Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR3 Gedanken

Als der Fotograf Eric nach Amsterdam gezogen ist, hatte er ein gebrochenes Herz. Er wollte neu anfangen: neue Stadt, neue Menschen. Und bei seinen neuen Nachbarn hat er angefangen. Hat sich vorgestellt. Und dabei ist er auf Dien gestoßen. Sie wohnt direkt neben ihm. 95 Jahre ist sie alt. Seit Jahren hatte sie nicht mehr das Haus verlassen, weil sie sich nicht mehr gut bewegen kann. Und sie hatte kaum noch Kontakt nach draußen, weil die Freundinnen und Freunde schon lange tot waren. Und dann stand plötzlich Eric vor der Tür. Als Eric und Dien sich begegnet sind ist etwas Unwahrscheinliches geschehen. Die beiden sind Freunde geworden. Mit einem gemeinsamen Kaffee hat es angefangen. Und dabei haben sie gespürt: Sie können sich gegenseitig etwas geben, was sie bitter nötig haben. Eric hat Dien Gesellschaft gebracht und sie zurück ins Leben geholt. Und Dien hat Eric zugehört. Sie hat ihn getröstet, was niemand vorher konnte. Seitdem beschenken sie sich weiter gegenseitig. Mit Zeit und Zuneigung. Mit Ehrlichkeit und Nähe.

Ich habe von Eric und Dien in einer Zeitschrift gelesen. Aber ich finde ihre Geschichte zeitlos. Sie könnte auch in der Bibel stehen. Denn worum es hier geht ist Nächstenliebe. Und ich verstehe einmal mehr: meinen Nächsten suche ich mir nicht aus. Ich stolpere vielmehr über ihn oder sie. Mein Nächster wird mir vom Leben direkt vor die Füße gelegt. Und dann liegt es an mir, ob ich ihn oder sie annehme, oder ablehne. Dafür wach zu bleiben, das wünsche ich mir – und Ihnen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26505

Ich frage mich: Wann hat mich zuletzt jemand geschickt – ausgesandt? Das ist lange her. Ich erinnere mich an die ersten Aufträge meiner Mutter: Brot kaufen beim Bäcker um die Ecke oder Milch im kleinen Laden. Mit großem Ernst habe ich diese Aufträge erfüllt. Ganz gewissenhaft habe ich das mir Anvertraute erledigt. Kinder, glaube ich, haben ein Gespür dafür, was es heißt, gesandt zu sein.

Wie die  9-jährige Yolanda King ein. Sie ist die Enkelin von Martin Luther King. Vor 50 Jahren wurde ihr Großvater getötet, weil er einen Traum hatte. Den Traum von einer Welt, in der alle Menschen in Frieden miteinander leben. Ganz egal, welche Hautfarbe sie haben oder welche Religion sie im Herzen tragen. Yolanda hat bei einem Protestmarsch in Washington im März gesagt: „Ich habe einen Traum, dass genug genug ist. Dies sollte eine waffenfreie Welt sein.“ Ich weiß nicht, ob Yolanda sich geschickt gefühlt hat, von ihrem Großvater. Aber ich glaube es schon. Denn was sie gesagt hat, hat geklungen wie ein Echo der Worte ihres Großvaters. Und ich weiß, Martin Luther King fühlte sich von Jesus (aus)gesandt. Jesus hat zu seinen Freunde und Freundinnen gesagt: „Friede sei mit Euch! Wie mich Gott gesandt hat, so sende ich euch.“ 

Friede sei mit Euch! Frieden, mit der Botschaft schickte hat Jesus seine Freunde losgeschickt. Sie sollten seinen Traum in die Welt tragen. Einen Traum vom Frieden. Und da merke ich: ist ja doch nicht so lange her, dass ich geschickt worden bin. Eigentlich werde ich das jeden Tag – auf den Weg des Friedens. Und das sollte ich so ernst nehmen – wie damals als Kind.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26504

Manchmal hätte ich auch gern einen Reset-Knopf. Wie meine vielen Haushaltsgeräte. Die haben alle einen. Für mich ist das ungeheuer praktisch. Wenn ich mich mal wieder im Gewirr der vielen Knöpfe und Programmiermöglichkeiten vertan habe, drücke ich den Reset-Knopf und die  Maschine wechselt zurück in den Werksmodus. Ich finde, die Ingenieur*innen, die sich das ausgedacht haben, waren kluge Menschen. Und ich frage mich: warum hatte nicht auch Gott diese gute Idee? Ich hätte auch gerne so einen Knopf. Einen, den ich drücken könnte, wenn ich ganz durcheinander bin von der Masse der Möglichkeiten. Wenn mir der Kopf schwirrt, von den Ratschlägen der Freund*innen. Wenn ich einfach nicht weiß, wie ich mich entscheiden soll. Und wenn mein Herz voller Zweifel ist. Dann würde ich den Resetknopf drücken und schon würde ich in den Normalmodus wechseln und rund laufen. Nämlich so, wie ich irgendwann einmal von Gott geschaffen wurde.

Leider gibt es so einen Knopf nicht. Vielleicht weil wir keine Maschinen sind ? Aber Gott hat uns auch nicht hilflos gelassen. Er hat uns Merksätze mit auf den Weg gegeben. Sätze, mit denen wir den Weg zurück finden können. Zurück zu dem Geist, mit dem Gott  uns einmal ausgestattet hat. Zurück zum Gottvertrauen und zur Zuversicht. Sätze, so wie diesen hier: Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und Besonnenheit. Das ist der Geist in dem wir geschaffen sind. Es tut gut, sich immer mal wieder daran zu erinnern, wenn man im Wirrwarr der Möglichkeiten zu versinken droht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26503

Mach Dir kein Bild von Gott, steht in der Bibel. Und trotzdem: Die Bibel ist voller Bilder, die sich Menschen von Gott gemacht haben. Mit diesen Bildern haben sie versucht in Worte zu fassen, wie sie Gott erlebt haben. Welche Bedeutung Gott in Ihrem Leben hat. Und dabei haben sie Alltagserfahrungen erzählt.

Die eine erzählt davon, dass Gott sie getröstet hat, wie eine Mutter. Der andere beschreibt Gott als wütende Bärin, die ihn verteidigt. Für viele ist wichtig, dass Gott die Welt erschaffen hat und als Schöpfer mit uns verbunden ist. Und manche nennen Gott den Herrn, damit auch den Herren der Welt klar wird, wer wirklich das Sagen hat.

Was mir diese Vielfalt sagt? Dass die Liste der Gottesbilder niemals vollständig ist. Ich und Sie – alle, sind dazu aufgefordert eigene Worte zu finden. Neue Worte, mit denen wir beschreiben, wie Gott in unserem Leben wirkt. Und die stecken voller Möglichkeiten. Voller neuer Bilder, die es in biblischer Zeit noch gar nicht geben konnte: Heute könnte Gott zum Beispiel wie ein Navi sein, das mir den richtigen Weg zeigt, wenn ich die Orientierung verloren habe. Oder wie ein Energydrink, der mir Kraft gibt, wenn ich selbst keine mehr habe. Klingt ungewohnt – aber anders haben es die Menschen früher auch nicht gemacht. Sie haben Gott beschrieben mit ihren Worten. Mit ihren Erfahrungen. So entsteht eine Poesie des Glaubens. Und der Glaube bleibt lebendig. So lebendig wie unsere Sprache, die sich verändert, wie wir Menschen uns verändern.

Du sollst Dir kein Bild von Gott machen! Das bleibt richtig. Denn ein Bild alleine, kann Gott niemals fassen. Aber viele Bilder, das geht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26502

Blablabla… das denke ich manchmal. Wenn mich jemand zu textet. Viel redet, ohne was zu sagen. Einfach nicht zum Punkt kommt. Blablabla eben.

Dabei können Worte so wunderbar sein. Soviel ausrichten. Wie damals an Pfingsten.  Als der heilige Geist die Freunde und Freundinnen von Jesus ergriffen hat, da haben sie angefangen zu predigen. Sie sind auf die Straße gelaufen und haben laut von Gottes Liebe erzählt. Und die Menschen haben sie verstanden. Egal aus welchen Ländern sie kamen. Oder welche Sprache sie gesprochen haben. Jeder hat die Worte gehört und verstanden. Es müssen treffende Worte gewesen sein – damals. Worte, die viele Menschen berührt haben.

Solche Worte wünsche ich mir oft. Dass sich das Pfingstwunder wiederholt. Das Schwierige ist nur: es ist gar nicht so einfach die treffenden Worte zu finden! Die Bibel gibt hier einen Hinweis, den ich gut finde: Da heißt es: Worte, die treffen, die sollen mit Salz gewürzt sein (Kol 4,6).

Ich verstehe das so: Wenn ich will, dass meine Worte ankommen, dann muss ich Klartext sprechen. Nicht um den heißen Brei reden, sondern das Kind beim Namen nennen. Und  dafür muss ich mir erst einmal selbst klar sein, was ich eigentlich sagen will. Erst wenn ich mir selbst darüber klar bin, was ich meine oder glaube, kann ich auch Worte finden, die treffen. Ich glaube, der Geist damals an Pfingsten hat dafür gesorgt, dass sich sie Jünger ganz klar darüber waren, was sie sagen wollten. Sie haben alles Nebensächliche weggelassen: Ihre Botschaft war klar und einfach: Gottes Liebe gilt allen Menschen. Alle Menschen sind eingeladen dazuzugehören. Da gab es kein blablabla. Treffende Worte – mit Salz gewürzt. Sie gelten bis heute. Wir sollten sie uns sagen – gegenseitig.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26501

Ich bin eine echte Feuerspezialistin. Das liegt daran, dass mein Vater Feuerwehrmann gewesen ist. Er hat mir alles beigebracht. Ich weiß: Ölbrände darf man nicht mit Wasser löschen und auch wie ein Feuerlöscher bedient wird hat er mir früh gezeigt. Aber ich kann auch Feuer machen! Ich kann gutes Brennholz von schlechtem unterscheiden – und Grillanzünder kommen mir nicht ins Haus.Grillfeuer geht ohne.

Feuer ist faszinierend. Feuer hat eine unglaubliche Kraft. Es wärmt. Es macht Essen genießbar. Es erleuchtet die Nacht. Und genauso kann es zerstören, verbrennen und als tödliche Waffe eingesetzt werden.

Ich liebe Feuer und ich habe Respekt davor. Und deswegen liebe ich Pfingsten! Denn Pfingsten, das ist das christliche Feuerfest. Nachdem Jesus seine Freunde und Freundinnen verlassen hatte, da hat er ihnen den Heiligen Geist geschickt. In der Bibel wird erzählt, wie er zu den Menschen kommt:

Flammen kommen vom Himmel. Flammen, die lodern und doch nicht verbrennen. Flammen, die sich ausbreiten, aber nichts zerstören. Flammen, die sich entzünden, aber nicht gelöscht werden können. Das ist Pfingsten. Gottes Geist legt sich auf die Menschen und entzündet sie. Sie brennen für Gott. Sie erzählen von Gott. Sie predigen, von Gottes Liebe, die allen Menschen gilt – egal woher sie kommen und welche Sprache sie sprechen. Und diese gute Nachricht breitet sich aus, wie ein Lauffeuer. Menschen aus aller Welt verstehen die Sprache des heiligen Geistes – die Sprache der Liebe.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=26500