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SWR3 Gedanken

Was wäre eigentlich, wenn wir die Wörter, die wir sprechen bezahlen müssten? Manchmal stelle ich mir das wirklich vor. Das wäre ein echtes Desaster, oder?. Was müssten da manche Leute zahlen! Oder schlimmer noch, dann könnten ja die Reichen viel mehr reden als die Armen. Darum ein anderes Gedankenspiel: angenommen, jeder könnte nur genau so viele Wörter aussprechen, wie er zuvor gehört hat. Also nur so viele Worte ausgeben wie er eingenommen hat. Das stelle ich mir gar nicht so schlecht vor.

Ich glaube dann wäre ich automatisch viel vorsichtiger mit dem, was ich so von mir gebe. Ich würde mir gut überlegen, ob es sich lohnt, für das, was ich sagen will, die Wörter auszugeben. Lügen oder Beleidigungen würden sich dann vielleicht gar nicht mehr lohnen. Oder die Beleidigung müsste mir richtig was wert sein. Ansonsten reine Wortverschwendung. Auch um Unsinn zu reden, wären mir die Wörter viel zu kostbar.

Das ist natürlich nur ein Gedankenspiel. Ich bin darauf gekommen, weil ich manchmal das Gefühl habe, dass zu viel gedankenloses Gerede viel kaputt macht. Viele Missverständnisse und Streitigkeiten entstehen ja dadurch, dass Menschen zu viel aufeinander einreden statt einander zuzuhören. Aber gerade weil Wörter unbegrenzt benutzt werden können, lohnt es sich darüber nachzudenken, wie ich sie benutze. Ob ein Kommentar wirklich sinnvoll ist. Ob es wirklich nötig ist, mit Worten zu verletzen.

Oft! ist es wirklich besser sparsam mit meinen Worten umzugehen, Denn sprechen kann ich, was immer ich will, aber zurücknehmen kann ich nichts, was ich gesagt habe. Daher wäre es nicht schlecht, wenn ich mir vorher überlege, was ich wirklich sagen will und wann es besser ist, einfach zuzuhören.

Der Schriftsteller Gottfried Keller sieht das mit Humor. Er schreibt: „Mehr zu hören als zu reden!, Solches lehrt schon die Natur. Sie versah uns mit zwei Ohren, doch mit einer Zunge nur.“

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Israelis und Palästinenser. Ein Konflikt, der seit Jahrzehnten schwelt und immer wieder traurige Höhepunkte erreicht. Und es bleibt die Frage: „Warum?“ Gründe werden gesucht, Meinungen und Statistiken veröffentlicht, die Schuld hin und hergeschoben. Und all die Schlagzeilen, Berichte und Bilder überdecken die Menschen, die in und mit diesem Konflikt leben. Menschen, die sich oft nichts sehnlicher wünschen als den Frieden.  Am 14. Juli hat Naomi Levari aus Israel (Tel-Aviv) eine Videobotschaft im Internet veröffentlicht, die über 27.000 mal weitergeleitet/geteilt? wurde. Es ist ihre persönliche Botschaft an die Menschen in Gaza und ich fand ihre Worte so beeindruckend, dass ich sie hier in Auszügen wiedergeben will. 

Liebe Menschen in Gaza. Alles was ich sagen könnte wäre bedeutungslos angesichts dessen,was ihr durchmacht.Aber im Moment sind die Worte meine einzige Möglichkeit,die ich habe.Ich bin beschämt und es tut mir leid.Ich sorge mich um euch,ich weine um euch und ich fühle mit euren Verlusten.Ich weiß,dass euch das in keiner Weise trösten kann.Aber einige von uns tun was sie können,obwohl es nicht viel ist.Wir schicken unsere Gebete zum Himmel,der über uns allen ist.Ich weiß,ihr könnt nirgendwohin gehen und ich hoffe,das wird sich bald ändern.Ich rufe die Menschen in Israel auf,sich zu erinnern,dass das keinVideospieli st.Es gibt hier keine Gewinner und Verlierer und Punkte und Treffer.Nur Verlierer.Menschen werden getötet,Häuser werden zerstört und Träume werden begraben.Und alles was wir tun können ist erneut zu sagen:Es tut uns leid.Und wir nutzen alle Möglichkeiten,die wir haben um das zu stoppen. 

Ihr Video endet mit den Worten „Be safe“, dem Wunsch, dass die Menschen in Gaza in Sicherheit bleiben mögen. Ein Wunsch, der sich für viele Menschen nicht erfüllt hat. Auch in anderen Teilen dieser Welt. Doch so lange es Menschen wie Naomi gibt hat der Frieden nocheine Chance.

 Link zum Video: https://www.facebook.com/photo.php?v=10152217542668837&set=vb.688828836&type=2&theater

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Mein Auto macht komische Geräusche. Die Motorkontrolleuchte blinkt. Mitten in der Nacht auf der Autobahn auf der Heimfahrt von einer Geburtstagsfeier. Und der Handyakku leer.  Super. Ich schicke Stoßgebete zum Himmel: Lieber Gott, bitte mach, dass mir irgendjemand helfen kann. Ich muss irgendwie nach Hause kommen. Bitte. Da tatsächlich. Eine Tankstelle. Wohl kaum wegen meines Gebetes, die stand schon seit Jahren da. Und Gottseidank, in der Tankstelle brennt noch Licht. Von dort kann ich den Pannendienst anrufen. Als ich aussteige steht dort eine Gruppe junger Männer. Mehr im Scherz frage ich, ob zufällig einer von ihnen Mechaniker sei. Sie schütteln den Kopf, aber einer sagt, er kenne sich mit dieser Automarke aus, der laufe auf drei. Fünf Minuten später weiß ich, was er damit meinte. Auf drei Zündkerzen.Mein Zündkerzenkabel hatte sich gelöst. Er hat es wieder draufgesteckt und siehe da, mein Auto läuft wieder einwandfrei. Ich bedanke mich mehrfach, meine Erleichterung ist nicht zu übersehen. Das Geld, das ich ihm als Dank anbiete, lehnt er lächelnd ab.

Auf der Heimfahrt danke ich Gott, dass das alles so gut gegangen ist. Und insgeheim frage ich mich, ob er diese Retter geschickt hat. Nicht als göttliche Boten oder so, aber es ist schon komisch, dass sie ausgerechnet zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. Und zufällig auchnoch wussten, was zu tun ist. In diesem Moment waren die Helfer wie Schutzengel für mich. Ich glaube, es gibt immer wieder solche menschlichen Schutzengel, in Situationen, in denen man gar nicht damit rechnet. Gut, man kann das auch als zufälliges Glück verbuchen, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass Gott da irgendwie seine Finger mit im Spiel hatte.

Bis heute weiß ich nicht den Namen meines nächtlichen Helfers und ich weiß auch nicht, ob ich ihn jemals wieder treffe. Aber ich hoffe, dass irgendwann eine Situation kommt, in der ich das weitergeben kann. In der ich ein kleiner Schutzengel für einen anderen Menschen sein darf. Durch zufälliges Glück oder göttliche Fügung.

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„Das Beste für den Stressabbau ist wandern.“ Der Rat meiner Freundin erscheint mir komisch. Was soll so toll daran sein, einen Berg hinaufzulaufen, nur um dann wieder hinunterzulaufen? „Wenn du auf dem Gipfel ankommst, kommt das Glücksgefühl. Du hast es geschafft, den Berg bezwungen. Du bist ganz oben und kannst auf die Welt hinunterschauen, so wie Gott. Probiers einfach“! Ermutigt sie. Na gut. Probier ichs halt aus.

Und dann habe ich es geschafft. Ich stehe auf dem Gipfel und schaue hinab ins Tal. Aber was sich einstellt ist absolut kein Glücksgefühl. Im Gegenteil. Ich fühle mich total verloren angesichts der scheinbar unendlichen Weiten. Wiesen, Abhänge, Berge, Flüsse, weiter hinten sogar ein kleiner See. Es sieht unglaublich schön aus, aber ich fühle mich total verloren. Obwohl ich oben stehe und die ganze Welt mir scheinbar zu Füßen liegt. Das Gefühl ist kein bisschen göttlich. Ich schau hinunter auf das alles und fühl mich furchtbar klein. Winzig und sehr, sehr einsam. 

Enttäuscht mache ich mich an den Abstieg. Nach ein paar Metern ändert sich plötzlich meine Stimmung. Ich bin nicht mehr auf dem Gipfel. Jetzt ist die Welt nicht mehr unter mir, sondern auch über mir, neben mir, um mich herum. Ich setze mich ins Gras und spüre, wie sich mein Gefühl verändert.Ich gehöre dazu. Diese Welt ist groß, aber ich bin nicht irgendein kleiner Teil der in ihr verloren geht. Ich bin mittendrin. Ich gehöre dazu. Auch wenn ich mitten in dem großen Ganzen gar nicht auffalle.

Und dann stelle ich mir vor, wie Gott auf dem Berggipfel ruht und aus der Ferneauf die Welt herabschaut. Jetzt kommt mir dieses Bild total unsinnig vor. Für mich stimmt diese Vorstellung einfach nicht. Ich glaube, dass Gott den Menschen nahe sein will. Ich glaube, dass er bei uns ist, ob wir auf- oder absteigen, vor Freude hüpfen oder auf dem Weg straucheln. Dass er dazugehört und inmitten dieser Welt ist. Auch, wenn er in dem großen Ganzen meistens gar nicht auffällt.

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Ist das nicht schön? Das Gefühl am Morgen, dass ein ganz neuer Tag vor mir liegt, frisch und unverbraucht. Ich mach mir eine Tasse Kaffee und werfe einen kurzen Blick auf meine To do Liste. Doch beim Anblick der vielen Dinge, die erledigt werden müssen, sinkt meine Laune schlagartig in den Keller. Eigentlich ist mein Tag schon verplant, bevor er richtig begonnen hat. Fast jede Minute zwischen Aufstehen und Schlafengehen ist belegt. Mit geschäftlichen und privaten Terminen, aber auch mit Sport und Haushalt. Ob Arbeitstag oder Urlaubstag, meine To Do Liste steht. Beim ersten Schluck Kaffee war ich noch voll Vorfreude auf den neuen Tag. Jetzt klappe ich frustriert den Terminkalender zu und stürze den Kaffeeviel zu schnell hinunter. Bloß keine Zeit verlieren. Wenn ich alles auf dem Plan heute schaffen will, dann muss ich mich ranhalten. Wie soll ich das nur alles hinbekommen? Hektisch stelle ich meine Kaffeetasse ab, blöderweise auf der Tischkante und peng, zerschellt sie am Boden in tausend Scherben. Frustriertgreife ich zu Kehrschaufel und Wischlappen.

Und plötzlich ist sie da. Die Frage: Wozu das alles? Wie konnte das passieren? Wie kann ich mir nur von meinem Terminplaner so die Laune verderben lassen? Ich bin es doch, die den Tag verplant. Warum habe ich das Gefühl, dass der Tag mich verplant? Denn genauso fühlt es sich an. Als ob ich einfach passiv alles geschehen lasse. Ein schreckliches Gefühl. Nachdenklich füge ich mich in den Tagesablauf. Denn diesenkann ich jetzt nicht mehr ändern.

Aber am Abend setze ich mich hin, schnappe meine To Do Liste für den nächsten Tag und einen roten Stift. Und dann werd ich aktiv. Ich überlege genau, was unbedingt getan werden muss und was ich unbedingt tun will. Aber ich streiche gnadenlos all das, was nicht in diese beiden Kategorien fällt. Und ich spüre, wie mich das glücklich macht. Ich entscheide, ich bestimme, ich handle. Ich muss mich nicht selbst stressen. Ich muss den Tag nicht aushalten, ich darf ihn gestalten.

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Wochenende ist doch wirklich was Tolles. Da kann man endlich alle Dinge abarbeiten, die über die Woche liegengeblieben sind: Hausputz, E-mails beantworten, Unterlagen sortieren, Termine planen.

Muss gemacht werden, denn am Montag beginnt die neue Arbeitswoche, in der ja wieder Dinge liegenbleiben. Wie oft habe ich das schon so gemacht. Aber eigentlich ist das genau so nicht gedacht.

Der Sonntag sollte eigentlichein Tag der Ruhe sein. An dem ich mir Zeit nehme für Gott und mich selbst. Ursprünglich ein biblischer Gedanke, nach dem Gott selbstam 7. Tagder Erschaffung der Welt geruht hat.  Undheute ist der Sonntag ein gesetzlicher Ruhetag. Verglichen mit den anderen Wochentagen eben ein ganz besonderer Tag -  Wenn ich es zulasse.

Natürlich kann ich mich hinsetzen und alles erledigen, was ich unter der Woche nicht geschafft habe. Dann wird der Sonntag ein Tag wie alle anderen auch. Ich kann mich aber auch auf diesen Ruhetag einlassen. Weil ich ein gläubiger Mensch bin, den Tag statt mit der Fahrt zum Arbeitsplatz mit dem Gang zur Kirche beginnen. Statt zu arbeiten fröhliche Lieder singen, beten, mich auf das besinnen, was wirklich wichtig ist in meinem Leben. Auch ein nicht gläubiger Mensch kann diesen Tag zu einem ganz besonderen Tag machen. Zur Ruhe kommen. Äußerlich und innerlich. Ein gutes Buch lesen, etwas mit der Familie unternehmen, über das Leben nachdenken oder einfach nur entspannen. Und es tut so gut, sich mal rauszunehmen aus Alltag, Stress und Verpflichtungen. Mal ganz bewusst Nichts zu tun. Wenn ich den Sonntag als Ruhetag ernst nehme und die Ruhe wirklich zulasse, dann bringt er mir viel mehr, als wenn ich Wochenrestlasten abarbeite. Dann bin ich ausgeruht und erholt für den ganz normalen Alltagswahnsinn am Tag danach. Und jeder Sonntag wird automatisch zu dem, was er ursprünglich gedacht war: Zu einem ganz besonderen Tag.

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