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SWR3 Gedanken

Haben Sie sich schon entschieden,
ob und wie Sie Weihnachten feiern? Bestimmt – so kurz vorher.
Dann wissen Sie ja vielleicht auch schon,
ob Ihr Weg Sie auch in die Kirche führt – mal wieder,
bei manchen: nach langer Zeit mal wieder...

Herzlich willkommen, oder sollte ich sagen:
Willkommen zu Hause!
Es gehört doch einfach dazu; für die Frommen sowieso.
Und für viele andere eben auch.
Damit es ein schönes Familienfest wird,
gehen sie einfach schon aus Tradition mit.
Was sollten Eltern und Großeltern denken – und die Nachbarn im Dorf...

Und wenn es ein wenig eng wird – weil eben ganz viele
an Heiligabend die gleiche Idee hatten –
oder in der Mitternachtsmette oder am Weihnachtsmorgen
den Weg zum Gottesdienst in der Kirche eingeschlagen haben:
Finden Sie es einfach gut.
Es macht ein bisschen mehr Wärme – seelische Wärme einerseits;
und andererseits:
Wo die Heizkosten steigen, wo die Pfarreien immer weniger Geld haben –
da tut es auch der Raumtemperatur gut in den Kirchen, wenn
wenigstens an Weihnachten so viele die Gottesdienste mitfeiern;
und neben der Weihnachts-Stimmung
auch eine Portion Körperwärme mitbringen.

Wem es zu voll sein sollte,
der oder die kann gern am nächsten Sonntag noch mal wiederkommen
und in der Woche danach – da gibt es dann sicher wieder mehr Platz.
Obwohl es ja um das gleiche Thema gehen wird:
Wie sehr Gott die Menschen liebt.
Dass Gott Mensch wird, also einer von uns
in unserer konkreten Wirklichkeit, gerade weil
die oft genug wenig stimmungsvoll ist und kalt sowieso.
Und dass alle eingeladen sind: Macht’s wie Gott – werdet Mensch!

Es ist noch Zeit, sich dazu zu entscheiden –
zwei Tage und den Rest von heute bis Weihnachten!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14364

Was tun, wenn sie heute wirklich untergeht, die gute alte Welt.
Wenn also die Maya Recht behalten sollten:
Der Gott Bolon Yokte würde herabsteigen und alles wäre zu Ende...

Weltuntergang am 21. Dezember, haben sie das gehyped,
rauf und runter in allen Medien.
Ich hab ja nun keine Ahnung, wer wirklich daran glaubt;
hört sich ja nun ziemlich spiritistisch und abgedreht an -
oder ist es dieser seltsame Nervenkitzel:
Was wäre, wenn heute wirklich alles zu Ende wäre.
Vielleicht ist es Sensations-Lust - oder einfach ein
„nach uns die Sintflut". Lasst uns also heute noch mal einen draufmachen -
wenn es ja sowieso kein Morgen mehr gibt...

Gab es schon in der Bibel übrigens:
Dann lasst uns doch essen und trinken; denn morgen sind wir tot.
Paulus schreibt das an die ChristenGemeinde in Korinth in Griechenland.
Er meinte: Wer davon ausgeht, dass die Toten tot bleiben
statt aufzuerstehen, spätestens nach dem Weltuntergang:
der kann ja heute schon mal einfach drauflos leben.
Wer aber an ein neues Leben glaubt, als Zukunft für sich selbst und für alle:
der und die wird heute und morgen verantwortlich leben,
wird die nächsten Menschen lieben, sich für die Welt engagieren...

Andererseits:  Passt doch ganz gut zum Advent,
die Rede vom Weltuntergang noch heute. Ernsthaft.
Advent, das ist ja mehr als Warten auf Weihnachten und auf's Christkind.
Advent soll den Menschen bewusster machen,
jedes Jahr wieder und geradezu einschärfen:
Es wird zu Ende gehen mit dieser ganzen Welt.
Und eigentlich hoffen die Christen,
dass GOtt kommt und endlich alle ihn erkennen.

Wer so Advent feiert,
übernimmt Verantwortung für sich selbst und für die Welt.
Und kann dann auch feiern - Weihnachten zum Beispiel.
Sind nur noch drei Tage und der Rest von heute. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14363

Advent - das ist angeblich eine so ruhige Zeit,
eigentlich die ruhige Zeit gegen Ende des Jahres;
besinnliche Vorbereitung auf das schönste Fest im Haus:
Weihnachten, oh fröhliche und selige Zeit...

Und jede und jeder weiß,
dass es in Wirklichkeit ein bisschen anders ist.
Schon sowieso, wenn die Adventszeit so extrem kurz ist wie dieses Jahr:
gerade mal drei Wochen Advent und dann noch ein HeiligabendMontag
und zack: Weihnachtsfreude und Christfest-Ruhe.
Schön wär's.
Im Gegenteil: Für Montag lässt sich der Horror schon absehen.
Ein einziger Tag zum Einkaufen - jedenfalls überall,
wo der Sonntag immer noch arbeitsfrei ist und ladenzu...
Und bestimmt werden ganz viele wieder einkaufen,
als gäbe es dann Wochen lang nichts, als wären die Läden geschlossen.
Stress pur also - und anscheinend unausweichlich.

Nein: Nicht unausweichlich.
Hier ist mein Vorschlag
für mehr Ruhe und eine gute Schlussstrecke bis Weihnachten:
einfach heute schon einkaufen gehen, voraussichtlich hoffentlich zum letzten Mal bis nächsten Donnerstag

Denn eigentlich ist ja klar, was wir brauchen werden
morgen und übermorgen, am vierten Adventssonntag dann
und von HeiligAbend bis zum Zweiten Feiertag.
Na ja - ein wenig haben wir vorgesorgt:
Der Weihnachtsbaum steht schon seit dem dritten Advent auf der Terrasse;
der Kühlschrank ist groß genug -
und in Vorratshaltung sind wir ganz gut geübt.
Und die letzten Weihnachtsplätzchen werde ich natürlich auch noch backen.
Aber darauf freue ich mich ja auch -
und finde es eher entspannend als stressig.

Aber am letzten Tag das Gewimmel und die langen Schlangen an den Kassen
und das Gedränge dann im Bus - und statt Weihnachten zu feiern,
müssen sich am Fest erst mal alle ausruhen? Nein danke.
Es sind noch vier Tage und der Rest von heute - ruhige Adventszeit!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14362

Es war ergreifend, am zweiten Adventssonntag nachmittags
in Merzig an der Saar.
Da hatte der Verein „Trauernde Eltern und Kinder im Saarland" eingeladen;
zu einer Gedenkstunde für alle verstorbenen Kinder.
Anderswo in  Deutschland und auch weltweit
gab es ähnliche Treffen;
und rund um die Welt haben abends um sieben Uhr
verwaiste Eltern eine Kerze für ihr Kind ins Fenster gestellt
- eine Lichterkette, die um die Erde läuft.

Compassionate friends nennen sie sich in Amerika -
aber ich glaube, Freunde ist das falsche Wort für uns verwaiste Eltern,
also Mütter und Väter, denen ein Kind gestorben ist.
Wir sind Geschwister, Schwestern und Brüder -
und das ist einerseits weniger,
andererseits aber eben doch mehr als „nur Freunde".

Freunde sucht man sich ja aus; ob ich mit jemandem befreundet bin,
das ist eine Entscheidung: Seine oder ihre Entscheidung und meine.
Sogar bei Facebook werde ich gefragt,
ob ich jemand als Freund oder Freundin akzeptiere - was immer das da heißt.

Dass unser Sohn gestorben ist, mit gerade mal gut zwanzig Jahren,
das haben wir uns keineswegs ausgesucht.
Und ungefragt haben auch die anderen Eltern ein Kind an den Tod verloren.
Das ist wie bei Geschwistern: Die sind einfach da
oder kommen einfach an - ganz unabhängig, ob du dich für sie entscheidest.

Weltweit sind verwaiste Eltern miteinander verbunden.
Die, die sich ausdrücklich zusammenschließen,
in Vereinen oder Selbsthilfegruppen - und die anderen auch:
Schwestern und Brüder sind wir, teilen das gleiche Schicksal,
sind der gleichen Zumutung ausgesetzt.
Die Kinder bleiben ganz weit weg, trotzdem.
Aber das zu ertragen: Das wird ein bisschen leichter,
wenn wir uns als Mitglieder einer Familie wissen -
und wenn wir, wie da am zweiten Adventssonntag, zusammen sein können,
ausgerechnet ein paar Tage oder Wochen vor Weihnachten.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14361

Berge und Hügel platt machen!
Schluchten und Täler auffüllen!
Das sind die Forderungen, die vor gut zweitausend Jahren
ein etwas seltsamer Mensch gepredigt hat:
Macht die Wege frei, damit Gott zu den Menschen kommen kann.

Plattes Land - und alles wird gut?
Wissen Sie, wie langweilig das ist, in Westfalen und im Münsterland,
wo ich herkomme, zum Beispiel?
Radfahren immer bei Gegenwind,
Freitags schon sehen können, welcher Besuch am Sonntag kommt? Ach danke...

Berge und Täler machen übrigens ja auch Palästina besonders schön.
Das kann der Prophet Johannes doch eigentlich nur geliebt haben;
bei aller Mühe, die es machen kann.

Den Leuten steckte die mühsame Reise noch in den Knochen,
durchs Gebirge bis herunten zu ihm am Jordanfluss;
und da sagt er ihnen, dass sie jedenfalls innerlich die Hindernisse beseitigen,
die sie von den anderen Menschen und von Gott trennen:
Hohe Berge wie Mauern und tiefe Täler wie Burggräben -
weg damit, und dann kann Gott euch wieder erreichen,
dann könnt ihr auch schneller beieinander sein.
Da muss vielleicht noch manches Wunder geschehen.

Ich mache einen anderen Vorschlag:
Die Landschaft mit Tälern Schluchten Hügeln und Bergen 
erst mal einfach annehmen. 
Die Landschaft als Gottes Schöpfung, den Menschen geschenkt und zugemutet.
Annehmen auch die zwischenmenschlichen Hindernisse -
als zusätzliche Herausforderung.
Wer so eine Herausforderung annimmt,
hat schon den ersten Schritt getan, sie zu überwinden.

Und dann sucht euch Wege zueinander - um die Berge herum
oder oben hinüber und herüber. Durch Täler und Schluchten...
Die Hindernisse anpacken - das wäre schon mal der erste Schritt.
Unterwegs zu Jesus hin: wer braucht dafür plattes Land!?
Da genügt Weihnachten - noch sechs Tage und der Rest von heute bis da hin!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14360

Eigentlich geht es uns wirtschaftlich doch gut. Mit Einschränkungen.
Denken Sie nur an den Zustand vieler Straßen in den Städten.
Gerade erst haben sie mitten in Trier
eine zentrale Bushaltstelle abgesperrt, für mindestens ein Jahr.
Umleitung für neunhundert LinienBusse,  die da täglich an- und abfahren.
Behelfshaltestellen und Umwege für tausende Schülerinnen und Schüler
und für die vielen hundert Leute, die zum Einkaufen kommen.
Grund: Die Fahrbahnen sind so schlimm zerstört,
dass es schon zu Fuß und mit dem Fahrrad beinah lebensgefährlich ist;
tiefe Gräben, Wasserfontänen, wenn es mal geregnet hat...
Und leider leider hat die Stadt mal wieder kein Geld für die Reparatur.

Ebene Wege statt Schlaglochpisten -
für  Menschen mit Rollator oder gar im Rollstuhl wäre das
schon mal ein kleiner Fortschritt.
Da passt es doch in die holprigen Straßen und stolprigen Fußgängerzonen,
was vor Weihnachten in der Bibel zu lesen ist:
über den Propheten Johannes in der Wüste im Heiligen Land,
kurz vor der Zeit des Jesus von Nazaret.
Wege, die krumm sind, sollen gerade werden, hat er gerufen,
damit die Welt in Ordnung und damit Gott in der Welt ankommt;
was uneben ist, soll zur ebenen Straße werden.

Ob er da wirklich an Schlaglöcher gedacht hat?
Naja - vielleicht meint der Prophet mehr;
zum Beispiel das alles,
was sich zwischenmenschlich so abspielt
an holpriger Kommunikation oder eben Nicht-Kommunikation;
so viele Missverständnisse, Bosheiten, kleine Hänseleien,
Mobbing gar oder massiver Spott:
Das gehört eingeebnet. Da sollten Menschen dran arbeiten.
Dann gäbe es wieder mehr gute und liebevolle und hilfreiche Gespräche;
dann könnten Menschen sich ohne Angst füreinander öffnen
und das Leben miteinander teilen.
Weg mit den kleinen Hindernissen, mit den selbst gemachten Bodenwellen!
Dann wird übrigens auch Weihnachten -
noch sieben Tage und der Rest von heute!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14359

In unserer multikulti-Zeit
können wir es uns vielleicht wieder besser vorstellen,
wie das war in so einer orientalischen Gesellschaft:

Josef, der Zimmermann, verlobt mit einer jungen Frau aus dem Dorf,
erfährt irgendwie: Mirjam ist schwanger.
Und jedenfalls offensichtlich von einem anderen Mann.
Weil dass er noch nicht mit ihr zusammen war, das weiß er ja mal mindestens.

„Ehrenmord" - das ist kein gutes Wort.
Damals wäre es jedenfalls eine beinah alltägliche Reaktion gewesen,
in Galiläa, Israel, vor zweitausend Jahren.
Wäre sogar religiös begründet gewesen:
Steinigung bis zum Tod für Ehebrecher.

Aber der Zimmermann tickt offensichtlich anders.
Er vergisst, dass er als der gehörnte Verlobte dastehen könnte.
Ihm ist das anscheinend gleichgültig.
Er nimmt seine Verlobte Mirjam Maria zu sich, berichtet die Bibel.
Er wird dem Kind ein guter Vater,
auch ohne wahrscheinlich der Vater zu sein.

„Das ist doch der Sohn des Zimmermanns",
sagen sie später im Dorf über Jesus, den Sohn der Maria;
die haben ja keine Ahnung von der ungeklärten Vaterschaft.
Ist doch einer von uns, meinen sie - was hat der uns von Gott zu erzählen...
Der Sohn des Zimmermanns - und Josef steht vielleicht daneben.
Er denkt und fühlt, dass sie Recht haben, irgendwie ist er der Vater -
obwohl er es ja eigentlich besser weiß.

Das, finde ich, ist die wirkliche Größe des Zimmermanns Josef aus Nazaret:
Dass er treu gewesen ist, obwohl doch alles gegen diese Treue sprach.
Vielleicht ist ihm ja wirklich ein starker Engel erschienen...,
so wie das die Bibel erzählt.
Eine unwahrscheinliche Geschichte; soll beweisen,
dass da wirklich ein ungewöhnliches Kind unterwegs ist.
So eine Geschichte steht am Anfang von Weihnachten...

Der Rest von heute - und dann noch acht Tage
bis zu dessen GeburtstagsFest -  gute Adventszeit allen!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=14358