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SWR3 Gedanken

Letzter Tag vor dem Heiligen Abend. Und ich freue mich, dass ich langsam von dem Chaos des Alltags in die Ruhe des gewohnten Rhythmus rübergleite.

Ich denke viele haben Traditionen mit denen sie sich auf das Fest eingrooven können. Bei uns wird heute Abend der Baum geschmückt. Christmas-Swing von der CD läuft dabei und wenn alles fertig ist, wird die Tür abgeschlossen und wir müssen alle einen halben Tag ohne Ess- und Wohnzimmer auskommen. Die werden erst wieder geöffnet, wenn die Glocke läutet. So ist das in jedem Jahr.

Und zur Vorbereitung in der Familie kommt bei uns noch die Vorbereitung in der Kirche dazu. Und auch wenn es chaotisch aussieht, es folgt doch einer geheimen Choreografie. Die einen kommen und bringen noch den Baumschmuck. Der Kinderchor muss nochmal das Krippenspiel üben und zum Schluss wechselt die Hausmeisterin das Tuch auf dem Altar. Auch das ist in jedem Jahr dasselbe.

Alles geht ineinander. Und morgen wird vieles gut klappen und anderes eben nicht. Aber letztendlich ist das egal. Weil es die heilige Nacht ist, die wir feiern. Gott kommt in die Welt. Und das fällt nicht aus, selbst wenn etwas schief geht, kulinarische Katastrophen passieren oder die Genschenke nicht passen.

Aber das kommt alles morgen. Heute ist der Tag davor. Und ich freue mich auf die Vorbereitungen und unsere Rituale. Und weil der heilige Abend in diesem Jahr am Sonntag ist, kann man die so richtig auskosten. Find ich super.

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Wenn etwas genormt ist, dann kann uns das das Leben erleichtern. Zum Beispiel beim Papier. Wie groß ein Blatt Papier ist, wissen wir alle. Die Größen DinA4 und DinA5, sind uns allen seit der Grundschule geläufig. Mit und ohne Rand. Auf der anderen Seite erinnert jedes DinA4 Blatt auch an die Effektivität und Grausamkeit des Krieges.

Genaugenommen an den Ersten Weltkrieg. Denn als der tobte, fiel der deutschen Rüstungsindustrie auf, dass es ohne Industriestandards mühsam ist Panzer, Kriegsschiffe und Gewehre herzustellen. Denn, wenn jeder seine eigenen Schrauben herstellt, ist es ganz schön schwierig, wenn mal was kaputt geht. Also gründete man heute vor genau 100 Jahren den „Normenausschuss der deutschen Industrie“ und der legte nach und nach die „Deutsche Industrienorm“ Kurz DIN, fest. 

Was da zur Unterstützung der Kriegsindustrie geboren wurde, normiert bis heute unseren Alltag. Und das macht es uns ja auch ganz oft leichter. Wie eben beim Papier. Aber wehe, ich möchte ein anderes Format haben oder ich weiche von der Norm ab. Dann wird es oft schwierig.

Und das ist nicht nur bei Papier und Schrauben so. Auch Menschen machen die Erfahrung, dass es nicht so leicht ist, wenn man anders ist. Wenn man nicht der Norm entspricht. Und da merke ich: Was bei Papier und Schrauben gut und richtig ist, ist auf den Menschen übertragen schlimm. Und ich frage mich: Was wäre wohl gewesen, wenn sie vor 100 Jahren keine Industrienorm erfunden hätten? Vielleicht hätte ja die Kriegsindustrie nie diese grausame Effektivität entwickelt? Auf jeden Fall hätten lernen müssen mit der Vielfalt zu leben. Und vielleicht würde es uns dann auch leichter fallen darin ein Geschenk zu sehen.      

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In drei Tagen ist Heilig Abend und in diesem Jahr, wie alle paar Jahre fällt der 24. Dezember auf einen Sonntag. Und dann ist das eben der 4. Advent. Manche wollen, dass an diesem Tag trotzdem die Läden geöffnet sind, damit man seine letzten Weihnachtseinkäufe noch schnell erledigen kann.

Vor 60 Jahren wäre es undenkbar gewesen über solch eine Idee überhaupt zu diskutieren. Sonntags waren die Geschäfte zu. Aber genau heute vor 60 Jahren trat auch eine Verordnung in Kraft, die zum ersten Mal die Sonntagsruhe ankratzte: die „Verordnung über den Verkauf bestimmter Waren an Sonn- und Feiertagen. “ Damals ging es um frische Milch, Backwaren, Blumen und Zeitungen. Heute geht es um alles. Und eigentlich kann man jetzt auch schon an allen Sonntagen alles kaufen, schließlich ist das Internet von morgens bis abends und auch am Sonntag geöffnet. Die Einzelhändler sagen: Das ist ein großes Problem. Klar, wem es untersagt ist seinen Laden zu öffnen, der kann sonntags auch kein Geld verdienen.

Übrigens auch die Geldgeber für Griechenland finden das am Sonntag konsumiert werden soll. Sie haben es sogar zur Bedingung gemacht, dass Griechenland den Sonntagsschutz aufhebt, damit das Land Geldspritzen bekommt.

Ich glaube, es ist gut, wenn man mal nicht ans Einkaufen und ans Geldverdienen denkt. Es ist gut, wenn der Alltag mal unterbrochen wird. In der Bibel heißt es: Auch Gott nahm sich einen Tag frei, nachdem er 6 Tage fleißig gearbeitet hat. Ich finde das eine gute Idee. Deshalb freue ich mich immer wenn Sonntag ist. Und deshalb werde ich in diesem Jahr am 4. Advent nicht einkaufen gehen. Das kann ich an allen anderen Tagen machen. Am 4. Advent bereite ich mich in aller Ruhe einfach auf Weihnachten vor.

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Das ganze Jahr über haben wir Evangelischen in diesem Jahr Martin Luther gefeiert. Zum Schluss konnte mancher den Namen schon gar nicht mehr hören. Dabei war Luther das ja nicht alleine, mit der Reformation. Da gab es auch andere wichtige Menschen: Männer und auch Frauen.Und eine von Ihnen ist Katharina von Bora. Das war die Frau von Martin Luther. Und heute ist ihr Gedenktag.

Als junge Frau wurde Katharina Nonne, aber das hat ihr dann nicht mehr gefallen. Sie hat von den Ideen der Reformation gehört und wollte auch ihr Leben ändern. Und so hat sie sich - erzählt man - mit anderen Ordensschwestern in Heringsfässern aus dem Kloster schmuggeln lassen. Ganz schön mutig. Als sie dann in Wittenberg ankamen, hat sie Martin Luther kennengelernt. Es dauerte eine Weile, bis Martin und Käthe zueinander fanden, aber dann heirateten sie doch. Und dann war Herr Käthe, wie Luther seine tüchtige und durchsetzungsstarke Frau nannte, für ihn nicht mehr wegzudenken. Sechs Kinder bekamen sie.

Man könnte sagen: Nun ja, hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Aber Katharina war nicht nur die Frau von Martin Luther. Sie war eigenständig und hat ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Und hat nach ihrer Überzeugung gelebt. Das war für eine Frau vor 500 Jahren gar nicht so einfach. Und ich finde es schön, dass es für Katharina von Bora diesen offiziellen Gedenktag heute – an ihrem Todestag – gibt.

Und sollte mich heute jemand nach Luther fragen, dann werde ich zurückfragen: Luther? Meinen Sie den Mann von Katharina von Bora?

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“Wenn ich das damals gewusst hätte, was dieser Wechsel bedeutet, dann hätte ich das wahrscheinlich nicht gemacht. Ich weiß auch gar nicht, wie ich das alles geschafft habe.” Meine Freundin Tina sagt das. Wir sitzen beim Kaffee und sie erzählt von den letzten Monaten. Tina hat ihren Job gekündigt und sich selbständig gemacht. Als Künstlerin. Ein großer Schritt. Mutig und auch anstrengend.

Manchmal ist es gut, dass wir nicht wissen, was genau uns erwartet. Denn dann würde uns vielleicht der Mut verlassen. Wie bei der Geburt eines Kindes. Wenn man vorher schon genau wüsste, was da alles auf einen zukommt – wer würde sich da noch trauen? Aber wenn dann alles gut geht. Die Schwangerschaft überstanden ist und die Schmerzen der Geburt, dann gibt es immer wieder Momente des Glücks, die einen für die Sorgen und Strapazen entschädigen.

Als unsere Tochter damals geboren war, wollte und wollte sie abends nicht einschlafen. Und ich habe mit ihr auf dem Arm Rillen in den Fußboden im Wohnzimmer gelaufen. Nacht um Nacht. Bis ich eines Nachts nicht mehr konnte. Ich habe mich auf den Sessel gesetzt und habe vor Erschöpfung angefangen zu weinen. Und wie ich da so saß, merkte ich, wie unsere Tochter immer ruhiger wurde. Es fühlte sich an, als würde sie mir tröstend mit ihrem Händchen auf die Schulter klopfen. Und als ich sie anschaute, guckte Sie mich mit großen Augen an.

Gut, dass ich nicht in die Zukunft schauen konnte. Vielleicht wäre mir dann dieser Blick durch die Lappen gegangen. Tina findet das auch. Wenn sie heute zurück schaut ist sie ganz froh, dass sie sich damals getraut hat. Ohne zu wissen, was genau kommt. Das Glück das dann kam, will sie heute nicht mehr missen. 

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Mein Sohn hatte in diesem Jahr eine klasse Idee. Er hat einen Adventskalender gebastelt, aber der ist ganz anders als alle anderen Adventskalender, die ich sonst so kenne. Ich nenne ihn inzwischen den Dankkalender.

Mein Sohn hat im ganzen Haus Zettel mit Nummern verteilt. Also muss man jeden Tag suchen. Und wenn man dann die Nummern gefunden hat, ist da eigentlich … nichts. Also nichts Neues. Kein Geschenk oder so. Es ist einfach ein Zettel mit einer Nummer, der zum Beispiel am Stuhl klebt.

Aber, ich hab rausgefunden: Man findet doch etwas. Zum Beispiel unser Sofakissen mit dem Weihnachtsmotiv drauf. Da klebt auch so ein Zettel von Jann. Und ich habe festgestellt, das ist ja richtig cool! Weil ich unser Weihnachtskissen noch mal genau angeschaut hab und mich gefreut hab, das ich das habe. Und das finde ich richtig schön, weil es mich dankbar macht für das, was schon da ist.

So ging es mir beim Weihnachtskissen. Und es ging ja noch weiter. Der Zettel an der Heizung zeigt mir, wie gut es ist, dass ich nicht frieren muss. Und der Zettel an der Mandarine hängt passenderweise an meinen Lieblingsobst. 

Und dabei wird mir auch wieder klar, dass es viele Menschen gibt, die diese Dinge, die ja für mich so selbstverständlich sind, nicht haben. Die haben kein Kissen, die müssen frieren und manche haben nichts zu essen.

Ich finde mein Sohn hat einen richtig tollen Adventskalender entwickelt. Da öffne ich keine Türchen, sondern da werden mir die Augen geöffnet für das was schon da ist. Und dafür bin ich ganz schön dankbar.

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Das hatte ich nicht auf dem Zettel – das wurde ja besser als gedacht. Das habe ich gerade erst erlebt. Eine Freundin ruft an: Komm, lass uns ins Kino gehen, da läuft dieser lustige Film und ich denke Jo, der wird sicher lustig!“ aber dann ist er sogar noch besser. Er ist richtig grandios! Und übertrifft alle meine Erwartungen. Und obwohl ich schon ein bisschen was gewusst habe über den Film, werden ich nochmal richtig überrascht.

Von Jesus heißt es im Advent: Wenn er kommt, dann wird das richtig gewaltig. Für mich heißt das: Es kann alles noch viel besser werden, als ich mir das so vorgestellt habe. Sogar so gewaltig, dass es mich nochmal richtig überrascht. Gerade jetzt im Advent und an Weihnachten. Obwohl in dieser Zeit ja schon viel geregelt ist. Ist ja nicht das erste Mal, dass wir Weihnachten feiern. Als Familie haben wir unseren Ablauf und unsere Rituale. Die sind schön und wichtig, aber eben überhaupt nicht überraschend.

Aber wenn es jetzt im Advent heißt: Jesus kommt gewaltig, hört sich das für mich wie eine Aufforderung an: Freu dich auf deine schönen Rituale in der Advents und Weihnachtszeit. Genieß die Vertrautheit, die darin liegt. Aber: aufgepasst! Es gibt die Möglichkeit, dass alles ganz anders kommt. Und zwar besser! So gut, dass es dich richtig vom Hocker haut. Weihnachten kann richtig gewaltig werden.

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