Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

Tom Buhrow ist der Intendant des WDR und ehemaliger Moderator der Tagesthemen. 1958 in Troisdorf geboren, Abitur in Siegburg, dann Studium der Geschichte, Politikwissenschaften und Rheinischer Landeskunde in Bonn. Ein Rheinländer, das verbindet uns beide und auch das Katholisch-Sein, das ja im Rheinland eine eigene Qualität hat. Zum Einen das Rebellische, geschichtlich bedingt durch die Abgrenzung vom Preussischen, das am Rhein nie auf Sympathie stiess. 

Das andere ist: da wo die Kirche selber versucht Macht auszuüben und sagt - ich schreibe dir jetzt vor wie du dein privates Leben zu leben hast - dann trennt sich diese Allianz
und dann sagt der Rheinländer: ja, also ich lass den lieben
Gott „ne joode Mann sinn“, einen guten Mann sein, weil ich mir nicht genau vorschreiben lasse, wie ich im privaten Leben zu leben habe. Deshalb ist so eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit den Regeln und den Dogmen und auf der anderen Seite aber doch eine kulturelle Verbundenheit mit der Kirche: wir sind Katholiken und wir sind stolz drauf, das ist eigentlich die Tradition.

Seit 2013 lebt Tom Buhrow wieder im Rheinland. Am 1.Juli wurde er in Köln zum Intendanten des WDR gewählt. Bekannt wurde er durch seine vorangegangene Aufgabe als Moderator der Tagesthemen und vorher schon als Leiter und Gesicht des ARD Fernsehstudios in Washington. Die Frage ob er als gelernter und erfahrener Journalist sich manchmal nicht nach alten Zeiten an der journalistischen Front sehne beantwortet er mit einem klaren Nein. Alles hatte und hat seine Zeit.

Das ist im Leben ja eigentlich immer so. Man muss eine Sache loslassen um in eine neue Lebensphase zu kommen. Wenn man Vater wird ist man kein Single mehr. Man ist verantwortlich für ein kleines Wesen und kann nicht mehr in die Kneipe oder ins Kino gehen wann immer das einem passt. Aber man hat eine ganz tiefe andere Befriedigung, die man dafür bekommt. So ist das hier auch.

Wie bei jedem gibt es auch für Tom Buhrow Menschen, die ihn geprägt oder fasziniert haben. Auch beim Thema Glauben. Große Namen zu nennen fällt ihm da aber eher schwer.

Mich inspirieren meistens Menschen aus Fleisch und Blut mehr als diejenigen die so über die Jahrhunderte hinwegstrahlen - und natürlich auch zu uns sprechen. Das ist bei mir auch abhängig von der Lebensphase oder Lebenssituation. Das kann mal jemand sein, der sehr in der Einkehr war, ein Einsiedler, der mich jetzt mehr inspiriert und dann, in der nächsten Lebensphase, jemand der mehr im Leben stand, und sehr hemdsärmelig -sozusagen- im Leben war.

Zwei biblische Gestalten nennt er mir dann doch.

Ich hab mich früher immer mit Johannes ein bisschen mehr identifiziert, der Sanfte unter den Jüngern. Ich hab kürzlich eine Situation gehabt wo ich mich sehr Maria zugewandt fühlte, da hatte ich das Bedürfnis nach dieser Mütterlichkeit. Insofern bin ich da aber offen solange es da einen Zugang gibt, zum Göttlichen, egal worüber der kommt.

Tom Buhrow steht zu seinem Christ-Sein, aber auf zurückhaltende Weise. Der Glaube ist ihm wichtig, aber einer, der um seine Ecken und Kanten weiss.

Ich muss nicht perfekt sein und sündenfrei sein um vor Gott zu treten. Ich hab  - weil niemand in der Lebensführung komplett perfekt ist - auch mit dem öffentlichen Bekenntnis „Ja ich glaube" immer ein bisschen ein Problem gehabt, weil ich das Gefühl habe das ist immer so ein bisschen verdächtig: man stellt sich hin und denkt: ja ich bin ein aufrechter oder makelloser Mensch oder ich führe ein christliches Leben. Das ist nicht der Fall.

Sicher nicht nur bei ihm. Was ihn in dieser Haltung bestärkt, warum er von Imagekampagnen der Kirche wenig hält und wie er an seine ehemalige SWR Sendung „Tim fragt Tom“ erinnert wird, dazu im zweiten Teil.

Teil II:

Tom Buhrow ist Medienprofi durch und er hält auch das Engagement der Kirche in den Medien für richtig, warnt aber vor Übertreibungen.

Deshalb finde ich es auch gar nicht gut, dieses „Ja die Kirche muss sich besser verkaufen „- find ich überhaupt nicht. In Amerika hab ich das gesehen, die können sich glänzend verkaufen auf einer Bühne mit einem Mikrophon. Da sind Prediger, die sind Showmen. Ich fühle mich dadurch jedenfalls eher abgestoßen - muss ich sagen.

 Sein Verhältnis zu Gott und Glauben ist da leiser und unaufdringlicher. Mit einer Erfahrung, die dem Leben Halt geben kann.

Ich glaube, dass da nicht irgendjemand ist, sondern dass der Allmächtige mich wollte. Ich hab kürzlich jemand kennengelernt - der ist schwul - und der sagte: ich hatte so damit zu kämpfen dazu zu stehen, das war so ein Kampf. Ich hab so mit Gott gerungen und dann hab ich irgendwann gesagt: „Du hast mich so gemacht, jetzt musst mit mir leben wie ich bin.“ Und da ist was Tröstliches drin. An den Satz hab ich den letzten Monaten ein paar mal  gedacht: “Du hast mich so gemacht, jetzt musst du damit leben wie ich bin.“

Ich glaube das tut Gott auch. Ich hoffe es zumindest. Zum Abschluss unsres Gespräches erinnere ich Tom Buhrow an seine ehemalige Hörfunksendung „Tim fragt TOM“. Hier bei uns im SWR. Dort versuchte er Schwieriges mit einfachen Worten zu erklären. Mit Blick auf das Fest auf das wir zusteuern bitte ich ihn es mit einem Begriff aus meinem Metier zu versuchen. Weihnachten. Die Antwort ist meditativ.

 Wärme in der Dunkelheit. Und in dem dunkelsten Moment entsteht das Licht, das riesengroß wird. Und im kältesten Moment entsteht die Wärme, die uns alle leben lässt. Und in der ärmsten kleinen Stallecke wird das ärmste Baby geboren, das umgebracht werden sollte und heute berechnen wir fast in der ganzen Welt die Zeit nach ihm.

Und werden das hoffentlich auch weiterhin tun.

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