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SWR3 Gedanken

Die Heiligen drei Könige mochte ich nie. Diese Häusersegnungsgeschichte war mir suspekt. Und außerdem ist das eine katholische Tradition, mit der ich als Evangelische nichts zu tun habe, dachte ich. Als ich klein war, wurde es bei uns Zuhause trotzdem gemacht, jedes Jahr kamen die Sternsinger vorbei, haben über unsere Tür ihr CMB geschrieben – das gehörte bei uns im Dorf eben dazu.

Dann aber bin ich nach dem Studium für ein paar Jahre ins Ausland gegangen. Dort gab es das nicht, diese Tradition der Heiligen drei Könige. Und auf einmal wurde mir bewusst, wie mir das fehlt: die Kinder, die einmal im Jahr vorbeikommen, singen, das Haus segnen und nebenbei für eine gute Sache Geldspenden sammeln. Es fehlte mir dieses sichtbare Zeichen über meiner Haustür, dass Gott dieses Haus beschützt, dass sein Segen über denen ruht, die hier wohnen.

Seither freue ich mich immer, wenn sie kommen. Meine Nachbarin backt den kleinen Königen extra jedes Jahr kleine Minipizzen. Und ich habe gehört, ein paar Straßen weiter, gibt es einen älteren Herrn, der heiße Schokolade verteilt, damit die Kinder bei der Kälte etwas Warmes zu trinken bekommen. Es scheint, als ob ich nicht die einzige bin, die sich über den Besuch der kleinen Könige freut!

Mir tut es gut zu wissen, dass Gott mit seinem Segen bei meiner Familie und mir ist. Und ja, auch ich weiß, dass uns das nicht vor Unglück und Leid schützt. Aber ich vertraue darauf, dass wir Gott nicht egal sind und dass er bei uns ist, wenn’s hart auf hart kommt.

Insofern: „Christus mansionem benedicat“ – „Christus segne dieses Haus!“

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Sonntagmorgen in Paris. Es ist Sommer, der Himmel ist bewölkt, nur ab und zu kommt die Sonne durch. Im Quartier Marais hat sich vor der historischen Bibliothek ein Quartett eingerichtet und spielt Straßenmusik. Ein Klarinettenetui liegt vor ihnen und wartet auf eine Spende. Sie spielen Petite fleur, Kleine Blume. Ein Jazzstück von Sidney Bechet aus den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Eine alte Dame kommt vorbei, sie war wahrscheinlich auf dem Markt. Sie stellt ihre Einkaufstaschen ab - und fängt an zu tanzen. Mitten auf der Straße tanzt sie. Ich sitze im Café gegenüber und bin hin und weg von dieser alten Dame. Wie die Sonne, die zwischen zwei Wolken hervorblitzt – bringt sie dieses kleine musikalische Straßenblümchen zum Leuchten. Von einem Fuß auf den anderen geht sie mit dem Takt. Sie schwingt mit der langsamen melancholischen Musik mit. Als sie sich wie ein junges Mädchen einmal um sich selbst dreht, hüpft ihr Rock übermütig.

Am Ende des Musikstücks bückt sie sich, um ihre Einkaufstaschen zu nehmen und weiterzugehen. Aber ich rufe ihr noch schnell zu: „Madame, sie tanzen wie eine kleine Blume – das war einfach wunderschön!“ Sie bedankt sich. Und sie kommt an meinen Tisch. Sie setzt sich zu mir und erzählt:

„Am Ende des Krieges war ich eine sehr junge Frau, 1949 war das. Ich habe in Saint-Germain-des-Près gewohnt, gegenüber von einem Café, das Café de Flore, Blumencafé hieß. Dort habe ich meinen Mann kennengelernt. Damals sind wir oft abends ausgegangen, am liebsten in Jazzbars. Mein Mann ist nun schon seit ein paar Jahren tot, aber immer wenn ich Jazzmusik höre, dann ist es, als ob ich meinen Mann wiederfinde. Und wir beide noch einmal durch die Straßen tanzen.“

Inspiration: Jean Teulé, Comme une respiration, Editions Julliard, Paris, 2016.

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Wie können wir alle gut miteinander leben? Das ist eine Frage, die ich mir schon als Jugendliche gestellt habe. Damals habe ich von einer Revolution geträumt.

In der Bibel gibt es auch einen Teenager, der von einer Revolution träumt. Maria, die Mutter von Jesus. Sie ist ungewollt schwanger. Das Kind in ihrem Bauch soll einmal die Welt verändern. So hat es ihr ein Engel prophezeit. Gott hat Großes mit Maria vor. Wie genau das gehen kann, weiß Maria nicht. In dieser Situation wendet sie sich an Gott. Und sie schreit heraus, wie sie sich die neue Welt wünscht. Sie will den totalen Umsturz der politischen und wirtschaftlichen Ordnung. Mächtige sollen von ihren Thronen geworfen werden. Arme bekommen zu essen, die Reichen werden mit leeren Händen fortgeschickt. In ganz farbigen Bildern beschreibt Maria, was sich verändern muss.

Maria wünscht sich Gerechtigkeit für alle. Und sie vertraut darauf, dass Gott diese Sehnsucht erfüllen wird. Mit Gottes Hilfe sollen alle Menschen gut miteinander leben.

Heute vertraue ich auch darauf. Denn bis heute möchte ich die Welt verändern. Ich glaube nicht mehr, dass das mit einer Revolution zu machen ist. Aber es lohnt sich daran zu arbeiten. Zum Beispiel indem ich mich sozial engagiere oder politisch aktiv bin. Damit Menschen und Tiere nicht mehr unterdrückt werden. Und wir alle gut miteinander leben können. Und es gerechter zugeht in der Welt.
Ich glaube, das geht: Mit Gottes Hilfe!

Lukas 1,46-55.

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Man darf auch mal Fehler machen – nicht wahr? Das sagen wir doch oft: „Man darf auch mal Fehler machen.“ Aber stimmt das auch? Wenn man mal näher hinschaut, sieht es ganz anders aus.

Der Sportler auf dem Spielfeld? Schwierig, wenn dann womöglich der Sieg verloren geht. Der Automechaniker? Oh, das kann gefährlich werden! Darf die Ärztin Fehler machen oder der Apotheker bei der Abgabe eines Medikaments? Bloß nicht! Es könnte die Gesundheit kosten!!

Tatsache ist aber: Fehler passieren! Ständig. Bei der Arbeit, in der Schule, in der Familie, in unserem zwischenmenschlichen Umgang. Fehler zuhauf. Aber weil es im Grunde gar nicht stimmt: „Man darf mal Fehler machen“, weil man im Grunde eben keine Fehler machen darf, deshalb ist es so schwer, mit den eigenen Fehlern umzugehen

Es ist schwer, das eigene Verhalten, die eigene Arbeitsweise zu überdenken und freimütig sich und anderen einzugestehen: „Das hab ich falsch gemacht, das hab ich ganz falsch eingeschätzt.“
Jesus wollte, dass wir einander vergeben. Und das schließt auch mit ein, dass ich mir selbst vergeben sollte.

Denn es ist ja nun einmal so: Fehler sind menschlich. Sie passieren. Gut, wenn wir lernen damit zu leben. Und üben, einander zu verzeihen. Und vielleicht stimmt der Satz dann ja häufiger: Man darf Fehler machen!

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Yes, die Präsentation ist gut angekommen.
Yes, das Gespräch ist echt super gelaufen.
Yes, das Projekt ist zu Ende und alle sind zufrieden.

Es ist ein tolles Gefühl, wenn etwas richtig gut klappt. nAber dann? Dann geht’s weiter. Der Alltag. Neue Kunden. Neue Projekte. Ein neues Dossier. Innehalten? Sich freuen? Sich gar selber loben oder eine Pause einlegen? Dafür bleibt oft gar nicht genug Zeit. Denn: Es muss doch weitergehen. 
So erlebe ich es oft in meinem Arbeitsalltag.

Mir tut es da gut zu wissen, dass es einen gibt, der das anders macht. Von Gott wird in der Bibel berichtet, wie er die Welt erschafft. Am ersten Tag macht Gott Licht und Dunkelheit und den Himmel und die Erde. Als er fertig ist, guckt er sich zufrieden sein Werk an – und: Er lobt sich: Siehe, es war gut. Und dann macht er erstmal eine Pause. Erst am nächsten Tag geht es weiter.

So macht Gott das sechs Tage lang: arbeiten, zufrieden sein, sich loben, ausruhen und sich eine Pause gönnen. Am sechsten Tag erschafft er uns Menschen. Er ist sehr zufrieden mit sich und beschließt einen ganzen Tag lang nichts mehr zu tun. Er ruht aus. Feiert, seinen Erfolg und freut sich an dem guten Ergebnis.

Wenn es bei mir mal wieder so weit ist, dass ich gar nicht zum Atemholen komme, dann denke ich daran. Und dann frage ich mich: Wann habe ich das eigentlich das letzte Mal gemacht? Mich gelobt für etwas, das mir gelungen ist? Wann bin ich das letzte Mal abends nach Hause gekommen und habe gedacht: Mensch, war doch echt ein erfolgreicher Tag! – Und dann beschließe ich das jetzt gleich nachzuholen. Dann gönne ich mir ganz bewusst eine richtige Auszeit und genieße den Abend mit meiner Familie!
Denn siehe, es war sehr gut!

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So durstig war ich nie mehr im Leben, so wie damals auf dem Weg nach Italien. Ich war noch klein und irgendwie ist uns das Wasser ausgegangen. Erst als wir in Italien waren, gab es wieder etwas zu trinken. Und ich werde nie vergessen: Das Wasser war köstlich. Nie mehr hat mir Wasser danach so gut geschmeckt.

Durst ist ein ganz existentielles Gefühl. Ohne Wasser können wir nicht leben. Dazu passt die Jahreslosung 2018. Das ist ein Spruch aus der Bibel, der uns das Jahr über begleiten soll. Da heißt es für dieses Jahr: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Gott verspricht, unseren Durst zu löschen. Und es geht dabei um mehr als den Durst nach Wasser. Es geht um den Durst nach Leben. In manchen Augenblicken im Leben spüre ich diesen Durst nach Leben ganz deutlich. Zum Beispiel, wenn ich völlig fertig bin und mich frage: „Warum mache ich das hier eigentlich?“  Wenn ich down bin und mich nach Geborgenheit sehne, dann spüre ich diesen anderen Durst in mir:  den Durst angenommen zu sein, die Sehnsucht, dass da jemand ist, der mich versteht. Bei dem ich einfach Ich sein kann – ohne Stress, ohne verstellen.

Wie das aussieht? Das Wasser des Lebens? Ich habe es erst vor Kurzem getrunken. Meine Familie und ich standen fassungslos am Grab meiner Cousine, die plötzlich viel zu früh gestorben ist. Wir waren unfassbar traurig. Wie sollte es denn jetzt ohne sie weitergehen? Nach der Beerdigung saßen wir zusammen: meine Cousins, meine Schwester und ich. Und plötzlich haben wir gewusst: Gemeinsam schaffen wir das. Zusammen sind wir stark.

Und angesichts des Todes habe ich sie ganz deutlich gespürt: Die Quelle des lebendigen Wassers. Sie sprudelte aus unserem Zusammenhalt. Aus dem Wissen nicht alleine zu sein.

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In der Bibel gibt es einen schönen Spruch: „Seht doch! Das Alte ist vergangen. Neues ist entstanden!“ (2. Kor. 5,17)

Daran denke ich heute an Sylvester. Der letzte Tag im Jahr ist für mich ein besonderer Tag. Ich habe mir angewöhnt, diesen Tag ganz ruhig und feierlich zu begehen. Zuerst rufe ich Freunde an, von denen ich schon lange nichts mehr gehört habe. Und dann setze ich mich hin - und ordne mein Kochbuch. Das ist für mich wie ein Jahresrückblick. Übers Jahr habe ich einfach alle Rezepte reingesteckt, jetzt werden sie schön abgeschrieben. Und jedes Rezept verbinde ich mit einem Ereignis des vergangenen Jahres: Da ist das Rezept für leckere Käsebällchen, das ich am Anfang des Jahres von meinem Brasilienurlaub mitgenommen habe. Im Sommer habe ich von allen Seiten Zucchini bekommen und ein tolles Rezept für Zucchinibrot entdeckt. Und meine Freundin hat mir im Herbst ein Rezept aus Frankreich mitgebracht, für Maronen und Kürbis. So lasse ich das Jahr Revue passieren. Trinke ein Glas Sekt und denke über das Alte nach, das vergangen ist.

Meine Schwester ist da das totale Gegenteil. Für sie steht fest: am 31. wird gefeiert! Mit viel Musik und Tanz. Und es werden Pläne fürs kommende Jahr geschmiedet: Sie will mehr Sport machen und plant einen Urlaub auf den Malediven. Und eine neue Katze möchte sie sich auch anschaffen. Meine Schwester gehört zu denen, die am heutigen Tag nach vorne blicken und Pläne für die Zukunft machen. Sie denkt über das Neue nach, das entstehen kann.

„Seht doch! Das Alte ist vergangen. Neues ist entstanden!“ (2. Kor. 5,17)
An Sylvester kommt das Alte zu einem Abschluss und gleichzeitig bricht die Zukunft an. Egal, in welche Richtung Du heute Abend blickst: Ob zurück, zu dem, was war oder nach vorne, zu dem, was kommen kann: Ich wünsche allen einen schönen letzten Tag des Jahres 2017 – mit Rückblicken und Ausblicken. Und dann natürlich einen guten Rutsch!

Möge Gott seine segnende Hand über uns halten!

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