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SWR3 Gedanken

Seit vierzehn Tagen sind evangelische und katholische Christen jetzt unterwegs - gestartet am Nordkapp.

Ziel: Paris, Ende November, wenn dort der nächste Klima-Gipfel tagt;
die Konferenz, auf der die Großen und die Kleinen aus den Staaten der Welt
versuchen wollen, sich endlich zu einigen:
Dass nämlich die Menschheit aufhören muss,
immer weiter Treibhausgase in die Luft zu blasen
und damit die Erde aufzuheizen und viele Länder im Ozean zu versenken.

Denn das ist eigentlich allen klar:
Es muss etwas geschehen, wenn es überhaupt eine Chance geben soll,
die KlimaKatastrophe noch aufzuhalten.
Und alle wissen inzwischen auch,
dass es dabei um weltweite Gerechtigkeit geht.
Denn die ersten Länder, die es treffen wird – ach Quatsch:
die ersten, die es schon trifft, das sind die ärmsten Länder.
Sie liegen an den Küsten des indischen Subkontinents,
in Südostasien, im Pazifik – und einige haben es schon mehrfach erlebt:
die wachsende Urgewalt von schweren Orkanen
und Monsterwellen – die treten immer öfter auf;
und wo hübsche Touristen-Sandstrände sind, ohne natürlichen KüstenSchutz durch die Mangrovenwälder , da toben Stürme und See besonders heftig …

Bis September geht der Pilgerweg durch Norwegen, Schweden, Dänemark –
im September geht es von Flensburg aus weiter,
Anfang November kommen die Pilgerinnen und Pilger
bei Remagen ins Bistum Trier – dann sind es nur noch gut 700 Kilometer;
der Trierer Bischof und der evangelische Präses werden ein Stück mitpilgern .

Eine große Europa-weite Demo für Klima-Gerechtigkeit;
ein Weg, auf dem Christenmenschen demonstrativ Verantwortung übernehmen
dafür, wie wir alle mit Gottes guter Schöpfung umgehen –
und dass da einiges anders wird.
Demonstration und Gebet – das nennt sich Pilger-Reise.
Mitbeten und mitgehen – einen oder zwei Tage bin ich auch dabei.  

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19977

Im Trierer Dom steht eine neue moderne HeiligenFigur –
kaum anders zu erwarten, könnten sie denken; aber ehrlich gesagt:
dass das eine Heilige sein soll, muss einem jemand sagen.
Rosa Margareta Flesch soll da zu sehen sein; Ordensgründerin, also Nonne…  

Aber hier: Barfuß steht da eine junge Frau mit offenem Haar,
ihr kurzes Kleid eher ein wenig abgerissenen, patchwork, eher ein Kleidchen.

Und in ihren Händen hält sie ein Modell von einem Haus.
Das scheint in der Mitte auseinandergebrochen zu sein…
Viele Heilige werden ja so dargestellt:
Mit einer Kirche auf dem Arm oder dem Kloster, das sie gegründet haben.
Aber die Rosa Flesch da im Trierer Dom ist keine Nonne im Ordensgewand.

Rosa Margareta Flesch, eine junge Frau im Westerwald, 
hat Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ein Nonnen-Kloster gegründet.  .
Zuerst wollte sie alleine den Armen und Kranken in ihrer Umgebung helfen;
und den Waisenkindern –die wurden immer noch verkauft,
weil sie die Eltern verloren hatten; das wollte Rosa verhindern .…

Das war eine neue Idee, da in der Gegend um Waldbreitbach;
das war irgendwie ein interessanter alternativer Lebensentwurf,
da wollten bald schon andere mitmachen –
und nach zehn Jahren bereits waren sie eine größere feste Gemeinschaft.
Die brauchte ein gemeinsames Haus –
und das trägt die Mutter Rosa-Figur im Trierer Dom vor sich her.
Kloster und Krankenhaus und Waisenhaus zugleich hatte sie bauen lassen.

Das ist mehr als hundert Jahre her –
und trotzdem war Mutter Rosa schon eine moderne Heilige;
ihre Ordensgemeinschaft, das sind die Waldbreitbacher Franziskanerinnen –
ist heute der größte kirchliche Krankenhauskonzern in Deutschland. Einerseits.
Anderseits haben viele in diesem Orden sehr lange alles getan,
die Gründerin zu vergessen; schon zu Lebzeiten haben sie sie abgeschoben.

Eine ehrliche Figur der heiligen Mutter Rosa haben wir da im Dom zu stehen;
stark genug, das zerbrochene Haus zusammenzuhalten,
das man ihr aus der Hand geschlagen hat, als sie noch lebte.
Stark genug, den Menschen heute zu zeigen, wie christlich leben gehen kann.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19976
Manche halten die katholische Kirche ja für eine Art große Firma 
mit vielen Filialen – könnte man drüber diskutieren, hat aber was davon.
Da kommt es manchmal vor, dass jemand sich beschweren möchte. 
Beim obersten Chef, nicht beim Filialleiter... Und wie jedes kluge Unternehmen
will auch die Kirche, dass jemand sich wirklich lieber offiziell beschwert,
als den Ärger oder den Anstoß in sich reinzufressen.
Das würde den Betroffenen nur schaden.

Und außerdem: es ist hilft der Organisation,
aus Fehlern zu lernen – aus den Fehlern jedenfalls, von denen sie auch weiß.
Lernende Organisation nennt man so was.
Und gerade der Kirche steht es besonders gut an, aus Fehlern zu lernen,
statt sie immer weiter zu wiederholen.

Wenn ich so eine Beschwerde zum Beispiel per eMail
auf den Bildschirm kriege,
leite ich sie einerseits weiter an die Leute, die da jetzt aktiv werden müssen.
Klappt auch in der Regel ganz gut.

Und ich antworte dem Absender natürlich auch:
das und das passiert jetzt mit ihrer Beschwerde.
Und dann erzähle ich, dass es auch noch ein anderes Verfahren geben könnte,
wie Menschen damit umgehen sollen könnten,
wenn sie Ärger untereinander haben oder andere Beschwerden.
Ich hab’s aus dem Mattäus-Evangelium in der Bibel.
Ich sag’s mal mit eigenen Worten.

Wenn du Ärger hast mit einem,
geh hin und rede mit ihm. Hört er oder sie auf dich, habt ihr beide gewonnen.
Wenn nicht, geh noch mal hin zusammen mit zwei Zeugen – und redet.
Löst der Streit sich auf, haben alle was davon.
Wenn nicht: Mach die Sache öffentlich oder geh zum Chef...

Und wirklich: manche Beschwerdeführer wollen lieber erst mal vor Ort reden
und brauchen nur einen konkreten Ansprechpartner…
Und ein paar Mal habe ich dann bald gesagt bekommen:
Danke, wir haben geredet – ist in Ordnung so. Beschwerde erledigt.
Finde ich schön. Und die Fälle, die sich so nicht einrenken lassen,
die gehen eben ihren Gang – Kirche ist ja eine lernfähige Organisation…

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Es war im Frühjahr, hier auf SWR3.
Ein paar Gedanken von mir über die kleinen Vergehen und Übergriffe.
Wie gern man sich bei sich selbst entschuldigt
mit einem Spruch wie „Trifft ja eh keinen Armen“…

Und dann hatte ich erzählt,
wie ärgerlich es in einer Trierer Schule war,
als jemand beim Schul-Flohmarkt ein paar wertvolle Sachen ausgesucht hatte.
Kommt an die Kasse, erfährt den Preis,
entschuldigt sich, dass er gerade sein Portemonnaie im Auto vergessen hat,
ob er es eben holen darf – und schon mal die großen Teile mitnehmen.
Klar, durfte er – und ward nicht mehr gesehen.

Sie, Herr Dieb, habe ich damals gesagt, das ist echt ärgerlich.
Ich mache ihnen einen Vorschlag:
Überweisen sie mir die vierzig Euro – anonym – und ich gebe sie weiter.
Sie hätten ihren Fehler gutgemacht
ich könnte wieder besser an das Gute im Menschen glauben –
und die Schule kann das Geld für ihre Arbeit einsetzen
mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen.

Ich wollte einfach mehr tun als nur meinen Ärger teilen
mit den SWR3-Hörerinnen und -Hörern.
Herausgekommen ist ein bisschen mehr.

Kurz nachdem meine Gedanken über den Sender gegangen sind,
bekomme ich eine eMail: Habe das gerade im Autoradio gehört,
ärgere mich auch. Ich bin nicht der Dieb –
aber geben sie mir die KontoNummer,
damit ich die vierzig Euro überweisen kann.
Ich war überwältigt: Radiohören verändert die Welt!
Und fast endgültig wiederhergestellt war mein Glaube an das Gute
im Menschen, als dann am nächsten Tag noch so eine Mail ankam.
Ergebnis: doppelte Einnahme für die Schule, und – wie gesagt:
Ein bisschen besser geworden ist die Welt dabei auch.
Sie, Herr Dieb – letzte Chance: Sie können die Sache verdreifachen;
mein Einsatz dabei: ich tu von mir aus die vierten vierzig Euros dazu!

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„Vergeben und vergessen“ – eigentlich ein untrennbares Wort-Paar; nur Sepp B. meinte, da eine Ausnahme machen zu können…

Ich vergebe meinen Gegnern in der Fifa und außerhalb;
ich vergebe ihnen – aber ich vergesse nicht.

Josef Blatter wird ja nun bald Geschichte gewesen sein.
Aber dieses Wort des Ex-Fifa-Präsidenten in spe
ist inzwischen ein geflügeltes Wort;
kurz nach der letzten Wahl hatte ein Journalisten-Kollege ihn gefragt,
wie er denn jetzt mit seinen Gegnern umgehen will.
Ich vergebe ihnen – aber ich vergesse nicht.

Ganz in Ordnung, was er da sagt. Weil das ja wirklich so funktioniert,
zwischen Mensch und Mensch und auch beim lieben Gott:
Was jemand mir angetan hat,
das kann ich ihr oder ihm vergeben.
Ich akzeptiere die Bitte um Entschuldigung
und beschließe bei mir selbst und sage das dann auch:
Es soll wieder gut sein mit uns beiden – deine Tat ist dir vergeben;
sie soll nicht mehr zwischen uns stehen.
Und dazu gehört natürlich, dass die Erinnerung tatsächlich bestehen bleibt.
Würde alles vergessen, auch das Böse, das geschehen ist,
dann wäre Vergebung viel schwieriger.
Ich müsste ja Angst haben, dass es noch mal passiert.
Dabei müssten wir doch miteinander für die Zukunft lernen –
und wie sollte jemand lernen, der alles vergisst ...

Also richtig, Herr Blatter: Vergebung ja – Vergessen nein?
Der Schelm hat es ganz anders gemeint – mit erhobenem Zeigefinger.
Ich vergesse nicht: Das war in Wirklichkeit eine Drohung –
ich werde darauf zurückkommen; ihr werdet es noch zu spüren kriegen…

Vergebung, auch Gottes Vergebung, geht anders:
Nachkarten oder Nachtreten ist ausgeschlossen;
die Beziehung ist ganz und gar wieder hergestellt.
Und was wir einander angetan haben:
Daran können wir uns erinnern,
das kann noch lange wehtun –
aber die Brücke der Vergebung: die trägt und hält. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19973

Ob es wirklich reicht, jemandem lästig zu fallen, um ihn zur Vernunft zu bringen? Für die kranke Hannah wäre es zu wünschen…

Hannah ist gerade mal gut neun Jahre alt,
berichteten die Tagesthemen letzten Montag.
Und voraussichtlich hat sie nur noch ein kurzes Leben vor sich;
schon jetzt hat ihre ganz seltene Krankheit angefangen,
Hannahs Gedächtnis abzubauen.
Niemand weiß, wie lange sie noch hüpfen und laufen kann
und wie schnell viele andere Leistungen abbauen werden.
NCL2 oder Kindheits-Demenz nennt die Medizin das, was ihr da passiert.
Also etwas ähnliches, wie es viele alte Menschen trifft – aber ein Kind!?

Keine Hilfe in Sicht - bis vor kurzem.
Inzwischen gibt es an sich eine kleine Hoffnung.
Eine Arzneimittelfirma in Amerika hat eine Medizin entwickelt
und erprobt sie gerade an fünfundzwanzig Kindern.
Aber in einer so genannten geschlossenen Studie.
Hannah darf nicht dabei sein – nicht mal auf eigenes Risiko,
obwohl die Eltern Himmel und Hölle in Bewegung setzen…

Bis zu den Tagesthemen letzten Montag hatten
fast zweihundertfünfzigtausend Menschen eine online-Petition unterschrieben.
Bestimmt sind bald dreihunderttausend erreicht.
Ich habe auch gleich unterschrieben –
auch deswegen, weil mir eine Geschichte eingefallen war,
die Jesus erzählt, in der Bibel. Eine Hoffnungsgeschichte.

Von einem Richter, der auf keinen Menschen Rücksicht nahm.
Und von einer Witwe, einer verarmten Frau;
die kommt immer wieder angerannt und verlangt:
Verschaff mir mein Recht gegen meinen Feind!
Lange will der Richter nichts davon wissen. Dann aber sagt er sich:
Ich fürchte zwar keinen Gott und die Menschen sind mir egal;
trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen,
denn sie lässt mich nicht in Ruhe.
Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht…

Kein Stress: niemand wird die Medizin-Manager von BioMarin prügeln.
Aber ein paar hunderttausend Unterschriften bei hashtag SaveHannah:
Die könnten sie doch vielleicht zur Besinnung bringen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19972

Milliarden-Geschäft Bio – so titelte die Trierer Tageszeitung im Mai.
Und füllte in einer Beilage ein paar Seiten damit. 

Ein Thema: Bio ist mehr als Geschmacks-Sache;
Bio ist Glaubenssache…
Und das stimmt schon irgendwie:
Sehr weitgehend müssen Verbraucherinnen und Verbraucher schon glauben,
was da an Bio-Behauptungen und Zertifikaten auf der Verpackung steht.

Ich habe es da ein bisschen besser:
Ich habe den „Bio-Bauer meines Vertrauens“;
in der Nähe von Trier, oben im Hunsrück liegt sein Hof
- und ich denke, ich weiß schon ziemlich gut, was er wie anbaut
und womit er die Kühe füttert, die dann die Milch geben,
aus dem er den leckeren Käse macht.

Na gut – bei ihm geht es ja auch nur um einen klitzekleinen Teil der Milliarden.
Und das finden wir beide auch gut so.
Mit Milliarden oder Millionen rechnen nur die ganz Großen;
und Bio-Landwirtschaft industriell aufzustellen, damit sie brummt?
Schwer vorstellbar.

Es wird anders gehen müssen:
Bio ist besser, wenn es aus der Region kommt statt mit dem Flieger aus Übersee;
und in der Region bei uns rund um Trier oder auch im Schwarzwald:
da wird Landwirtschaft immer kleinteilig bleiben.
Und viel mehr Höfe machen nur mit, wenn es sich auch wirtschaftlich lohnt.

Bio ist Glaubenssache – das könnte dann auch den kleinen Bauern helfen.
Menschen, die an Gott glauben, sollten ernster nehmen,
was sie in der Bibel lesen:
Gott setzt ja den Menschen in den Garten Eden,
„dass er ihn bebaue und bewahre“!

Es ist eine Glaubens-Entscheidung:
die Erde zu bewahren vor weiterer Ausbeutung und Zerstörung;
es geht um Gottes Schöpfung für uns und unsere Kinder.
Bio-Lebensmittel kaufen statt der „konventionellen“:
ist für mich wirklich Glaubens-Sache. Darf dann auch mal etwas mehr kosten….

https://www.kirche-im-swr.de/?m=19971