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SWR3 Gedanken

Morgen ist Erntedank
Wer es schön hat, kann heute auf den Markt gehen
und dafür einkaufen
In vielen Kirchen werden heute die Altäre geschmückt
mit allem was Gott uns so schenkt.
Denn noch immer glauben wir,
dass Gott es ist, der das Wachsen und Gedeihen schenkt.
Trotz hightech, Chemie und Gentechnik in der Landwirtschaft
Gott schenkt Regen und Sonne, ohne die nichts zu ernten wäre
und damit auch nichts zu essen und kein Leben möglich.
Ich muss an Erntedank immer auch an die denken,
die es nicht so gut haben.
Die nicht selbst auf den Markt gehen können
und von all dem wunderbaren
was da jetzt angeboten wird einzukaufen:
leuchtend orangene Kürbisse
süße dunkle und helle Trauben
Pfifferlinge und Kastanien und letzte Brombeeren
Rote Beete und Blumenkohl und Sonnenblumen,
Äpfel in vielen Sorten und Birnen
Zwetschgen und Mirabellen...
Weil nicht alle selbst von den Herrlichkeiten
einkaufen können sammeln viele Gemeinden
dass was sie auf den Altar legen
um es dann weiter zu verteilen.
Schaun' sie doch heute mal in ihrer Kirche vorbei.
Bei uns ist die Tür heute offen
Und wir sind beschäftigt
Und richten herrliche Brote und Trauben
Und all das andere in Körben und auf Decken
Damit es leuchtet und einleuchtet
Wie großzügig Gott ist, der uns den Tisch deckt.
Und vielleicht fragen Sie einmal nach
Was danach mit all den Herrlichkeiten passiert.
Bei uns bekommen die Kindertagesstätten
Und unser Cafe für Bedürftige
all das geschenkt, was Leute hier heute vorbei bringen.
Und die Kinder und alle anderen freuen sich sehr
über die Großzügigkeit,
denn die tut allen gut:
denen die beschenkt werden
und denen die schenken.

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Es gibt kein richtiges Leben im Falschen
So sagte das mal der Philosoph Theodor W. Adorno.
Es gibt kein richtiges Leben im Falschen
heute könnte das heißen:
Wenn man Schokolade, Tee oder Kleidung einkauft,  muss man damit rechnen
dass Kinder auf Kaffee- und Kakaoplantagen daran leiden
oder Näherinnen in Asien dafür ihre Gesundheit riskieren.
Wenn man das Internet nutzt
Muss man damit zu rechnen,
dass viel zu viel über das private Leben
am falschen Ort bekannt wird.
Und wer Chemikalien nach Syrien verkauft
muss damit zu rechnen,
dass daraus Giftwaffen gebaut werden.
Es gibt kein richtiges Leben im Falschen
Die Zeitgenossen Jesu haben auch so gedacht.
Krankheit und Tod, alles was Menschen unglücklich macht, gilt als unrein.
Wenn man mit solchen Leuten zu tun hat, steckt man sich bei ihnen an.
Trennt sich von der Gemeinschaft und von Gott.
Du kannst nicht mit Kranken leben, ohne dich zu infizieren
du kannst nicht unter Verrückten sein, ohne selbst verrückt zu werden
auch der Tod ist infektiös.
Es gibt kein richtiges Leben im Falschen
Jesus hat das Prinzip umgedreht
Er hat Kranke und sogar Tote berührt
und Leute die wie besessen, verrückt oder aussätzig waren und hat sie geheilt.
Er hat eine Art ansteckende Gesundheit verbreitet.
Dabei hat er gewusst, wie sich das anfühlt:
krank, verrückt, ausgestoßen und verloren sein
schon wie tot.
Und gerade weil er das wusste
wie das ist, wie es sich anfühlt
konnte er richtiges Leben ins Falsche bringen
Trotzig und mutig
Und genau das können wir auch:
Nah dran gehen, ohne Angst
und mitleben, mit den Kranken, den Sterbenden, den Traurigen
das ist heilsam für alle.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16131

An einem 3. Oktober kann man einiges machen,
weil, der ist ja nun mal frei!
Man kann die Wohnung neu streichen
Oder einen Brückentag nehmen und einen Städtetrip machen
Oder mit Freunden und der Familie in der Pfalz
wandern gehen und die leuchtenden Farben des Herbstes genießen
und abends herrlich essen.
An manchen Orten gibt es auch Gottesdienste,
aber die meisten Pfarrerinnen und Pfarrer
freuen sich, dass sie heute mal nicht dran sind, Pfarrersonntag.
So kann man und frau an diesem Tag
auch einfach mal in die Moschee gehen.
In ganz Deutschland begehen Muslime den 3. Oktober
als Tag der Offenen Moscheen.
Sie laden herzlich ein zu Führungen und Gesprächen.
Man kann ihre Räume wahrnehmen
und vielleicht etwas von ihrem Leben in Deutschland verstehen.
Das mit der offenen Moschee ist unseren muslimischen Nachbarn sehr wichtig,
denn sie erleben immer wieder, dass sie mit verantwortlich gemacht werden
wenn es auf der Welt, egal wo
Gewalt oder aggressive Äußerungen von Seiten der Muslime gibt
Dabei sind viele derer, die hier leben,
selbst geflohen vor Gewalt und vor einem Mangel an Freiheit.
In Deutschland erschien ihnen das Recht auf Religionsfreiheit
besonders attraktiv, Meinungsfreiheit, Demokratie,
dass alle gleiche Rechte haben
dass keiner diskriminiert werden darf
egal wo er oder sie herkommt
ganz gleich ob Mann oder Frau
ganz gleich auch ob mit oder ohne Kopftuch.
Die große Mehrzahl der Muslime unter uns glauben
dass das Wort Islam sich von Salam
dem arabischen Wort für Frieden ableitet.
So leben sie und dafür setzen sie sich ein.
Gegen viele Vorurteile.
Es lohnt sich an einem 3. Oktober einmal in eine Moschee zu gehen
Denn der Tag der Deutschen Einheit
Hat auch etwas damit zu tun,
dass unser Land nicht auseinander fällt
in viele verschiedene Welten ohne Verbindung zueinander -
Gott ist sowieso schon einer, nur einer.
Das glauben wir: Juden, Christen und Muslime.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16130

Dass arm und reich in unserem Land
immer weiter auseinander brechen
hat vielleicht damit zu tun, dass Wohlstand blind macht.
Wo Möbel und Kleidung als Teil der Identität verstanden werden:
mein Haus, mein Auto, mein Pferd
Fünfmal Urlaub und über 100.000 Euro im Jahr
Und immer noch das Gefühl zu viel Steuern zu zahlen,
da ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten.
Wer zu reich ist verliert wohl den Sinn für das was verhältnismäßig ist,
vielleicht auch das Mitgefühl.
Arm und reich fallen absurd weit auseinander,
ich erlebe das so
wo viele sich nicht vorstellen können
dass wenige Straßen weiter
Kinder leben, die ohne Frühstück in die Schule gehen,
die keinen Platz zum Rennen haben in der Wohnung.
Kinder die keine Turnschuhe haben;
Nicht schwimmen können und nie zum Arzt gehen.
Die nie Himbeeren essen.
Da leben Kinder, die sich nicht in einen Sportverein trauen,
und wenn, benehmen sie sich bestimmt verkehrt,
sind nie verlässlich genug und haben keine Eltern
die Fahrdienste übernehmen könnten.
Dass arm und reich immer weiter auseinander fallen
In diesem reichen Land.
Ist vielleicht am ehesten daran ablesbar
dass viele meinen, hier gäbe es keine Probleme
Und dass dieses Land trotz der Krise wunderbar dasteht.
Dabei gibt es Leute die trauen sich nicht, den Arzt zu rufen.
Die haben keine Brille und kein Hörgerät
und die nötige OP oder langfristige Behandlung
findet einfach nicht statt.
Immer öfter sind Menschen krank, weil sie arm sind
Und immer öfter verarmen Menschen, weil sie krank sind.
Nicht nur Obdachlose sterben an ihrer Armut.
Ich erlebe Menschen in Armut fast immer so
dass sie sich anstrengen so viel sie eben können
arbeiten, wenn sie Arbeit finden und nicht krank sind
kämpfen für ihre Kinder und gegen die Ausgrenzung.
Aber sie haben nie die gleichen Chancen
und ihre Kinder auch nicht.
Es macht mich wütend zu erleben,
wie sie Verachtung und Selbstzweifel ertragen müssen
und oft auch noch den Druck der Ämter.
Immer schämen sie sich und meinen sie seien selbst schuld
Jesus schaut voll Mitleid auf die Reichen und erklärt:
„Eher passt ein Kamel durch ein Nadelöhr
Als dass ein Reicher ins Himmelreich kommt"
Und dann kümmerte er sich wieder um die Armen...

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16129

In Mannheim beim großen Schlossfest
haben in diesem Jahr erstmals
Christen, Juden und Muslime gemeinsam gebetet,
für die UNI, für die Stadt und für den Frieden, vor allem in Syrien.
Es war genau der Abend, für den Papst Franziskus
alle Katholiken weltweit aufgefordert hatte,
für den Frieden in Syrien zu beten.
Einladen lassen haben sich auch Orthodoxe Christen
und Muslime weltweit, in Damaskus und in Jerusalem.
In Syrien bricht eine Welt auseinander.
Menschen die seit Jahrhunderten miteinander
oder zumindest nebeneinander leben konnten
fliehen vor Auseinandersetzungen und Gewalt.
Eine der ältesten christlichen Kirchen ist in ihrer Existenz bedroht.
Andere, die auf Demokratie gehofft hatten
haben sich radikal-islamischen Gruppen angeschlossen
die aus aller Welt in das Land strömen
und die Enttäuschung über den Westen ausnutzen.
Was bringt es angesichts der Gewalt und des Unrechts,
angesichts der Not so vieler
die fliehen mussten, wenn wir hier beten?
Was helfen unsere Worte vor Gott
im Gegenüber zu Granaten und Chemiewaffen
zu Folter und Kindermord und Vergewaltigung?
Menschen, die in Syrien alles verloren haben,
werden in den nächsten Wochen nun endlich
vermehrt auch nach Deutschland kommen.
Immer noch viel zu wenige und die Hilfe zu gering.
Aber sie kommen.
Und dann wird es auch darum gehen,
was sie hier erleben.
Vielleicht gelingt es ja an mehreren Orten
dass Christen, Juden und Muslime
die Flüchtlinge gemeinsam empfangen.
Damit wir dem Auseinanderfallen der Welt entgegentreten.
Und dann ist es wohl auch gut zu beten.
Denn was wir gemeinsam vor Gott bringen
Bringt uns auch zusammen im Handeln.
Wir können den Frieden nicht einfach machen.
Aber wir können uns gemeinsam Gott anvertrauen
Mit unserer Sehnsucht nach Frieden
Er macht unsere Hoffnung stark
Und damit auch das, was wir tun.
Denn Gott so heißt es im Psalm, ist ein
„Vater der Witwen und Waisen",
ein Gott
„Der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlgehe!"
wer zu diesem Gott betet kann nicht achtlos vorübergehen
an denen die leiden unter Krieg und Not.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16128

Wenn in Indien Vergewaltiger verurteilt werden
könnte Frau sich darüber freuen
Es darf keine Toleranz geben gegenüber der Gewalt.
Mich aber beeindruckt ein Modell von Selbsthilfe
mit dem Frauen in Indien
sich auflehnen gegen die maßlose Gewalt gegen Frauen in diesem Land.
Dass Frauen in Indien so selbstverständlich vergewaltigt, geschlagen
Und selbst ermordet werden, liegt daran,
dass ihr Leben so wenig wert ist.
Die Familien müssen Mitgift zahlen, um ihre Töchter
in die Familien der Männer einzuheiraten.
Auf dem Land geschieht das in der Regel
im Alter zwischen 12 und 15 Jahren.
Häufig werden dabei Ratenzahlungen vereinbart
Weil die Familien es sich nicht anders leisten können.
Wenn die Ratenzahlungen dann ausbleiben, werden junge Mädchen
in den Schwieger-Familien misshandelt oder gar ermordet
so kann der junge Mann neu heiraten und es gibt neue Einkünfte.
Armut also und die Vorstellung Frauen seien Objekte, Besitz der Männer,
sind die Grundlagen der Gewalt.
Nun aber haben einige Frauen angefangen sich zu wehren.
Die Gulabi-Gang, das sind Frauen,
die pinke Saris tragen.
Ihre Gründerin konnte nicht mehr mit ansehen,
wie eine Freundin von deren Mann misshandelt wurde.
Sie beleidigte ihn - so wie er zuvor sie beleidigt hatte,
erzählt sie, dann nahm sie einen Stock und schlug ihn.
Seither hatte der deutlich mehr Respekt -
Nicht nur vor ihr sondern auch vor seiner und anderen Frauen.
Inzwischen gehören zur Gulabi-Gang 400.000 Frauen.
Das Schlagen mit den Stöcken ist ihnen aber gar nicht das Wichtigste:
sie sprechen mit den Männern.
Erst wenn die nicht hören wollen
erscheinen sie gemeinsam,
in ihren quietschpinken Saris und mit den langen Holzstöcken
und auch dann geht es darum die Männer zu überzeugen.
Wo Frauen sich so zusammenschließen
lernen die Männer neuen Respekt
und schon viele Frauen konnten gerettet werden.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16127

Heute ist Michaelis, der Tag des Erzengels Michael.
Das ist der Engel, der streitet und kämpft.
Bei Michael geht es immer ums Ganze.
Um den Himmel und die Erde. Wer gehört dazu?
oder gar „Wer ist wie Gott?"
denn das bedeutet der Name Michael
des Obersten der himmlischen Heerscharen: Wer ist wie Gott?
Für das Judentum ist er eine Art himmlischer Feldherr.
In der christlichen Tradition trägt er das Flammenschwert,
das Zugang zum Paradies gewährt oder verhindert.
Michael ist kein sanfter Engel, kein Püppchen.
Er rettet das Kind der Himmelskönigin
vor den Nachstellungen des Drachens, des personifizierten Bösen.
Aufgeschrieben ist das alles
in der Regierungszeit des römischen Kaisers Domitian.
Die Christen damals haben wohl den Kaiser selbst für den Drachen gehalten
der die Himmelskönigin und ihr Kind verfolgt.
Denn Domitian verfolgte die christlichen Gemeinden mit beispielloser Härte
und forderte von den Bürgern seines Reiches, ihn als Gott zu verehren.
Das Freiheitspotential des Christentums irritierte ihn
Und er war nicht bereit, das zu tolerieren.
Die Offenbarung des Johannes
ist eine Erklärung für das Böse in der Welt jener Zeit.
Da ist zuviel Leid und Gewalt und Schmerz
Das kann nicht Gottes Wille sein.
Die Ereignisse unter dem Tyrannen versetzen Gott und Himmel
und alle Engel in Bewegung.
Nichts bleibt wo und wie es vorher war.
Dennoch Gott scheint nicht allmächtig zu sein,
wenn so viel Leid und Tod und Schmerz geschehen.
Die Menschen damals hofften auf den kämpferischen Erzengel Michael
der sollte Befreiung bringen aus der Unterdrückung.
Auf Gottes Engel trauen in Krieg und Leid und Not
das bedeutet auch heute
sich anvertrauen und wissen
dass Gottes Boten kämpferisch und klar sind
Die wissen für wen sie ein - und aufstehen:
Für die Schwachen, die Verfolgten, die Notleidenden
Für die Gefangenen, für die wehrlose Frau und das ohnmächtige Kind.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=16126