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SWR3 Gedanken

06MRZ2021
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Preisfrage: Wer ist der bestbezahlte Angestellte der Welt? Tara: Lionel Messi. Ein Kicker, angestellt beim FC Barcelona. Dieser Mann hat in den letzten 4 Jahren rund eine halbe Milliarde verdient. Fürs Kicken! Sind die Profi-Fußballer jetzt völlig balla geworden? Klar, man kann lange streiten wer für welche Tätigkeit wie viel Geld bekommen soll. Aber Leute wie Messi ruinieren nicht nur den FC Barcelona, der mit einem Schuldenberg von 1,2 Milliarden kurz vor der Pleite steht, sie ruinieren auch den Fußball. Und es musste nicht erst die Corona-Krise kommen um zu zeigen, dass es beim Profi-Fußball nur noch um Kohle geht. Wenn so viele Geschäfte, die weiß Gott wichtiger als Fußball sind, dicht machen müssen. Fußball aber weiter gespielt werden darf ohne die, von denen er lebt: die Fans. Diese Kommerzialisierung des Fußballs find ich einfach nur pervers. Pervers bedeutet von der Wortwurzel her entartet, widernatürlich und verderbt. Volltreffer – denn genau das ist der Profi-Fußball geworden.
Und was kann ich tun, als Mensch der selbst lange Fußball gespielt hat und diesen Volkssport sehr mag? Was kann ich tun, wenn die russischen Oligarchen, die Scheichs und die Fernsehsender weiterhin Milliarden in die großen Fußballvereine pumpen? Keinen Fußball im Pay-TV schauen. Und keinen Cent dafür zahlen.

 

Quelle: Südwest Presse, Dienstag, 2.2.21, Sportteil „Gestatten: der bestbezahle Angestellte der Welt“ von Marin Dahms.

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05MRZ2021
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„Leben ist das, was passiert, während Du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ Guter Spruch von John Lennon. Pläne! Es ist so wichtig, nicht planlos vorzugehen. Wenn ich was machen will, bei dem spontan sein eher kopflos wäre. Aber das mit dem Plan hat auch noch eine andere Seite: dass ich eben nicht alles planen kann im Leben. Corona hat mir das überdeutlich gemacht, dass ich zwar schon noch Pläne machen kann, aber immer im Bewusstsein, dass es mit ihrer Ausführung nix oder mindestens schwieriger werden könnte. Eigentlich müsste ich darin doch ganz gut sein. Denn schon vor Corona hab ich mein Leben und damit auch meine Pläne meistens unter einen Vorbehalt“ gestellt, der da heißt: „So Gott will“. Ein Vorbehalt, der mich auch beruhigt. Weil er sagt: ich kann planen, ackern und tun, es gibt aber noch jemanden, der mir dabei hilft, mich stärkt oder bremst. Oder vielleicht sogar ganz anderes mit mir vorhat. Das lockert mich, wenn ich mal zu verbissen an meinen Plänen hänge. Weil es mir die Perspektive weitet. Denn wenn Gott im Spiel ist, dann ist der Rahmen ganz weit gesteckt. Von meiner Geburt bis zu meinem Tod. Und in dieser weiten Spanne, meiner Lebensspanne, da werden vermeintlich große Dinge auf einmal klein. Wenn Gott im Spiel ist, ist all mein Tun und mein Sein eingebettet in seinen „Großen Plan“. Und mein Job ist es bei all dem was ichdarin noch tun kann, mein Bestes zu geben…

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04MRZ2021
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Un-ter-brech-ung. Schon allein das Wort hat was Brachiales, Gewaltsames. Aber nicht nur. Es gibt gute Unterbrechungen und schlechte. Zu den schlechten gehört es zum Beispiel Kinder zu oft beim Spielen zu unterbrechen. Das schadet ihnen, weil sie dadurch aus ihrer seligen Selbstvergessenheit gerissen werden. Und weil es die Entwicklung ihrer Konzentrationsfähigkeit stört. Es ist einfach gut und gesund an einer Sache dranzubleiben. Das gilt für Jung und Alt.

Es gibt aber, wie schon gesagt, auch gute Unterbrechungen. Zum Beispiel beim Homeoffice. Dieser Arbeitsmodus ist Fluch und Segen. Es ist schon recht nicht mehr so viel in der Gegend herumfahren zu müssen. Aber je länger ich mich im Homeoffice befinde desto schwammiger werden die Grenzen zwischen Arbeitsleben und Privatleben. Ich könnte echt Tag und Nacht arbeiten. Und immer öfter schleichen sich meine geschäftlichen Gedanken von meinem Arbeitszimmer in mein Schlafzimmer. Das passiert vor allem dann, wenn ich mich nicht immer wieder unterbreche und Pausen mache. Und wenn ich zwischen Arbeit und Freizeit nicht konsequent Grenzen ziehe. Der Wechsel macht’s dass es mir gut geht und ich meine Arbeit gut und gern mache. Aber dafür muss ich mich immer wieder selbst unterbrechen. Denn mit guter Arbeit ist es wie mit gutem Wein.
Der Wein schmeckt auch nur, wenn er nicht dauernd getrunken wird und nicht hinuntergestürzt wie ein Glas Wasser. Sondern mit gehörigen Unterbrechungen. Schluck für Schluck.

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03MRZ2021
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Segen. Ich mag das Wort und ich mag es auch wenn jemand segnet. Segen klingt so schön ähnlich wie Regen. Der Segen, der sanft auf die Erde niedergeht, wie ein unsichtbarer Regen aus Liebe, Güte und Wohlwollen. Wenn Christen segnen, dann machen sie mit der Hand ein Kreuzzeichen über die Menschen, wie die Pastorin oder der Papst. Oder mit dem Daumen auf die Stirn wie die Mutter einem Kind. Die Hand oder der Daumen gehen von oben nach unten und dann von links nach rechts. Eine Geste, die Himmel und Erde zusammenbringt, Ost und West, Horizontale und Vertikale. Eine Geste von umfassendem Wohlwollen, von behütender Güte.

Gesegnet also seist Du, der Du gerade diese Worte hörst.
Gesegnet sei Dein Leib mit aller Lust und Last, die er in sich trägt.
Gesegnet sei Deine Seele, die Dich frei und fröhlich machen möge. Und wieder hell werden, wenn sie gerade im Dunkeln ist.
Gesegnet seien die Menschen, die Du liebst und die Dir das Leben lebenswert machen.
Gesegnet seien Dein Verstand, Dein Mund und Deine Hände, mit denen Du Deine Arbeit machst. Im Beruf und zu Hause.
Gesegnet sei der Mensch in Deinem Bauch, der bald das Licht der Welt erblickt. Möge er ein Leben in Gesundheit, Frieden und Glück führen.
Und gesegnet seist Du, wenn Du bald sterben musst. Möge Dein Übergang sanft sein. In die Welt, die ganz und gar Segen ist…

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02MRZ2021
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„Inzwischen fühlt es sich an, wie ein in Watte gepackter Albtraum“.“ Das hat der Schauspieler Ulrich Tukur gesagt. Und gemeint hat er natürlich  Corona. Ja, ich kann das Wort auch schon lange nicht mehr hören. Und es ist ja auch fürchterlich, seit über einem Jahr beherrscht diese abstrakte Bedrohung unser Leben. Abstrakt, weil man sie nicht direkt sieht oder fühlt sofern man nicht selbst daran erkrankt war oder jemanden kennt oder gar jemanden durch den Virus verloren hat. Trotzdem und notwendigerweise müssen wir noch mit all den Einschränkungen leben. Damit die Bedrohung nicht für zu viele Menschen zu konkret wird, tödlich konkret wird. Aber es geht jetzt schon ans Eingemachte, selbst mir, der ich gesund bin, mir weder finanziell Sorgen machen muss noch durch Homeschooling der Kinder gestresst bin. Von immer mehr Menschen höre ich, dass sie am Rande ihrer Kräfte sind. Aber gerade jetzt, wo wir durch den Lockdown und die Impfungen vielleicht endlich ein wenig Land sehen, müssen wir nochmal tief durchatmen und durchhalten. Und drei Dinge leben und weitergeben: Disziplin, Geduld und Zuversicht. Bis der Albtraum mit Namen Corona endlich vorbei ist. Und er wird vorbeigehen. Je geduldiger, disziplinierter und zuversichtlicher wir jetzt sind, desto eher.

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01MRZ2021
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„Unser tägliches Brot gib uns heute“ – eine der Bitten aus dem „Vater Unser“. Wenn ich sie ausspreche, dann denke ich zurzeit besonders an die Menschen, die sich ihr tägliches Brot gerade nicht verdienen können. Wegen der Pandemie, die neben allem was sie an Belastungen gebracht hat, auch noch unsere Gesellschaft teilt. In einen Teil von Menschen, die durch Corona ihre Arbeit verloren haben oder um ihre finanzielle Existenz bangen. Und in einen Teil von Menschen, die trotz Corona genauso viel Geld haben oder wegen Corona noch viel mehr als vorher haben. Wir wissen um wen es hier geht, ich brauch die Berufsgruppen nicht aufzählen. Ich finde in dieser Notsituation sollten wir nicht nur Hilfe vom Staat erwarten. Wir könnten auch als Einzelne und als Gesellschaft reagieren. Darum plädiere ich für einen Corona-Solidaritätsfonds. Ein Fonds, regional begrenzt, auf eine Stadt zum Beispiel, in den Menschen freiwillig einzahlen. Menschen wie ich, deren Geld sich in der Corona-Zeit angehäuft hat, weil sie nicht einmal die Möglichkeit haben es auszugeben. Die Gelder dieses Fonds könnten an die Menschen ausbezahlt werden, die durch die Pandemie seit über einem Jahr weniger oder gar kein Einkommen mehr haben. Wäre das nicht ein wunderbares Zeichen in diesen schweren Zeiten? Die einen geben von ihrem vielen Brot, das sie gar nicht alles essen können. Die anderen nehmen von dem Brot, das sie so bitter brauchen. Die einen geben, die anderen nehmen und alle werden satt.

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28FEB2021
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Der ganze Erdball, mit einer Mund-Nasen-Maske. Das hab ich als Karikatur gesehen. Und ich konnte nicht mal schmunzeln darüber, wie sonst bei Karikaturen. Denn ich hab mich bis heute nicht an diese Masken gewöhnt. Natürlich trag ich sie trotzdem. Und wie leid tun mir die Menschen, die sie tagtäglich tragen müssen, stundenlang. Man meint sie nehmen einem den Atem. Tun sie aber wohl nicht. Trotzdem kann man damit nicht frei atmen. Und wie freue ich mich auf das freie Atmen, das Aufatmen, wenn diese Pandemie endlich vorbei ist. Persönlich aufatmen wenn ich diese Maske abnehmen kann und mir der Wind um die Nase weht, als ob mein Gesicht nacktbaden würde. 
Mitmenschlich aufatmen, wenn ich Menschen wieder lächeln sehe, mit dem ganzen Gesicht.
Politisch aufatmen, wenn es mir weniger oft den Atem verschlägt durch Staatsmänner, die die Demokratie mit Füssen treten und den Frieden bedrohen.
Und ökologisch aufatmen, wenn unser Erdball wieder richtig durchatmen kann, weil seine grüne Lunge, die Urwälder nicht mehr abgeholzt werden.
All das wünsche ich mir. Und für all das bete ich. Aber nicht für ein Geschenk, das vom Himmel fällt. Sondern darum, dass wir Menschen all das schaffen. Durch Klugheit, Mut und Zuversicht.

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