Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

Dieter Kaufmann

 … besseres Leben für Menschen weltweit

Wolf-Dieter Steinmann trifft Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks in Württemberg

Verbunden sein zu können über Entfernungen hinweg ist etwas Tolles. Ich kann ja an einem Ort sein und mich mit Menschen weit weg verbunden fühlen. Dieter Kaufmann, der Chef des Diakonischen Werks in Württemberg, will diese Verbundenheit nachher bewusst erleben. Er geht in Stuttgart in die Kirche. Aber zwischendurch…

Ich werde auch verbunden sein mit dem Gottesdienst in Thüringen, wo „Brot für die Welt“ die bundesweite Aktion eröffnet unter dem Thema „satt ist nicht genug“.

 „Satt ist nicht genug“ dabei fühlt er sich noch weiter verbunden. Mit Afrika, den Menschen in Mocambique, die ihn in diesem Jahr beeindruckt haben. Sich und ihre Familie satt zu kriegen, ist für viele dort echt schwer.

Wie die dann bei Nacht oft, wo es hochgefährlich ist, unterwegs sind, um ihre Existenz zu sichern, das erschüttert einen, berührt einen aber auch tief. Und wenn man dann noch in die Gesichter sieht, wie die fröhlich sind und strahlen, das zeigt, wie man auch ganz anders leben kann und muss.

Ich spüre, wie sehr er sich ihnen verbunden fühlt, auch als Christ. Das kann auch nicht anders sein. Christen gehören weltweit zusammen. Das hat sein Besuch in Mocambique ihm wieder sehr nah gebracht.

Christliche Verbundenheit mit den Geschwistern weltweit zu spüren, dass man dann füreinander Verantwortung übernimmt, da muss man manchmal vor Ort gehen.

Darum findet er die Projekte, mit denen „Brot für die Welt“, das evangelische Hilfswerk, Kleinbauern unterstützt, besonders überzeugend. Große Monokulturen, die er auch gesehen hat, machen nicht satt.

Rechts ein endloses Maisfeld bis an den Horizont und links eine Landschaft mit Bäumen und Büschen, wo man weiß, dass so einzelne Pflanzungen dazwischen sind. Zu wissen, dass dieses riesige Maisfeld von Agrarkonzernen aufgekaufte Felder sind und die Leute werden von ihrem Land vertrieben. Und dass da „Brot für die Welt“ arbeitet, um den Menschen die Landrechte zu sichern, dann weiß man, was Projekte sind, die wirklich helfen.

Wie auch eine Kooperative von Erdnussbäuerinnen. Da hat schon eine Erdnussschälmaschine das Leben entscheidend verbessert.

Dann können die mehr produzieren, können mehr Geld erwirtschaften, die Kinder können inzwischen in die Schule gehen. „Satt ist nicht genug“ das heißt, man braucht noch mehr, dass die Menschen ihr Leben selbst in die Hand nehmen können und sich ernähren können.

Dieter Kaufmann ist zuversichtlich, dass die Projekte von „Brot für die Welt“ echt helfen. Weil zB. die Projekte immer „einheimisch“ sind.

Das heißt, dass man Initiativen, die dort schon etwas in die Hand nehmen, etwas verändern wollen, dass man mit denen zusammenarbeitet, die unterstützt.

Außerdem: Viele Mitarbeitende von „Brot für die Welt“ haben lange im Land gelebt. Alles Gründe für ihn, selbst zu spenden und im Advent auch darum zu bitten.

Das ist ein Geld, wo wir als Christen wirklich zeigen, dass wir mit unseren Geschwistern weltweit verbunden sind.

„Satt ist nicht genug“ – dieses Motto gilt auch uns.

.... Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Licht

Dieter Kaufmann ist Chef des Diakonischen Werks in Württemberg. - In letzter Zeit höre ich öfter sagen: „Es gibt auch bei uns Arme, Kinder, die mangelernährt sind.“ Warum engagiert sich Diakonie da weltweit, mit „Brot für die Welt?“ - Weil Christen nicht sagen: ‚Not hier, zählt mehr‘. Sondern wer Hilfe braucht, der zählt.

Das gilt hier bei uns genauso wie im Weltweiten. Das eine gegen das andere auszuspielen, das geht nicht. Deshalb muss kein Mensch hier Angst haben, ob er am Rand lebt, ob er Unterstützung braucht. Das ist wirklich ein immenser Teil unserer Arbeit.

Satt werden. Ein Grundbedürfnis. Aber nur „satt“ ist nicht genug. Weder in Afrika noch hier. Er erinnert, was Jesus gesagt hat: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Und meint: Man kann satt sein und trotzdem fehlts.

Man merkt, dass was einem in Innersten hält und trägt, das ist nicht das, was man essen kann, sondern das ist etwas, was alle Menschen umtreibt, diese Sehnsucht. Dass wir dem nachspüren, wie kann denn die Tür bei mir aufgemacht werden oder vielleicht auch ich. Dass wir wieder für das empfänglich sind, was von außen auf uns zukommt.

Wonach sehne ich mich? Will ich das spüren? Ja, ich sehne mich, dass es nicht mehr so viele Gründe gibt, Angst zu haben. Vor Machthabern, die aus dem Ruder laufen. Vor Gewalt. Nach mehr Verbundenheit. Aber erfüllen kann ich diese Sehnsüchte nicht selbst. Dazu brauch ich Andere, Gott. Dieter Kaufmann macht Mut, Sehnsüchte nicht wegzuschließen. ZB. haben ihm die Menschen in Mocambique gezeigt, was uns vielleicht gut täte.

Wie sie den Menschen wahrnehmen, offen sind, wie sie auch miteinander umgehen. Genau die Menschen, die nicht jeden Tag satt werden, sind in einer anderen Seite erfüllt, wo ich denke, dass uns das gut tut, wenn wir darauf achten.

Sich für etwas auf-machen, damit man etwas aus-strahlen kann. Er erzählt von einem schönen Adventsritual im Büro. Um 12 Uhr wird das Diakonische Werk zu einer Art lebendigem Adventskalender.

An jedem Arbeitstag macht ein Mitarbeiter oder Mitarbeiterin die Bürotür auf. Dann gibt es ein Lied, eine Idee, ein Bild, dann steht man im Büro oder im Flur, singt miteinander.

Musik gönnt er sich auch im Advent. Auch die alten Adventsverse zB.: „Sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit.“

Da geht mir natürlich auch diakonisch das Herz auf, weil Heiligkeit und Barmherzigkeit, das ist das, was im Advent zum Strahlen kommen soll, dass Glaube und Liebe zusammen gehören.

Was ich von Dieter Kaufmann mitnehme: Nimm Dir im Advent Zeit für Deine Sehnsüchte. Gerade als Christ. Wecke in Dir die Sehnsucht nach weltweiter Gerechtigkeit. „Satt ist nicht genug.“ Das gilt dort, wie hier. Und man kann hoffen, dass Sehnsüchte erfüllt werden:

Licht für die Dunkelheiten unseres Lebens, für die Grenzen unseres Lebens, dass wir daraus dann wieder Licht schöpfen für uns und dann auch wieder Licht werden für andere.

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