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SWR3 Gedanken

Heute schon gelogen?
Na gut, bis abends gibt‘s schon noch eine Chance für eine dieser kleinen Lügen:
„Ich habe die Datenschutzbedingungen gelesen
und erkläre mich mit ihnen einverstanden…“ – click, Häkchen dran gemacht,
damit die neue App oder das neue Betriebssystem
überhaupt weitermacht mit der Installationsroutine…

Und wer hat je auch nur versucht, die zig Seiten zu lesen oder gar zu verstehen,
die facebook und whatsapp und Windows10 und alle anderen
hinter dem jeweiligen Link aufgehen lassen,
wenn ich tatsächlich mal erst lesen und ohne zu lügen weiter will!
Es ist – und dieses Problem verursachen die Anbieter:
Es ist schlicht viel zu viel, viel zu unverständlich
und auf den ersten Blick sowieso immer das Gleiche.

Und außerdem: Ich habe ja nichts zu verbergen –
und wer interessiert sich schon für meine Daten;
sollen sie sie doch speichern, bis ihr Speicher überläuft…
Na gut, wer Computer und Internet ein bisschen kritischer benutzt,
weiß natürlich schon Bescheid:
Für umme gibt es die chicen Programme und Apps und Erweiterungen
nur deswegen,
weil die angeblich sozialen Netzwerke unsere Daten absaugen und verkaufen
und die unserer Freunde auch,
weil sie die User auf ihren täglichen Wegen beobachten:
Wo kauft sie ein, was findet er besonders interessant.
Damit sie spezialisierte Werbung ausliefern können
und was sie sonst noch für Geschäfte machen.

Kann ja sein, dass das ein legitimes Geschäftsmodell ist.
Blöd finde ich es – und vielleicht sogar gefährlich:
dass dieses Geschäftsmodell nur zu funktionieren scheint,
weil sie uns ganz am Anfang des Vertrages zu dieser Lüge verführen
oder sogar nötigen: „habe gelesen und erkläre mich einverstanden“. Click.
Du wirst nicht lügen, achtes Gebot der Bibel.
Alle wissen, dass das Häkchen online gelogen ist –

und das müsste man sich dringend noch mal überlegen!

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20396

Das ist der Sohn von Herrn Sowieso – die Tochter von Frau Kennstdudoch…
Wer so vorgestellt wird, findet das schön, solange er oder sie
noch sehr eins ist mit Eltern und Familie.
Und wenn Vaters Beziehungen oder Mutters Ruhm helfen können,
auch selbst Karriere zu machen
oder andere Vergünstigungen zu kriegen: Manche nehmen das gerne mit.

Natürlich wissen es alle:
auch „Sohn oder Tochter von“ muss auf die Dauer
die eigene Rolle entdecken, den eigenen Charakter entwickeln.
Schon deswegen, weil die Erinnerung an die Eltern –
und die an besonders prominente Eltern zumal –
weil die ganz falsche Ansprüche und Erwartungen weckt.
Wer hätte denn erwartet, dass der sowas tut – bei dem Vater!?

Ich bin ich – natürlich mit einer Geschichte, als Sohn dieser Eltern,
aber eben doch seit mehr als vierzig Jahren schon auf eigenen Füßen
und selbst verantwortlich dafür, wer ich bin und wie ich lebe.

Heute steht die heilige Monika auf dem Heiligenkalender;
sie ist vermutlich überhaupt nur bekannt, weil sie „die Mutter von“ war;
die Mutter eines ganz ganz prominenten heiligen Mannes
aus der frühen Geschichte der Kirche – lange vor evangelisch oder katholisch.
Monika ist die Mutter des heiligen Augustinus.
Der gilt heute als einer der wichtigsten Kirchenlehrer überhaupt
in zweitausend Jahren Kirchengeschichte.
Erst mal war der ein ganz normaler junger Mann
und hat sich ganz normal entwickelt;
mit ihrem Christentum hatte er nix am Hut – hat seinen eigenen Weg gesucht.
Das war für die Mutter sicher schmerzhaft; Monika hat ihn losgelassen
und offenbar bedingungslos begleitet; 
bis er irgendwann wieder zurück fand und sogar Bischof
und wie gesagt der große Kirchenlehrer wurde.

Eigentlich müsste sie deswegen im Heiligenkalender stehen:
als vorbildliche Mutter, die ihr Kind losgelassen und weiter geliebt hat.
Dass dieses Kind dann so wichtig wurde – das kommt höchstens dazu.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20395

Es gibt in der Bibel ein paar Reden von Jesus,
in denen sogar er selbst die Barmherzigkeit zu vergessen scheint,
die er selbst oft genug fordert – wie heutzutage Papst Franziskus;
auf den ersten Blick ist das jedenfalls wenig menschenfreundlich,
wie Jesus da mit ganzen Gruppen seiner Zeitgenossen umgeht.
Zum Beispiel so:

Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele.
Ihr haltet Becher und Schüsseln außen sauber,
innen aber sind sie voll von dem,
was ihr in eurer Maßlosigkeit zusammengeraubt habt…
Du Blinder! Mach den Becher zuerst innen sauber, dann ist er auch außen rein.

Kein Wunder, dass er bei manchen eher unbeliebt war
und dass gerade die führenden Schichten daran gearbeitet haben,
Jesus schnell beiseite zu schaffen.

Dabei: Er hatte ja ganz recht.
Heute würde man es vielleicht ein bisschen anders sagen –
Schüsseln und Teller reinigen Maschinen innen und außen perfekt.
Aber Politik und Wirtschaft schmücken sich heute wie damals
immer noch und immer wieder mit schönen Außenseiten.

Bundes-Haushalt mit schwarzer Null, ohne neue Staatsschulden –
das ist so eine Schüssel, die sie von außen sauber gewischt haben.
Bröckelnde Brücken, immer mehr arme Kinder in unserem reichen Land:
das bleibt innendrin versteckt.
Ganz zu schweigen von ungleich verteilten Bildungs-Chancen,
von immer längeren Warteschlangen vor Lebensmittel-Tafel-Läden.

Wer darauf aufmerksam macht, macht sich auch heute wieder unbeliebt –
jedenfalls in gewissen Kreisen.
Und eigentlich ist es dabei egal, ob er Papst Franziskus heißt
oder ein normaler Christenmensch von nebenan ist.
Ihr Heuchler, würde Jesus sagen –
und auf der Spur dieses Jesus zu leben und mit ihm zusammen
zu arbeiten an den Ungerechtigkeiten und Unehrlichkeiten von heute:
wäre doch eigentlich gut!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20394

Im Juli ist Klino gestorben,
Jesuiten-Pater Alfons Klein in München.
Ein Mensch, der für mein Leben sehr wichtig war.

Mit am meisten hat Alfons Klein mich beeindruckt,
als wir mal über den Zölibat diskutiert haben.
Priester in der katholischen Kirche versprechen feierlich,
unverheiratet zu bleiben, ihr Leben lang. Und Ordensmänner schon sowieso.
Ich war anfang zwanzig und auf dem Ausbildungsweg als Jesuit und Priester –
aber ich hatte da ein Problem: unverheiratet leben – schien mir möglich.
Aber keine Kinder haben - vor allem da zweifelte ich an mir.
Wer sechs Geschwister hat, konnte fühlen, was das bedeuten könnte:
Ohne eigene Kinder leben und alt werden…

Alfons Klein, fast so alt wie mein Vater damals,
war ein sehr beeindruckender Jesuit.
Ich konnte zu ihm aufschauen – obwohl er so ganz normal war.
Er nahm meine Zweifel sehr ernst.
Statt mich irgendwie bekehren zu wollen,
hat er mir einfach von seiner eigenen Entscheidung erzählt:
Ich hatte eigentlich nur zwei radikale Alternativen, hat er damals gesagt –
Jesuit oder Fremdenlegionär –
als Bäckermeister Alfons Klein, Familienvater in Amberg in der Oberpfalz
zu leben, war ausgeschlossen.

Alfons hat die friedliche Variante gewählt.
So konnte ich mein eigenes Leben mit seinem vergleichen
und habe gesehen: da bin ich viel zu wenig radikal und viel bürgerlicher:
heiraten und als Familie leben – das sollte mein Weg sein.
Alfons hat mich auf diesem Weg begleitet – seit langem eher aus der Ferne;
und er hat für uns gebetet, für meine Familie und mich.
Wie gesagt: ein entschieden normaler Priester, bei aller gefühlten Radikalität…

Jetzt ist er in die andere Lebenswirklichkeit hinübergegangen.
Auch da kann er jetzt ganz radikal leben – radikal in Gottes Nähe.
Ich bin traurig – und freue mich für ihn:
Alfons Klein ist am Ziel seines Lebens…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20393

 Vier Trierer Männer von der ganz ganz rechten Partei
haben Anfang August einen echten Youtube-Hit gelandet.
„buntes trier – nicht mit mir – vier/vier/vier“ skandierten sie im Video;
mit Fackeln in der Hand wollten sie zu ihrer Anti-Asyl-Demo mobilisieren,
nach Trier West.
Das ist ein – nun ja: ein bisschen problematischer Stadtteil der Moselstadt;
und außerdem gibt es dort eine Erstaufnahmestelle für Asylbewerber…
Vierviervier – das steht bei den Rechten für dreimal „D“,
den vierten Buchstaben im Alfabet,
so wie manche hinter „eins / acht“ Adolf Hitler verstecken –
vier/vier/vier heißt bei denen „Deutschland den Deutschen“.

Auf dem Video machen die Rechten noch andere peinliche Sprüche;
es hat eine steile Karriere erlebt – dabei ist es doch nur unfreiwillige Satire;
In Wirklichkeit ganz ernst gemeint – möglichst viele sollten zur Demo antreten!
Die Leute in Trier haben gut reagiert: viele haben die Burschen
ganz ernst genommen; allerdings haben sie die Einladung zurückgewiesen,
am hellichten Tag gegen Ausländer zu marschieren.

Sie haben die Youtube-Vier als Herausforderung begriffen
und sie allein gelassen mit ihren paar vierzig offline-Followern.

Hunderte haben auf der anderen Seite demonstriert und gezeigt,
dass auch in Trier Menschen als Menschen willkommen sind;
und dass auch Trier sich den Ärmsten zuwenden und öffnen kann.
Mit einem realistischen Blick;
so schrecklich viele sind auf der Flucht vor Krieg und Terror –
und so viele andere ohne Hoffnung auf Asyl: alles bekannt
und als Problem anerkannt.
Aber da kommen Menschen,
von Gott geliebte Geschöpfe auf der Suche nach einer Bleibe –
wenn das immer klar bleibt und oft genug wiederholt wird,
wird das reiche Deutschland den Menschen auf der Flucht 
und ihrer Not gerecht.
Eigentlich muss es heißen „4/4/13 – DdM – also: Deutschland den Menschen“!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20392

Sonntag, für viele der einzige Tag,
an dem sie keine Entscheidungen zu treffen haben.
Können sich einfach treiben lassen – ganz ohne Verpflichtungen,
und auch die Läden haben zu.
Na gut – manche müssen noch entscheiden,
ob oder wann sie heute noch in die Kirche gehen – vielleicht sogar: in welche.
Aber auch das ist für die allermeisten längst klar.

Dabei ist es doch eigentlich etwas Gutes,
ist ein Zeichen oder sogar ein Teil unserer Freiheit:
So viele Möglichkeiten – und du hast die freie Entscheidung.
Herzlichen Glückwunsch – obwohl:
manche fühlen mehr die Last, dass sie entscheiden müssen.
Wie viel einfacher wäre es doch, wenn das jemand anders für mich täte:
Noch ein Bier oder lieber nicht?
Mit dem Auto zum Termin fahren oder ökologisch mit dem Rad 
oder sogar zu Fuß laufen…
Sollen die doch entscheiden!

Aber das ist’s auch wieder nicht.
Bevor mir der Chef das Rauchen im Betrieb verbietet,
lasse ich es lieber von selbst – so hab ich das vor ein paar Jahren gemacht.

Was also: Selbst entscheiden – jeden Tag, auch sonntags,
auch wenn es ein bisschen anstrengend ist;
oder andere entscheiden lassen, stressärmer, sozusagen?
Stressärmer – ja das ist ein Stichwort.  
Stress und Durcheinander sind sowieso eher Zeichen,
dass da eine falsche Entscheidung zustande kommt.
Die richtige und gute Wahl fühlt sich anders an,
sie macht dich ruhiger und beseitigt das große Durcheinander in dir drin.

Auch wenn es heute mal der mühevollere Weg ist statt des bequemen Auswegs. Wenn es mehr Ruhe bringt und mir am Ende gut tut!?
Gut oder besser ist, was meiner Seele gut tut –
jedenfalls, wenn ich genau hinschaue.
Und oft genug hilft es neben mir auch den Menschen um mich herum…

https://www.kirche-im-swr.de/?m=20391