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SWR3 Gedanken

Ein Laufsteg. Hell erleuchtet. Musik erfüllt den Saal. Dann betreten die Models den Laufsteg. viele Kameras blitzen auf. Zwei Jungdesigner aus München werden hier gefeiert. Ihr Stil? Hochwertige Materialien, modische Schnitte und absolute Individualität. Die Mode ist auf jedes Model extra zugeschnitten, alles passt zusammen und ist wunderschön. Das Model auf dem Laufsteg lächelt noch einmal, stemmt die Hände in die Hüften, wirft kokett den Kopf in den Nacken und dreht sich verspielt die Locken um den Finger, tritt wieder ab. Applaus. Dann gibt’s Sekt und Schnittchen.
Die beiden Jungdesigner Lisa Polk und Christian Schinnerl haben eine eigene Kollektion für Menschen mit Trisomie 21, dem sog. Down Syndrom, kreiert. Die Models sind selbstverständlich Menschen mit Trisomie 21. Endlich Hemden und Blusen, die wirklich passen, z.B. mit einem weiteren Kragen und kürzeren Ärmeln dabei superchic und bequem zu tragen. Ihre Kollektion heißt „hemdless“, also „ohne Hemd“, einfach weil Menschen mit Behinderung vielfach keine anständigen und tragbaren Kleider finden.
Diese mit viel Liebe zum Detail entworfene Kollektion ist mehr als ein einfacher Stoff, sie erinnert daran: Menschen mit Behinderung haben wie alle anderen ein Recht auf Mode. Mode, die ihre Schönheit unterstreicht, sie würdigt, groß macht und strahlen lässt. So wird ein Stück Stoff zu einem Statement. Die Farben und Formen leuchten für Respekt und Menschlichkeit.

http://www.hemdless.de/

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Dunkel, feucht und nass. Wir spüren es ganz deutlich. Die Tage sind viel zu kurz, die Sonnenstunden kann man an einer Hand abzählen, es ist kalt und ungemütlich draußen. Viele bleiben lieber zuhause. Tragen Klamotten in grau, schwarz, dunkelblau. Der Januar scheint endlos.
Wo können wir in dieser dunklen Jahreszeit Licht und Wärme finden? Manche gehen in die Sauna. Oder auf die Sonnenbank. Das hilft vielleicht ein bisschen. Aber es ersetzt nicht die Wärme, die von innen kommt. Oder ein strahlendes Gesicht, das mich morgens über den Frühstückstisch anlächelt oder im Büro begrüßt.
In der Bibel heißt es: wir sind Kinder des Lichts (Eph 5,8b). Ich mag diese Vorstellung: Ich bin ein Kind des Lichts. Das erinnert mich daran, dass ich nicht angewiesen bin auf das Licht um mich herum. Ich bin nicht angewiesen auf Sonnenstunden, leuchtende Gesichter um mich oder den täglichen Gang zum Sonnenstudio. Ich bin selber Licht. In mir ist es hell und warm. Egal, ob Sommer oder Winter. Weil ich das Licht im Herzen trage. Auch wenn ich mir manchmal vorkomme wie eine trübe Funzel.
Und Licht kann man ja nicht wegsperren oder für sich behalten, es strömt aus auf andere. Wenn ich jemanden anlächle, dann gebe ich ein wenig meines Lichtes ab. Wenn ich nett bin, dann teile ich mein Licht mit einem anderen Menschen. Ich strahle im wahrsten Sinn des Wortes! Und dieses Strahlen kommt doppelt und dreifach zu mir zurück – das ist das Geheimnis der Kinder des Lichts!
Insofern: Lasst uns als Kinder des Lichts leben mit einem Lächeln auf den Lippen, das von Herzen kommt!

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„Ist nicht so schlimm.“ Mein kleiner Neffe steht erschrocken vor der zerbrochenen Lampe. „Ist nicht so schlimm“ tröstet ihn seine Mutter und es ist ja letztendlich auch nicht so schlimm: Scherben gibt’s nun mal, Lampen sind ersetzbar. Aber für meinen kleinen Neffen bricht eine Welt zusammen: es ist sehr wohl schlimm für ihn. Es ist doch seine Schuld, wegen ihm, weil er zu doll herumgetobt ist, ist die Lampe umgefallen, hat es einen lauten Knall getan und sie ist in tausend Scherben zersplittert. Und was hinzu kommt: die Erinnerungen an diese Lampe sind nicht zu ersetzen – wir haben in ihrem Schein oft zusammen gekuschelt und ich habe ihm die Olchis vorgelesen. Erinnerungen sind nicht zu ersetzen. Und so ist es in der Tat immer schlimm, wenn etwas kaputt geht. Der Schreck ist da. Die Schuld ist real, die Gefühle auch. Das Kaputte bleibt kaputt.
Das ist für Erwachsene nicht anders. Dinge gehen kaputt, Träume platzen, Lebenspläne scheitern. Die Ehe, der berufliche Erfolg, Freundschaften. Es fühlt sich an, als säße man vor dem Scherbenhaufen des Lebens.
Die Scherben erinnern mich daran, dass mir nicht alles gelingt. Ich bin nicht perfekt, das Leben gelingt nicht immer. Damit muss ich umgehen lernen. Denn wie ich mit meinem Scheitern umgehe, hängt ja von mir ab, wie ich das Scheitern deute. Und ich glaube, dass Gott die Scherben meines Lebens immer wieder neu zusammensetzt. Er führt mich durch mein Scheitern und über meine Scherben hinweg auf einen Weg, der mir entspricht. Gott begleitet mich über mich hinaus. Darauf kann ich vertrauen.

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„Ich will, dass er leidet, dass er in der Hölle schmort“, Kerstin schaut mich herausfordernd an.
Michael nickt verständnisvoll: „Ja, als ich gehört habe, dass meine Ex schwanger von ihrem Neuen sitzengelassen wurde, habe ich nur gedacht, recht geschieht ihr, soll sie doch mal sehen, wie das ist.“
In der Bibel gibt es an dieser Stelle ganz klare Empfehlungen: Wir sollen auch die Täter, die Feinde verstehen, in uns gehen, die eigenen Fehler bedenken. Aber diese Gefühle der Wut, der Rache, die Verletzungen sind ja schließlich da.
Man denkt ja gemeinhin, dass in der Bibel immer nur von Liebe und Versöhnung die Rede ist. Aber in der Bibel finden sich auch andere Gedanken. Rachegedanken zu haben, gehört ja irgendwie zum Menschsein dazu. Man muss nicht immer politisch korrekt und verständnisvoll sein, man kann auch einfach mal sagen: ich wurde verletzt und ich habe keinen Bock, es einfach hinzunehmen.
Und wir sollen es auch nicht.
Die Rache ist mein, spricht Gott, ich will vergelten (5.Mose 32,35).
Also die eigenen Rachebedürfnisse Gott übergeben, ihm überlassen, was draus wird. Loslassen. Es soll nicht unsere Sache sein zu vergelten. Sonst sind wir in der Aggression unserer Feinde gefangen. Der andere bekommt mehr Macht über mich, als ihm zusteht. Die Rache Gott überlassen, ist ein Schutz davor, dass uns die Wut innerlich auffrisst.

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Es muss eine unglaublich schwere Entscheidung gewesen sein, die Jochebed da treffen musste. Sein eigenes Kind aussetzen, nach der Geburt – gibt es etwas Schwierigeres?
Es muss so im 13. Jahrhundert vor Christus gewesen sein, die Israeliten waren Sklaven in Ägypten. Der Pharao verlangte von ihnen, unter unmenschlichen Bedingungen Pyramiden und Paläste für ihn zu bauen – und doch hatte er Angst vor ihnen, vor diesem fremden Volk im eigenen Land. Und so befahl der Pharao, alle Neugeborenen der Israeliten zu töten. Aber Jochebed widersetzte sich dem Befehl und setzte ihr Kind in einem Weidenkörbchen auf dem Fluss aus. Um ihm das Leben zu retten. Heute sind es andere Gründe, ein Kind auszusetzen. Da gibt es den Ehepartner, der keine (weiteren) Kinder möchte, den Freund und Vater des Kindes, der sich aus ‘m Staub macht, es gibt die Familie, die die Schande eines „Bastards“ nicht erträgt, oder die Mutter selber, die von einer Karriere träumt oder Angst hat vor der finanziellen Not der Alleinerziehenden.
Und immer ist es Angst, die zu einem solchen Schritt treibt. Die Angst um sich, um das Kind. Ich finde, man sollte sich hüten, vorschnell über diese Mütter zu urteilen. Es ist immer dieselbe schwere Entscheidung!
In der biblischen Erzählung gibt es neben Jochebed noch eine andere Frau: Myriam. Myriam begleitet die Mutter, sie wacht über das Baby in seinem Körbchen, sie vermittelt zwischen der leiblichen und der Adoptivmutter. Sie ist die eigentliche, die stille Heldin dieser Geschichte.
Und so wird das Baby erwachsen. Wird mit Hilfe seiner leiblichen und der Adoptivmutter ein großer Mann. Er wird der Mann, der sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten in die Freiheit führt.
Ende gut, alles gut?

2. Mose 2
nach: Margot Kässmann, Mütter der Bibel, 2010.

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Sie gibt es halt auch, diese unschönen Geschichten in der Bibel. Sie sind peinlich und unangenehm. Gut, die Bibel ist nun mal lebensnah. Sie erzählt Geschichten, die echt sind, eben komische, traurige, rührende, klagende und eben auch ärgerliche Geschichten. Aber unangenehm sind sie mir trotzdem. Sicher: so ist das Leben, so sind die Menschen. Ja, aber besser werden diese Geschichten dadurch auch nicht.
Wie diese eine Geschichte. Sie spielt in einer Zeit vor 2 ½ tausend Jahren und erzählt von Lot. Lot hat zwei Töchter. Die Familie hat in einer der Städte gelebt, die sprichwörtlich waren für alles Übel, was so zwischen Menschen passiert: in Sodom und Gomorrha. Und jetzt waren beide Städte zerstört. Alle Bewohner getötet außer Lot und eben seine beiden Töchter. Die konnten fliehen. Aber wie soll das Leben jetzt weitergehen? Die jungen Frauen haben Angst. Es gibt keine Männer mehr. Sie könnten sterben ohne Kinder zu haben. Ohne jemanden zu haben, der sich im Alter um sie kümmert. Also schmieden sie einen Plan. Sie machen ihren Vater betrunken und verführen ihn. Der Plan geht auf. Die beiden werden schwanger und gebären jede einen Sohn.
Die Geschichte von Lots Töchtern ist schwer zu verstehen. Eigentlich ist Inzest laut Bibel streng verboten (3. Mose 18,6).
Und trotzdem passiert diese Geschichte und steht sogar in der Bibel. Vielleicht um uns zu zeigen: Gott schreibt auch auf krummen Linien grade. Gott hilft zum Leben. Auch wenn das gegen Moral, Sitte und Anstand verstößt. Gott scheint selbst vor moralisch anstößigen Maßnahmen nicht zurück zu schrecken, wenn sie helfen, dass das Leben weitergeht. Leben zu erhalten ist wichtiger als moralisch anständig zu sein. Heute auch….

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Ich kann nicht mehr so gut zuhören. Vor allem bei Vorträgen und Reden. Nach kurzer Zeit nur schweifen meine Gedanken ab.
Das war mal anders. Als Kind konnte ich mit einer Engelsgeduld meiner Oma zuhören, wenn sie zum tausendsten Mal aus ihrer Kindheit erzählte. Oder Kassetten hören: Benjamin Blümchen, die 3 Fragezeichen stundenlang konnte ich still in meinem Zimmer sitzen.
Auch Schülern fällt es anscheinend immer schwerer zuzuhören, ohne entsprechendes Bühnenprogramm ist ihre Aufmerksamkeit kaum mehr zu erreichen. Vorträge ohne Power Point Präsentation sind selten geworden – man könne einfach nicht so lange zuhören, ohne dabei auch etwas zu sehen.
Ist ja auch kein Wunder: tagaus, tagein werben alle möglichen Leute im Fernsehen, Internet und auch hier im Radio um Aufmerksamkeit. Ich rede ja auch jetzt und hoffe, dass Sie mir zuhören.
Was macht es, dass ich gerne zuhören will?
Jesus ermahnt die Redner: „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein; was darüber ist, das ist vom Übel.“ (Mt 5,37) Was er damit meint? Laber nicht bloß rum. Hör auf dein Gegenüber, wenn du sprichst, und schenk ihm deine ungeteilte Aufmerksamkeit. Wenn jemand so redet, dann klappt‘s auch mit dem Zuhören. Denn dann spricht mich der andere an, redet mit mir. Ganz einfach.

Monika Elsner Zuhören ist schwerer geworden“ in: Junge.Kirche 2/2014

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