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SWR3 Gedanken

02JAN2021
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„Frauen können das halt nicht so gut wie Männer. Die sind nicht so leistungsfähig und robust“. Das hat mir neulich ein Mann gesagt. Er möchte lieber einen Mann im Pfarramt. Einen richtigen Mann. Ich hab keine Ahnung, was für ihn ein richtiger Mann ist. Und er hat offensichtlich keine Ahnung, wie leistungsfähig und robust eine Frau ist. Ich allemal! Schade für ihn.

Frauen und Männer mögen vielleicht unterschiedlich sein. Aber auch Frauen sind unterschiedlich. Und Männer auch. Jeder Mensch ist einzigartig. Es gibt Männer, die können toll kochen und zuhören. Es gibt Frauen, die können ohne weiteres die Autobahnpolizeiabsperrungsverordnung auswendig aufsagen und Reifen wechseln. Die Geschlechterklischees, die das Denken früher geprägt haben, die sind eigentlich schon längst widerlegt. Und trotzdem geistern sie noch in den Köpfen rum.

Der Apostel Paulus schreibt mal an seine Gemeinde- und das war vor 2000 Jahren: wer sich an Jesus Christus orientiert, für den darf es keine Geschlechterklischees geben. Alle sind gleich viel wert.

Für mich heißt das: jede Frau darf und soll sich beruflich und privat so entwickeln, wie es ihren Begabungen entspricht. Aber sie kann das nur, wenn andere ihr nicht Steine in den Weg legen, oder sich Dinge rausnehmen, weil sie denken, Frauen würden es nicht so bringen mit der Leistung.

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01JAN2021
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„Siehe ich mache alles neu!“. Wie sehr würde ich mir wünschen, dass das jetzt geschieht. Dieser Satz steht in der Bibel. Im letzten Buch. In der Offenbarung. Da geht es um die Zukunft. Wie es einmal sein wird. Kein Stein wird da auf dem anderen bleiben, steht da noch. Für mich ist das gerade eine verlockende Botschaft. Im vergangenen Jahr war vieles einfach schlecht. Die Pandemie hat viel Schönes verhindert. Menschen in meinem direkten Umfeld haben sich so verhalten, dass sie mich sehr enttäuscht haben. Privat und beruflich. Ich musste schwierige Abschiede nehmen.

Da käme es mir sehr gelegen, wenn alles neu wird. Am liebsten mit viel Getöse. Vielleicht so ein bisschen wie im Actionfilm. Mit einem Helden, der das Böse vernichtet und danach eine schöne Zukunft für alle bereit hält.

Das allerdings verspricht die Bibel nicht. Und wenn ich ehrlich bin, dann ist das auch gut so. Jesus ist kein Superheld, der die Schurken um die Ecke bringt. Er kämpft nicht mit Waffen, wie wir sie benutzen. Er kämpft mit Wahrhaftigkeit und Liebe. Und er kämpft mit Vergebung. Ich bewundere ihn und alle Menschen, die das können. Ich kann das nicht so gut. Zurzeit jedenfalls. Und doch tut es mir gut zu sehen, wie andere das können. Und es tut mir gut zu hören, dass Neues möglich ist. Dass wir neu anfangen können und einander vergeben und eine neue Chance geben können. Wie Jesus das gemacht hat. Vielleicht nicht so, wie ich das gerne hätte. Vielleicht ganz anders, aber viel besser.
Und darauf vertraue ich. Heute, am ersten Tag im neuen Jahr.

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31DEZ2020
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Heute ist der letzte Tag im alten Jahr. Ganz unterschiedlich sind die Gefühle, mit denen jeder und jede zurückschaut. Wahrscheinlich sind mehr schmerzliche Erfahrungen dabei als sonst. Die Pandemie hat uns vor große Herausforderungen gestellt und tut es immer noch. Aber auch ganz andere Gründe gibt es für schmerzliche Erfahrungen.

Einer, der auch in eine unglaublich bedrückende Lebenssituation geraten war, war Dietrich Bonhoeffer. Er musste um sein Leben fürchten. Im Dezember 1944 saß er in Gestapo-Haft und wusste, dass die Nazis ihn umbringen würden. Weil er sich offen gegen sie und ihre Machenschaften gestellt hat. Für Dietrich Bonhoeffer war sein Glaube ein Halt in dieser Zeit und er hat einen Text verfasst, der noch heute aktuell ist. Dieser Text ist vertont worden und wird heute am Altjahresabend oft in den Kirchen gesungen. In der zweiten Strophe heißt es da:

„Noch will das Alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsren aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.“

Mich berühren diese Worte. Besonders heute Abend. Ich will das Alte, was mein Herz quält gerne hinter mir lassen. Möchte die bösen Tage vergessen. Wünsche mir, dass meine Seele zur Ruhe kommt.

Unsre Not heute ist nicht vergleichbar mit der von Dietrich Bonhoeffer und doch passen seine Worte zu der Lebenssituation von vielen. Wie Dietrich Bonhoeffer glaube ich, dass Gott mir dabei helfen kann, hoffnungsvoll in dieses neue Jahr gehen zu können. Darauf vertraue ich. Auch, wenn ich heute Abend singe.

„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“

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30DEZ2020
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Wenn ich abends aus dem Fenster schaue, freue ich mich an der Beleuchtung meiner Nachbarn. Es wird ja auch früh dunkel. Da ist es schön, wenn man noch Lichter sieht. Morgens ist es zwar auch noch dunkel, wenn ich aus dem Haus gehe, aber da schau ich nicht so hin, weil ich mit viel anderem beschäftigt bin. Auf jeden Fall ist es in dieser Jahreszeit viele Stunden dunkel. Deshalb braucht man mehr Licht.

Ich zünde mir deshalb schon morgens eine Kerze an und  freue mich darüber, wie  gut mir das tut.
“Ich bin das Licht der Welt.“ Hat Jesus einmal von sich gesagt. Und dass man nicht im Dunkeln tappt, wenn man ihm nachfolgt.

Für mich ist mein Glaube wie so eine Kerze, die ich morgens anzünde. Er macht mein Dunkel hell. Zeigt mir, dass vieles nicht so schwarz ist, wie es scheint. Sondern, dass es viel mehr Farben gibt im Leben. Jesus war für viele Menschen ein Licht, weil er sich Zeit für sie genommen hat. Ihnen zugehört hat. Das hat ihr Leben heller gemacht.

Wenn ich heute die Geschichten von ihm lese. Oder mich im Gebet an ihn wende, dann wird es in mir auch hell. Und manchmal erkenne ich in anderen Menschen etwas von ihm. Kann etwas von seiner Liebe durch sie spüren. Da wird es plötzlich heller, weil mir eine Freundin zuhört oder ein Freund mit mir einen lustigen Abend verbringt.
Da wird es hell mitten in der Nacht. Nicht nur wegen der Beleuchtung der Nachbarn.

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29DEZ2020
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Letzten Monat musste ich umziehen. Es war für mich nicht leicht aus meinem Haus auszuziehen. Ich hatte viel Zeit und Liebe investiert, damit es ein Zuhause wird. Und dann musste ich ganz plötzlich weg. Die Bilder von den Wänden nehmen, liebe Erinnerungsstücke in Papier schlagen, alles in Kisten packen und ab in den LKW.

Es hat sich schlimm angefühlt. Ganz früh morgens ging der Umzug los und es kamen fünf Umzugshelfer. Wir haben zusammen alles angeschaut und sie haben sich ans Werk gemacht. Die fünf Männer von der Umzugsfirma habe ich nie gesehen. Wir kannten uns nicht. Sie waren mir während dieses Umzugs aber eine riesige Hilfe. Eigentlich hatte ich erwartet, dass noch Bekannte vorbeikommen, um Tschüss zu sagen.

Am Ende aber habe ich die gar nicht vermisst. Denn die fünf Männer waren nicht nur Umzugshelfer. Sie waren viel mehr. Sie haben mit mir gelacht, haben mich abgelenkt und haben mich getröstet, wenn es ganz schwer war.

Für mich waren das fünf Engel. Als hätte Gott sie selbst geschickt. Genau diese fünf. Damit ich diesen Umzug gut schaffe. Weil ich glaube, dass Gott es gut mit mir meint. Und mir das auch zeigt. Meine fünf Umzugshelfer waren für mich so ein Liebeszeichen Gottes.

Beim Ausladen der Kisten im neuen Zuhause wars jedenfalls schon viel leichter. Und zum Abschluss haben wir dann alle gemeinsam gegessen. Was für eine schöne Erfahrung! „Danke Gott!“ hab ich am Abend gesagt. Und danke euch Umzugshelfern und allen, die an diesen Tagen als Engel unterwegs sind.

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28DEZ2020
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Beim Einkaufen letzte Woche habe ich gehört, wie sich zwei junge Frauen über ihre Männerbekanntschaften unterhalten. Die eine hatte ein Date und danach hat der Typ ihr tatsächlich ein Dick-pick geschickt. Ein Penisbild. „Unglaublich, sagt ihre Freundin, du musst den Typen anzeigen!“ – „Ach ne, sagt die andere, es war ja als Scherz gemeint!“

Später, als ich wieder im Auto saß, habe ich mich geärgert. Ich hätte zu der jungen Frau hingehen sollen und sagen, dass eine Anzeige genau richtig ist. Denn das war kein Scherz. Das war sexuelle Belästigung.

Über die Hälfte aller Frauen haben schon sexualisierte Gewalt erlebt. Damit meine ich: wenn Männer sich widerwärtig, übergriffig und geringschätzend verhalten. Weil sie meinen, Frauen zum Objekt ihrer Bedürfnisse machen zu dürfen. Ich kenne kaum eine Frau, die sowas noch nicht erlebt hat. Angefangen von blöden Sprüchen, bis hin zu Stalking. Und immer wieder erlebe ich, dass viele einfach nur wegsehen. Dass sie das Verhalten der Täter verharmlosen und am Ende ihn oder sie und nicht das Opfer schützen.

Das passiert auch in der Kirche. Täter werden nicht bestraft. Aus falsch verstandener Christlichkeit. Christlich ist aber nicht, den Mund zu halten. Oder Täter zu schützen. Christlich ist, sich um die Opfer zu kümmern, ihnen zum Recht zu verhelfen. Das hat Jesus Immer und immer wieder getan.

Und ich finde das müssen Christenmenschen auch tun. Nicht den Mund halten, wenn jemand belästigt wird. Sondern anderen Mut machen, sich zu wehren. Auch schon bei scheinbar harmlos gemeinten Sprüchen.

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27DEZ2020
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Weihnachten war anders in diesem Jahr. Es konnte nicht so gefeiert werden wie üblich. Trotzdem war Weihnachten. Für mich bleibt von den Feiertagen eine wichtige Botschaft. Es ist die Botschaft, die der Engel gesagt hat. In der Weihnachtsgeschichte wird von diesem Engel erzählt. Als Jesus geboren war und in seiner Krippe lag, da waren Hirten auf dem Feld. Und zu denen ist der Engel gekommen. Und er sagt zu ihnen zuallererst: „Fürchtet euch nicht!“

Es muss schon seltsam gewesen sein für die Hirten damals. Da hüten sie ihre Schafe, denken nichts Böses und plötzlich steht da ein Engel. Und sagt: „Fürchtet euch nicht!“.
Ich bin keine Hirtin bin und echte Schafe habe ich auch nicht. Aber dieser eine Satz berührt mich: „Fürchtet euch nicht!“.  

Denn momentan gibt es viel, wovor man sich fürchten kann. Was wird noch alles kaputt gehen durch die Pandemie? Wie werde ich es überstehen, wenn ich mich anstecke? Wie wird es wirtschaftlich und privat weitergehen? Wie lange muss ich noch Abstand halten von lieben Freunden?

„Fürchtet euch nicht!“ sagt der Engel. Und warum können wir das?

Weil wir auch in der dunkelsten Nacht nicht allein sind. Gott will immer bei uns sein. Das ist die Botschaft von Weihnachten. Im Jesus-Kind in der Krippe rückt sie uns berührend nah.
Für mich ist das wichtig auch für die Zeit nach Weihnachten, wenn die Feiertage vorbei sind und der Alltag, so beschränkt er gerade ist, wieder losgeht.

Auch wenn vieles im Argen liegt. Auch, wenn ich nicht genau weiß, wie es in meinem Leben weitergeht. Ich muss mich nicht fürchten, weil Gott da ist.

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