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SWR3 Gedanken

Im Urlaub mal für ein paar Nächte ins Gefängnis. In Offenburg geht das. Da hat im alten Gefängnis jetzt ein Luxushotel eröffnet. „Liberty“ heißt es. Im „Liberty“ kommt man richtig nobel unter. Alles ist topmodern eingerichtet und trotzdem taucht an jeder Ecke noch etwas vom alten Gefängnis auf. Die originalen Zellentüren mit den alten Metallriegeln zum Beispiel - die haben sie drin gelassen. Aber natürlich top restauriert. Und im Restaurant sieht man noch die alten Gitterfenster. Das Restaurant heißt übrigens „Wasser und Brot“.

Das „Liberty“ ist eine Gratwanderung. Auf mich wirkt es fast ein bisschen zynisch, dass dort, wo Menschen unter zum Teil miesen Bedingungen eingesperrt waren, jetzt der Luxus eingezogen ist. Und das auch noch unter der Überschrift „liberty“, also „Freiheit“. Immerhin waren nach 1848 im Offenburger Gefängnis genau die Leute eingesperrt, die in der Badischen Revolution mehr Freiheit für alle gefordert haben. Das weiß ich von der Homepage des Hotels. Da gibt es extra eine Rubrik „Geschichte“. Wenn ich mich da so durchscrolle, habe ich das Gefühl, dass die Hotelbesitzer irgendwie auch mit der Vergangenheit ringen. Verständlich!

In einer Hotellounge haben sie an einer alten Gefängnismauer diesen Spruch hingeschrieben: „Freiheit ist der Schlüssel, um sich frei zu fühlen.“ Und daneben das goldene Label des Hotels: ein großer alter Schlüssel.

Ich weiß nicht recht, wie ich das mit dem Hotel finden soll. Aber dieser Spruch auf der Wand, der gefällt mir. „Freiheit ist der Schlüssel, um sich frei zu fühlen.“ Ich kann mich tatsächlich nur deswegen wirklich frei fühlen, weil viele in diesem Land mal bis aufs Blut dafür gekämpft haben Und wenn es hart auf hart gekommen ist, sind sie dafür auch ins Gefängnis gegangen. Auch in Offenburg.

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Diese Frau hat alles, was man sich nur wünschen kann: eine große Liebe, einen tollen Beruf und das Wichtigste für sie: sie ist unabhängig. Die Frau heißt Ariel Levy und arbeitet als Journalistin in Amerika. Ariel Levy lebt ihr Leben, genauso wie sie es leben möchte. Eine echte Powerfrau.

Bis Ariel Levy 38 ist. Da will sie schwanger werden und sie wird es auch. Leider verliert sie ihr Kind plötzlich. Einfach so. Niemand kann ihr erklären warum, das Baby hat es einfach nicht geschafft. Die Zeit, die das Kind bei ihr im Bauch war, war so kurz und so schön und jetzt muss sie es schon wieder hergeben. Dass sie das erleben muss, verändert Ariel.

Ariel Levy will mir nicht mehr aus dem Kopf. Wie sie lernen muss, dass sie noch so viel planen kann, aber manche Dinge nicht planbar sind. Eine Schwangerschaft ist so sensibel und so verletzlich. Da hilft kein Plan. Für Ariel ist das ein Schock. Sie muss von dem kleinen Leben Abschied nehmen, das ein paar Monate lang zu ihr gehört hat. Ariel führt viele Gespräche. Sie will verstehen. Vor allem warum es gerade bei ihr passiert ist. Alle sagen ihr, dass eine Fehlgeburt immer passieren kann, dass niemand daran schuld ist, auch nicht sie selbst. Mit der Zeit lernt Ariel das zu akzeptieren. Sie sagt: „Ich habe längst nicht so viel Kontrolle über mein Leben, wie ich glaube. Früher habe ich ständig darüber nachgedacht, mit welcher Strategie ich wohin komme. Heute weiß ich: das Leben ist stärker als jeder Plan.“

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Philipp und Thomas stehen auf dem Schlauch. Sie diskutieren gerade heftig mit Jesus. Es geht darum, wie es nach dem Tod weitergeht und Jesus redet manchmal so kompliziert. Es braucht ein bisschen bis die beiden verstehen, was er meint.

Erstmal vergleicht Jesus, den Himmel mit einem riesigen Haus. Wer stirbt, zieht quasi in dieses neue Haus um. Jeder kann eine eigene Wohnung finden. Die ist sogar von Jesus speziell eingerichtet. Er hat sozusagen die Möbel ausgesucht. Das verstehen Philipp und Thomas noch. Sie denken: „Klar meint Jesus kein echtes Haus aus Steinen oder Wolken. Er meint seine Heimat, da wo er herkommt, Und jeder der will, kann dort bleiben, wenn er stirbt.“ Soweit so gut. Aber dann erklärt Jesus weiter: „Das Haus gehört meinem Vater, Gott. Der wohnt auch dort. Ach so, und wie ihr dorthin kommt, da braucht ihr keine Wegbeschreibung und kein Navi, den Weg kennt ihr.“ Jetzt wird´s kompliziert. Und deshalb hakt Thomas nach: „Wie, den Weg kennen wir? Ich war da noch nie!“ Da sagt Jesus: „Mensch, Thomas, ich bin der Weg. Und wenn du es genau wissen willst: ich bin der Weg zu Gott.“ Das versteht nun auch Philipp nicht und sagt: „Dann zeig uns doch gleich Gott direkt! Das mit dem Weg, das braucht doch keiner.“

Die Antwort von Jesus: „Nein, Philipp, an mir führt kein Weg vorbei. Ich und Gott wir sind nämlich total eins. Deswegen: wenn du Gott sehen willst, schau auf mich. Am besten du bleibst einfach in meiner Nähe. Dann bist du auch schon ziemlich nah bei Gott und wir gehen ganz automatisch auf Gott zu.“

„Aha.“ Philipp und Thomas schauen sich an. Und vielleicht ahnen sie, wie sie auch nach dem Tod noch bei Jesus sein können. Einfach hier und jetzt schon bei ihm bleiben: so leben wie er.

 

 

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Stars und Sternchen – über die gibt es immer etwas zu lesen.  Wer gerade mit wem, oder wem es gerade richtig mies geht. „Stars und Sternchen“ – die gibt es in der Kirche auch. „Heilige“ heißen sie und über die kann man auch jede Menge Geschichten lesen. Zum Beispiel auf Heiligenlexikon.de oder in speziellen Heiligenkalendern. Da ist jeden Tag ein anderes „Sternchen“ dran, oder eben ein richtiger „Star“. So wie am 11. November, da ist es St. Martin und am 6. Dezember der heilige Nikolaus. Solange es nicht mehr als 365 Heilige gibt, passt das. Da ist jeden Tag ein anderer dran. Aber irgendwann waren es in der Kirche mehr „Stars und Sternchen“ als es Tage im Jahr gibt und deswegen ist Allerheiligen erfunden worden. Sozusagen als Sammelfeiertag für alle, damit keiner durchs Raster fällt. Denn mittlerweile gibt es mehr als 6000 Heilige.

Alles Leute, die offiziell als katholische „Stars“ gelten. Heilige haben meistens einen ganz besonderen Draht zu Gott. Oder sie spüren genau, worauf es gerade ankommt und das ziehen sie persönlich voll durch. Katharina von Siena war so eine: Die war stark. Sie hat sich von niemandem einschüchtern lassen, nicht mal vom Papst. Sie hast fast 400 Briefe geschrieben, alle an Politiker und Kirchenleute. Friedenspolitik war ihr Thema. Und das als Frau vor fast 700 Jahren.

Die allermeisten anderen Heiligen kenne ich gar nicht. Aber ein paar von ihnen schon. Martin und Nikolaus zum Beispiel, und eben Katharina. Als eine Heilige unter vielen anderen, imponiert mir Katharina besonders, weil sie so mutig war. Deswegen denke ich heute auch an sie. Für mich: Ein echter „Star“ unter tausenden „Sternchen“.

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Was für eine Zettelwirtschaft! Das müssen viele Zettel gewesen sein, die Martin Luther da an die Kirchentür in Wittenberg genagelt hat. In einer Nacht- und Nebelaktion, womöglich noch bei Sturm und Regen, heute genau vor 500 Jahren soll´s gewesen sein. Luther war damit nicht der Einzige. Die Tür an der Schlosskirche war damals so etwas wie die Pinnwand von ganz Wittenberg. Aber mit dem, was er da angepinnt hat, ist Luther total aufgefallen: in 95 Sätzen soll er klargestellt haben, was seiner Meinung nach alles falsch gelaufen ist in der Kirche.

Martin Luther war Mönch und hochintelligent. Er hat sich ausgekannt mit dem Glauben. Die Aktion mit den 95 Thesen war ein absolutes Highlight in seinem Leben, weil sich der Text wahnsinnig schnell verbreitet hat. Und Luther hat damit eine Riesen-Sache ausgelöst: alle haben plötzlich angefangen zu diskutieren und zu streiten, darüber, wie man „richtig“ glaubt. Unter anderem ging es darum ob es sein darf, dass die Kirche so viel Geld von ihren Leuten abzockt. Damals haben viele Unmengen Geld dafür bezahlt, dass sie und ihre Verwandten in den Himmel kommen. Unvorstellbar, dass man sozusagen Eintrittsgeld für´s Paradies zahlt. Der Himmel kostet doch nichts.

Obwohl ich katholisch bin, ist es wahrscheinlich Luthers Verdienst, dass ich an so etwas nicht mehr glaube. Denn durch die Reformation hat sich auch in der katholischen Kirche einiges verändert. Und das alles dank der Zettelwirtschaft von Martin Luther.

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„Schau, mein Aua von übermorgen!“ Das sagt meine kleine Tochter Gloria und zeigt dem Opa stolz die neueste Beule am Kopf. Klar, dass der Opa lacht. Und ich gleich mit. Gloria kommt mit Worten wie „gestern“, „letzte Woche“ und „übermorgen“ immer wieder mal durcheinander.

Das würde ich eigentlich gerne können: Jetzt schon so richtig stolz sein, auf das, wo ich mir übermorgen den Kopf anrenne. Es gibt solche Sachen, von denen weiß ich heute schon, dass sie mir morgen wieder passieren. Weil ich mich kenne. Und ich weiß: das wird wieder weh tun. Zum Beispiel, dass ich ständig viel zu viel von mir selber erwarte. Oder dass ich immer wieder auf das schiele, was andere viel besser hinkriegen als ich. Kann sein, dass ich das im Moment grade gut im Griff habe. Aber ich ahne, dass es da demnächst wieder Beulen gibt. Oder wie Gloria sagt: „Auas von übermorgen“.

Gar nicht schlecht, wenn ich meine Macken und Kratzer nicht immer nur verstecken muss, sondern sie – wie Gloria – stolz herzeigen kann. Natürlich nur bei Leuten, mit denen das auch passt. Wenn ich offensiv mit meinen Schwächen umgehe, dann kann ich auch mal drüber lachen. Und dann sind meine „Auas von übermorgen“ auch nur noch halb so schlimm.

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Diese Jungs haben schon einiges durchgezogen. Sie nennen sich „12thMemoRise“. Ein schwieriger Name, der sich schlecht übersetzen lässt: 12thMemoRise. Egal, was sie machen, sie wollen damit provozieren. Deswegen haben sie in der Innenstadt von Essen eine Hinrichtung inszeniert und in Düsseldorf einen modernen Sklavenmarkt. Mit gefesselten, verschleierten Frauen und einem, der die Frauen lautstark in der Fußgängerzone versteigert hat. Es hat alles ziemlich echt gewirkt und das war so gewollt. Denn die Leute sollen endlich hinschauen. Die Schauspieler, die das auf der Straße nachgespielt haben, sind überzeugt: mit dem Islam, an den sie glauben, hat das nichts zu tun.

„12thMemoRise“ - das sind Hassan und sein Bruder, zusammen mit ein paar Studienfreunden. Hassan ist 26, er betet fünf Mal am Tag und er studiert Germanistik und Medienwissenschaften. Die richtige Frau hat er noch nicht gefunden, aber er möchte unbedingt mal heiraten. Vor allem ist Hassan sicher, dass der Islam eine friedliche Religion sein kann.

Er hält es einfach nicht aus, wenn alle in einen Topf geworfen werden: einerseits die Muslime, die friedlich und tolerant sind - so wie Hassan und sein Bruder. Und andererseits die radikalisierten Muslime, die Islamisten. Bei ihnen sind Menschenrechte nichts wert. Hassan will das unbedingt trennen: seinen friedliebenden Islam und die Radikalen. Und er will, dass auch andere diesen Unterschied sehen. Dafür geht er ziemlich provokante Wege.

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