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SWR3 Gedanken

Während ich versuche, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, dröhnt von links gerade das Knattern eines Benzinrasenmähers durchs Fenster. Weiter hinten röhrt eine Motorsäge. Spätestens jetzt ist endgültig klar: Es ist Sommer. Obwohl mich solche Krachmacher sonst ziemlich nerven, in dieser Jahreszeit ertrage ich sie deutlich leichter. Weil sie einfach zum Sound des Sommers dazugehören, so wie das Vogelgezwitscher beim Sonnenaufgang. Auch wenn mir das natürlich deutlich lieber ist.

Denn ich liebe einfach diese Zeit. Für mich bringt sie immer ein wenig Verheißung mit. Auf lange Abende hinter dem Haus. Wenn ich nichts mehr arbeiten und an nichts mehr denken muss. Auf ein Glas Weißwein auf dem Gartentisch und eine halbe Stunde Auszeit für die Seele. Wenn ich einfach nur das satte Grün rundum genießen und den Vögeln lauschen kann, die den warmen Abend besingen. Wir Kirchenleute reden ja manchmal von der Fülle des Lebens und haben dabei oft eher Bibeltexte und theologische Betrachtungen im Sinn. Aber jetzt ist die Fülle ja wirklich da, mit Händen zu greifen und ein Fest für die Augen. Und das Beste: Sie ist direkt hinter meinem Haus und ich darf sie einfach in vollen Zügen genießen. Denn eines ist bei aller Begeisterung auch klar. Ich weiß, wie schnell diese paar Wochen vorbei sein werden. Wie bald es schon am späten Nachmittag wieder dunkel sein wird und das Leben hinter dem Haus für lange, dunkle Monate auf Sparflamme herunterfährt. Darum kommt mir manchmal ein Dankeschön an Schöpfer in den Sinn, wenn ich in diesen Tagen abends hinter dem Haus sitze. Ich bin mir sicher, dass er nicht nur die bunte Fülle in meinem Garten so gewollt hat, sondern auch, dass ich mich daran freuen soll.

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Sie waren wohl zwei ziemlich gegensätzliche Typen. Petrus: Ein mitunter etwas großspuriger Sprücheklopfer. Er hat sich öfter mal vergaloppiert und musste dann zurückrudern und klein beigeben. Und Paulus: Ein eifernder Christenhasser, der nach einer spektakulären Bekehrung dann mit großem Elan für das junge Christentum wirbt. Gebildet, mit großer Überzeugungskraft und fast unerschöpflicher Energie. Die beiden sind mächtig aneinandergeraten über die Frage, ob man eigentlich erst mal Jude werde muss, bevor man Christ werden kann. Ihr erbitterter Streit hätte die junge Kirche damals fast zerrissen. Doch auch wenn Paulus sich mit seiner Ansicht weitgehend durchsetzen konnte, sie haben sich dennoch zusammengerauft. Haben schon damals das geschafft, was heute, so scheint mir manchmal, zunehmend abwegig erscheint: Eine gütliche Einigung, bei der nicht nur beide das Gesicht waren konnten. Mehr noch. Beide konnten sich danach auf das konzentrieren, was ihnen am besten lag. Jeder der zwei konnte so seine jeweiligen Stärken einbringen und ein optimales Ergebnis herausholen. Für die junge Kirche waren diese beiden so unterschiedlichen Typen jedenfalls ein Segen. Heute ist ihr gemeinsamer Gedenktag. Für mich ist er auch eine Mahnung, bei allem erforderlichen Streit die gemeinsame Lösung nie aus dem Blick zu verlieren. Ein Entweder-Oder führt nicht selten ins Aus. Das Sowohl-Als-auch ist es, das meistens weiterbringt.

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Vor 80 Jahren hat er in den USA das Licht der Welt erblickt: Supermann. Eine der erfolgreichsten Comic-Figuren der Geschichte. Ein smarter Typ mit Superkräften, gegen die keine Macht der Welt ankommt. Auch wenn er seitdem ein paar Wandlungen durchgemacht hat. Seit 80 Jahren kämpft der toughe Comicheld für die Gerechtigkeit und das Gute in der Welt.

Einen wirklichen Supermann gibt es zwar nicht. Supermächte hingegen schon. Staaten mit Superkräften, wirtschaftlich und militärisch. Ihre Mächtigen zwingen anderen Ländern ihren Willen auf, schlicht und einfach, weil sie es können und sie niemand daran hindern kann. Irgendwie, so scheint mir, läuft da gerade etwas mächtig schief. Es gilt das Recht des Stärkeren. Was dabei meistens auf der Strecke bleibt ist die Gerechtigkeit. Die Interessen der Kleineren und eben auch das Gute in der Welt.

Eigentlich ein Fall für den Supermann. Doch selbst wenn es ihn gäbe, ich hätte auch damit mein Problem. Denn letztlich lebt auch diese Figur ja vom Recht des Stärkeren. Von der Sehnsucht nach dem unbesiegbar starken Mann, der seine Macht aber bitteschön nur für das Gute, Wahre und Schöne einsetzen soll. Es geht letztendlich also um Moral.

Vor nahezu 30 Jahren hat der Schweizer Theologe Hans Küng das Projekt Weltethos ins Leben gerufen. Die Idee von einem gemeinsamen moralischen Kompass, der alle Nationen und Religionen miteinander verbindet. Möglichst alle sollen sich darin wiederfinden können und gemeinsam darauf achten, dass sich alle daran halten. Hans Küng ist inzwischen 90 Jahre alt und ein gemeinsames Weltethos lässt noch immer auf sich warten. Vielleicht bekommen wir es irgendwann ja doch noch hin. Dann könnte Supermann in Rente gehen.

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Ist der Siebenschläfer nass, regnet´s ohne Unterlass. Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne. Das sind Bauernregeln aus dem sogenannten Hundertjährigen Kalender, die dem Tag heute eine ganz besondere Bedeutung verleihen. Denn heute ist der sogenannte Siebenschläfertag. Und so, wie das Wetter heute ist – behaupten diese Weisheiten – so soll es auch in den nächsten sieben Wochen sein. Seinen Namen hat der Siebenschläfertag übrigens nicht von dem kleinen Nagetier, dem man wegen seinem ausgedehnten Winterschlaf diesen Namen verpasst hat. Der Name bezieht sich auf eine alte christliche Legende. Danach sollen sich während der Christenverfolgungen im dritten Jahrhundert sieben fromme junge Männer in einer Höhle versteckt haben. Sie werden dort lebendig eingemauert. Schließlich schlafen sie ein und schlafen und schlafen. 196 Jahre lang. Als sie wieder aufwachen, ist die Welt eine andere und die Verfolgungen sind vorbei. Als die sieben Schläfer von Ephesus sind sie in die Geschichte eingegangen und haben dem Tag heute den Namen gegeben. Mit dem Wetter hat diese alte Legende natürlich erstmal gar nichts zu tun.

Falls trotzdem bei ihnen heute die Sonne scheinen sollte, freuen sie sich. Die Meteorologen sagen nämlich, dass es tatsächlich mit rund 70 Prozent Wahrscheinlichkeit auch in den nächsten Wochen freundlich bleibt. Ein bisschen ist also schon was dran, an den Bauernregeln zum Siebenschläfertag.

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Inzwischen stapeln sie sich wieder in meinem Kleiderschrank: Klamotten, die mir nicht mehr passen. Aber auch solche, die ich einfach nicht mehr tragen mag. Zum Wegschmeißen allerdings ist das meiste noch viel zu gut. Also ab in den Sack und weg damit in den nächsten Altkleidercontainer? Aus den Augen, aus dem Sinn? Ich zögere da immer ein wenig, möchte wissen, was damit geschieht. Da steht zwar Rotes Kreuz drauf, Caritas oder Diakonie. Doch in Wahrheit geht ein großer Teil dessen, was da hineingeworfen wird, an professionelle Verwertungsfirmen, die mit alten Kleidungsstücken Geld verdienen. Die Wohlfahrtsorganisationen bekommen dann Geld dafür, dass sie wieder für andere Projekte einsetzen können. Die alten Kleidungsstücke werden zunächst sortiert. Unbrauchbares wandert in den Reißwolf. Die guten Stücke jedoch werden verkauft. Vor vier Jahren, auf einer Reise nach Ostafrika, habe ich einen Teil davon wiedergefunden. Hemden, Hosen oder Sakkos, die die Überflussgesellschaft nicht mehr haben will. Auf afrikanischen Märkten werden sie von kleinen Händlern für wenig Geld angeboten. Für mich ein seltsames Gefühl. Unerwünschte Klamotten aus unseren Altkleidercontainern für die Leute in den armen Ländern. Sicher, das Geschäft gibt vielen Klein- und Zwischenhändlern Arbeit und Einkommen. Eine eigene Textilindustrie in Afrika aber hat es einfach schwer gegen unsere abgelegten Sachen.

Dennoch finde ich es grundsätzlich prima, wenn gut erhaltene Dinge ein zweites oder sogar drittes Leben bekommen. Und wenn ich meinen Altkleidersack am Ende dann doch nicht in den Container werfen will, dann gibt es bei uns ja auch Alternativen. Die Kleiderkammern der Caritas etwa, Sozialkaufhäuser oder Second-Hand-Shops. Denn Menschen, die sich neue Klamotten einfach nicht leisten können, die gibt´s auch bei uns inzwischen mehr als genug.

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Haben Sie gehört? Wie ein Engel! Mein Kollege ist ganz hin und weg. Im Gottesdienst hat er sie gehört. Eine junge Frau, die dort den Vorsängerdienst übernommen hat. Nein, leider ich hab sie nicht gehört, aber sie muss wohl wunderschön gesungen haben. Wie ein Engel eben. Dabei weiß ich gar nicht, ob Engel überhaupt singen und wenn ja, wie. Und ich vermute, auch mein Kollege weiß das nicht. Aber ich finde es interessant, dass ihm genau dieses Bild dazu eingefallen ist: Wie ein Engel. Vielleicht hatte er ja die Bilder von Putten im Kopf. Diese kleinen Engelsfiguren, die in vielen Barockkirchen Altäre oder Decken schmücken. Manche von ihnen singen dabei versonnen vor sich hin. Vielleicht hat er an die Weihnachtsgeschichte gedacht, wo den Hirten auf dem Felde ein großes Engelheer erscheint, das Gott preist und die Geburt des Christkinds besingt. Wie auch immer. Engel haben etwas Überirdisches. In der Bibel, der Literatur und auf unzähligen Bildern sind sie Abgesandte des Himmels. Vermittler zwischen Himmel und Erde. Manche mahnen und warnen. Andere schützen und begleiten die Menschen. Für mich sind sie der Ausdruck einer Sehnsucht, etwas vom Himmel zu erspüren. Wo immer er sein mag. Und wenn uns ein Mensch dann „wie ein Engel“ erscheint, dann scheint in diesem Menschen eben etwas davon auf. Ein Stück Himmel mitten auf der Erde.

Denn Julia, die junge Frau, die da so schön gesungen hat, ist ganz und gar irdisch. Doch ob ich mich nun in himmlischen Sphären fühle, wenn ich wundervolle Musik höre. Mich ein guter Freund nach einer Niederlage tröstend in den Arm nimmt. Oder mir die Krankenschwester geduldig hilft, wenn ich mir selber nicht mehr helfen kann. Ich finde es einfach schön, wenn ein Mensch für einen anderen zum Engel wird.

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Was darf ich jetzt noch auf meinem Computer speichern, was noch im Netz veröffentlichen? Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung, was für ein Wort, bereitet vielen Kopfschmerzen. Ein klarer Fall für einen Juristen. Wie gut also, dass die Katholische Kirche für alle Lebenslagen einen Schutzpatron bereithält. In diesem Fall den Heiligen Ivo, einen französischen Rechtsgelehrten aus dem 13. Jahrhundert. Als kirchlicher Richter hatte er nicht nur Durchblick in juristischen Fragen. Er soll auch ein besonders großes Herz für die Mühseligen und Beladenen gehabt haben. Da erlebe ich nämlich gerade Kollegen, die sich die Haare raufen. Ein paar haben aus Angst vor Konsequenzen gleich ihre ganze Internetseite abgeschaltet. Und andere fragen sich, wie sie ohne die weit verbreiteten Messenger-Dienste mit den Jugendlichen ihrer Gemeinde überhaupt noch in Kontakt bleiben sollen. Es gibt Berge von ungeklärten Fragen.

Sie alle könnten sich nun an den Heiligen Ivo wenden, denn der ist praktischerweise auch Schutzpatron der Datenschützer. Ob er bei den aktuellen Problemen aber wirklich helfen kann erscheint mir mindestens fraglich. Denn von digitalen Datenkraken, schnüffelnden Messenger-Diensten und Gesichtserkennung im Internet dürfte der gute alte Heilige noch nie etwas vernommen haben. In seiner Zeit speicherte man Daten auf Pergament, Papier oder einfach da, wo sie vielleicht am besten aufgehoben sind. Im Kopf. Und falls nun doch mal etwas schiefgeht und man sich juristischen Ärger einhandelt. Auch da könnte der Heilige Ivo zumindest geistlichen Beistand geben. Denn er gilt auch als Patron der Richter und Staatsanwälte.

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