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SWR3 Gedanken

In Freiburg leuchtet derzeit ein Schriftzug am städtischen Theater. Heart of the City:  „Hier schlägt das Herz der Stadt.“

Ich überlege, ob wir so was nicht auch an unsere Kirchen schreiben sollten.  Weit sichtbar, am besten an den Kirchturm: Hier schlägt das Herz der Stadt.  In dieser Kirche. Weil in Kirchen Menschen zusammenkommen um Gottes Gegenwart zu feiern.

Weil sich da drin Menschen treffen und mit Herzklopfen davon singen und erzählen, was sie lebendig macht. Und dann. wuseln sie durch die Stadt und bringen unter die Leute, was sie von Gott verstanden haben. Sie kümmern sich um andere, verurteilen niemanden und initiieren schon auch mal eine Eingabe an den Gemeinderat.

In all diesen engagierten, aktiven Menschen wird der Herzschlag Gottes in einer Stadt spürbar. Indem sich Menschen für andere einsetzen, verbreitet sich Gottes Herzschlag in der ganzen Stadt. Ganz unspektakulär und unaufdringlich, aber höchst wirksam.

Menschen, die an Gottes Liebe glauben, die haben die Kraft, Dinge zum Guten zu verändern. Nicht nur in einer Kirche. Nicht nur in der Stadt. Auch auf dem Land und weit darüber hinaus. Gottes Herz schlägt überall.

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Langer roter Rock, weiße Bluse, wehendes schwarzes Haar. Nur die Waage in der linken Hand und die weiße Augenbinde weisen darauf hin: das hier ist eine Justitia, also eine Verkörperung der „der Gerechtigkeit“. Diese Justitia steht im Mittelpunkt des diesjährigen Weltgebetstags der Frauen. Heute nämlich kommen in allen Ländern der Welt christliche Frauen zusammen, um in einem Gottesdienst ihre weltweite Verbundenheit zu feiern.

Die ungewöhnliche Justitia prangt auf dem Gottesdienstblatt für dieses Jahr. Um sie herum tobt das Leben in bunten Farben. Philippinischer Alltag in seiner ganzen Breite: Großstadtenge und Reisfelderidylle, Kriminalität und Großherzigkeit, Tradition und Moderne. Und mitten drin die alltägliche Justitia auf dem Titelbild. Sie ist die Antwort der philippinischen Frauen auf eine biblische Frage, die sie zu der ihren gemacht haben: „Was ist denn fair?“

Die Justitia im Bild nimmt gerade ihre Augenbinde ab! Sie will sehen, worüber sie Recht spricht. Sie will Augenmaß, wenn sie Recht spricht. Eine mutige Darstellung. Nicht nur auf den Philippinen. Es ist richtig und wichtig, dass wir nicht blind verurteilen, sondern genau hinschauen. Aufklären, was zu einem Fehlverhalten geführt hat. Dass wir den Menschen hinter der Tat sehen. Und dabei keinem Menschen seine Würde absprechen.

Auf den Philippinen ist die Achtung der Menschenwürde derzeit ein großes Thema. Aber wenn bei uns Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Nationalität pauschal verdächtigt werden, wenn Täter als Monster bezeichnet werden, dann ist das alles, nur nicht fair.

Was ist fair? Fair ist, genau hinzuschauen, die Menschen zu sehen. Auf den Philippinen, bei uns, auf der ganzen Welt. 

 

Titelbild-Weltgebetstag-2017-Rowena-Apol-Laxamana-Sta-Rosa-Copyright-WGT-eV

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https://www.kirche-im-swr.de/?m=23741

Eine Schmuckkarte im 60er Jahre-Retrostil, gleich neben der Kasse. Auf dem Bild winkt mir eine hübsche junge Frau im Coco-Chanel-Kostüm zu. Ich schau mir die Karte genauer an und lese den plakativen Schriftzug neben der hübschen Frau: „Wie schön, dass es mich gibt!“

Hab ich mich verlesen?
Nein, tatsächlich. Da steht „Wie schön, dass es mich gibt!“
„Wie schön, dass es mich gibt!“ ?

Mir fällt bei so einer Frage immer erst das ein, was gerade nicht so schön ist. Und wo ich hinter meinen eigenen Erwartungen zurück bleibe. Vielleicht ist das auch sowas wie ein Schutz. Bevor jemand anderes was Negatives sagt, mach ich das lieber selber.

Schön, dass es mich gibt?!
Klingt erst mal ziemlich selbstbezogen. Aber wenn ich ein bisschen überlege, dann fallen sie mir schon ein. Die Leute, die es schön finden, dass es mich gibt. Und die das auch zu mir sagen: Schön, dass es dich gibt! Ich murmle den Satz ein paar Mal vor mich hin. Und fange an, gute Laune zu kriegen. 

Ja, es ist gut, dass es mich gibt. Ich lebe gerne und ich kenne viele Menschen, von denen ich sofort sagen würde, dass es schön ist, dass es sie auch gibt.

Ich sollte das denen dringend mal wieder sagen; dass es schön ist, dass es sie gibt. Wie gut, dass mir das einfällt. Wie schön, dass es mich gibt!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23740

Immer wieder hat Alex Krach mit der Bewohnerin über ihm. Die spielt nämlich gern Klavier, aber sie hält sich nicht an die vereinbarten Klavier–Übezeiten.

Mein Freund Alex arbeitet von Zuhause aus. Deshalb ist das schwer für ihn zu ertragen. Wenn er die ersten Akkorde hört, schlägt sein Puls schon schneller. Nach ein paar Minuten muss er seine Arbeit abbrechen, hochgehen. Wenn er bei ihr klingelt, ist er auf 180. Wenn sie dann aufmacht und ihn dastehen sieht, zieht sie erstmal eine Grimasse.

Das darauf folgende Gespräch hat zwar in der Regel zur Folge, dass sie aufhört zu üben. Aber beide haben danach schlechte Laune. Alex ärgert sich darüber, dass sie seine Arbeitszeiten nicht respektiert. Und sie versteht nicht, was an Musik stören kann und warum er so spießig ist.

Jetzt hat er mir erzählt, dass sich etwas verändert hat. Alex hat sich nämlich an ein Ritual aus der Meditation erinnert: Bevor man anfängt mit dem Meditieren, verbeugt man sich.

Es ist sinnbildlich die Verbeugung vor dem, was mich innerlich beschäftigt und vor dem, was mir begegnet. Diese Verbeugung soll dazu helfen, dass man auch mit Ärger noch bei sich selber bleiben kann. Sich nicht von Gefühlen hinreißen lässt.

So ist Alex also beim nächsten Klavier-exzess nach oben gegangen, hat sich vor ihrer Türe verbeugt und erst dann geklingelt. Der Erfolg hat ihn selber überrascht: Die Studentin zog keine der üblichen Grimassen. Sie hat ihn angelächelt und sich sofort entschuldigt.

Ich weiß leider nicht, ob sie sich seither an die Übezeiten hält. Aber vielleicht ist das gar nicht mehr so wichtig. Die heimliche Verbeugung hat etwas gerade gerückt. Sie sind nicht mehr penetrante Störerin und spießiges Opfer. Sie sind jetzt Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Und begegnen sich damit auf Augenhöhe. Respekt!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23739

Kinder + Narren sagen die Wahrheit, heißt es im Volksmund. Die anderen trauen sich meistens nicht Wahrheiten auszusprechen. Vor allem dann, wenn sie unangenehm sind.

Die einen scheuen die Wahrheit, weil sie Steuern hinterzogen haben. Oder den Partner betrogen oder über jemanden schlecht geredet haben.

Die andern wollen die Wahrheit nicht hören, weil sie nicht wissen ob sie damit klarkommen: Wenn das tatsächlich stimmt- der Befund der Gewebeprobe, das Geständnis der Partnerin, der soundsovielten Absage auf eine Bewerbung? Will ich lieber nicht wissen.

Unangenehme Wahrheiten ziehen erst mal unangenehme Folgen nach sich -  Strafe oder Kummer – und oft muss man da alleine durch. Das macht Wahrheit unattraktiv.

Jesus ist da anderer Meinung. Ein Satz von ihm steht über einem prächtigen Unigebäude in Freiburg: „die Wahrheit wird euch frei machen.“

Wer immer sich vor Wahrheiten fürchtet, dem sei gesagt: sie macht frei.
Warum? Weil Lügen immer anstrengend sind und man sich darin verirrt. Weil die Angst nicht weggeht, wenn man sie verdrängt.

Jesus sind keine Wahrheit und kein menschliches Elend fremd. Er bietet deswegen einen anderen Weg an: sich Wahrheiten stellen. Auch unbequemen. Sein Versprechen: er steht dabei an unserer Seite. An der Seite aller Menschen, die Angst vor der Wahrheit und ihren Konsequenzen haben. Jesus trägt sie mit. Und befreit von der Last.
Nicht nur Narren und Kinder. Alle.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23738

Schlechte Nachrichten machen Angst. Und sie machen ängstlich, sagen manche. Die Folge: Ich erwarte nichts Positives mehr und fühle mich hilflos, etwas zu ändern.

Wenn das stimmt mit den schlechten Nachrichten - müsste das dann nicht auch für den umgekehrten Fall gelten? Also, dass uns gute Nachrichten aufbauen und ermutigen, selbst aktiv zu werden?

In Israel jedenfalls war das so. Vor wenigen Wochen haben die Frauen vom jüdisch-arabischen Bündnis ‚Frauen wagen Frieden‘ einen Friedensmarsch in Nordisrael gestartet. Weder der offene politische Konflikt noch die Anschläge haben sie davon abgehalten.

Bis zum Zielort Jerusalem sind 10.000 Frauen zusammengekommen. Die jüdischen, muslimischen und christlichen Israelinnen waren sich einig: „Wir können und wollen zusammen leben. Wir hören jetzt auf, uns gegenseitig zu beschuldigen und in der Opferrolle zu verharren. Kein Krieg mehr, nicht mit uns.“

Zu dieser Aktion gab es auch einen professionell aufgenommenen Song. Dieser Song  ‚prayer of the mothers‘ ist bei youtube bereits über 2,5 Millionen Mal aufgerufen worden.

Prompt sind jetzt im Januar auch in den USA hunderttausende Frauen und Männer auf die Straße gegangen. Sie demonstrieren für ein Amerika, das Menschenwürde, Offenheit und Toleranz bekennt und lebt.

Vor zwei Wochen haben Frauen und Männer in der ganzen Welt mit der Aktion one billion rising auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. Eine Milliarde Menschen für eine gewaltfreie Welt!

Mehr davon bitte. Denn  das sind gute Nachrichten. Für alle. Hoffentlich machen sie vielen Menschen weltweit Mut.

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Gebet der Mütter für den Frieden:
https://youtu.be/YyFM-pWdqrY

 

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23737

Maria Knotenlöserin. Ich stehe in einer kleinen katholischen Kirche in Augsburg und betrachte ein Marienbild. Vor gut 300 Jahren gemalt. Titel: Maria Knotenlöserin. Ziemlich  eigenartige Aufgabe für die Mutter Jesu.

Auf dem Bild reichen Engel der Mutter Jesu ein Band. Ein Band mit ganz schön vielen Knoten drin. Und die löst sie mit ihren zarten Fingern. Knoten, Probleme, Verstrickungen, mit denen die Menschen zu ihr gekommen sind.

Klar, was mir das Bild sagen will: wenn ich Maria bitte, meine Probleme zu lösen, sich um meine Verstrickungen zu kümmern, dann tut sie das. Maria Knotenlöserin eben.

Ehrlich gesagt, diese Maria sieht so jugendlich und zart aus, dass ich ihr meine massiveren Probleme nicht aufbürden will. Außerdem bin ich Protestantin – ich glaube, dass ich mich mit meinen Sorgen direkt an Jesus, an Gott wenden kann. Heilige  als Mittelspersonen sind mir fremd.

Trotzdem: diese Maria Knotenlöserin fasziniert mich. Maria als eine Frau, die sich voll und ganz auf Gott verlässt. Und deshalb Gutes bewirkt. Beim Anblick dieser Maria wird mir deutlich, dass eigentlich jede Frau das Potenzial zur Knotenlöserin hat. Und vermutlich auch jeder Mann .

Denn am Anfang eines Konfliktknotens braucht es meistens gar nicht so viel, um die Lage zu klären. Erst recht, wenn man mit Gottvertrauen rangeht. Vielleicht könnten wir so manchen Konflikt auflösen, bevor er sich festzurrt und zum komplizierten Knoten wird.

Maria Knotenlöserin macht mir Mut, das mal zu probieren. Konflikten nicht ausweichen, sondern mit Fingerspitzengefühl nach Lösungswegen. Mit einer gehörigen Portion Gottvertrauen. So wie Maria Knotenlöserin eben. Katholisch oder evangelisch spielt dabei keine Rolle.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23736