setzt ihm so dermaßen hartnäckig zu, dass er am Ende doch reagiert, und ihr hilft, so dass sie zu ihrem guten Recht doch noch kommt. Und das hat sie nur geschafft, weil sie ihn ganz verrückt gemacht hat mit ihrem Anliegen.

Und genau so, sollen wir es auch mit Gott machen, sagt Jesus. Wir dürfen ihm in den Ohren liegen, unbändig einklagen, was uns recht und billig erscheint.

Es stört ihn nicht, wenn wir unseren Gott verrückt machen mit unserem unverschämten Drängen auf Glück und Verschonung, auf Hilfe und Kraft, auf Glaubenslust und Lebenslaune.

Das ist nicht unanständig oder gar gottlos. Im Gegenteil: Es ist eine ganz intensive Form, an ihn zu glauben, wenn wir alles auf eine Karte setzen und nicht aufhören, uns in seine Nähe zu beten. Niemand ist Gott lästig mit dem, was er braucht.

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Wir dürfen verrückte Sachen machen. Als Christenmenschen allemal. Es geht nämlich nicht immer mit rechten Dingen zu, wenn man in die Nähe Gottes kommt. Das hat Jesus jedenfalls gezeigt. Mit Gott verbunden sein, da kann schon mal was aus der Reihe tanzen. oder übers Wasser gehen. Jesus jedenfalls kommt nach den atemberaubenden Berichten der Bibel plötzlich seinen Leuten übers Wasser entgegen.

Sie sitzen alle in einem Boot und fahren über den See. Da ist er auf einmal da, der Wasserläufer Jesus. Und Petrus erkennt ihn als erster, sagt, dass ist der HERR und ist außer sich.
Das ist eine gute Vorstufe vor dem Verrücktsein Außer sich zu geraten. Aber es kommt noch verrückter! Denn Jesus ruft Petrus zu, er solle ihm doch entgegen kommen.
Und da steigt Petrus wie von Sinnen tatsächlich aus, aus dem Kalkulierbaren und verlässt das sichere Boot, um Jesus entgegen zu gehen.

Und das klappt. Das klappt sogar vorzüglich. Ganz seinen Jesus im Blick kann er übers Wasser gehen, eine Zeit lang jedenfalls. Aber dann richtet er seine Aufmerksamkeit auf Wind und Wellen realisiert wohl seine verrückte Idee, fängt an, darüber nachzudenken, ob das geht, gut geht und da zieht es ihn aber so was von runter und er geht unter.

Zum Glück reicht ihm Jesus die Hand, fragt nach der tragfähigen Qualität seines Glaubens und bringt ihn ins Boot zurück. Verrückt - entzückt - geglückt.
Es kommt wohl auf die Blickrichtung an. Übers Wasser gehen, geht wohl nur im Hinblick auf den verrückten Gottesmann. Und der ist mit allen Wassern gewaschen.

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Als Christ muss man auch ein bisschen verrückt sein. Ohne dieses Talent wird man nur schwer klar kommen mit diesem Glauben. Aber das macht die Sache ja auch so interessant.

 

Im Grunde machen wir doch auch immer dann verrückte Sachen, wenn wir uns so richtig spüren und wundern. Und spüren und wundern, das ist Leben pur. Und Leben pur ist wunderbar.

So wie diese verrückte Geschichte von den 99 Schafen. Jesus will ja erklären, wie Gott ist. Wie anders, wie sonderbar. Und damit die Leute eine Ahnung davon kriegen, was er meint, erklärt er es mit kurzen Geschichten. Zum Beispiel so:
Einer hat 100 Schafe. Das ist eine schöne Herde. Das gehört zur alltäglichen Kulisse der damaligen Zeit. 100 Schafe zusammen zu halten, das ist gar nicht so leicht.
Zumal es immer auch schwarze gibt. Und jetzt, sagt Jesus, geht von den 100 tatsächlich 1 verloren. Das kommt vor. Ein bisschen Schwund ist immer. Aber 99 sind ja noch da. Kein Grund zur Panik also.

99 Schafe, das ist eine schöne Zahl. Verrückt nur, dass Jesus nun sagt, der Hirte würde nun die 99 sich selbst überlassen und sich auf die Suche nach dem einen Einzigen machen. Das Kopfschütteln und ähnliche Gesten der Verwunderung sind ihm gewiss. Denn so viel steht fest:

Kein Mensch, keiner jedenfalls, der sich ernsthaft ein Hirte nennt, würde so etwas Verrücktes machen. Das ist weder verantwortungsbewusst noch sachlich angemessen. Das kann nur jemand sagen, der keine Ahnung hat von Ackerbau und Viehzucht. Mag sein.

Jesus ist ja auch Zimmermann gewesen. Und er will ja auch keine neue Anleitung für Schäfersleute installieren. Er will nur sagen: So ist Gott. So verrückt. Ihm geht es um den Einzelnen. Er schreibt kein einziges seiner Schäfchen ab. Und die, die ihm weglaufen, die mag er besonders. Dass sich keiner wundert: Er will Hundert!

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Er rückt alles beiseite und macht Platz für was Besonderes. Früher hat man das noch mehr gemerkt. In meinem allerersten Lesebuch mit dem Namen „Meine bunte Welt“ mit dem die Erstklässler in der Pfalz in den 60ger Jahren das Lesen gelernt haben, da wird der Sonntag als konkurrenzlos verrückter Tag so beschrieben:

„Der Sonntag ist schön. Vater arbeitet nicht und ich habe keine Schule. Wir dürfen länger schlafen. Auf der Straße ist es nicht so laut wie sonst. Ich wasche mich sauber und ziehe meine schönen Sonntagskleider an.
Die Glocken läuten. Dann gehen wir in die Kirche. Ich setze mich still in eine Bank. In der Kirche ist es schön. Die Fenster haben buntes Glas. Die Orgel spielt. Die Leute singen und beten. Das freut den lieben Gott. Die Kirche ist ja Gottes Haus.“

Wie alt und überholt das heute für uns klingt. Was waren das für Zeiten? Welche Rollenbilder? Welche Alltagskultur? Mit der Kirche im Dorf. Und der Kirchgang als Pflichtübung. Damit ist es längst vorbei.

Doch „Immer wieder sonntags, kommt die Erinnerung….“haben seinerzeit Cindy und Bert gesungen. Ja, der Sonntag ist und bleibt ein memory-Tag. Da denken die Eltern an die Kinder, die Großeltern an die Enkel. Da besuchen wir uns.

Wer traurig ist, der ist es heute noch ein bisschen mehr. Wer verliebt ist, kann es heute besonders spüren. Wir unterbrechen den Alltag und rücken ab vom  ganz normalen Tun. Weil wir noch etwas spüren von dem besonderen Zauber, etwas von der Sehnsucht nach Heimat und Halt, etwas von Heimweh und Feiertag.

Sonntags kann es mal anders  ab und zugehen. Ich freu mich wie verrückt darauf. Heut ist nicht alle Tage. Heut ist Sonntag. Gott sei Dank!

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Wenn der Tod kommt, gibt es viel zu tun für die Lebenden. Da muss an so Vieles gedacht werden. Unter anderem auch daran, was die Verstorbenen angezogen bekommen. Wie sie eingekleidet werden. Manchmal gibt es da Wünsche der Verstorbenen selbst. Manchmal wird aber auch ein Leichentuch verwendet. Das hat eine lange Tradition. In allen Kulturen und Religionen.

Leichentücher sind bis heute eine weit verbreitete Form der Bestattung, meist sind sie aus Leinen, ganz schlicht gehalten, um die Gleichheit des Menschen vor Gott zu symbolisieren.

Auch ohne Grabbeigaben, weil irdische Güter nach dem Tod spätestens nichts mehr bedeuten. So ist es auch zu dem berühmten Sprichwort von dem letzten Hemd gekommen, das bekanntlich keine Taschen hat.

Die Bibel erzählt von einem reichen Mann. Er heißt Josef von Arimathäa und ist ein Freund von Jesus gewesen. Erst war er nur reich, weil er viel Geld hatte und dann wurde er noch reich an Erfahrung. Denn er kümmert sich um den toten Jesus. Und darum, dass er eingekleidet wird.

Ich habe übrigens gar nicht gewusst, dass mein sein Grab auch ausleihen kann, bis ich von diesem Mann gelesen habe.

Der ist nicht nur reich, sondern auch klug. Und der kluge Mann baut bekanntlich vor. Und Josef von Arimathäa baut sich vor seinem Tod ein Grab. Ein Felsengrab. Und jetzt, da er sich um den toten Freund Jesus kümmert, kommt er auf die Idee, ihn in sein eigenes Grab zu legen.

Es ist eine Liebestat. Unser Umgang mit unseren Toten sollte sich an diesem Vorgang messen. Es sagt nämlich viel über unsere Art miteinander zu leben aus, wenn wir uns genau anschauen, wie wir mit den Toten umgehen. Wie wir uns darum kümmern, dass es sich nicht um ein Entsorgungsproblem handelt. Da leisten unsere Bestattungsleute Großes.

Vor allem, wenn sie die Hinterbliebenen einbeziehen. Auch wenn es um das letzte Hemd, das Totenhemd geht oder darum, was zuletzt angezogen wird, ehe wir sie in das geliehene Grab legen.

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Kleider machen Leute-auch hässlich. Manchmal. Hässlich finde ich nämlich das, was die Soldaten, die bei der Kreuzigung Jesu dabei gewesen sind, was die dann tun, nachdem ihr Auftrag ausgeführt ist. Sie reißen sich nämlich um die Kleider.

Das Einzige, was Jesus wohl hinterlässt, ist das Kleid, das er anhat. Das Leid-Kleid. Man hat es ihm ausgezogen. Und nun wollen es die Soldaten unter sich aufteilen. Und sie würfeln darum. Es ist nämlich wertvoll. Denn es ist aus einem Stück Stoff. Das ist etwas Besonderes. So wertvolle Sachen trägt sonst nur der Hohepriester.

Und jetzt wird gewürfelt um den Heiligen Rock, denn es wäre zu schade, das kostbare Stück zu zerteilen. Es kann also nur einer bekommen. Mal sehen, wie die Würfel fallen…

Die Szene der Leidensgeschichte ist einigermaßen grotesk, ja, sie ist einfach hässlich:
Während nämlich da oben am Kreuz einer hängt und einsam stirbt, sitzen da unten welche und würfeln sich was.

Sie machen natürlich nichts falsch. Sie tun nur das, was Recht ist. Denn nach geltendem römischen Recht gehört den Henkern das letzte Hemd der hingerichteten Übeltäter. Dieses LeidKleid aber gehört eigentlich uns allen. Sein letztes Hemd hat Jesus für alle gegeben, indem er alle Stationen des Leidens und Sterbens für uns durchschritten hat.

Die Würfel sind gefallen. Wir sind das schwere Los los. Denn sein Leidkleid zieht uns alle an. Er ist ja der wahre Hohepriester, der die Verbindung zu Gott für uns herstellt, eine Verbindung, die über Leid und Tod hinaus bestehen bleiben soll.

Kein Leiden soll mehr nackt und bloß dastehen, alle sollen eingehüllt sein. Für jedes Leid ein Kleid. Sein Kleid.

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Kleider machen Leute. Machen Leute groß, bedeutsam, erhaben. Oder machen Leute klein, armselig, unterlegen. So kann man den Bettler vom König unterscheiden, den Sträfling vom gemachten Mann.

Ganz bitter wird es, wenn Kleider dazu benutzt werden, zu verspotten. Dann zieht man einem Menschen etwas an und ihn damit auf. Dann umhüllt man ihn scheinbar mit Insignien der Macht, stellt ihn aber damit bloß.

Die Dornenkrone ist so ein Zeichen der Verachtung. Aber auch der Purpurmantel. Beides, so erzählt die Bibel, ziehen sie Jesus an, nachdem klar ist, dass er ans Kreuz muss. Nur hohe Würdenträger tragen Purpur. Bei dieser Krönung aber, die man Jesus antut, wird das Hoheitszeichen zum Ausdruck für das Leid.

Und sie haben einen Heidenspass dabei, ihn vor allen damit zu verhöhnen. „Gegrüßet seist Du, Judenkönig!“ rufen sie ihm zu und schlagen ihn dabei. Wer mit Lust grausam ist, wird zum Unmenschen. Und niemand widerspricht, niemand protestiert, gebietet Einhalt, verhindert Schlimmeres.

In den Folterkammern dieser Welt hat sich seit damals nichts geändert. Da sitzt Jesus noch immer und immer wieder in Gestalt derer, die seine geschundenen Schwestern und Brüder sind und unsagbares Leid ertragen müssen, mit Dornenkrone und Purpurmantel in allen Variationen. Die Passion passiert bis heute. Die Leidensgeschichte Jesu ist unendlich, wie es scheint.

Obwohl das Verbot der Folter seit 1948 gilt, Verschonung vor Folter also ein unveräußerliches Menschenrecht ist, findet sie dennoch statt in unzähligen Ländern dieser Welt. Im Verborgenen geschieht das meist, um einzuschüchtern und zu demütigen. Daran werden Opfer und Täter krank.

Die Passionszeit sollte auch zur Zeit des Protestes werden. Gegen Demütigungen und Folter. Das können wir überall beginnen, wo wir miteinander leben. Respektvoll und fürsorglich werden wir untereinander einüben, wie Hohn und Spott unter uns  verschwinden.

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