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SWR4 Sonntagsgedanken

17JAN2021
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Bald geht manches wieder. Was zur Zeit unmöglich ist. Ich hoffe es. Auch Feste feiern wird hoffentlich bald wieder gehen. Das tut vielen besonders weh, nicht feiern zu können. Feste sind ja Höhepunkte des Lebens. Auch Jesus hat gern gefeiert, erzählt die Bibel. Heute wird in den evangelischen Kirchen davon sehr anschaulich erzählt.
Jesus war keiner, der den Menschen die Freude am Leben missgönnt hätte.
Ein Hochzeitsfest, bei dem Jesus mitgefeiert hat, verspricht: Diese Welt soll, wenn es nach Gott geht, kein Jammertal sein. Im Gegenteil: Sie ist Gottes Schöpfung und sie soll schöner werden. Sodass alle Menschen es gut auf ihr haben können. So erzählt es die Bibel. Das Leben auf der Erde soll immer wieder nach Reich Gottes schmecken. Menschen sollen das erleben können. Alle Geschöpfe. Wie bei einer Hochzeit.

Leider ist unsere Welt noch nicht das Reich Gottes. Zur Zeit schon gar nicht. Aber es ist möglich. Es wird wieder Feste geben. Und das Leben kann Freude machen. Gerade Christen müssen nicht als Miesepeter durch die Welt laufen. Oder nur ernst sein. Und man kann sich zur Festfreude auch anstiften lassen. Und man kann zur Festfreude beitragen.

Auch Jesus musste anscheinend auf den Festgeschmack gebracht werden. Maria, seine Mutter war da ganz wichtig. Sie hat als eine der ersten Gäste auf dieser Hochzeit mitbekommen, dass der Wein ausgeht. Mitten im Fest nichts mehr zu trinken. Das ist schlimmer, als wenn das Essen ausgeht. Also Maria bekommt das mit, dass das Fest zu kippen droht. Sie geht zu Jesus und will ihn auffordern. Tu etwas für die Freude der Menschen.

Das gefällt mir an Maria. Sie traut ihrem Sohn was zu. Sie weiß anscheinend um die besonderen Gaben, die Jesus von Gott mitbekommen hat. Und sie ermutigt ihn, seine Gaben jetzt zu gebrauchen.

Und Jesus? Hat ablehnend reagiert. „Was willst Du von mir Frau“, sagt er, fast als ob seine Mutter eine Fremde für ihn wäre. „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Traut er sich nicht zu, dass er was tun kann? Oder will er nicht, fühlt sich nicht zuständig für Festfreude? Weil er sich zu anderem berufen fühlt? Vielleicht den Hungernden zu helfen? Die Bibel erklärt nicht, was Jesus in dem Moment abweisend sein lässt. Vielleicht spürt er auch: Meine Mutter will mit mir glänzen. Und darum geht es nicht, ums Glänzen.

Aber das Gute an Maria: Sie lässt sich nicht einschüchtern. Sie geht zu den Leuten, die beim Fest servieren und auftragen. Und sagt ihnen: „Tut, was er euch sagen wird.“ Also: Noch ist nicht Zeit zum Feiern. Aber bald. Und dann rettet Jesus die Festfreude. Bald kann das Leben wieder nach Fest schmecken.

Mir sagt das: Jesus ist in die Welt gekommen, damit Menschen froh werden und das Leben auch genießen. Christen sollen sich freuen und anderen Freude machen. Gerade jetzt, wo Feiern schwierig ist.

Etwas allerdings hat mich an dieser Geschichte schon öfter ins Nachdenken gebracht. Warum rettet Jesus das Fest dadurch, dass es wieder Wein gibt. Sehr guten. Hängt das Festliche und das Schöne im Leben daran, dass man sich berauschen kann?

Vielleicht schon. Stellen Sie sich das mal andersrum vor. Wir wären immer nur ernst. Würden immer total nüchtern leben. Ohne Genüsse. Sich berauschen können erhebt das Leben. Und ich denk dabei keinesfalls nur an Wein. Gerade weil ich weiß, wie gefährlich der sein kann. Aber es gibt viele andere Möglichkeiten zu einem Freudenrausch im Leben.

Alle Momente, die uns über den normalen Alltag hinausheben, haben etwas von berauschen, von begeistern. Denken Sie an Fußball oder Sport überhaupt. Wenn in Liverpool oder Dortmund und sonstwo 10000e Leute wieder auf der Tribüne feiern und singen werden. Da heben sie ab aus dem Alltag. Und wie hoch hinaus sie sich freuen können. Oder endlich wieder tolle Live-Konzerte mitfeiern. Egal ob mit Helene Fischer, bei Rock am Ring oder bei Klassikfestspielen. Auch Musik hebt uns aus dem Alltag heraus und kann sogar berauschen. Und vieles andere mehr. Die Liebe oder der Blick von einem Berggipfel in die Weite.

Darum: Ich finde es schon gut, dass Jesus in der Geschichte für sehr guten Wein gesorgt hat. Und wenn ihn manche Leute deswegen als „Fresser und Weinsäufer“ beschimpft haben, dann kann ich nur sagen: ‚arm dran, Leute.‘. Das Leben ist mehr als nüchterner Alltag. Und es ist schön, dass das wieder möglich sein wird.

Aber es stimmt, abheben im Leben geht auch ohne Wein. Auch jetzt: Wir können uns auch in diesen Zeiten freuen. Ich freue mich auch ohne Alkohol auf die kommende Woche: Wenn die USA ihren neuen Präsidenten kriegen. Ich hoffe, dass dann wieder möglich wird, was in den letzten 4 Jahren so gefehlt hat: dass wieder vernünftiger und barmherziger regiert wird. Und wir können uns auch gegenseitig helfen, dass wir uns über den Alltag hinaus freuen. Wenn wir uns alles Erdenkliche einfallen lassen, um anderen eine Freude zu machen. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen heute einen schönen Sonntag und eine gute erfreuliche Woche.

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