Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR3 Gedanken

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Für die christlichen Kirchen ist die Antwort klar: ja, es gibt ein Leben nach dem Tod – wir folgen Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist ins ewige Leben.
Für die, die nicht an Gott glauben, ist die Antwort genauso klar: nein, sagen die, mit dem Tod ist alles aus, es folgt nichts, nothing, plus rien. Was glaubst du, gibt es ein Leben nach dem Tod?

Wir wissen es ja alle nicht. Noch nie ist einer von dort zurückgekommen und könnte davon erzählen. Was soll ich glauben? Worauf vertrauen? Mir hilft da ein Satz aus der Bibel: „Ob wir leben oder sterben, wir gehören zu Gott und Gott zu uns.“ Das heißt, egal, was passiert, wir sind nicht allein, Gott ist bei uns. So kann ich die Frage nach einem Leben NACH dem Tod erst einmal hintanstellen. Denn dann wird eine andere Frage viel dringender: wie ist das mit dem Leben VOR dem Tod?

Denn egal, ob wir an Gott glauben oder nicht, egal, ob wir an ein Leben nach dem Tod glauben oder nicht, in einem sind sich wohl alle einig: es gibt ein Leben VOR dem Tod. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass viele Menschen das vergessen. Dieses Leben leben wir nur einmal und deswegen sollten wir das Beste daraus machen. Wir sollten das Leben, so oft es geht, genießen. Mit Freunden öfters mal Eis essen gehen. Mit der Mutter reden, mit dem Vater. Mit den Kindern Zeit verbringen, spielen, lachen, Unsinn machen. Denn letztendlich ist es doch das, was zählt: dass wir unser Leben leben, unser Leben VOR dem Tod. Die Frage lautet also: hast du ein Leben vor dem Tod? Lebst du dein Leben?

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23027

Ein Sofa kann man teilen, oder das gemeinsame Fußballspiel. Den Kindern der zweiten Klasse in der Grundschule fällt vieles ein, wenn sie drüber nachdenken: was kann ich mit anderen Menschen teilen? Trinken und Essen natürlich, aber auch Kleider, Spielzeug, das Auto…

Als ich in der Grundschule war, war das Highlight das Sankt Martins-Fest. Die Feuerwehr machte ein Feuer, es gab die weltbesten Weckmänner, danach ging es hinter einem als Sankt Martin verkleideten Reiter auf einem Pferd einmal durch unser Dorf – wir hinterher mit unseren bunten Laternen.

Sankt Martin hat im 4. Jahrhundert gelebt. Er ist Soldat, als er an einem Novembertag an einem Bettler vorbeireitet. Der Bettler friert, denn es ist kalt und Martin nimmt spontan seinen Mantel, teilt ihn mit seinem Schwert in zwei Teile und gibt eins dem Bettler. Dieses Ereignis ist der Wendepunkt im Leben von Sankt Martin: er wird vom Soldaten zum Bischof.

Deshalb denke ich mit den Grundschulkindern darüber nach. Was ist mit uns? Sollten wir nicht auch teilen mit denen, die weniger haben als wir? Ja, auch ich habe Angst vor diesen professionellen Bettlerbanden, aber es gibt genügend Anderes, was ich sehr wohl tun kann. In meiner Stadt zum Beispiel gibt es einen Tafelladen der Diakonie, der sich über Essenspenden freut. Auch das Tierheim freut sich über Hundedosen und Katzenfutter. Genauso kann man mit Geldspenden vielen ehrenamtlichen Organisationen helfen. Sankt Martin würde sich freuen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23026

Ein richtiger Mann. Ein richtiger echter Mann ist körperlich fit. Er ist zärtlich und einfühlsam im Privaten, beruflich aber weiß er seinen Mann zu stehen: selbstsicher und karrierebewusst. Selbstverständlich kann er ein Fahrrad reparieren. Danach geht er mit dem Nachwuchs auf den Bolzplatz – denn natürlich ist ein echter Mann auch ein guter Vater: dem Mittleren erklärt er souverän die Physikhausaufgaben, der Kleinsten liest er geduldig auch das 500. Mal ihr Lieblingsmärchen vor. Richtige Männer werden nicht müde, sind immer einsatzbereit und geben jederzeit 100 %.

Ein richtiger Mann ist auch Mose. Seine Geschichte vor fast 3000 Jahren steht in der Bibel. Als richtiger Mann kann Mose Recht von Unrecht unterscheiden, setzt auch mal mit körperlicher Gewalt Recht durch. Sein Volk wird von den Ägyptern unterdrückt und als Sklaven gehalten. Aber Mose führt es in die Freiheit. Er führt es 40 Jahre lang durch die Wüste bis zum gelobten Land. Mose ist halt ein richtiger Mann: mutig, kraftvoll, selbstbewusst, niemals müde, immer einsatzbereit.

Einmal hat Mose eine wichtige Aufgabe: Es ist Krieg und Mose muss sein Volk retten. Solange er seinen Stab hochhält, hat sein Volk im Kampf die Oberhand, lässt er seinen Stab sinken, verliert sein Volk. Mose ist stark, aber bald werden ihm die Arme schwer, bald kann er den Stab einfach nicht mehr hochhalten. Was soll er tun? Als echter, richtiger Mann? Da kommen zwei Freunde, sie stellen sich jeder auf eine Seite von Mose, sie halten Moses Arme hoch und das Volk gewinnt den Krieg.

Das Erstaunliche: auch nach diesem offensichtlichen Anzeichen von Schwäche bleibt Mose ein geachteter Mann und Anführer seines Volkes. Ein richtiger Mann ist nämlich nicht immer nur stark, er braucht manchmal auch Hilfe. Und wenn er die Hilfe annimmt, bleibt er trotz allem ein richtiger Mann.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23025

Für mich war er perfekt. Till Brönner. Als Studentin in Berlin war ich ein totaler Fan von ihm. Ich hatte alle seine CDs, war auf Konzerten von ihm gewesen und fand: niemand spielt so schön Trompete wie er, keine Stimme ist sexyer und dann sieht er ja noch supergut aus. Jedenfalls ging ich eines Abends in den kleinen Supermarkt um die Ecke, nichtsahnend – und da sah ich IHN! Till Brönner! Als ich dann seinen Einkaufskorb gesehen habe, war ich ehrlich erleichtert: Käse und Wein. Ok, das passt. Nicht auszudenken, er hätte Klopapier und Feuchttücher eingekauft. Ein Star muss doch perfekt sein, oder?

Vor knapp 500 Jahren wollte Martin Luther die katholische Kirche reformieren. Am Ende gab’s eine neue Kirche: die evangelische. Damals war er für viele ein Star. Weil er ausgesprochen hat, was viele vor ihm schon gedacht, aber nicht gesagt haben. Luther war ein genialer Redner und Theologe. Nur leider perfekt war er nicht. Sein Antijudaismus lässt mich rot vor Scham werden, seine abschätzigen Bemerkungen über die Türken sind schrecklich… Geht das zusammen, ein Star – und so viele Macken? Können wir jemanden feiern, der Sachen gesagt hat, die heute nicht mehr akzeptabel sind? Müsste ein Star, den man verehrt nicht großartig und makellos sein?

Es ist spannend, dass Luther selbst gegenüber dieser Sehnsucht nach übermenschlichen Helden kritisch war. Luther sagt das so: alle Menschen sind immer beides, gerecht vor und geliebt von Gott, aber auch gleichzeitig Sünder, d.h. fehlerhaft und unvollkommen. Niemand tut immer nur das Richtige. Aber es ist auch nicht so, als wären wir nur die Summe unserer Fehler. Der Mensch bleibt immer auch ein geliebtes Kind Gottes. Ich finde das sehr realistisch:
Und dann darf Till Brönner auch gerne Klopapier kaufen gehen. Obwohl…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23024

Viele Eltern machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder.  „Unsere Kinder sollen Englisch schon im Kindergarten lernen!“ sagen sie.  „Ja, und vielleicht auch chinesisch!“ In der Grundschule soll das Kind ein Musikinstrument lernen, das ist gut fürs Gehirn. Aber natürlich soll es auch Sport treiben. Gute Noten müssen sein, das Kind soll ja auf ein gutes Gymnasium. Dort müssen Auslandserfahrungen her. Die helfen für ein Studium an einer herausragenden Uni. Nebenbei heiraten, 1-2 Kinder kriegen und die Balance zwischen Kindern und Karriere meistern. Lebenslanges Lernen, eigentlich ganz schön, wird zum erdrückenden Anspruch: sich zur Ruhe setzen? Selbst Rentner müssen heute fit und jugendlich bleiben.

Das ist unmenschlich, meinte schon Martin Luther. Nächstes Jahr, 2017 feiern die evangelischen Christen die Reformation. Ihren Anfang 1517 sehen wir in dem Ereignis, als Martin Luther seine 99 Thesen an die Schloßkirche von Wittenberg geschlagen hat.

Seine wichtigste Erkenntnis war das, was er „Rechtfertigung allein aus Glauben“ genannt hat. Was er damit gemeint hat, ist im Grunde ganz einfach: Wir Menschen werden von Gott nicht nach dem beurteilt, was wir leisten oder was wir nicht leisten. Also auch nicht nach dem, was wir falsch gemacht haben. Anders als wir, liebt Gott uns immer. Vielleicht so, wie eine Mutter oder ein Vater ihr Baby lieben, noch bevor es sprechen kann oder etwas vorzuweisen hat.

Luthers Erkenntnis hat seine Zeitgenossen begeistert. Und kann auch in unserer gestressten Gesellschaft richtig befreiend sein: dein Leben ist gut und wertvoll, auch wenn du nicht alles schaffst, auch wenn du kein chinesisch sprichst, auch wenn du unmusikalisch oder unsportlich bist.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23023

„Ich schaff das alles nicht!“ Wir sitzen mit ein paar Freundinnen zusammen. Mitten im netten Plaudern platzt es aus Nadine heraus: „Es geht nicht mehr.“ Haushalt und Kinder und Arbeit. Nadine guckt uns an und erzählt: „Vor ein paar Tagen habe ich vergessen, meinen Sohn vom Handball abzuholen. Ich hab in der Hektik einfach meinen Sohn vergessen!“. Nina erzählt von einem riesen Streit mit ihrem Mann: „Dabei ging es echt nur darum, wer die Toilette putzt.“ Zwei Tage lang haben die beiden dann nicht miteinander geredet.

„Bei den Menschen ist es unmöglich; aber bei Gott sind alle Dinge möglich“ heißt es in der Bibel. Es mag sich komisch anhören, aber ich finde das total erleichternd: allein bei Gott ist nichts unmöglich. Denn das heißt ja:  für uns ist eben nicht immer alles möglich.  ja, bei uns muss auch nicht immer alles möglich sein!

Ich finde es schlimm, dass jungen Eltern immer wieder die Alles-ist-möglich-Lüge aufgetischt wird: selbstverständlich könne man Kinder haben, gleichzeitig Karriere machen und nebenbei einen picobello Haushalt schmeißen… Nein, das ist eben nicht möglich. Kinder brauchen Zeit. Das Betreuungsangebot in Deutschland ist suboptimal. Der Chef besteht auf Vollzeit. So sieht es doch aus.

Deshalb möchte ich euch, liebe Mütter, liebe Väter gern mitgeben: nur für Gott ist alles möglich, für den Rest der Welt aber nicht. Und das hilft fürs Erste: tief durchatmen und nicht verzweifeln.

Denn letztlich: ihr seid nicht alleine. Viele Mütter und Väter stehen vor den gleichen Schwierigkeiten. Und wenn genug Mütter und Väter laut sagen: „Mein Beruf ist mir wichtig, ja, aber meine Familie auch und meine Kinder brauchen Zeit“ – dann, ja dann könnte einiges anders werden: die Politik müsste entsprechende Maßnahmen ergreifen und die Unternehmen feststellen, dass es auch anders geht. Dann, ja dann ist vielleicht auch für die jungen Eltern nicht mehr unmöglich

 „Die Alles ist möglich-Lüge: Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind“ Susanne Garsoffky und Britta Sembach.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23022

Das kleine Schaf stand ganz verloren da. Ich war mit meinem Hund spazieren. Und da sahen wir das kleine Schaf weit von seiner Schafsherde weg. Die übrigen Schafe standen brav vom Zaun umgeben zusammen. Nur das kleine Schäfchen muss da rausgekommen sein. Zuerst dachte ich, ich könnte den Zaun irgendwo anheben und das Schäfchen zurück zu seiner Weide treiben. Bloß der Elektrozaun ist wirklich überall elektrisch… Nichts zu machen. Wieder zuhause rief ich den Förster an, er solle doch bitte dem Schäfer Bescheid geben, dass sich eines seiner Schafe verirrt hatte.

In der Bibel steht eine ganz ähnliche Geschichte, eine kleine Geschichte, die über hunderte von Jahren den Menschen geholfen hat. Sie erzählt von einem Schafhirten, der eine Herde von 100 Schafen hat. Eines Tages aber geht ein Schäfchen verloren. Der Hirte kennt aber seine Schafe, sofort sieht er: eins fehlt. Voller Angst und Sorge macht er sich auf den Weg, es zu suchen. Nicht, dass es einen Abhang runtergestürzt oder von einem wilden Tier bedroht ist oder sich sonst wie verletzt hat. Der Hirte sucht und sucht solange, bis er es gefunden hat. Überglücklich trägt er es heim. Er ist so über alle Maßen glücklich, sein Schäfchen heil wiedergefunden zu haben, er lädt Nachbarn und Freunde ein, ein Fest zu feiern.

Diese Geschichte will sagen: Manchmal gehen wir ja auch irgendwie „verloren“: wir irren uns oder verrennen uns in etwas. Dann ist es gut, wenn jemand da ist, wenn man einen Freund hat, der einem keine Vorwürfe macht, der einem schlicht und einfach hilft, aus dem Schlamassel wieder rauszukommen. Es ist gut, wenn ich weiß, da ist jemand, der sich um mich sorgt.

Übrigens das Schäfchen bei mir auf der Wiese ist wieder bei seiner Herde sicher hinterm Zaun. Der Schäfer hat sich selbstverständlich sofort darum gekümmert.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23021