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SWR3 Gedanken

25JUL2020
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Was strömt den lieben langen Tag nicht alles auf uns ein. Wie viel und wie viel unnützes Zeug. Wir sind umgeben von immer mehr Informations-Bruchstücken, die kaum mehr ein Ganzes ergeben. Dr. Google weiß alles, aber seinen Nutzerinnen und Nutzern fehlt es immer mehr an Lebenswissen. Eltern bringen ihr Kind wegen eines Mückenstichs zum Arzt, echt, kein Witz. Die meisten Jugendlichen haben vor ihrem ersten Kuss zig Pornos auf ihren Handys gesehen. Und auch ältere Paare holen sich ihre Orientierung in Sachen Sex aus dem Fernsehen oder dem Internet. Hier fehlt es an wohlmeinenden Vertrauenspersonen und vertrauenswürdigen Institutionen. Mich hat meine Großmutter aufgeklärt und sie hat das wunderbar kindgerecht und behutsam gemacht. Die Kirche, auf jeden Fall die Katholische, fällt als vertrauenswürdige Institution in Sachen Sex und Beziehungen weg. Nachdem sie bei diesem Thema jahrzehntelang die Moralkeule geschwungen hat und ihre Kleriker gleichzeitig Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Und das, wo wir doch so dringend vertrauenswürdige Institutionen brauchen! Nicht nur beim Thema Beziehungen oder Sex. Was wir brauchen ist eine Vermittlung von Lebenswissen, mit überzeugenden und praxistauglichen Antworten auf Fragen wie: Wie halte ich ein Baby richtig? Wie lange darf es fiebern? Wann schlafe ich als Mädchen mit einem Jungen und wann lieber nicht? Wie viel Sex und welcher ist für uns gut als Paar? Wie spreche ich mit einem schwer Krebskranken? Und was nimmt mir die Angst vor der Begegnung mit einem Sterbenden?

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24JUL2020
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„Letzte-Hilfe-Kurse“. Das sind Kurse für Menschen, die sterbende Angehörige zu Hause versorgen wollen. Und wie bei den „Erste-Hilfe-Kursen“ geht es um wichtiges Basiswissen, aber nicht zur Lebensrettung, sondern zur Sterbeerleichterung. Denn die meisten Menschen möchten am liebsten zu Hause sterben, im Kreis ihrer Lieben, so es welche gibt. Aber dreiviertel der Menschen sterben im Krankenhaus oder im Altenheim. Immer mehr Leute bekommen aber ein Gespür dafür, dass das als Normalfall nicht gut ist. Darum belegen auch immer mehr diese Kurse.
In 4 Teilen lernen sie wie sie ihren Angehörigen das Sterben leichter machen können. Und auch sich selbst die körperlich und seelisch anstrengende Begleitung eines Sterbenden erleichtern können. Im ersten Kursteil geht es darum, wie sie das Sterben als Teil des Lebens annehmen können. Im zweiten über Patientenverfügungen und die Möglichkeiten ambulanter oder stationärer Betreuung. Im dritten Teil lernen sie wie sie Leiden lindern können, zum Beispiel durch Mundpflege oder mit Fußmassagen. Und im vierten Teil steht das Thema Abschiednehmen auf dem Programm. Bei dem es angesichts des Todes auch immer um das eigene Leben geht. Darum bekommen die Teilnehmenden am Ende des „Letzte-Hilfe-Kurses“ einen Zettel mit nach Hause, auf dem steht: „Bevor ich sterbe möchte ich …

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23JUL2020
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„Ein Paar das nicht miteinander spricht, verlernt sich kennen“.

Dieser Satz* ist weit mehr als ein gutes Wortspiel. Denn so wie man sich durch das Miteinander Reden kennen lernen kann, so kann man sich zu kennen verlernen, sich also fremd werden, wenn man nicht miteinander spricht. Und das ist weiß Gott keine Seltenheit. Denn zu viele Paare, die schon länger zusammen sind, sprechen zu wenig miteinander. Und zuletzt verschwindet mit dem Reden auch die Erotik. Das ist aber kein Naturgesetz. Es muss nicht so sein, dass mit den Jahren den Paaren die Anziehung verloren geht. Die Qualität jeder Paarbeziehung steht und fällt mit dem Reden miteinander. Dem wirklichen Reden. Und was heißt das?

Zu allererst, dass man sich Zeit füreinander nimmt, mindestens einmal die Woche. Zu einem Spaziergang oder einem Glas miteinander. Mit so viel Zeit, dass jeder darüber reden kann, was ihn beschäftigt. Mit so viel Zeit, dass man dem Anderen auch wirklich zuhören kann. Das heißt: Dem nachspüren was er sagt. Und erst dann Antworten geben, Wünsche sagen oder Rückmeldungen geben.
So kann man allmählich wieder zu dem kommen, was eine gute Beziehung ausmacht. In der geteiltes Leid zu halbem Leid wird und geteilte Freude zu doppelter Freude. Denn dass wir miteinander reden macht uns zu Menschen. Und dann es ist auch überhaupt kein Wunder, wenn mit dem richtigen Reden auch die Erotik zurückkommt. Weil das Reden die Seele öffnet und die Seele den Leib.

 

* Quelle: Michael Lukas Moeller „Die Wahrheit beginnt zu zweit – Das Paar im Gespräch“, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2019, S. 35f.

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22JUL2020
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Konferenzen können nervig und schlimmstenfalls auch noch ergebnislos sein. Über die letzte Weltbischofskonferenz im Vatikan hab ich einen Bericht gelesen, in dem mich drei Dinge beeindruckt haben. Und die ich gern auch in meinen Alltag übernehmen würde.

Das erste: Der Papst leitet jede Konferenz mit einem Gebet ein. Nu ja, das wär in einem Betrieb, einer Fabrik oder auch in meinem Arbeitsalltag nicht gerade konsensfähig. Aber sich vor einer wichtigen Zusammenkunft Herz und Hirn zu weiten, fände ich schon gut. Den Blick von mir selbst weg nehmen, ihn nach oben richten und von da aufs Ganze. Das könnte gut für die Sache und für die Menschen sein.
Das zweite: Eine begrenzte Redezeit. Nach 4 Minuten wird das Mikrofon abgedreht. Das gefällt mir. Und ich kenne es ja auch aus unseren Sendungen, die nicht länger als 2 Minuten sein dürfen. Welch ein Segen wäre das auch für manche Sitzungen in denen endlos palavert wird.

Und das dritte, für mich Beste, aus den Welt-Bischofs-Treffen ist:
Nach 4 Redebeiträgen folgen 4 Minuten Schweigen, um das Gehörte sacken zu lassen. Welch tolle Idee, nicht nur für Konferenzen, sondern auch für den Alltag. Es müssen ja nicht unbedingt 4 Minuten sein, aber ein heilsamer Wechsel zwischen Sprechen, Hören und Schweigen. Um aufzunehmen was der andere oder die andere sagt und es wirklich wahrzunehmen. Damit aus all dem Gesprochenen und Gehörten auch was Gutes wird.

  

Quellenangabe: Katholisches Sonntagsblatt 42/2019, Stefanie Stahlhofen „Umwelt, Zölibat und die Rolle der Frau“, S. 28

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21JUL2020
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Was trägt Dich, wenn es wackelt, in Dir oder um Dich herum? Die letzten Monate haben Einiges ins Wanken gebracht. Gesundheitlich, wirtschaftlich und nicht zuletzt auch seelisch. Zeiten, in denen man sich fragen konnte, worauf es ankommt im Leben. Zeit für Fragen wie ‚Wer bin ich denn - jenseits von Beruf, Geld, Familie oder Beziehungen? Ich ganz allein?

Es gibt einen Text, der genau diese Fragen stellt. Er ist von der kanadischen Autorin Oriah Mountain Dreamer und geht so:

 

„Es interessiert mich nicht, womit Du Dein Geld verdienst. Ich möchte wissen, wonach Du innerlich rufst, ob Du zu träumen wagst und der Sehnsucht Deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht wie alt Du bist, ich will wissen, ob Du es riskierst, wie ein Narr auszusehen, um Deiner Liebe willen…

Ich will wissen, ob Du mit dem Schmerz dasitzen kannst ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern…

Ich will wissen ob Du jemanden enttäuschen kannst, um Dir selber treu zu sein.

Ich will wissen, ob Du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob Du Dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen kannst.

Es interessiert mich nicht, wo Du lebst. Ich will wissen, ob Du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung und tust, was getan werden muss.

Es interessiert mich nicht, wo oder was Du mit wem gelernt hast. Ich will wissen, was Dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt.

 

Quelle: Der Andere Advent – Meditationen und Anregungen November 2009 bis Januar 2010. 28.12. Hrsg. Von Andere Zeiten e.V., Hamburg, 2009.

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20JUL2020
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„Ein Mensch lebt keine hundert Jahre, aber er macht sich Sorgen für tausend.“ Da hab ich mich ganz gut wiedergefunden in diesem Spruch. Denn was hab ich mir nicht schon Sorgen gemacht in meinem Leben. Und viele davon waren unbegründet. Was also tun, um sich nicht unnötig zu sorgen? Ich denke erstmal versuchen, die Sorgen nicht zu nah an sich rankommen lassen. Besonders im Bett. Versuchen, sie vor dem Schlafengehen mit den Kleidern abzulegen. Das mag zwar gut sein für die Nacht, aber wenn sie jeden Morgen wieder versammelt vor dem Bett stehen, dann kann das leicht zur Verdrängung werden, die auch nicht hilft. Darum ist Reden eine gute Möglichkeit mit Sorgen umzugehen. In einem Gespräch prüfen ob sie auch berechtigt sind. Und wenn sich dabei zeigt, dass sie berechtigt sind, dann gilt es sie anzupacken. Wie eine Brennnessel, die viel mehr brennt, wenn sie einen nur streift und weniger, wenn man sie feste anpackt. Dieses Anpacken hilft bei Sorgen, weil man sich dann nicht mehr so ohnmächtig fühlt. Wohl deshalb hat das Wort Sorgen von seinem Ursprung her zwei Bedeutungen. Die eine: quälender Gedanke. Die andere: die Bemühung etwas gut oder besser zu machen. Und wenn man dann irgendwann getan hat was man eben tun kann, dann ist es wichtig loslassen zu können. Es dem Schicksal, dem lieben Gott oder wem auch immer zu überlassen was nun kommt oder nicht kommt.

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19JUL2020
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Es ist ja schon paradox, davon im Radio zu reden: Von der Stille. Denn Radio ist doch das glatte Gegenteil davon: Geräusch. Gutes, willkommenes Geräusch. Denn das Radio macht den Alltag schöner und hält uns auf dem Laufenden. Und unser Gehirn braucht ja auch Geräusche zur Stimulation. Aber wie bei allem: die Mischung macht‘s. Das Gleichgewicht zwischen Stille und Stimulation. So wie unser Gehirn Geräusche braucht, so braucht es auch Phasen der Ruhe. Denn in diesen bilden sich neue Zellen. Zellen in den Hirnregionen die für‘s Lernen, Erinnern und die Gefühle gebraucht werden. Stille ist aber nicht nur körperlich gesund, sondern auch seelisch. Der Dokumentarfilmer Philipp Gröning hat ein halbes Jahr in einem Kloster gelebt. Dort hat er seinen preisgekrönten Film „Die große Stille“ gedreht. Er hat sich ganz eingelassen auf das Leben der Kartäusermönche. Am Anfang hat ihn die Stille völlig verunsichert, in eine innere Leere, ja sogar Trauer geführt. Denn wenig konfrontiert einen so sehr mit sich selbst, wie die Stille. Als er aber durch diese Krise durch war, hat er die Stille nur noch genossen. Weil sie ihn hat genauer und tiefer hat wahrnehmen, die Natur, sich selbst und die Menschen um ihn herum. Das hat er dann so schön gefunden, dass er am liebsten im Kloster geblieben wäre. Aber nicht nur wegen der Stille, hat er gesagt, sondern weil er erfahren hat, was aus ihr entsteht:  Offenheit und Güte.

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