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SWR3 Gedanken

Eine Figur in Echternach mahnt zum Frieden
Eine menschliche Figur ohne Arme und Beine. Ein Torso. Grausam verstümmelt und entstellt. Ein Gesicht voller Schmerzen.
Das ist alles, was übrig geblieben ist. Von der Darstellung des Gekreuzigten. Nach den Bombenangriffen auf die Kirche in Echternach.
1945 stieß man beim Wegräumen der Trümmer auf dieses zerfetzte Holzkreuz. Und gab ihm einen neuen Platz in der wieder aufgebauten Willibrord-Basilika.
Die zerstörte Christusfigur soll eine bleibende Erinnerung sein. An die furchtbare Zerstörung und vor allem an die wahnsinnige Vernichtung menschlichen Lebens durch Krieg, Gewalt und Terror ausgehen. Nicht nur im Zweiten Weltkrieg.
Zugleich erinnert mich die Christusfigur an ein Gebet:
Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit zu tun.
Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen auf seine Seite zu bringen.

Mir ist dieses Gebet wichtig. Denn es stellt mir die Frage: Wovon lasse ich mich leiten? Lasse ich mich leiten von dem, was Jesus vorgelebt hat? Mache ich da weiter, wo er aufgehört hat, als er noch gelebt hat?
Das geht ganz einfach. Ich stelle mir in meinen alltäglichen Konflikten immer mal die Frage: Was würde Jesus jetzt dazu sagen? Was würde er an meiner Stelle tun?
Damit mache ich erstaunliche Erfahrungen. Manchmal nimmt das einem Streit seine Schärfe. Oder es gibt mir einen anderen Blick für die Menschen, mit denen ich es zu tun habe.

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Das Religionsedikt von Mailand wird 1700 Jahre alt.
Es gibt Sätze, die sind nach mehr als tausend Jahren immer noch aktuell. Zum Beispiel der: „Jeder Bürger soll die Freiheit haben, sich der Religion anzuschließen, die er sich wählen mag. Jeder Bürger soll in der Verehrung dessen, was er sich erwählt hat, ungehinderte Freiheit haben.“
Kaum zu glauben: Diese Sätze sind schon 1700 Jahre alt. Damals trafen sich Kaiser Konstantin und sein Kollege Licinius in Mailand, um gemeinsame Grundlagen ihrer Politik für das römische Reich zu verabreden. Diese Vereinbarung ist als „Toleranzedikt von Mailand“ in die Geschichtsbücher eingegangen.
Und sie gilt als Wendepunkt: Die Christenverfolgung ist zu Ende. Jetzt  wird die Freiheit der individuellen Glaubensentscheidung proklamiert.
Und zwar in erstaunlich modernen Worten. Die klingen ähnlich wie die Sätze in unsere Verfassung, wo es um die Freiheit der Religionsausübung geht.
Die Mailänder Vereinbarung hat erstmals Christen die Freiheit gegeben, sich ohne Angst vor Verfolgung in ihren Gemeinden zu versammeln. In aller Freiheit haben sich viele Menschen damals für den Glauben an Jesus Christus entscheiden können.
Die Kirchen sind zu einer prägenden Kraft geworden, für die Kultur des Abendlandes. Dabei haben sie viel zu schnell und viel zu oft vergessen, wie wichtig das Grundprinzip der Freiheit ist. Leider.
Denn es ist ja so: Freiheit der eigenen Religion meint immer auch die Freiheit aller anderen Religionen. Oder sie ist nicht Freiheit. Vielleicht ist es daher ganz gut, in diesem Jahr an das Jubiläum des „Toleranzediktes von Mailand“ zu erinnern.
Der Gedanke der Freiheit ist allerdings noch älter. Er steht schon in der Bibel. Im Neuen Testament z.B. heißt es: „Ihr seid freie Menschen. Doch missbraucht eure Freiheit nicht als Deckmantel für Böses, sondern zeigt durch die Art und Weise, wie ihr mit eurer Freiheit umgeht, dass ihr Diener Gottes seid.“
Diener oder Dienerin Gottes bin ich also dann, wenn ich Anderen dieselbe Freiheit gönne, die ich selbst beanspruche.

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Die Temporegelung wird heute 30…
Plötzlich taucht der Junge zwischen den Autos auf. Steht mitten auf der Straße. Wie ein aufgescheuchtes Reh bewegt er sich nicht von der Stelle.
Er ist genauso erschrocken wie ich.
Natürlich trete ich sofort auf die Bremse. Die Reifen quietschen. Mein Wagen stoppt. Es reicht gerade so. Ich atme durch. Der Junge auch. Knapp war das. Aber nichts ist passiert. Gott sei Dank!
Wenn ich schneller unterwegs gewesen wäre… – nein, das will ich mir gar nicht vorstellen.
Doch zum Glück war ich nur mit Tempo 30 unterwegs und wir waren auch in einer Tempo-30-Zone. Die gibt’s seit genau 30 Jahren.
Am 14. November 1983 wurde die erste Tempo-30-Zone eingerichtet. In Buxtehude. - Das Experiment von damals hat Schule gemacht. In vielen Wohngebieten gibt es heute solche Geschwindigkeitsbegrenzungen. Auch hier bei mir in Trier.
Tempo 30. Eine kleine Idee, die so viel Gutes bewirkt. Und so viel Leben bewahrt. Eigentlich müsste es noch viel mehr davon geben.
Vielleicht könnte das Jubiläum der Tempo-30-Zone ein Anlass sein, diese Zonen noch auszuweiten.
Wie wäre das, wenn überall in den Ortschaften eine Tempo-30-Zone wäre, wo Menschen auf Autos treffen?
Sicher, für Autofahrer wär das eine ziemliche Umstellung. Aber Kinder laufen nicht nur in Wohngebieten mal unkontrolliert auf die Straße.
Ob es je eine flächendeckende Tempo-30-Zone gibt, weiß ich nicht. Aber falls Sie das Gefühl haben: Vor meiner Haustür, da fehlt das eigentlich – reden Sie doch mit Ihren Kommunalpolitikern.
Der Apostel Paulus meint: Prüfet alles, und das Gute behaltet!
Und was könnte schon besser sein als gerettete Menschenleben?

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Es hat noch nie so lecker geschmeckt, die Welt zu retten…
“Ich möchte, dass die Kinder der Kakaobauern zur Schule gehen können, anstatt für unsere Schokolade die Kakaobohnen zu pflücken. Außerdem: Wenn Schokolade gemacht wird, dann entsteht zu viel CO2.“
Das hat Felix Finkbeiner gesagt, da war er 9 Jahre alt. Damals hat er in seiner Schulklasse ein Referat gehalten. Es ging über den fairen Handel mit Schokolade. Und über den Klimawandel. Felix erzählte von Wangari Matthei. Die hat in Afrika 30 Millionen Bäume gepflanzt.
Das bringt den 9Jährigen auf eine Idee: Kinder könnten doch in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen. Um so das Klima zu verbessern.
Aus dieser Idee ist die Bewegung „Plant-for-the-planet“ entstanden. Sie wird von den Vereinten Nationen unterstützt. 100.000 Kinder sind inzwischen wie Felix als Botschafter unterwegs.
Um Bäume zu pflanzen. Und um für „Die Gute Schokolade“ zu werben. Die schmeckt tatsächlich so. Und sie heißt auch  so: „Die Gute Schokolade“. Weil sie genauso hergestellt wird, wie das die Kinder wollen: Fair und klimaneutral.
Auf Werbung wird verzichtet. Das übernehmen die Kinder selbst. Indem sie in die Supermärkte gehen und dafür werben, die „Gute Schokolade“ dort zu verkaufen. Mit dem Erlös werden Bäume gepflanzt.
Ich finde diese Initiative genial. Mit Charme und Wissen setzen sich die Kinder von Plant-for-the-planet für den Klimaschutz ein. Und für gerechte Lebensbedingungen – überall auf der Welt. Ganz praktisch kann jeder, der mitmacht, etwas tun. Bei sich vor Ort.
Zugleich macht diese Bewegung deutlich: Es ist ganz leicht, etwas zu tun – für die Bewahrung von Gottes guter Schöpfung. Und für mehr Gerechtigkeit.
Die Kinder haben nichts dagegen, wenn auch Erwachsene im Supermarkt nachfragen: Verkaufen Sie die „Gute Schokolade“?
Es hat noch nie so lecker geschmeckt, die Welt zu retten. Sagen die Kinder von Plant-for-the-planet.

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Frühaufsteher oder Morgenmuffel – Gott meint es gut mit uns
Sind Sie ein Morgenmensch?
Hüpfen Sie fröhlich pfeifend beim ersten Wecker-Klingeln aus dem Bett? Nach dem Motto: Der frühe Vogel fängt den Wurm. - Oder gehören Sie eher zu den Menschen, die morgens sagen: Der kann mich mal, der frühe Vogel.
Wir Menschen sind eben verschieden, selbst am frühen Morgen. Vielleicht sind wir genauso von Gott gedacht: Damit das Leben bunt und lebendig ist. Ganz gleich, wie schnell oder wie langsam wir morgens aus dem Bett kommen. Mit all unseren Verschiedenheiten sind wir in gleicher Weise von Gott geliebt.
So vielfältig wie wir Menschen sind auch die so genannten Tageslosungen. Das sind Sätze aus der Bibel. Ausgelost aus einer ganzen Bibelsatz-Loskiste. Und jeweils einem Datum zugeordnet.
Die Herrnhuter Brüdergemeine hat das erfunden. Vor mehr als 280 Jahren. Die Tageslosungen sind auch ganz unterschiedlich. Damit für jeden mal was dabei ist.
Übrigens: Die Tageslosung, die habe ich als App auf meinem Handy. Da kann ich sie nachlesen. Ein Muntermacher, der noch ganz anders wirkt als Wecker oder Kaffee. Probieren Sie es aus.
Der Bibelsatz für heute, der gefällt mir besonders gut. Der steht im ersten Buch der Bibel. - 1. Mose, Kapitel 28, Vers 15:
„Gott spricht: Ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.“
Mir tut dieser Bibel-Satz gut. Er gibt mir ein Gefühl von Geborgenheit. Was auch immer dieser Tag bringen wird. Gott ist bei dir. Wie ein Freund, der es gut mit dir meint.
Wir Menschen sind mit Gott verbunden. Wir sind von Gott geliebt. Und zwar so, wie wir sind. Als Morgenmuffel oder fröhliche Badezimmersänger.

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Bischof Martin von Tours ist ein Vorbild bis heute
Chlamus – so heißt der weiße Überwurf aus zwei Teilen. Im oberen Bereich war er mit Schaffell gefüttert.
Die kaiserlichen Gardesoldaten trugen ihn. Im Winter, direkt über dem Panzer. - Erkennungszeichen und Wärmeschutz zugleich. Vor allem in der kalten Jahreszeit.
Wahrscheinlich trägt der junge Soldat solch einen hellen Pelzmantel, als er dem Bettler begegnet. Am Stadttor in Amiens. Außer seinen Waffen und dem schweren Militärmantel hat er wohl nichts bei sich. Kein Pferd, kein Geld, keinen Proviantbeutel.
Die Legende erzählt: Martin nimmt sein Schwert. Zerteilt seinen Mantelumhang in zwei Teile. Und gibt eine Hälfte dem Bettler.
In der darauffolgenden Nacht sei ihm dann im Traum Jesus Christus erschienen, erzählt die Legende weiter.
Bekleidet genau mit dem Mantel, den Martin dem Bettler gegeben hatte. –
„Ich bin nackt gewesen, und du hast mich gekleidet!“ sagt der Heiland im Traum. Genauso wie in der Bibel, wo Jesus sagt: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!“
Mir gefällt die Legende von Sankt Martin. Denn sie ist ja bis heute noch lebendig. Weil heute viele Kinder im Martinsumzug an ihn denken. Und an das, was er dem Bettler Gutes getan hat.
Es gibt Worte und Begegnungen, die überdauern die Zeit und bleiben lebendig bis heute.
Egal ob die Legende vom heiligen Martin nun historisch echt ist oder nicht: Dieser römische Soldat, der zum Bischof von Tours wurde, er hat die Augen aufgemacht. Und sich gefragt: Wie geht es dem, an dem ich grade vorbeilaufe? Braucht er Hilfe?
Achtsam sein. Das ist wichtig. Bis heute.

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Der Reformator zeigt, was Freiheit bedeutet.
Er war ein Revolutionär.
In seiner Zeit hat er die Kirche verändert wie kein anderer. Und mit seiner Bibelübersetzung prägte er die deutsche Sprache – bis in unsere Zeit. Martin Luther. Heute vor 380 Jahren wurde er geboren.
Ich staune über die Unerschrockenheit von Martin Luther. Mit welcher Gelassenheit und Ruhe der sich zum Beispiel vor den Kaiser stellt. Beim Reichstag in Worms. Und völlig frei sagt, was er denkt. Was er entdeckt hat beim Lesen in der Bibel. Obwohl er fürchten muss, dass er genau deshalb getötet wird. Ich staune: Was für eine innere Freiheit!
Luther sagt: Jeder Mensch hat das Recht und die Freiheit, selbst in der Bibel nachzulesen. Und selbst zu prüfen: Stimmt denn das, was die da oben sagen? Sind denn die Regeln der Kirche und der Politik gut? Dienen sie dem Leben?
Genau deshalb kritisiert Luther den Ablass-Handel. Das ist doch reine Geldschneiderei. Mehr noch: Da wird Menschen Angst vor Tod und Teufel gemacht, anstatt das Evangelium zu predigen. Evangelium – das heißt „Frohe Botschaft“. Befreiende Botschaft. Gott hält zu uns Menschen, auch wenn wir Fehler gemacht haben. Genau das sagt Luther - dem Kaiser, und auch allen anderen.
Luther hat beim Lesen in der Bibel gespürt: Gott schenkt mir eine Freiheit, die stärker ist als alle Mächte dieser Welt. Kaiser, Könige, Bischöfe – Die sind alle vergänglich. Irgendwann sind sie tot. Und ihre Macht ist zu Ende. Aber Gottes Macht, seine Liebe, die bleibt.
Genau dieser Gedanke hat Luther frei gemacht und unabhängig gegenüber den Trends und Sachzwängen seiner Zeit.
Für mich macht ihn das zu einem Vorbild. Martin Luther erinnert mich daran: Es ist notwendig, das zu hinterfragen, was scheinbar normal ist. Und in aller Freiheit zu prüfen: Was dient dem Leben?

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