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SWR3 Gedanken

Wer den Alltag genießt, kann das Festmahl schmecken…
Was gehört für Sie zu einem richtig guten Frühstück? – Speck mit Rührei? Tomaten? Und warme, frische Brötchen? Wurst oder Käse? Oder eher kleine Pfannkuchen mit Ahornsirup?
Manchmal wird bei uns der Frühstückstisch zur Festtafel. Da stehen dann ganz viele Köstlichkeiten zur Auswahl. Besonders am Wochenende oder im Urlaub.
Unter der Woche geht es karger zu. Ich genieße den Wechsel, wenn es denn möglich ist. Den Wechsel zwischen festlichem Frühstücksbuffet und alltäglichem Graubrot. Der Wechsel macht’s.
Das ist mit der Spiritualität im Prinzip genauso. Auch da gibt es jede Menge Graubrottage. Kleinigkeiten, die mich nicht aus den Latschen hauen, die aber mein Gottvertrauen stärken: Das freundliche Augenzwinkern der Kassiererin. Der Lichtstrahl am Wolken verhangenen Himmel. Ein Satz aus der Bibel, bei dem ich denke: Okay, immerhin, das hier, das hast du verstanden.
Basisernährung des Glaubens ist das. Wenig spektakulär. Aber notwendiger Alltag, auch - um das Besondere schmecken – entdecken -  zu können.
Denn manchmal, da spüre ich: Gott ist mir nahe. In einem Kirchenlied etwa, das ich im Gottesdienst singe und das meine Seele berührt und die Leere füllt. Oder in einem Wort, das zu mir spricht, als sei es nur für mich geschrieben. Ein Satz aus der Bibel kann das sein. Oder die Mail von einem guten Freund.
Das ist wie ein Festmahl für die Seele. Und ich weiß mich geborgen.
Mein Tipp: Genießen Sie auch das Graubrot des Alltags, um das Festmahl schmecken zu können.

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Das Licht einer Kerze kann berühren…
Was für ein kostbarer Augenblick:
Dieser eine Moment. Wenn ich mit dem Streichholz an der Reibefläche der Schachtel entlang fahre. Es ratscht. Es knistert. Ein Hauch von Schwefelduft liegt in der Luft: Und dann diese winzige Explosion. Die Flammen lecken am Span – und ich halte ihn an den Docht einer Kerze.
Die Flamme umspielt den Kerzendocht, erlischt fast. Entzündet sich neu.
Und dann passiert es: Die Flamme springt auf die Kerze über. Und auf einmal strahlt es hell auf.
Gerade jetzt im Winter, wenn es so lange dunkel ist, zünde ich gerne eine Kerze an. Am liebsten morgens. Wenn ich mich an den Frühstückstisch setze.
Manchmal spüre ich in so einem Moment: das Licht der Kerze erreicht mich – und schenkt Frieden. Gelassenheit. Ruhe. Mir selbst und denen, mit denen ich zusammen bin. Das ist – wie ein kleines Wunder.
Denn zu einem Wunder gehören diese beiden Schichten: Ich tue etwas, ganz konkret, ich zünde die Kerze an - Und zugleich geschieht etwas, manchmal jedenfalls, was ich nicht gemacht habe. Was ich auch nicht machen kann. Worüber ich keinerlei Verfügungsmacht habe. Und das ist das wunderbare.
Es geschieht etwas, was diese alltägliche, vielleicht sogar banale Handlung verändert: Es kann geschehen und das Licht berührt mich – leuchtet in meine Seele hinein und macht sie hell.
Für mich ist das wie ein Wunder. Und es geschieht - Mitten im Alltag.

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Den Glauben trainieren, das ist wie ein Marathonlauf
Es war vor ein paar Jahren im Januar. Da haben wir gewettet: Wir laufen mit. Im Oktober– beim Marathon in Köln.
Keiner von uns vier hatte wirklich Lauferfahrung. Aber uns blieb ja ein dreiviertel Jahr Zeit, um von Null auf 42 Kilometer zu kommen. Wir stellten einen Trainingsplan auf. Und dann gewöhnten wir uns Stück für Stück an die lange Strecke.
Manchmal war das ganz schön anstrengend. Besonders bei Regenwetter hat mein innerer Schweinehund unüberhörbar geknurrt. Doch wenn die Kumpels an der Tür klingelten, war alles klar: Jetzt geht es los – egal, wie das Wetter ist.
Was kann ich sagen? Trotz Regen und Schweinehund- Das Lauftraining hat unendlich viel Spaß gemacht. Und irgendwann ging es gar nicht mehr nur um das Laufen. Es ging um das Miteinander von uns Läufern.
Das Laufen hat uns verändert. Alle vier. Wir haben erlebt: Beim Laufen, grade bei den langen Strecken – da passiert etwas Wunderbares. Da fliegen die Gedanken im Gleichklang der Schritte. Wir lassen die Natur auf uns wirken. Sie berührt die Seele. Und dann ist man auf einmal im Einklang mit sich selbst, mit den anderen – und mit Gott.
Mit dem Glauben und dem Gott-Vertrauen ist es übrigens genauso. Auch das ist manchmal anstrengend, mühsam. Und auch das braucht tägliches Training. Bei mir ist das zum Beispiel: in der Bibel lesen – oder einfach mal wieder in einen Gottesdienst gehen. Und auch in Glaubensdingen gilt: Es ist gut, wenn man nicht alleine unterwegs ist.
Übrigens: Wir vier sind tatsächlich beim Marathon gestartet. Und haben sogar das Ziel erreicht, in einer ganz passablen Zeit. Am Wichtigsten aber war uns: Wir sind dabeigeblieben. Beim Laufen. Miteinander. Bis heute. Die Übung macht’s.

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Tief Luft holen tut gut
In der Regel merken wir das gar nicht: Wie wir atmen.
Völlig selbstverständlich saugen wir die Luft ein, schöpfen Sauerstoff, um dann im Ausatmen alles das loszulassen, abzugeben, was unser Körper nicht mehr braucht. - Das Atmen, es geschieht von selbst. Ein Automatismus, mit dem sich unser Körper am Leben hält.
Höchstens, wenn wir sehr krank sind, oder völlig erschöpft nach einer sportlichen Anstrengung, dann merken wir: wie wir atmen.
Manchmal tut es gut, den Alltagstrott zu unterbrechen – und ganz bewusst dem eigenen Atmen nachzuspüren.
Also einatmen – ausatmen.
Das Wechselspiel der eigenen Kräfte und Möglichkeiten wahrnehmen.
Mir wird bei so einer Atemübung bewusst: Wenn ich nicht ausatme, kann ich nicht einatmen. Wenn ich versuche, meine Atemluft festzuhalten – dann geht mir definitiv die Puste aus.
Ich kann die Luft, die ich atme, ich kann mein Leben nicht festhalten.
Es ist flüchtig wie ein Hauch, flüchtig wie das Wechselspiel von Einatmen und ausatmen.
In der Sprache der Bibel gibt es nur ein Wort für beides: für Hauch und Atem, für Wind und Leben gibt es nur eines: ruach.
Zugleich beschreibt dieses Wort in der Hebräischen Sprache so etwas wie: Gottes ist da, ist ganz nah. Wenn ich glücklich bin oder wach. Dann ist Gott selbstverständlich da. Wie die Luft, die ich atme.
Das gilt sogar dann, wenn ich mein Leben ausgehaucht habe. Auch dann ist Gott da. Hält mich geborgen. Mit Ruach- durch seinen Geist.
Ich atme und lebe in Gott. Wie jeder Mensch. Ganz selbstverständlich. Und manchmal kann ich das spüren, so wie ich meinen Atem spüre.  Wunderbar.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16702

Besser als ein Wecker am Morgen…
Immer dieser Wecker am frühen Morgen. Er brummt, er scheppert, er Klingelt und pfeift. Ich kann den Wecker stellen wie ich will- er klingelt immer zu früh. Nur noch ein Viertelstündchen! Sag ich zu ihm. Aber er meldet sich gnadenlos. Nach fünf Minuten. Und nochmal fünf Minuten.
Ich könnte ihn jedes Mal an die Wand werfen. Und trotzdem weiß ich: Ohne Wecker würde ich jeden Morgen zu spät kommen. Und das geht ja gar nicht.
In einem Lied aus unserem Evangelischen Gesangbuch ist auch von einem Wecker die Rede. Der ist weder digital noch analog. Und mit dem Smartphone hat der auch nichts zu tun. Das Lied vergleicht Gott selbst mit einem Wecker.
„Er weckt mich alle Morgen“, heißt es da, „er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte, begrüß das neue Licht. Schon an der Dämm’rung Pforte ist er mir nah und spricht.“
Mir gefällt dieser Gedanke: Gott hält sich nicht versteckt. Auch wenn mir das manchmal vielleicht so vorkommt. Gott spielt nicht Versteck mit mir. Er ist mir nah. Wie ein Wecker, der mich wachrüttelt. Schrill oder summend, scheppernd oder mit einem lauten Pfiff.
So macht Gott das auch. Rüttelt wach oder erschreckt oder führt sanft aus dem Schlaf des Ahnungslosen.
Wenn ich morgens im Radio die Worte oder Gedanken höre, und sie sprechen mich an.  - Oder auf dem Weg ins Büro prasselt mir der Schneeregen ins Gesicht – und ich spüre die Elemente der Natur – lebendig und frisch- und denke: Das ist alles Gottes Schöpfung. Wie schön. - Oder ich habe noch Tage später ein Lied vom Gottesdienst im Kopf. Ein Ohrwurm, der mir Schwung verleiht.
Das alles – sind wie Klingeltöne Gottes in meinem Alltag. Kleine Wecker, die mich spüren lassen: Gott ist gegenwärtig. Gott ist da.
Und wie bei einem Wecker gilt: Wie gut, dass sich Gott immer wieder meldet.

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Die Sternsinger sind unterwegs
Heute klingeln sie wieder: Kinder, Jugendliche – in kleinen Gruppen unterwegs und exotisch verkleidet. Caspar, Balthasar und Melchior – singend ziehen sie durch die Lande, um zu segnen und zu sammeln.
Sie sammeln Geld für Projekte in Entwicklungsländern. Damit dort Kinder zur Schule gehen können, regelmäßig eine warme Mahlzeit bekommen, Kleidung – ein Dach über dem Kopf, medizinische Versorgung. Alles Dinge, die für die meisten von uns selbstverständlich sind.
Als Dank schreiben dann die verkleideten Könige einen Segen an die Haustür: Die Jahreszahl und drei Buchstaben. C plus B plus M. Für Caspar, Balthasar und Melchior. Die Heiligen drei Könige.
Oder eben auch für: „Christus mansionem benedicat“. Das ist Latein und bedeutet: Gott segne dieses Haus!
Segen geschieht, wenn Menschen einander Gutes tun. Wenn wir zum Beispiel Geld spenden für Kinder in Not – oder die Kinder mit einer Süßigkeit bedenken, die sich in ihrer Freizeit für andere einsetzen. Oder wenn junge Menschen als Sternsinger Geld sammeln – für Kinderhilfsprojekte.
Segen ist allerdings noch mehr. Segen ist ein Versprechen, das Gott uns macht. Segen macht sichtbar: Gott begleitet uns – schenkt uns seine Schöpferkraft, um anderen Gut zu tun. Und selbst Gutes zu erfahren.
Für mich zum Beispiel leuchtet diese Gotteskraft in der Fröhlichkeit der Sternsinger auf. Und wenn mich die Not der Kinder in armen Ländern berührt und bewegt, sodass ich einfach helfen muss.
Ich höre die Sternsinger gerne singen. Und öffne ihnen gern meine Haustür. Nicht nur, weil ich der Pfarrer im Ort bin.
Wenn ich meine Tür öffne, zieht es mich förmlich hinein in die Geschichte: Wie Gott dieses Haus segnet, und dann kann Gutes von ihm ausgehen.

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Die Erfindung aus England wird 244 Jahre alt
Wat isse’ne Dampfmaschien’? Dat is ne Maschine, da jeht der Dampf op der einen Seite erin. Und op der anderen Seite, da kütt er erus. Dat eine, dat isn Ventil, un dat andere, dat krieje ma später...
Sie erinnern sich bestimmt an den Film „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann. Der Professor, der das im Physikunterricht sagt, hat allerdings ein wichtiges Detail vergessen, als er so unnachahmlich die Funktion einer Dampfmaschine beschreibt.
Es ist keineswegs nur Dampf, was bei der Maschine entsteht. Schwefel- oder Stickoxide, andere Rauchgase und vor allem der Klimakiller CO2 sind mit von der Partie. Und zwar kräftig.
Heute vor 244 Jahren wurde das erste Mal eine Dampfmaschine zum Patent angemeldet. James Watt war der Erfinder. Wahrscheinlich war ihm nicht bewusst, dass er mit seiner Schöpfung die Welt revolutionieren würde. Alle technischen Prozesse und Entwicklungen im Industriezeitalter, alle Maschinen und Motoren, alle Autos, Bahnen oder auch Flugzeuge – sie wären ohne die wegweisende Erfindung des Briten undenkbar geblieben.
Ebenso wie der Klimawandel. Unvorstellbare Mengen an CO2 und anderen Gasen wurden seit der ersten Dampfmaschine in die Luft gejagt. Wir heute fangen gerade erst damit an, die Folgen dieses Handelns zu bedenken.
Wenn man sich an den Patentgang der allerersten Dampfmaschine erinnert, dann wird auf einmal sonnenklar: Unser Tun hat Folgen. Und die gilt es, zu berücksichtigen. Das nennt man dann auch Verantwortung.
Natürlich können wir heute nicht alle Motoren wieder abstellen. Das Rad der Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen.
Aber wir könnten darüber die Idee kriegen: Zum Beispiel jetzt ganz konkret das Auto stehenlassen, und andere Verkehrsmittel nutzen, die weniger CO2 verursachen.
Die Frage der Nachkommen des Erfinders James Watt lautet: Welche Maschine setze ich in Gang, damit hinten weniger Dampf und vor allem weniger CO2 – aus der Maschine rauskommt?

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