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SWR4 Sonntagsgedanken

02OKT2022
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An Schutzengel glauben in Deutschland mehr Leute als an Gott. Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa ergeben.

Heute ist Schutzengelfest. Papst Clemens der Zehnte hat das 1670 auf den 2. Oktober festgelegt. Ein katholisches Fest. Als Freikirchler bin ich gespannt, was es mir zu sagen hat. Denn auch ich habe, als meine Söhne noch klein waren, abends oft mit ihnen dafür gebetet, dass Gott seine Engel um ihr Bett aufstellt.

Den Glauben an Engel gibt es in allen Konfessionen und darüber hinaus im Judentum und Islam.
Der Glaube an Schutzengel entspricht unserer Sehnsucht nach Sicherheit und Fürsorge. Und wer wollte uns das verdenken – in Zeiten des relativ nahen Ukrainekrieges, der beginnenden Teuerung und der bedrohlichen Klimakrise?

Der Glaube an Schutzengel ist schon in der Bibel angelegt. Als eine Begründung wird das Jesuswort aus dem Matthäusevangelium angeführt: »Hütet euch davor, einen dieser kleinen, unbedeutenden Menschen überheblich zu behandeln. Denn ich versichere euch: Ihre Engel haben immer Zugang zu meinem Vater im Himmel!“ (Matthäus 18,10).

Das erklärt, warum viele glauben, einen persönlichen Schutzengel zu haben. Dass es Engel gibt, steht für mich außer Frage. Sie kommen an so vielen Stellen in der Bibel vor, dass ich sie nicht ignorieren kann. Also übernatürliche Wesen, die aus der Himmelswelt kommen, und die rangmäßig unter Gott stehen. Gott bedient sich ihrer, um auf uns Menschen einzuwirken. Wir können sie nicht sehen, aber manche Menschen spüren z.B. „dass da jemand im Raum ist“. Manche erzählen von weißgekleideten Personen, die ihnen etwa im Traum erscheinen. Oftmals fühlen sich Menschen nach solchen Erlebnissen ruhiger, gelassener, von Angst befreit, hoffnungsvoller, ja sogar mutiger.

Für mich ist eins klar: Engel sind vor allem Boten Gottes, die den Menschen etwas von Gott mitteilen. „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird“ sagt ein Engel den Hirten auf dem Felde, während nebenan in Bethlehem Jesus geboren wird. Und „Ehre sei Gott in der Höhe / und Friede auf Erden / den Menschen seines Wohlgefallens.“ ergänzt „die Menge der himmlischen Heerscharen“. Merken wir was? „Keine Angst. Frieden und Freude“ das verkünden die Engel den Menschen. Und sie dienen damit unserem Bedürfnis nach Sicherheit und Fürsorge.

Heute, am 2. Oktober ist Schutzengelfest. Zwei Drittel aller Deutschen glauben an Schutzengel. Manche ein bisschen humorvoll. „Fahr nicht schneller als dein Schutzengel fliegen kann!“ ruft eine Frau ihrem Mann zu, bevor er ins Auto steigt. Ich habe dazu mal eine Fotokarikatur gesehen, wo ein Kruzifix an einer Kette am Innenspiegel eines Autos vor lauter Geschwindigkeit schräg nach hinten hängt. Und Jesus hält sich mit aller Kraft am Querbalken des Kreuzes fest, damit er nicht herunterfällt.

Wir wollen uns gerne sicher, beschützt und umsorgt fühlen. Und der Glaube an Schutzengel stärkt dieses Bedürfnis.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich so etwas wie einen persönlichen Schutzengel habe. Aber in Psalm 18,3 bezeugt der Beter, dass Gott selbst ihn schützt: „Der Herr ist mein Fels, meine Burg, mein Retter. Mein Gott ist die Festung, auf die ich vertraue, mein Schild, meine Schutzmacht und meine Zuflucht.“ Gott gebraucht dazu manchmal auch Engel. In Psalm 34,8 sagt der gleiche Psalmbeter: Der „Engel des HERRN beschützt die, die auf Gott hören und rettet sie.“

Gott hat offenbar die Absicht, uns zu schützen. Und dazu möchte er gerne, dass wir auf ihn hören.

Wie geht das? Wie können wir auf Gott hören?

Ich habe zwei Quellen als Favoriten: Das eine ist die Bibel, die Heilige Schrift. Das andere ist das Gebet.

In der Bibel lese ich ganz häufig Worte, die in mein alltägliches Leben hineinsprechen. Gott gebraucht Bibelworte, um mich an etwas zu erinnern oder mir etwas besonders in Bewusstsein zu rufen, das jetzt gerade für mich oder Menschen um mich herum wichtig ist. Ich höre aus diesen Worten seine Stimme.

Wenn ich bete, baue ich bewusst immer ein paar Schweigeminuten ein. Da rede ich gar nicht zu Gott. Ich versuche still zu sein und hinzuhören, ob mir die leise Stimme Gottes etwas zuflüstert. Und das passiert manchmal. Nicht immer. Aber oft, wenn nicht anderes meinen Gedanken besetzt. Manchmal sagt er mir „Du, ich bin bei dir“ oder „Ich habe dich lieb.“ Und dann wird mein Herz meist ruhiger, gelassener und auch freier. Oder er gibt mir Impulse, was ich tun soll: „Ruf den mal an!“ Mach da mal einen Besuch! Schreib der mal eine E-Mail!“ Ich versuche, das dann meistens zeitnah umzusetzen. Ich versuche, auf Gott zu hören. Und tatsächlich, wenn ich mir das im Nachhinein so überlege … meistens ist eine Nebenerscheinung auch, dass ich mich sicher fühle. Wenn Gott mir dafür einen Schutzengel schickt, okay, dann gerne.

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