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SWR3 Gedanken

Die Sorge für morgen stiehlt uns den Dank für gestern. Der Autor dieses Gedankens ist mir zwar unbekannt, aber ich halte ihn für unglaublich schlau. Zu oft passiert es mir tatsächlich, dass mich die Sorge um meine Zukunft vergessen lässt, dankbar für das Gute in der Vergangenheit zu sein.

Dabei würde mich ich nicht als besonders griesgrämigen Menschen bezeichnen. Und ich will mir auch gar nicht so viele Sorgen machen. Aber irgendwie passiert das einfach.

Natürlich überlege ich mir, was ich zu tun habe und was demnächst auf mich zukommt. Und ob ich will oder nicht, entstehen dabei Sorgen: Was, wenn etwas schief geht? Was, wenn ich ein Projekt nicht zum vereinbarten Zeitpunkt abliefern kann? Egal, was ich mache, die „Was wenn"-Fragen tauchen automatisch in meinem Kopf auf und lassen sich auch nicht so einfach wieder verdrängen. Meine Erfahrung sagt mir einfach, dass immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann.  Und genau das macht mir Sorgen. Manchmal so sehr, dass ich komplett aus dem Blick verliere, dass eigentlich viel mehr klappt als schiefgeht. Dafür müsste ich eigentlich dankbar sein.

Wenn ich es mal zusammenrechne, komme ich auf weit mehr Sorgen, die unberechtigt waren als auf solche, die sich tatsächlich bestätigt haben. Im Nachhinein ärgere ich mich manchmal sogar darüber, DASS ich mir Sorgen gemacht habe. Allein aufgrund meiner Erfahrung müsste ich doch viel zuversichtlicher sein.

Ich glaube, es ist einfach auch menschlich, sich ab und zu Sorgen zu machen. Das zeigt ja nur, dass es mir wichtig ist, was ich tue. Und dass ich mich um Menschen oder Dinge kümmere, Verantwortung übernehme. Aber trotzdem will ich dabei nicht aus den Augen verlieren, was schon alles wunderbar geklappt hat.

Ein bisschen liegt das ja auch an meiner Einstellung. Ob etwas gelingt oder schief geht, hängt ja überhaupt nicht davon ab, ob ich mir Sorgen mache oder nicht.

Wenn ich meine Sorgen verringern will, muss ich also meine Einstellung ändern. Ein bisschen weniger „Was wäre wenn!" und ein bisschen mehr „Wird schon klappen, hat's ja bisher auch.".

Meistens...

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Kann man sich bei einem Versprechen versprechen? Und warum hat eigentlich ein so wichtiges Wort zwei gegensätzliche Bedeutungen? Das ist irgendwie schräg.

Einerseits wird das Wort „Versprechen" ja als Bestätigung verwendet. Wenn ich ein Versprechen gebe, dann will ich damit ausdrücken, dass ich mich dazu verpflichte, etwas zu tun. Ich will damit jemandem zeigen, dass er sich auf mich verlassen kann und ich mein Wort halte.

Andererseits bedeutet versprechen aber auch genau das Gegenteil. Dass ich nämlich etwas gesagt habe, was ich so gar nicht sagen wollte. In diesem Fall hab ich mich einfach versprochen. Damit drücke ich aus, dass ich nicht das gesagt habe, was ich gemeint habe oder dass ich aus Versehen die Silben vertauscht habe.

Das ist doch seltsam. Ich könnte jetzt natürlich losrennen und die Wortherkunft von „versprechen" in einem Wörterbuch nachschlagen. Aber zu wissen, woher das Wort kommt, bringt mich hier auch nicht weiter. Viel interessanter finde ich, dass es das tatsächlich gibt: Ein und dasselbe Wort mit genau der gegensätzlichen Bedeutung.

Das zeigt doch, wie schwierig es eigentlich ist, das zu sagen, was man wirklich meint. Erstaunlich, dass Menschen trotzdem durchschnittlich 16000 Wörter pro Tag sprechen. Zumindest ist das das Ergebnis einer Studie der Universität von Arizona. 16000 Wörter pro Tag. Und dann so seltsame Wörter wie „verprechen". Also da wundert es mich gar nicht, dass es zwischen uns Menschen ständig zu Missverständnissen kommt.

Besonders schwierig finde ich es, manche Gefühle richtig auszudrücken. Welche Worte wähle ich, wenn ich liebe? Welche, wenn ich enttäuscht bin? Welche, wenn ich ...naja, da fehlen mir jetzt die Worte. Gerade die Dinge, die einem am wichtigsten sind, sind doch am schwierigsten auszudrücken. Aber vielleicht sollte man sich bei kleinen Missverständnissen nicht gleich  umdrehen, weggehen oder gar durchdrehen.

Vielleicht könnten wir einige Missverständnisse vermeiden, wenn wir bei unseren Ausdrücken öfter mal ein Auge zudrücken würden. 

 

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Ist Gott ein Wissenschaftler? Ich finde diese Idee eigentlich ganz spannend. Ein Schüler von mir hat eine Zeichnung darüber angefertigt: Man sieht die Erde winzig klein in einer Petri-Schale. Das ist so eine durchsichtige Glasschale, in der Biologen und Chemiker die Entwicklung von Bakterien beobachten. Auf dieser Zeichnung sind aber keine Bakterien in der Schale, sondern ein paar Pflanzen, winzige Bäumchen und kleine Punkte, die man noch nicht wirklich als Lebewesen definieren kann. Und vor dieser Petri Schale sitzt Gott in einem weißen Kittel. Er schaut leicht verträumt und schmunzelnd auf die Schale. In seiner Sprechblase steht: Mal sehen, was sich daraus entwickelt.

Ich habe die Zeichnung gesehen und war sofort in Gedanken. Seit Jahrzenten steht die Behauptung im Raum, dass die Wissenschaft den Glauben ersetze. Teilweise verständlich. Jahrhundertelang haben Menschen ja den biblischen Schöpfungsbericht als wahr angesehen. Man glaubte, dass Gott die Erde - so wie sie ist - erschaffen hat. Und dann kam die Wissenschaft. Schnell wurde klar, dass die Erde sich nach und nach entwickelt hat und eben nicht in sieben Tagen erschaffen wurde.

Auch aus religiöser Sicht ist klar, dass die Erde eine Entwicklung durchgemacht hat. Und dass der biblische Schöpfungsbericht eben nur ein Mythos ist. Eine Erzählung, mit der sich die Menschen früher die Herkunft der Welt und des Lebens erklärt haben. Bis die Wissenschaft eben bewiesen hat, dass diese Erzählung so nicht stimmen kann.

Aber das muss ja lange noch nicht heißen, dass Gott mit der Erschaffung der Welt nichts zu tun hat. Ich persönlich glaube, dass trotzdem Gott hinter all dem steckt. Auch, wenn es den Urknall gab, muss es ja irgendwas geben, das knallen kann oder das es knallen lässt. Denn wo soll das bitte herkommen, wenn davor nichts war? Was war vor dem Urknall? Und davor, und davor, und davor? Das kann auch die moderne Wissenschaft nicht erklären. Ich glaube, Wissenschaft und Gott passen viel besser zusammen als viele denken. Ich meine zwar nicht, dass Gott die Erde wirklich in einer Petri-Schale züchtet. Aber ich glaube schon, dass er der Anfang von allem ist. Und vielleicht staunt er selbst manchmal darüber, wie  sich seindas Experiment Mensch! entwickelt.

 

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Jede schlechte Erfahrung ist wie ein Ziegelstein. Und wenn man zu viele davon gesammelt hat, kann man sich wunderbar damit einmauern und von der Welt abschotten. Das denke ich manchmal, wenn ich sehr verschlossenen Menschen begegne. Das fühlt sich an, als würde ich von einer Mauer abprallen. Man sagt das ja auch umgangssprachlich so: Der hat sich eingemauert, an den kommt keiner dran.

Ich finde dieses Bild sehr passend. Wenn ich schlechte Erfahrungen mache, schleppe ich sie oft tagelang mit mir herum. Wie einen schweren Ziegelstein eben. Gleichzeitig verringert sich mein Vertrauen in andere Menschen. Die schlechte Erfahrung schiebt sich zwischen mich und den Rest der Welt. Tja, und wenn ich eben zu viele schlechte Erfahrungen mache, dann fang ich irgendwann an, sie miteinander in Verbindung zu bringen. Im Sinne von „das musste ja so kommen" oder „derselbe Mist wie immer". Und aus der Verbindung der schlechten Erfahrungen entsteht eine Mauer, durch die ich mich immer weiter von anderen trenne.

Aber was, wenn so eine Mauer mal gebaut ist? Muss ich dann abgeschottet und einsam mein Leben führen? Oder soll ich einfach auf andere hoffen? Hoffen, dass jemand von außen unbedingt zu mir durchdringen will. Ich kann auch versuchen, die Mauer selbst wieder abzubauen. Dazu brauche ich aber viel Vertrauen und innere Kraft.

Wenn ich Menschen begegne, die sich eingemauert haben, versuche ich oft, trotzdem zu ihnen durchzudringen. Ich suche quasi nach einer Möglichkeit, einen Ziegelstein aus der Mauer heraus zu lösen. Vorsichtig ein Guckloch zu finden durch das wir uns sehen können. Einen kleinen Zugang zueinander finden, um der Person hinter der Mauer Mut zusprechen zu können.  Das braucht aber viel Geduld. Eine Mauer, die man sich über die Jahre gebaut hat, lässt sich nicht in 5 Minuten einreißen. Das darf man auch nicht tun, sonst bleibt nur eine Trümmerwüste übrig. Aber mit Geduld und Freundlichkeit kann ich den ein oder anderen Stein aus der Mauer nehmen. Und dahinter versteckt sich meist ein Mensch, der lange gewartet hat, dass jemand kommt und ihm dabei hilft die Mauer abzutragen. Und im besten Fall arbeiten wir dabei zusammen . Er mit innerer Kraft und ich mit Geduld und Stärke von außen.

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Schau mal da, der Himmel ist ganz bunt. Ich schau nach oben und da seh ich ihn erst: Einen Regenbogen. Lachend erkläre ich meinem kleinen Neffen, dass nicht der ganze Himmel bunt ist, sondern nur der Regenbogen. Aber trotzdem freu ich mich, dass er ihn mir gezeigt hat. Es sieht wirklich schön aus und normalerweise hätte ich nicht einfach so nach oben geschaut.

Eigentlich schau ich nie wirklich nach oben. Was soll da schon sein, außer Himmel. Eine Alltagsweisheit besagt ja, dass Kinderauen immer mehr sehen als Erwachsenenaugen. Aber ich glaube, das stimmt nicht. Kinder schauen nur genauer hin. Ist ja auch logisch. Für Kinder ist alles neu. Wenn ich etwas zum ersten Mal sehe, schaue ich mir das auch ganz genau an. Aber wenn ich schon seit 28 Jahren Bäume gesehen habe, dann weiß ich ja, wie sie aussehen und schau eben nicht mehr so genau hin.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass manche Erwachsene neidisch auf diesen genauen Blick von Kindern sind. Dabei ist es ja niemandem verboten, genauer hinzusehen. Egal ob man 2, 20 oder 80 Jahre alt ist.

Ich könnte auch viel öfter genauer hinschauen. Aber ich nehm mir die Chance oft selbst. Wenn ich zum Beispiel zum Einkaufen fahre oder zur Arbeit. Dann hab ich ein klares Ziel vor mir. Dann beweg ich mich fort, um irgendwo anzukommen. Da hab ich weder Lust noch Zeit, mir den Weg genauer anzusehen. Ja, ich kenne den Spruch „Der Weg ist das Ziel" aber dieser Spruch hat eigentlich keine  Bedeutung in meinem Leben. Das Ziel ist das Ziel. Und der Weg ist der Weg. Wenn ich wieder lernen will, mehr wahrzunehmen, dann muss ich vielleicht einfach  mal einen Weg gehen, ohne ein Ziel zu haben. Einfach spazieren gehen. Nirgendwo ankommen und mir alles ganz genau anschauen. Egal wie lange das dauert.

Und dann wird mir vielleicht das ein oder andere auch wieder auffallen, was ich sonst für selbstverständlich gehalten hätte.

 

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Nein, das was ich da grad geschrieben habe ist blöd. Einmal kurz die Löschtaste gedrückt und alles auf Anfang. Ich glaube ich habe diese Mail?! jetzt schon 10 Mal geschrieben. Aber immer beim Durchlesen passt mir irgendwas nicht. Dann lösche ich, schreibe um, lösche, korrigiere, schreibe neu. Immer und immer wieder. So lange, bis ich  zufrieden bin. Erst, wenn ich mir ganz sicher bin, dass das was ich geschrieben habe fehlerfrei ist und das ausdrückt, was ich wirklich will, drücke ich auf senden. Dann kann ich den Text zwar nicht mehr verändern, aber das passt dann auch. Dann stimmt der Text für mich.

Schade, dass das im Leben nicht auch so einfach ist. Ich habe einige Fehler in meinem Leben gemacht, die ich gerne löschen würde. Und viele Entscheidungen habe ich getroffen, die eben nicht gestimmt haben.

Es ist schon eine verlockende Vorstellung, einfach auf eine Löschtaste drücken zu können. Im wahren Leben ist es aber eher so, als ob ich pausenlos die Senden-Taste drücken würde. Alles, was ich mache gehört sofort zu meinem Leben dazu, gute wie schlechte Dinge. Und durch die ganzen kleinen und großen Fehler ist mein Leben eben oft nicht so wie ich es gern immer hätte.

Aber ich finde, das macht nichts. Es kann nicht immer alles passen. Im Beruf, im Urlaub. Und wer weiß, wenn alles immer nur so laufen würde, wie ich mir das erträume - dann wär das auch gefährlich. Denn dann würde ich es vielleicht für selbstverständlich halten. Aber so kommt man nicht durchs Leben. Und das wäre auch nicht menschlich. Denn menschlich ist, dass die Dinge eben nicht alle klappen. Dass es Fehler gibt und eben nicht alles perfekt ist.

Außerdem freue ich mich meistens mehr über Dinge, die perfekt klappen, wenn kurze Zeit davor was schief gegangen ist. Dann ist der Kontrast zwischen Misserfolg und Erfolg sehr groß und dann fällt der Erfolg doch erst richtig auf, oder?

 

 

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Warum hat nur jede Geschichte ein Ende? Immer wieder ärgere ich mich darüber.

Ich lese wirklich sehr gerne.  Romane, Biografien oder auch Kurzgeschichten. Wenn sie gut geschrieben sind, dann habe ich immer das Gefühl, irgendwie dabei zu sein. Das Gefühl, nicht nur zu lesen, was da geschrieben steht, sondern es selbst zu erleben. Es ist mir sogar schon passiert, dass ich weinen musste, wenn eine Figur gestorben ist. Einfach, weil es sich angefühlt hat, als würde ich sie wirklich kennen. Deshalb macht es mich auch immer etwas traurig, wenn ich auf der letzten Seite eines Buches angekommen bin. Weil ich genau weiß, dass die Geschichte dann zuende ist. 

Nur bei einem Buch ist das anders: Bei der Bibel.

Auch in der Bibel gibt es gute Geschichten. Spannende Geschichten von Liebe, Freundschaft, Verrat und Tod. Auch hier habe ich beim Lesen oft das Gefühl, den Figuren ganz nah zu sein. Die beschriebenen Erlebnisse irgendwie mitzuerleben. Aber es ist mehr als bei einem „normalen" Buch.

Das Thema der Bibel ist Gott. Die Erfahrungen der Menschen mit Gott werden in diesem Buch über mehrere Jahrhunderte hinweg beschrieben. Und durch diese Beschreibungen kann ich Einiges über Gott erfahren. Zumindest über Gott, wie die Menschen der Bibel ihn erfahren haben.

Und ich kann Gott selbst erfahren. Wenn ich mich auf das, was ich über ihn lese, einlasse. Wie bei den Büchern, die ich sonst lese auch. Das Besondere an diesem Gottes-Buch ist, dass auf der letzten Seite die Geschichte nicht zuende ist.

Die Erfahrungen der Menschen mit Gott gehen weiter.

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